Fos m. [allg.] Fuchs. — 1. Raubtier mit rötlichbraunem Fell und buschigem Schwanz. Dä Foß holl ennige Hauhner (die krfr. Städte Bochum, Herne u. WattenscheidBch die krfr. Städte Bochum, Herne u. Wattenscheid@StiepelSp). — Ra.: Kleok os en Voß sehr schlau (Kr. MindenMin Kr. Minden@LoheLo || mehrf.). Hei kiket ut wie ’n Voß er hat ein schlaues Gesicht (Kr. WarburgWbg Kr. Warburg@EngarEn || mehrf.). Hai slped as ’n Foss er hat einen leichten Schlaf, hört alles (Kr. IserlohnIsl Is); hat einen tiefen Schlaf (KKWB). Dai kann läopen ase ne lahmen Voß der läuft sehr langsam (Kr. ArnsbergArn Kr. Arnsberg@HagenHg). He stüent äs en drächtigen Foß er tut sich bei leichter Arbeit schwer, jammert wehleidig (Kr. SteinfurtStf Kr. Steinfurt@KatenhornKa || mehrf.). Dai wören säo schmächterig, dat se ä de melken Vösse de ganze Boier (Soester Börde) afjageren sie waren sehr hungrig (Kr. SoestSos Kr. Soest@AmpenAm || mehrf. Sos). Hai frögget sich ere en Voss er ist schadenfroh (Kr. BrilonBri Kr. Brilon@WulmeringhausenWu). Hä es nich Voß no Hase man weiß nicht, was man von ihm halten soll (die krfr. Städte Bochum, Herne u. WattenscheidBch die krfr. Städte Bochum, Herne u. Wattenscheid@LaerLr || mehrf.). Daor segget sik de Vösse un de Hasen Gutenacht sagt man von einem abgelegenen, sehr einsamen Ort (Kr. TecklenburgTek Kr. Tecklenburg@MettingenMe || verbr.). Wäi wäsket Hasen un Fösse Erwiderung auf die Ermahnung, sich zu waschen (Kr. BürenBür Kr. Büren@NiederntudorfNt || mehrf.); auch im Sagw.: Wä wäscht dä Hasen un dä Fösse, sagg dä Frau, do leit sä iähre Blagen ungerüstert loupen (die krfr. Städte Gelsenkirchen u. Wanne-EickelGel die krfr. Städte Gelsenkirchen u. Wanne-Eickel@GelsenkirchenGk || mehrf.). Dihrn Wihrg hätt de Foß mihrten, hätten Schwanz taugiwwen sagt man, wenn ein Weg weiter als zunächst angegeben ist (Kr. WarburgWbg Kr. Warburg@BorlinghausenBh || verbr.). Dann kick de Foss ut’t Lock sagt man, wenn der wahre Charakter eines Menschen zum Vorschein kommt (Kr. BeckumBek Vh || mehrf. Münsterl). Jetz springet de Voß räut sagt man, wenn man die letzten Halme schneidet (Kr. BrilonBri Kr. Brilon@MedebachMb). De Fösse kitt (kriegen) di sagt man Kindern, um sie dazu zu bewegen, im Haus zu bleiben und nicht nach draußen oder gar in den Wald zu laufen (Kr. LippstadtLst Kr. Lippstadt@HoinkhausenHs || mehrf.). Im Korn sitt de Voß sagt man Kindern, um sie davon abzuhalten, ins Getreidefeld zu laufen (Kr. MindenMin Kr. Minden@VennebeckVe). De Fösse smǟket (rauchen) sagt man, wenn Nebel aufsteigt (Kr. BürenBür Kr. Büren@HerbramHb || mehrf.); ... brugget dass. (Kr. Waldeck u. Kr. Frankenberg (niederdeutscher Teil)Wal Bh); ... kuakt Oigger dass. (Kr. HalleHal Kr. Halle@BrockhagenBh); ... bäckt Pannkauken dass. (Kr. Recklinghausen u. die krfr. Städte Bottrop u. GladbeckRek Kr. Recklinghausen u. die krfr. Städte Bottrop u. Gladbeck@KirchhellenKh); ... fuilt (furzen) dass. (Kr. HöxterHöx Sb || mehrf. Det). — Sprichw.: Wo de Voss litt, do stielt he nit Füchse und Diebe stehlen selten in der Nähe ihrer Wohnung (Kr. IserlohnIsl Kr. Iserlohn@LehmuferLu || (ähnl.) verbr.). De Voß, de frätt nich up de Naigt sagt man, wenn jmd. seine Frau von außerhalb holt (Kr. LüdinghausenLhs Kr. Lüdinghausen@OttmarsbocholtOb). Dei Voß bitt am scharpsten ut sinen Locke zu Hause ist man am stärksten (Kr. MindenMin Kr. Minden@WindheimWh || (ähnl.) mehrf.). Dät ies en dummen Voß, dai men äin Luak wäit man soll um Ausreden und Auswege nicht verlegen sein (Kr. ArnsbergArn Kr. Arnsberg@HagenHg || mehrf.). Dä Voss wöit maier Löcker osse öinet dass. (Kr. DetmoldDet Kr. Detmold@HeidenoldendorfHd || mehrf.). Mag ’n oller Voß auk biän (beten), dat Küken draf nich noge triän (die krfr. Stadt WittenWit die krfr. Stadt Witten@WittenWi || mehrf.). Wenn doi Foß anfänget teo priegen (predigen), dann mott man doi Gaisekuüken waren (Kr. HalleHal Kr. Halle@BrockhagenBh || mehrf.). Von’n Foß kanns nich mehr völangen äs sin Fell (Kr. MünsterMün Kr. Münster@WestbevernWb). Verkäop et Fell nit eher, bis de en Voß aftrocken hiäs (Kr. ArnsbergArn Kr. Arnsberg@HagenHg || mehrf.). Wann de Foß slöepet, fängete kein Haun man soll stets wachsam sein (Kr. LippstadtLst Kr. Lippstadt@WestereidenWe || mehrf.). Den Hanen, de teau fräuh krajet, den halt beaule dä Voß (Kr. HerfordHfd Kr. Herford@LöhneLö || mehrf.). Eun Bock oss Görner (Gärtner) ess seo geot oss eun Voß oss Gauseheuer (Gänsehirt) (Kr. DetmoldDet Kr. Detmold@IstrupIs). Dä Voß wö nit sau klauk, wann dä Gäuse nit sau dumm wöhn (Kr. IserlohnIsl Kr. Iserlohn@LimburgLb). — Sagw.: Et ies kainem Voß te truggen, saggte de Junge, do harr hai em däoen (toten) Voß et Miul taubunnen (Kr. ArnsbergArn Kr. Arnsberg@HagenHg || mehrf.). — Fuchs als redende Person: Gueden Dag tohaupe, siä de Foß, os he in den Gausestall glipede (Kr. TecklenburgTek Kr. Tecklenburg@LienenLi || mehrf.). Komm een biettken nöger, ek kann nich guett hören, sagg de Foss tau de Pile (Ente) (die krfr. Städte Bochum, Herne u. WattenscheidBch die krfr. Städte Bochum, Herne u. Wattenscheid@HerneHe || mehrf.). Niehm et mey nit üewel, saggt de Voß, do harr hai de Gäos am Kragen sagt man entschuldigend, wenn jmd. betrogen wurde (Kr. ArnsbergArn Kr. Arnsberg@HagenHg || mehrf.). Niks fäör ungut, sägg dei Voß, dao beit hei dei Gaus den Kopp af (Kr. TecklenburgTek Kr. Tecklenburg@MettingenMe || mehrf.). Dat hiat lange genaug im Soalte lian, saggte de Voß un hualere siek en jung Fiarken (Kr. Altena u. die krfr. Stadt LüdenscheidAlt Kr. Altena u. die krfr. Stadt Lüdenscheid@LüdenscheidLü). Et sind schraoe Tuien, de Äöle sind wahne schriäf, sag de Voß, däo ha hai ne Schluike fangen (Kr. SoestSos Kr. Soest@AmpenAm). Dat ies doch mähr ä gar nicks, ha’ de Voß sagt, däo ha’ hai ne Flaige schnappet (Kr. SoestSos Kr. Soest@AmpenAm || ähnl. mehrf.). Et dempt all; wann ’t briännt, dann giett et en Füer, sagg dä Foss, do schäit hä oppet Is (die krfr. Städte Gelsenkirchen u. Wanne-EickelGel die krfr. Städte Gelsenkirchen u. Wanne-Eickel@GelsenkirchenGk || mehrf.). Frumm seïn is auk tęu wot gutt, sē de Foss, do mǟch (urinierte) he anne Kīrkendoär (Kr. PaderbornPad Da || mehrf. HPaderb). Et geit up un dal in de Welt, se de Foß, do sat hei up de Sautwippen (Brunnenschwengel) (Kr. LübbeckeLüb Kr. Lübbecke@LübbeckeLb || mehrf.). Voier Pöste staoht dao all, ha’ de Voß sagt, däo lachte hai op me Rüggen, stallte de Schuaken in de Lucht un woll en Hius buggen (Kr. SoestSos Kr. Soest@AmpenAm). Wenn kine kuemt, will ’k auk kine häwen, sagg de Voss, dao kloppede he met’n Stiät an’n Biärnbaum (Kr. LüdinghausenLhs Kr. Lüdinghausen@SelmSm || mehrf.). Dä Druwen sind te sur, sagg dä Foss, äs hä nich dobie konn (die krfr. Städte Gelsenkirchen u. Wanne-EickelGel die krfr. Städte Gelsenkirchen u. Wanne-Eickel@GelsenkirchenGk || mehrf.). Dai ies mi te krumm, sag de Voß, däo saoh hai ne Katte miet ner Wuost op me Bäome (Kr. SoestSos Kr. Soest@AmpenAm || mehrf.). Et eß blauß ’n Üöwergang, sach dä Voß, do tröcken sä iähm dat Fell üöwer dä Ohrn (Wortspiel) (Kr. IserlohnIsl Kr. Iserlohn@LimburgLb || verbr.); Dat is owwer ’n slechten Spass, ... (Kr. LippstadtLst Kr. Lippstadt@WestereidenWe); Afwesselnge mott sin, ... (Kr. TecklenburgTek Kr. Tecklenburg@LienenLi). Enschulligt mey en Augenblick, sä de Voß, do saug hey den Jäger kummen (Kr. BürenBür Kr. Büren@GrundsteinheimGr || mehrf.). Iek sall hi woall ’n bietken bliewen mäuten, saggte de Foß, doa sat hei met’m Stiärt in der Falle (Kr. Altena u. die krfr. Stadt LüdenscheidAlt Kr. Altena u. die krfr. Stadt Lüdenscheid@LüdenscheidLü). — Wetterregel: Wenn de Vösse schmoiket (wenn Nebel aufsteigt), dann giet et guet Wiär (Kr. SoestSos Kr. Soest@AmpenAm). Wann de Fösse Kaffäi kuäcket (wenn Nebel aus den Bergen aufsteigt), giet et nau mehr Riänen (Kr. MeschedeMes Kr. Meschede@SerkenrodeSr). — Reime: De Voß, de kiekt dot Hohnerlok, / doh kreg he en mett en Sleif vörn Kopp (Kr. LüdinghausenLhs Kr. Lüdinghausen@OndrupOn || mehrf. Münsterl). Dei Voß sitt up’n Tune / un plückt sik ’n gäle Plume (Kr. MindenMin Kr. Minden@WindheimWh || mehrf.). — Rätsel: Wanneer schitt de Foß up’n Stamm? Antwort: Wänn de Baum d’r awe is (Kr. TecklenburgTek Kr. Tecklenburg@LeedenLd). — Vk.: Fuchs als Bringer der Ostereier (etwa bis 1900) [Kr. LübbeckeLüb Kr. MindenMin Kr. HerfordHfd Lippe]. — 2.1. (oft abwertend) Person mit roten Haaren. En glainigen Vaoß Person mit leuchtend rotem Haar (Kr. AhausAhs Kr. Ahaus@LegdenLe). Et issen Voß sie hat rote Haare (Kr. PaderbornPad Kr. Paderborn@RiegeHh || verbr.). War di vör dän Voß! (Kr. SoestSos Kr. Soest@ScheidingenSc || mehrf.). Wahr di vör de Fösse un de von Gott Getekneten (Krüppel) (Kr. AhausAhs Kr. Ahaus@VredenVr || mehrf. WMünsterl). — Ra.: Speer de Hennen in, de Voß küemt sagt man, wenn man einen rothaarigen Menschen kommen sieht (Kr. Unna u. die krfr. Stadt HammUnn Kr. Unna u. die krfr. Stadt Hamm@LercheLe || mehrf.); der nimmt alles mit (die krfr. Städte Bochum, Herne u. WattenscheidBch die krfr. Städte Bochum, Herne u. Wattenscheid@LaerLr). All wier ’n Voss un kiene Flint sagt man, wenn man ein rothaariges Mädchen sieht (Kr. SteinfurtStf Kr. Steinfurt@OchtrupOc || mehrf.). — Sprichw.: Fösse, de düget nich (Kr. TecklenburgTek Kr. Tecklenburg@DreierwaldeDr || mehrf.). Wenn de Föss guet sind, sind se gans guet (Kr. Unna u. die krfr. Stadt HammUnn Kr. Unna u. die krfr. Stadt Hamm@AfferdeAf || mehrf.). En gueden Foß iß nich slächt (Kr. CoesfeldKos Kr. Coesfeld@DülmenDü || mehrf.). — 2.2. Pferd mit rötlich-braunem Fell (sowie Mähne und Schweifhaar von gleicher oder hellerer Farbe). — Ra.: Heu hätt en verkehrten Voß vürspannt er ist an Tripper erkrankt (Kr. DetmoldDet Kr. Detmold@DetmoldDe). — Wortspiel mit Bed. 4: Diu moßt Fösse vör den Waan spannen, de Schümmels (Silberstücke) schaffet et nich sagt man
z.B. bei der Brautwerbung oder einer Bestechung (Kr. DetmoldDet Kr. Detmold@IstrupIs || ähnl. mehrf. Det). — Sprichw.: En Voß aohne Nück is en selten graut Glück auch von rothaarigen Menschen (Kr. CoesfeldKos Kr. Coesfeld@OsterwickOw || (ähnl.) verbr.). De Foss velüss wull de Hr, ǫwwer nich de Nück (Kr. LüdinghausenLhs Kr. Lüdinghausen@DrensteinfurtDr || mehrf.). — Reim: Ek hew min Piäd verluoren, / min appelgrieset Roß. / Et was so trüge im Liäben; / kein biättret kann et gïeben / at min ollen Foß (Kr. IserlohnIsl Kr. Iserlohn@HohenlimburgHl). — 2.3. „kleiner Fuchs“ (Aglais urticae), Schmetterlingsart [verstr.]. — 3. raffinierte, gerissene, verschlagene Person. Et is ’n Foß ihm ist nicht zu trauen (Kr. BeckumBek Kr. Beckum@AhlenAl || mehrf.). — 4. rötliche Münze. — 4.1. alte Goldmünze. Gistern was noch en Foss im Geldbǖl (die krfr. Städte Dortmund, Castrop-Rauxel u. LünenDor Wl). Bǫ bliste mette Fösse? (Kr. IserlohnIsl Is). — Ra.: Hät sä auk Fösse? hat sie auch Geld, ist sie vermögend (die krfr. Stadt WittenWit die krfr. Stadt Witten@WittenWi). — 4.2. alte Kupfermünze. En rōen Foss ein roter Pfennig (Ennepe-Ruhr-KreisEnr Sw). — 5. rotblaue Backpflaume (roh sehr süß, gekocht sauer) (WMWB). — 6. Karo As beim Doppelkopf [WMünsterl]. Under’n Foss steck man nich (WMWB). — 7. Angebranntes beim Essen [verstr. Münsterl]. Dei Voß is in’n Pott (Kr. TecklenburgTek Kr. Tecklenburg@MettingenMe || mehrf.). — 8.1. kleines Osterfeuer, an dem Fackeln angezündet werden [verstr. (bes. Arn, sonst Höx)]. — 8.2. „Kanal am Schweißofen, durch den die Flamme schlägt, die heiße Luft oder der Rauch geht“ (Mark ELLBRACHT 33). ⟨Fos [allg.]. — Pl.: Fösse⟩ Zus.: →
Bīt~,
Bla~,
Blē²k~,
Bles~,
Blits~,
Brand~,
Dunker~,
Dǖster~,
Gold~,
Gra~, Helle~, Koªlen~, Kräien~, Kränkel~, Lē²men~, Lūr~,
Pinkest~,
Rō²d~, Slapes~, Slukke~, Spōke~, Steªrt~, Stiᵉke~, Supper~,
Swē²t~. ¶ Vgl. RHWB 2,848: Fuchs; NDSWB 4,888: Foß.