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Forster

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Meyers
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Forster

Bd. 6, Sp. 775
Forster, 1) Johann Reinhold, Reisender und Naturforscher, geb. 22. Okt. 1729 zu Dirschau in Westpreußen, gest. 9. Dez. 1798 in Halle, studierte daselbst 1748–51 Theologie, daneben alte und neue Sprachen und wurde 1753 Prediger zu Nassenhuben bei Danzig, wo er seine Mußestunden auf das Studium der Mathematik, Philosophie und der Natur- und Völkerkunde verwandte. Im Auftrag der Kaiserin Katharina II. bereiste er die Kolonien des Gouvernements Saratow, ging 1766 nach England, war hier zwei Jahre lang Professor der Naturgeschichte in Warrington (Lancashire) und lebte dann als Privatmann, bis er 1772 den Antrag erhielt, Cook auf seiner zweiten Entdeckungsreise als Naturforscher zu begleiten. Die juristische Doktorwürde, die ihm die Universität Oxford 1775 erteilte, war die einzige Belohnung, die er nach der Rückkehr erhielt, weil die englische Regierung den von seinem Sohne bearbeiteten Reisebericht als eine Umgehung der Verpflichtung betrachtete, nichts von dem offiziellen Bericht Gesondertes zu veröffentlichen. Schuldenhalber verhaftet, ward F. durch Vermittelung des Königs Friedrich II. von Preußen ausgelöst und von ihm 1780 als Professor der Naturgeschichte in Halle angestellt. F. kann als ein Vorläufer des Zeitalters der vergleichenden Geographie in Deutschland angesehen werden. Neben einer gründlichen naturwissenschaftlichen Bildung besaß er eine bedeutende Literaturkenntnis in allen Fächern und sprach und verstand 17 Sprachen, darunter Koptisch und Samaritanisch. Er schrieb: »Introduction into mineralogy« (Lond. 1768); »Flora Americae septentrionalis« (das. 1771); »Liber singularis de bysso antiquorum« (das. 1776); »Observations made during a voyage round the world« (das. 1778; deutsch von seinem Sohn, Berl. 1779 bis 1780, 2 Bde.; 2. Aufl. 1783, 3 Bde.); »Zoologiae rarioris specilegium« (Halle 1781, 2. Aufl. 1795); »Geschichte der Entdeckungen und Schiffahrten im Norden« (Frankf. a. O. 1784); mit seinem Sohne: »Descriptio characterum et generum plantarum, quas in itinere ad insulas maris australis 1772–1775 coll.« (Lond. 1776; deutsch von Kerner, Götting. 1776) und gab heraus mit Sprengel: »B eiträge zur Völker- und Länderkunde« (Leipz. 1781–83, 3 Bde.) und »Magazin neuer Reisebeschreibungen« (das. 1790 bis 1798, 10 Bde.). 2) Johann Georg Adam, Reisender und Reiseschriftsteller, ältester Sohn des vorigen, geb. 27. Nov. 1754 in Nassenhuben bei Danzig, gest. 10. Jan. 1794 in Paris, folgte seinem Vater nach Saratow und nach England. Mit 17 Jahren begleitete er ihn als Botaniker 1772 auf der zweiten Reise Cooks. Hierauf lebte er eine Zeitlang in England, war 1778–84 Lehrer der Naturgeschichte an der Ritterakademie in Kassel, folgte dann einem Ruf nach Wilna, worauf er sich mit Therese Heyne, der Tochter des Göttinger Professors Heyne, vermählte. Von dem Leben in Wilna nicht befriedigt, übernahm er 1788 das Amt eines Bibliothekars beim Kurfürsten von Mainz, war aber auch mit den dort herrschenden Zuständen unzufrieden und schloß sich 1792 an die Mainzer Klubbisten an. 1793 nach Paris gesandt, um die Vereinigung des linken Rheinufers mit Frankreich zu erwirken, sah sich F. nach der im Sommer 1793 erfolgten Eroberung von Mainz durch die deutschen Heere heimatlos, während ihm zugleich der Anblick der Pariser Zustände seine republikanischen Ideale zerstörte. In die Reichsacht erklärt und von Weib und Kindern verlassen, wollte F. nach Indien gehen und betrieb das Studium der morgenländischen Sprachen, als ihn der Tod ereilte. Er veröffentlichte: »A voyage round the world« (Lond. 1777, 2 Bde.; deutsch u. d. T.: »Beschreibung einer Reise um die Welt in den Jahren 1772–1775«, Berl. 1778–80, 2 Bde.); »Ansichten vom Niederrhein, von Brabant, Flandern, Holland, England und Frankreich im April, Mai und Juni 1790« (das. 1791–1794, 3 Bde.; neu hrsg. von Büchner, Leipz. 1868, und, mit Forsters Briefen, von Leitzmann, Halle 1893); »Kleine Schriften, ein Beitrag zur Länder- und Völkerkunde, Naturgeschichte und Philosophie des Lebens« (Berl. 1789–97, 6 Bde.). Auch übersetzte F. die »Sakuntala« des Kalidasa (nach der englischen Übersetzung von Jones) und zahlreiche andre Werke. F. gehört zu den klassischen Schriftstellern Deutschlands; namentlich in den »Ansichten vom Niederrhein« prägt sich sein musterhafter Stil, seine geist- und gemütvolle Auffassung von Kunst, Literatur, Politik und Leben am deutlichsten aus, aber auch seine andern Schriften bekunden überall den scharfen Beobachter von Natur- und Völkerleben. Peschel nennt F. den ersten Schriftsteller, der Sinn und Gefühl für landschaftliche Schönheiten erweckt hat, wie er auch überaus anregend auf Alex. v. Humboldt wirkte. Seine Gattin Therese, später mit Forsters Freund Huber verheiratet (s. Huber 4), gab seinen »Briefwechsel, nebst Nachrichten von seinem Leben« (Leipz. 1829, 2 Bde.) heraus; seinen »Briefwechsel mit S. Th. Sömmerring« veröffentlichte Hettner (Braunschw. 1877). Forsters »Sämtliche Schriften«, herausgegeben von seiner Tochter, mit einer Charakteristik Forsters von Gervinus, erschienen in 9 Bänden (Leipz. 1843). Eine Auswahl seiner kleinern Schriften gab Leitzmann (Stuttg. 1894), »Lichtstrahlen aus Forsters Briefen« Elisa Maier (Leipz. 1856) heraus. Vgl. Leitzmann, Georg F. (Halle 1893); Moleschott, Georg F., der Naturforscher des Volkes (3. Ausg., das. 1874); H. Klein, Georg F. in Mainz (Gotha 1863). Heinrich König (s. d.) behandelte Forsters Leben in dem Roman »Die Klubbisten in Mainz« und in »Forsters Leben in Haus und Welt«. 3) François, franz. Kupferstecher, geb. 22. Aug. 1790 zu Locle im schweizer. Kanton Neuenburg, gest. 25. Jan. 1872 in Paris, kam 1805 nach Paris, wo er sich bei P. G. Langlois und auf der Schule der schönen Künste bildete. Er besuchte 1818 Italien und kehrte dann nach Paris zurück, wo er sich schnell einen berühmten Namen machte. F. war ein sehr gewissenhafter Stecher und trefflicher Zeichner; er wußte den Charakter des Originals mit Kraft zu erfassen, nur strebte er zu häufig nach Glanz des Stiches und blieb in den Fleischpartien bisweilen hart. Seine bedeutendsten Stiche sind: la Vierge an bas-relief. nach Leonardo da Vinci (1835); la Vierge de la maison d'Orléans, nach Raffael (1838); die Jünger in Emmaus, nach P. Veronese (1812); heil. Cäcilie, nach P. Delaroche (1840); die drei Grazien, nach Raffael (1841); Tizians Geliebte, nach Tizian; Raffaels Selbstbildnis (1836); Dürers Selbstbildnis (1823); Ludwig I. von Bayern, nach Stieler; Alex. v. Humboldt, nach Steuben. 4) John, engl. Historiker und Biograph, geb. 1812 in Newcastle am Tyne, gest. 1. Febr. 1876 in London, war Rechtsanwalt, widmete sich aber hauptsächlich der Literatur. Seit 1855 war er in der Verwaltung des Irrenwesens angestellt, zuerst als Schriftführer, dann als Rat (commissioner). Die Geschichte der englischen Staatsumwälzung behandelt er in: »Statesmen of the Commonwealth of England« (1831--34, 7 Bde.); »The arrest of the five members by Charles I.« und »The debates on the Grand Remonstrance« (1860); es folgte die Biographie »Sir John Eliot« (1864, 2. Aufl. 1871). Vielfach war er an Zeitschriften tätig; nach Dickens' Abgang leitete er ein Jahr lang die damals jugendlichen »Daily News«, während zehn Jahren das Wochenblatt »Examiner«. In enger Freundschaft mit Landor und Dickens, schrieb er deren Biographien: »Walter Savage Landor« (1868, 2 Bde.; neue Ausg. 1895) und »Life of Charles Dickens« (1871–74, 3 Bde.; neue Ausg. 1899, 2 Bde.; Auszug in 1 Bd. von Gissing, 1902), das durch die Hinterbliebenen von Dickens vervollständigt und von F. Althaus ins Deutsche übersetzt wurde (Berl. 1872–75, 3 Bde.). Noch sind zu erwähnen. »Life of Oliver Goldsmith« (1848, 8. Aufl. 1889) und »Biographical and historical essays« (1859). Sein »Life of Jonathan Swift« (1875, Bd. 1) blieb unvollendet. 5) William Edward, engl. Staatsmann, geb. 11. Juli 1818, gest. 5. April 1886, ward Garnfabrikant in Bradford, 1861 dort in das Unterhaus gewählt, wo er sich den Liberalen anschloß, 1865 in Russells Kabinett Unterstaatssekretär für die Kolon ien (bis 1866) und 1868 Vizepräsident des Erziehungskomitees, brachte 1870 die neue Erziehungsbill sowie 1871 die Ballotbill durch das Parlament, war dann bei der Reorganisation des Schulwesens in England mit großem Erfolg tätig, trat jedoch im Februar 1874 mit Gladstone zurück. Im April 1880 wurde er im zweiten Ministerium Gladstones Obersekretär für Irland und sicherte in der Session von 1880 die Annahme der irischen Landbill im Unterhaus. Als nach deren Ablehnung durch das Oberhaus die Agitationen der irischen Landliga immer gefährlicher wurden, setzte er Anfang 1881 bei seinen radikalen Kollegen die Zustimmung zu der irischen Zwangsbill durch und vertrat diese sowie die im Sommer 1881 wieder eingebrachte Landbill im Unterhaus. Als aber Gladstone 1882 die Entlassung der verhafteten Führer der Landliga beschloß, um die Iren zu versöhnen, nahm F. seine Entlassung und bekämpfte auch im Parlament die irische Politik seiner Parteigenossen. Seine Biographie schrieb Wemyß Reid (4. Aufl., Lond. 1888, 2 Bde.; neue Ausg. 1895).
9094 Zeichen · 165 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    forster

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +1 Parallelbeleg

    forster s. forstære.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    forsterm.

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    forster , förster , m. saltuarius, ahd. forstâri, mhd. vorstære, mlat. forestarius Ducange 3, 354 a . b , was sich mit f…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Forster

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +5 Parallelbelege

    Forster , bekannter pfalzbayer. Wein bei dem Dorfe Forst an der Haardt wachsend, F.-Riesling u. F.-Traminer.

  4. modern
    Dialekt
    Forster

    Schweizerisches Idiotikon · +1 Parallelbeleg

    Forster Band 1, Spalte 1025 Forster 1,1025

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit forster

24 Bildungen · 18 Erstglied · 6 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von forster

forst + -er

forster leitet sich vom Lemma forst ab mit Suffix -er.

Zerlegung von forster 2 Komponenten

fors+ter

forster setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

forster‑ als Erstglied (18 von 18)

Forster, Georg

DWBQVZ

forster·georg

O--- frische teutsche liedlein in fünf teilen. hg. v. M. E. Marriage. Halle 1903. (= ndr. 203—206). O---

Forsterīt

Meyers

forst·e·rit

Forsterīt , Mineral, ein dem Olivin ähnliches Magnesiumsilikat Mg 2 SiO 4 , findet sich in farblosen bis grünlichen rhombischen Kristallen v…

forsterkia

KöblerAfries

forsterkia , sw. V. (2) nhd. stärken, verstärken, sichern, beweisen ne. strenghten, prove Q.: AA 94 E.: s. for- (1), sterkia L.: Hh 104a, HH…

forsterkinge

KöblerAfries

for·sterkinge

forsterkinge , st. F. (ō) nhd. Verstärkung, Bekräftigung ne. confirmation Hw.: vgl. mnl. versterkinge Q.: AA 94 (1486) E.: s. for- (1), ster…

forsterva

KöblerAfries

forsterva , sw. V. (1) Vw.: s. ursterva

forsterīe

KöblerMhd

forsterīe , st. F. Vw.: s. forstærīe*

forster als Zweitglied (6 von 6)

Fëldforster

Idiotikon

Fëldforster Band 1, Spalte 1025 Fëldforster 1,1025

wiltforster

Lexer

wilt·forster

wilt-forster stm. forestarius qui dicitur wiltforstêre Beyer mrh. urk. 2,424.