Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
erschellen swV.
1.1 ‘etw. erklingen / ertönen / erdröhnen lassen’
1.2 ‘etw. bekannt machen’
1.3 ‘etw. (mit lautem Geräusch) spalten/ zerbrechen, etw. zerbersten lassen’
1.4 ‘etw. betäuben, verwunden’
1.5 ‘jmdn./ Tiere aufschrecken, erschrecken’
1.6 ‘jmdn. erschüttern, zum Wanken / Fallen bringen’
1.7 ‘jmdn. erzittern lassen’
2 refl. ‘sich vernehmen lassen’
3 intr. ‘ertönen’ (vgl. erschëllen stV.)
1 tr. 1.1 ‘etw. erklingen / ertönen / erdröhnen lassen’ wirde ich der liute gewar, / so erschelle ich mine stimme StrKD 70,17; sie / erschalten ir busîne / und zogten ûz Kreuzf 7175; mere das zuker diner suͤssen miltekeit / hat min kelen erschellet, das ich nu singen mag alsust Mechth 2: 25,133; der furste erschellen hiez er horn Kreuzf 4508; ir horn, ir busîne, / und waz sie strîtzeichen hâten, / erschellen sie die tâten ebd. 6674; alle glockin di da waren, di wordin lute erschellet Köditz 63,29; ein horn von dem wahter wart erschellet JTit 4981,3; diu heide wart erschellet / von ir swerte clange KvWTroj 32010; mit spern und mit spiezen / sie [ die risen ] ir vil manigen valten / daz sie den walt erschalten ErnstB 5216 1.2 ‘etw. bekannt machen’ si sullen beide erschellen / in die werlt din gebot / und krenken hin des tuvels spot Pass III 362,18; pabst Urban ist von erst erwelt / czu Rom, dez hoͤr ich iechen, / die mêr vil weiten sind erschelt Suchenw 35,55; dâ pflâgen si des bettes spil; / [...] / daz triben si biz ûf die zît, / daz ez erschellet wart wît / und dem künig wart kunt getân EnikWchr 25198 1.3 ‘etw. (mit lautem Geräusch) spalten/ zerbrechen, etw. zerbersten lassen’ es [Schwert] kan wol helm erschellen / und die gesellen vellen GTroj 2369; mit mîme scharfen swerte erschelle ich manegen ast RosengD 586,4. – mit Dat. d. P.: den helm er im erscalte: / daz houbet sich dar unter chluͦp Rol 5094; vil lihte ich iu ershelle / mit eime slage die blatten, / daz ir nie uf der matten / wurdet geslagen so harte Rennew 11342. – daz hirne wart im und der kopf / erschellet harte, [...]. / des viel er ûf den esterich / und lac dâ jâmerlichen tôt KvWHvK 153; harte manik wîzez bein / wart dâ vil sêre erschalt, / dô diu ros mit gewalt / gegen ein ander drungen Frauenturnier 63; WolfdD(J) 5:213,3. – Sprichw. (TPMA 4,282): swie der haven vellet, / er wirt vil lîhte erschellet Freid 7,1 1.4 ‘etw. betäuben, verwunden’ Erîgûus der werde man / den helt sô sêre erschalte / daz er in tôten valte / von dem ors ûf den sant RvEAlex 21265; das heubt er im erschelte, das es dorch das hyrn erclang, / das er must struchen er nyede uff den plan Alph 959. – mit Dat. d. P.: Passirus, der fürste bald, / hette im sinnen lib erschaltt / mitt manger tïffen wunden GTroj 16958. – sîn houbet was ime erscellet, / dâ er der nider wart gevellet VAlex 1293; mit sulcher kraft wart im sîn kopf erschellet Loheng 2166; Parz 690,7 1.5 ‘jmdn./ Tiere aufschrecken, erschrecken’ diu werde frouwe sprach: ‘ach mich, / lieber geselle, balde sprich, / wie wir tuon wellen! / der tac wil uns erschellen [...]’ SchülerA B 870; wande eines hundis bellen / mac vil scâfe irschellen SAlex 2540; von der frowen vngehabe, / von irme geschreige / [...], / wart Hector erschalt Herb 10202. – Part.-Adj.: darvmbe svln wir [...] horen mit erschelleten oren [ adtonitis auribus audiamus ] , wes di gotlich stimme mit taglichem rvͦfe manet BrAsb Prolog 1.6 ‘jmdn. erschüttern, zum Wanken / Fallen bringen’ daz ez allez ein man solte sîn, / der in den tagen allen drîn / sô manigen het erschellet UvZLanz (K) 3349; ‘wir sulen die veinde erschellen’, / sprach Wolfhart der rekche starch Rab 639,3; gein swem er sich in strîte want, / den dûht weder wîchen oder vliehen schant / sus kunde sîn kraft mit manheit sie erschellen Loheng 5516; Tr 7013. – übertr.: min kvnst al dine sinne mvos erschellen Wartb Fl 88,3 1.7 ‘jmdn. erzittern lassen’ der [Regen] in dem gebirge vellet / und di blozen da irschellet Hiob 9636 2 refl. ‘sich vernehmen lassen’ do wart ein stimme vernumen, / die sich von himele erschellete Pass III 51,67; uf daz sich hin in wite lant / sin lobes mere erschellete / unde also vervellete / der ecclesien richez gut ebd. 210,85; des horte si vil grozen ruf, / als sich dort manigerleie / erschellete in dem geschreie / von viehe und von spilluten ebd. 669,88 3 intr. ‘ertönen’ (vgl. erschëllen stV.): dô daz het ein ende, / manic tambûr erschalte Ottok 32972
MWB 1 2052,3; Bearbeiter: Pfefferkorn