Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
erkalten swV.
1.1 von Dingen
1.2 von Flamme, Glut, Hitze ‘schwächer werden, erlöschen’ , bildl.
1.3 mit Bezug auf Körper, seine Glieder und Organe: ‘an Wärme verlieren, abkühlen, frieren’
2 ‘nachlassen’
2.1 mit sachl. Subj. (Furcht, Glaube, Liebe usw.)
2.2 mit persönl. Subj.: ‘ablassen von etw.’
3 tr. ‘etw. kalt, kühl machen, abkühlen’ (s.a. erkelten )
1 ‘kalt, kühl werden, sich abkühlen’ 1.1 von Dingen: werme daz [Olivenöl] in eynir phannyn unde eynen halben wirdunk quecsilbirs unde laz is irkaldyn eyn teyl Albrant 3,34. 3,41; einen ohsen spec gemaht von eime kalbe gebroten vnd wol gesoten, [...] wol abe gewuͤrtz, vnd loz ez wol erkalden BvgSp 96. 72 1.2 von Flamme, Glut, Hitze ‘schwächer werden, erlöschen’, bildl.: flamm diner güt ist nie erkalt / noch lischt von keiner sünde frost Mügeln 173,3; wann von der tummheit ise / erkaldet hoer wirde glut ebd. 270,12; gabe heiliges geistes also in vlieze singenden, daz vleisches hitze erchalte [ influat psallentibus ut carnis estus frigeat ] vnd des mvͦtes chelte heiz werde PsM H 57,3; alle werc werdin geworcht in hitze. wan di furige minne zu gode irkaldit an der sele, so stirbit si Eckh 3:468,5; daz er im niemer lâze erkalden / sîn gemüete, ez enbrinne / alle zît in sîner [Gottes] minne LvRegSyon 4096 1.3 mit Bezug auf Körper, seine Glieder und Organe: ‘an Wärme verlieren, abkühlen, frieren’ ime sweize muose erkalten / sîn werder lîp, ê der erstarp Wh 419,12; diu kluoge, / diu nâh dem pfluoge muoz so dike erkalten, / schalten den wagen, so er gestât: / des meiers hof si gar begât SM: St 14: 3,3; mir sint diu lit erkaltet [...]. / ich wil ûf den ofen sitzen Schlegel 292; swenne sîne kiusche brust / bekorte fleischlich gelust, / in ein gruoben îses vol / lac er, unz er erkalte wol / und der gelust gar zergie LvRegFr 1840; die slangen sint von nâtûr hitzig und dar umb, wenn si erkaltent, sô schadent si wênig oder gar niht BdN 260,30. – in geistlichem Sinne: liezis dv [der hl. Johannes] mih irkalden / der manigen ascricke, / der mir dickir dan dicke / der tuujl hat uerleitet, / so were mir manigen tac bereitet / die ewige uerdampnunge Litan 508; dis vúres kolen [...] sint alle die seligen, die hie brinnent in der himelischen minne [...]; alle die erkaltet sint in den súnden, die moͤgent sich bi den kolen wermen Mechth 6: 29,11; alse vil alse der mensche burninde ist in godis minne, alse vil irkaldit he an werlintlicher sorge Parad 87,27; als denne die [menschliche] nature ze mole verkalt [La.: erkaltet abgestorben] ist Tauler 383,13. – euphemistisch für ‘sterben’ swen er traf, der muoste erkalten StrDan 5106; vater, du salt wesen vro / daz du wol gebuzet hast, / mit vrouden gotes riche enpfast, / e dir der lip ir kalde Vät 25351; (übertr. auf Worte:) als ungelich sint dú wort, dú in der lutren gnade werdent enpfangen und usser einem lebenden herzen dur einen lebenden munt us fliezent gegen den selben worten, so sú an daz toͮt bermit [Pergament] koment, und sunderliche in tútscher zungen; wan so erkaltent sú neiswe und verblichent als die abgebrochnen roͮsen Seuse 199,19. – als Zeichen der inneren, seelischen Erregung, Verfassung: von jâmer erkalte in der lîp AHeinr 875; sîn herze in ime und al sîn lîp / erkaltete vor leide / und ouch vor liebe beide Tr 17509; SM:JvW 5: 3,8; owê des, mir ist sîn kunft alze tiure, / nâch dem [in der Sehnsucht nach demem] ich dicke erkalte, und dar nâch, als ich lige in gneistendem viure, / sus erglüet mich Schîonatulander Tit 121,2; KLD:Alex 3:2,6. – mit Bezug auf bestimmte Organe ‘durch Kälteeinwirkung krank werden’ vnde gewinnet di wazzersucht da uon daz ir di leber erkaldet ist SalArz 64,36; si [Brennessel] hilfet ouch also dicke genutzet der lungen, di erkaldet ist Macer 4,4; swem der mage erkaldet, der sal si ouch nemen mit wine SalArz 105,46; BdN 327,19; unstæte versuochet vil der spîse / der si niht enmac deheine wîse, / wan ir der mage ist erkalt / von bœser rihte manicvalt WälGa 1885 2 ‘nachlassen’ 2.1 mit sachl. Subj. (Furcht, Glaube, Liebe usw.): als im die vrochte erkalte / und ein teil lac der schric Vät 36844; der ellende recke [Hagen] füeren sich dô hiez / durch die gotes güete von dem wilden sande. / dô erkaltete ir gemüete [legte sich ihre Erregung] , dô er Krist sô frevenlîche nande Kudr 111,4; so diu hilig minne und der hilig gelaub des almæchtigen gotes an uns erchaltet, so chuͤmt uns daz grozze ungewiter und diu michel unsenft von dem vlaisch daz der suͤnten und der bosheit geret PrOberalt 43,22; vil valscher propheten stent vf vnd verleitent manige. [...] vnd di minne maniger derchaltet EvAug 59,17 (Mt 24,12) 2.2 mit persönl. Subj.: ‘ablassen von etw.’ dise minne si is algare geistlich, / zuͦ diser minnen is gebunden ein iwelich, / de an deme gebode nit in wilt ercalden, / dat got wilt uns zuͦ unseme nesten behalden Lilie 52,15; und ist hie mit bezeichent ein igelich suͦndere der von der gotelicher minne ircaldet und sich so verre lezit an die bosheit, daz er niht achtet waz er tut PrLpz 380,5 3 tr. ‘etw. kalt, kühl machen, abkühlen’ (s.a. erkelten): es sint tegeliche gebresten die die minnehitze in irme werke erkaltent und das hertze zerstroͮwent und andaht vertribent und hinderent Tauler 126,25
MWB 1 1937,23; Bearbeiter: Tao