ERBFEIND m. mhd. erbevînt.
mnd. erfvīent.
zuss. mit erben
vb. –
die in den frühbelegen noch nicht nachweisbare religiöse beziehung tritt in den zeugnissen seit etwa 1300 in den vordergrund. zunächst Satan, den teufel bezeichnend ist das wort während der türkenkriege bes. im 16./17. jh. schlagwortartige bezeichnung der osmanischen Türken, oft erbfeind des christlichen namens, Christi.
seit dem 16. jh. begegnet es, gelöst vom religiösen hintergrund, als relative bezeichnung für je nach nationalen feindbildern wechselnde politische gegner, vom 18. bis ins 20. jh. vor allem als politisches schlagwort auf Frankreich, die Franzosen bezogen. angestammter seit generationen verhaßter oder bekämpfter gegner, erzfeind, todfeind. vgl. erzfeind
m.: ⟨n1190⟩ Helena in vnkvnden/ weinte nach irn frunden/ .. we wi bin ich sus geuort/ da min erbe finde
(die Griechen) sint Herbort
2665 F. ⟨n1190⟩ also reit Antenor/ mit sinen gesellen ../ gegen der stat, dar innen was/ ir erbe fiant Pelias
ebd. 1932. ⟨u1300⟩ dem argen anticriste,/ der ewiclicher geniste/ wirt ein erbe vient dan
(beim jüngsten gericht) Heinrich v. Hesler
apokalypse 18513 DTM. ⟨1456⟩ darzu
(abwendung von gott) dann raitzt, hilft vnd stuïrt der tusentlistig bös list erdichter vnd erfinder Sathanas, erbfeind alles menschlichs geschlächtz Hartlieb
verbot. kunst 2 U. 1508/16 oͧch mant der roͤmsch kung Maximilianus alle fürsten .. des helgen richs .. über die Eignossen
(Eidgenossen) und ire hellfer als die .. widerspenigen des helgen roͤmschen richs .., des glich werind si unbillich erbfigid eins huses von Oͤsterich, .. erzhasser aller gerechtikeit Brennwald
schweizerchr. 2,434 L. ⟨1530⟩ so wöllen wir uns dagegen .. mit widerstand des erbfeinds cristlichs namens und bluts, des Turcken, und in ander des reichs obligenden nott ..
(dem landfrieden gemäß) halten
urk. u. akten reformationsprozesse 1,27 F. ⟨1535⟩ der teuffel, .. der rechte ertz und erbfeind Christi und der christenheit
(nachschr.) Luther
w. 41,136 W. 1612 Alani und Schwaben, der Franken heupt- und erbfeind Mechtel
limb. chr. 6 K. 1644 die
(gefangenen) halt er gar hart und unchristlich, harter alß der erbfünd, bluothund und Türk selbsten Bürster
schwed. krieg 198 W. 1730
(fürst) Jaromarus II. .. ward der Dähnen erb=feind genennet Wackenroder
Rügen 42. 1792 da es gegen die Franzosen gehet, welche doch immer, wie die Türken, als ein erbfeind Deutschlands angesehen werden
in: Carl A. v. Weimar
polit. brw. 2,34 A. 1843 in der sprache des
(französischen) erb= und erzfeindes beten! bei jedem andern volke
(als dem österreichischen) würde dies geradezu als gotteslästerung gelten Schuselka
worte 81. 1863 wie konnte ‘ein in Sachsen erscheinendes .. blatt’ .. den ruhm der veredelten schafzucht .. dem preußischen erbfeinde zuschreiben? Treitschke
br. 2,310 C. ⟨1942⟩ als Österreicher galt man drüben
(in Italien) als der ‘erbfeind’ S. Zweig
welt (1947)349. 1979 für die mehrheit der Franzosen kamen sie
(emigranten 1933) aus dem lande des erbfeindes: .. einer, der vor Hitler davon lief, war auch bloß ein boche
zeit 25,33. –
in beziehung auf schädliches, hassenswertes: ⟨1652⟩ der wein .., den er sehr liebete .., dessen er doch, als eines erbfeindes der tugend müssig gehen solte Harsdörffer
mordgesch. (1656)700. 1706 den wie ihr woll wist, so bin ich der ceremonien erbfeindt Elisabeth Ch. v. Orléans
br. 1,469 LV. 1956 der unentbehrliche erbfeind ist das telefon Holthusen
schiff 301.Horlitz, Albrand