Elbentrütsch Gen.?: 1.a. Fabeltier, gewöhnlich in Vogelgestalt, in LA-Edk auch als Eichhörnchen gedacht. (Vgl.
die Zeichnung von Max Slevogt in Becker Vk. 120.) In der ganzen Pfalz narrt man einen Leichtgläubigen, indem man ihn dazu überredet, beim Elbentrütschenfangen mitzumachen. Man beschwatzt ihn, sich abends mit einer Laterne und einem offengehaltenen Sack in einem Hohlweg außerhalb des Ortes aufzustellen, während die Spaßvögel sich entfernen, um ihm angeblich die E. zuzutreiben. Nachdem er lange Zeit vergeblich gewartet hat, merkt er, daß er zum besten gehalten wurde. In KU-A'glan läßt man die Dummen am 1. April E. fangen. In Gal-Biczyce sagte man, wenn der Schnee in großen Flocken fiel:
Gehn mer uf Sechskoretz (eine Gewanne)
un fangen Elbedritsche. In Gal-Dornfeld stellte man den Einfältigen mit einem großen weitmaschigen Sieb auf dem Kopf unter der geöffneten Dachgaube des Heuspeichers auf, während die »Treiber« auf dem Speicher Scheuchrufe ausstießen und schließlich einen großen Eimer Wasser auf den Ahnungslosen herniederplatschen ließen. In Don-Lowrin legte man faules Obst oder sogar Exkremente unter einen Hut und ließ den Dummen daruntergreifen. — Hauptform des fast allgemein im Pl. erscheinenden Wortes ist (
vgl. K. 115)
Elwedritsche mit den Nebenformen
Elbedritsche, Elweʳdritsche. Kleine Gebiete bilden
Else-, Elzedritsche in der NWPf und
Elfedritsche sowie
Elwebritsche in der SPf (in einzelnen Belegen auch in anderen Teilen der Pfalz). Für einzelne Orte sind bezeugt:
Elmedritsche [NW-Herxh/Bg. Haardt Lachen],
Eljedritsche [BZ-Darst],
Eldedritsche [KL-Hauptstl],
Elschedritsche [KL-Katzw],
Ilwedritsche [IB-Reinh RO-Sippf LU-Altr Iggh LA-Gommh],
Ilbedritsche [KU-Adb SP-Dudhf],
Eiledritsche [LA-Offb],
Elwedrische [LU-Ruchh],
Elbedrische [LA-Diedf],
Elbedritschle [Spey GH-Sondh Hagb],
Elwedritche [HB-Medh Seyw],
Elwedrutsche [LU-Dannstdt Muttstdt Böhl NW-Haßl],
Elwedratsche [KU-Konk],
Elwedratche [WD-Niedkch],
Elwedrätcheʳ [FR-N'lein],
Elbeʳbritsche [ZW-Battw],
Elfebritsche [PS-Salzwg],
Eldebritsche [KL-O'arnb ZW-Maßw Kl'steinhs PS-Kröpp BZ-Nd'horb LA-Queichh],
Eldebritche [HB-Böckw ZW-Bottb],
Eldebretche [HB- N'alth],
Elsebritsche [ZW-Riedbg Rieschw O'aub Käshf Marthh Wintb Walshs],
Eilebritsche [BZ-Völkw Dimb]. Formen der Auslandspfälzer:
Elwe-, Elbedritsche [verbr. Penns Don Gal Buch],
Elderdritsche u.
Elbedritschle [Buffington Penns Var. 228/67],
Elfedritschel, -dritschelche, Elefantdritsch, Elderbritsch, -twitsch, Elbegricksel, Elefantgricksel [Beam Penns. 28],
Ilbedritsche [Don-Lowrin],
Igelsbritsche [Don-Kernei]. Andere fiktive Jagdtiere, mit denen Uneingeweihte gefoppt werden: Amselrehhase 2,
Bachhammel,
Biber 2,
Buchelaffe,
Dilpetatschen,
Tratschen,
Entratschen,
Kothahn,
Rasselbock, -männchen, — b. RA.:
Mit dem kann mer Elwedritsche fange, von einem Leichtgläubigen [KU-Bedb, verbr.]. Auf die Frage, was man vorhabe oder wohin man gehe, erhält man die ausweichende Antwort:
Elmedritsche fange [NW-Haßl, Spey Kühn Palz 130]. — 2. scherzhaftes Schimpfw. für Kinder:
Ehr Elbetritsche! [Don-Schowe], für einen einfältigen Menschen;
Elbedritsch [Don (ohne Ortsangabe)], für ein ungeschicktes Mädchen [Gal-Baginsbg]. — 3. 'Bergfink',
Elwedritsch [Zweibr];
vgl. Böhämmer. — Etym.: Nach HwbAbergl. II 761 ist der Elbentrütsch »der vom Alp Getretene«, nach R. Mulch (»Elbentritschen und Verwandtes« in HessBl-VK.,
Bd. 51/52, 1960, S. 209 ff.) 'der von den Elben Gequälte', wobei der zweite Wortteil mit südhess. tritschen 'strienzen, quälen' in Verbindung gebracht wird. Die Vielfalt der Formen beider Kompositionsglieder erklärt sich als spielerische Veränderung des etymologisch undurchsichtig gewordenen Wortes. Vgl. hierzu auch Mulch
a. a. O. — Zum Genus: Einige Belege geben
f. an, andere (durchweg Gal) dagegen
m. Die Pluralformen lassen neben
m. auch
n. zu. — Südhess. II 179/80;
Rhein. II 104; Saarbr. 57;
Els. II 769 Ilbentrütsch; Bad. I 676/77;
DWb. III 402.