dieterich,
m. wie diebshaken, diebsschlüssel, nachschlüssel, hakenschlüssel.
niederd. dierker (
Brem. wb. 1, 215),
schwed. dyrk,
dän. dirik, dirk,
litt. witrikis,
sloven. veternik, vietrich, dietrich.
das mlat. derectarius qui fores effringit furandi animo
bei Ducange, directarius
in den Digesten leitet man von dirigere
in der bedeutung von effringere (
bei Festus)
ab. davon kommt nicht dierker dirik dirk,
vielmehr haben wir einen eigennamen in diminutionsform vor uns. Dierk
für Dieterich
ist im niederd. gebräuchlich, fries. Diurko,
hochd. Diez.
man meint der erfinder habe so geheiszen, aber ein nachschlüssel ist keine auffallende erfindung, und die Römer kannten schon die clavis adulterina. Dieterich
mag unter dem volk ein vertraulicher, schmeichlender name gewesen sein, eine stelle aus dem 15
ten jahrhundert (
Fundgruben 1, 363)
belehrt uns dasz man den star (
sturnus) Dieterich
nannte, wie man einen an die stube gewöhnten vogel, einen raben, oder auch ein anderes hausthier Hans
zu rufen pflegt. die diebe hatten ursache den nachschlüssel, der alle thüren öffnete, den passe partout, wie er im französischen heiszt, als ihren besten knecht, den sie mit dem rechten namen nicht gern nennen wollten, so zu bezeichnen. oder sollte eine beziehung auf den wilden jäger darin liegen? er heiszt auch Dieterich (
s. Dieter)
und vor ihm müssen, wenn er kommt, die thore geöffnet werden; s. Rochholz
Schweizersagen 1, 219.
leichter zu erklären ist eine andere, gleichfalls aus einem eigennamen entstandene benennung: im niederdeutschen nemlich heiszt er peterken,
womit Petrus gemeint ist, der mit seinem schlüssel das himmelsthor öffnet: man fund bi öm 4 isern instrumente, geheten peterken, dar se de küsten mit hadden uppe maket
Brem. wb. 3, 310. dieterich
in dieser bedeutung zeigt sich erst im 15
ten jahrhundert, im ahd. heiszt er aftersluzel Graff 6, 815,
im mhd. miteslüzzel. (swer) einen ungetriuwen miteslüzzel hât. Spervogel
MS. 2, 227
a. ich sag von den, der mancher rucht, was ein ider besitzen det, dasz er nür schlussel dar zu het, sie hieszen dittrich oder diez.
Fastnachtsp. 1289. wir hatten eine laterne und einen dieterich mit uns Luther 3, 348. aber der bapst macht aus solchen schlüsseln zween dietrich zu aller könige kronen, kasten, zu aller welt beutel, leib, ehre und gut 7, 475
b. die kirchschlüssel hat der bapst zu dietrichen gemacht Luthers
Tischreden 177
a. unrechte schlüssel, nach dem rechten gemacht, dietherich Alberus
Diction. nov. Bb ij. dieterich ein instrument damit die schlosz ohne schlüssel aufthon werdend Maaler 92
d. habt ihr auch je ein fläschen aufgeschraubet oder mit einem diterich erbrochen? Fischart
Garg. 21
b. alles was je die astrophili gedacht, mit dieterichen erbrochen
ders. Groszm. 14. das künstlich gesind dasz man nach der mesz an galgen bind, dietrichschlosser, grundfahrer 88. die nachbarin nimmt die gewöhnliche aufsperr- oder dietrichschlüssel, sperrt den kasten auf
M. Abele
Gerichtshändel (
Nürnb. 1668) 1, 552. mit disem dietrichen müssen sich alle schlösser aufthun lassen, id est, mit den primis qualitatibus, ut eludunt Galenicos Paracelsistae Henisch 708. diebs-
sive dietrichschlüssel Stieler 1844. dieterich ein schlüssel der alle schlösser schlieszt, nachschlüssel, clavis laconica. einige solcher schlüssel sind nur ein haken oder vornen krum gebogenes eisen, die heiszt man hakenschlüssel. wann ein herr einen dieterich hat, der alle thüren öffnen kan, nennt man es einen hauptschlüssel Frisch 1, 197
c. ditrich Steinbach 1, 276. doch was erhebt dort aus dem feuer des orkus sich für ein kolosz? entsetzlicher als selbst die ungeheuer aus jenem fabelhaften trosz! die dietriche des himmels glühen in seinen händen, funken sprühen von seinem purpurnen talar! Thümmel 3, 366. Alcest hat geld und diese dietrich schlieszen. Göthe 7, 61. habt dank, ihr dietriche, ihr seid der trost der welt, durch euch erlang ich ihn, den groszen dietrich, geld. 7, 63. der mann mit dem kammerherrlichen dietrich J. Paul
Hesp. 4, 90.