büszen ,
goth. bôtjan,
ags. bêtan,
alts. buotian,
nnl. boeten,
ahd. puoʒan,
mhd. büeʒen,
altn. bœta (
nicht bæta),
schw. böta,
dän. böde.
dies bôtjan
leitet zurück auf ein starkes batan bôt,
wie gôljan, fôdjan, sôþjan, sôkjan
auf galan, fadan, saþjan, sakan,
welche gleichwol nicht alle fortdauern. batan
aber läszt nicht zweifeln an unmittelbarer verwandtschaft mit bats
bonus, bats
für batis
melius, batista
optimus, wozu 1, 1153
skr. bhadra
felix gestellt wurde. darf man das seltne [] lat. fadus
und fadia gens,
also den namen Fadius
hinzu nehmen? im gr. φαιδρός splendidus steht der vocallaut ab. bôtjan, büszen
ist allgemein gefaszt bessern, besser machen, emendare. Da der hd. form Z
gebührt, so wurden 1, 1157. 1158. 1159 batte
lucrum, batten
juvare von baʒ, basz
fern gehalten, und dem alts. gibada
beigesellt. wie aber, wenn dieser schärfe zum trotz, so sehr sie in ihrem recht ist, batten
und basz
dennoch derselben wurzel wären? allzu stark streiten dafür die bedeutungen, denn unser batten
drückt aus, was das goth. bôtjan
prodesse, und im alts. gibada
liegt offenbar was im goth. bôta,
altn. bôt,
juvamen, solatium. wir sehen also hier, wie auch bei andern wörtern mehr wahrzunehmen ist, mischungen verschiedner lautstufen, batista
und peʒisto
verschoben sich ordnungsmäszig, im alts. gibada
dagegen haftete das D
der ersten stufe, folglich im hd. batten
das T
der zweiten, man dürfte auch ein goth. gabada
vermuten. Haben wir so die widersprüche der form versöhnt und ist gestattet goth. batan, bôtjan
und das geratene gabada,
ahd. paʒan, puoʒan
und wieder ein geratenes gipata,
nhd. basz, büszen
und batten
zu vereinbaren, so drängt sich die frage auf nach dem gehalt der sinnlichen wurzel, von der hauptsächlich nur abstracte anwendungen übrig scheinen. unabweisbaren fingerzeig geben aber die hernach aufgeführten bedeutungen des wortes büszen,
welche unter dem abgezognen begrif liegen müssen, nicht erst aus ihm zu erklären sind. nach ihnen aber wird man wenig fehlen, wenn man für das gesuchte, jetzt verlorne verbum batan bôt
die vorstellung von vigere, valere, integrum esse ansetzt, für bats
bonus die von validus, integer, sartus, von heil, ganz, oder dem ags. sel. büszen
ist 11)
ganz machen, sarcire, ῥάπτειν,
reficere, hauptsächlich von kleidern und netzen, aber auch von schmiedegerät und bauwerk. diese bedeutung hat das ahd. puoʒan (Graff 3, 225)
und mhd. büeʒen: dane was nehein îsenîn gewant, nehein stâlhuot nie sô veste noch sô guot, chom er im ze slage, daʒ in von dem tage iemer gebuoʒte dehein smit.
Rol. 192, 3.
die nhd. wörterbücher halten diesen sinn fest: sarcino, ich näie, bütze, sarcio ich bütz zuosamen, mach ganz. Dasyp. 215
b; sarcire, zusamen bieszen, ganz machen. Serranus x 8
b; die netzen (
netze) büszen
retia reficere, resarcire. Henisch 570, 68. höreten, das die mauren zu Jerusalem zugemacht waren und das sie die lücken angefangen hatten zu büszen.
Neh. 4, 7,
wo die vulg. hat quod obducta esset cicatrix muri et quod coepissent interrupta concludi,
vgl. ahd. gipuoʒtiu
sarta tecta, reaedificata; was aber an der statt abgangen und wa den burgern leid widerfahren, liesz er aus seiner schatzkammer büszen und ergänzen.
Garg. 270
b; spanischen zu- oder geschlechtsnamen, wo sichs hat leiden wollen, andere ebenlautende oder auch gleichbedeutliche mit unterzubüszen (
einzuflicken).
Harnisch 9.
nicht anders nnl. de netten boeten,
die netze flicken, ketel boeten,
kessel flicken; altengl. nettes bete (Chaucer
C. T. 3925);
altn. bœta föt,
subsuere, resarcire, kleider flicken und das part. bœttr
ist resartus, pannosus, geflickt, gebletzt; dän. böde et gaarn, böde paa gamle kläder. büszen
ist also in diesem sinn ein synonym von bletzen (
sp. 110),
flicken, stopfen, zunähen, zumachen, ausbessern. der schuhflicker heiszt altbüszer, schuhbüszer,
der kesselflicker kesselbüszer,
nnl. ketelboeter,
der maurer lückenbüszer.
s.bützen, butzen 11. 22)
wie man aber sagte anstoszen
assuere, annähen und ein feuer anstoszen,
zünden (1, 487. 489)
galt in gleicher ideenverbindung ags. bêtan fŷr,
feuer anzünden, to make up a fire; altengl. I wol don sacrifice and fires bete. Chaucer
C. T. 2255; two fires on the auter gan she bete. 2294;
nnl. het vuur boeten,
nd. füer böten,
schw. böta eld (Ihre 254),
und der käfer, welchen wir auch börner, brenner
nennen (
oben sp. 245),
heiszt nd. füerböter.
weder ein ahd. fiur puoʒan,
noch mhd. viur büeʒen,
nhd. feuer büszen
ist aber aufzuweisen, auch kein altn. eld bœta,
so dasz sich verdacht eindrängt, das ags. bêtan
könne hier für beátan
d. i. ahd. pôʒan,
mhd. bôʒen,
nhd. boszen
gesetzt sein, die laute liegen einander nahe und im schw. ö
fallen altn. au
und œ
zusammen, [] dem schw. böta
ist gar nicht anzusehn, ob es für altn. bauta
oder bœta
stehe. hierzu tritt, dasz franz. boutefeu,
incendiarius, it. buttafuoco,
sp. botafuego,
ganz dem nd. bötefür,
nnl. boetevuur
entsprechen, bouter, buttare, botar
stoszen aber unser boszen
sind, nicht unser büszen.
doch soll noch nicht vollends über bêtan fŷr
abgesprochen sein, zumal ihm Lye
den sinn beilegt focum deficientem reparare ac denuo excitare, wofür gleichwol kein entschiedner beleg vorliegt. 33) büszen
heiszt heilen, sanare, wie busze
heilmittel, nd. böten,
im Teutonista boeten
zaubern, besprechen: nu quam ein alde vrowe, ein volgerinne der truten. daʒ kint si ir darbuten, wand si im buʒen wolde.
pass. K. 395, 79; und kunde grôʒe swære von worten wol gebüeʒen mit erzenîen süeʒen.
Barl. 17, 15. buszen, erzneien,
medicare, remediari. voc. 1482 e 4
a: man würde gewislich niesewürz den gebietern zu dank schenken, das sie das hirn fegten und den schnuppen büszeten. Luther 2, 198
a; so büsz ich dir das hauptwe dein. Schwarzenb. 124, 1; wann eim ist lung und leber faul, wann einr hat wehthumb an den füszen, solch schäden kann ich alle büszen. Alberus 130; welch schaden im kein arzt kundt büszen. H. Sachs III. 1, 82
c; auf erd lebt so kein künstreich man, der ewr krankheit büszen kan. III. 1, 168
b; wo ein thier oder mensch fast hust (
hustet), im mit geweihtem wasser buszt. Waldis
päbstl. reich Bb 4
b. 44) büszen
pellere, depellere, vertreiben, was unmittelbar an heilen reicht, da die krankheit vertreiben auch sie heilen ist. man sagte zumal durst
und hunger, den husten büszen,
ahd. ir gibuaʒtut mir in wâr thurst inti hungar. O.
V. 20, 73; die buoʒint dâ den durst.
fundgr. 2, 7, 23; sus trinke ein iegeslîcher man, daʒ er den durst gebüeʒe. Walth. 30, 5; das meer ist aller wasser fasz, doch büszt ein brunn den durst vil basz. Freidank
von Brant 1539. 15
b; ich bitt gebt mir ein bissen brot, zu büszen hier den hunger mein. H. Sachs V, 230
d; wann sie dann all ir hungers not da büszen mit dem schwarzen brot. Scheit
grob. L 2
b; des geizes groben hunger büszen. Weckherlin 380; denn weil er selbst nicht mehr die essenslust kan büszen, gibt er sein eigen fleisch den würmen zu genieszen. Logau 1, 1, 14; den habichen, welche wissen ein raub den hunger zu büszen mitzubringen. Schuppius 757; es mögen die menschen den hunger wol damit büeszen. Herrs
Columella 16
a; begrîfe ich in dâ, jâ büeʒe ich im den kîchen, daʒ er vil trûric stât.
MSH. 3, 262
b,
nach einem bis auf heute üblichen euphemismus. 55) die lust büszen,
stillen, befriedigen, wie der hunger auch gestillt
wird und eszlust
heiszt: da aszen sie und wurden allzusat, er liesz sie iren lust büszen.
ps. 78, 29; da sie nu iren lust gebüszet hatten und sie noch davon aszen. 78, 30; denn es kamen inen wachteln vom meer ire lust zu büszen.
weish. Sal. 19, 12; möcht ich meine lust wol büszen. Luther 3, 43
b; aber sie sehen sie also an als ding an inen selbs, in denen sie iren lust büszen. Keisersb.
bilg. 125
b; ich wolt sunst nimmermehr so nerricht gewest sein, das ich nit lieber mit vielen weibern, dan nur mit einer meinen lusten gebüszt hett. Alberus
wider Witzel. J 2
b; weil sie (
die Deutschen) ja lust haben zum fewer des jüngsten tags, so wil inen bepstliche heiligkeit den lusten büszen und fewers genug verschaffen. Alberus
neue zeitung von Rom. 1541.
s. 5; magstu noch zu seltzamer zeit (
zuweilen) dein lust mit poeterei büszen. H. Sachs II. 2, 55
b; wer durch tichten ruhm wil haben, kan ihn nieszen, wer durch tichten lust wil haben, kan sie büszen. Logau 2, 8, 45; es ist umsonst, dein lust wird nicht gebüszt, er hat dich, werthe frau, das letztemal gegrüszt. Rompler 130; erst liesz sich ihr gelust mit einem kusse büszen, itzt wünscht sie schon, sich satt an ihm zu küssen. Wieland 10, 146; mags, frommer mann, dich basz verdrieszen, so will ich meine lust doch büszen. Bürger 70
a; der neider völkchen büszt hier seine schadenlust, stellt dem ein bein, stöszt jenen vor die brust. Gotter 1, 167;
[] noch stehst du unversehrt, willst du erwarten, bis er die böse lust an dir gebüszt. Schiller 519
b; ich denk, ich halte sie einmal und büsze meine lust, und endigt sie nicht meine qual, sterb ich an ihrer brust. Göthe 1, 20; ja er hofte sogar, mit der vorstellung des Hamlet sollte ihre ganze lust gebüszt sein. sie würden nachher das theater nicht wieder betreten. 20, 215.
ebenso bei andern, ähnlichen wörtern: büszen sie dieweil iren mutwillen an unserm namen. Luthers
br. 2, 61; da traten sie ihn auch mit füszen, ein jegliches wolt sein mutwilln büszen. Alberus 21
b; als ich solcher gestalt meinen willen büszet. Ismenius 74
a; also wenn gott bei einem sünder erkennet, das er sich gar nicht bessern wil, lässet er ihn in dieser welt seine wollust wol büszen. Butschky
Patm. 597; um ihre rachbegier nach herzenslust zu büszen an mir. Wieland 18, 276; auf das ir zorn gebüszet würde. Luther 3, 35; die sollen uns die rechte warheit sagen und den fürwitz büszen, wie es gehe nach diesem leben. 3, 211; weil nu aber der bapst des bischofs ehrgeiz gesterkt und seine geltsucht gebüszet, da er so viel tausent gülden für die. pallia genomen. 1, 142
b; das die philister sich gerochen haben und den alten hasz gebüszet nach allem irem willen.
Ez. 25, 15; theils sucht man wissenschaft nur blosz zu schlechtem wissen und dieses dient dahin, den fürwitz nur zu büszen. Logau 2, 1, 43; und er nicht büsze seine wut mit meiner selen leib und blut. Weckherlin 20; der sattsam heilig sei, der götter zorn zu büszen. J. E. Schlegel 1, 55. 66) büszen,
wenden, stillen, reparare, auf abstracte vorstellungen bezogen, was sich an die vorausgehenden bedeutungen schlieszt und zu busze 2
stimmt: und si mir mac gebüeʒen wol den kumber. Walth. 120, 18; sus wart diu küneginne verholn des ze râte, daʒ sie dem künec drâte sîn alter wolte büeʒen.
troj. kr. 10436,
d. i. ihn verjüngen; ebenso bei Chaucer bete sorwe,
sorge heilen, vergelten. darum den gram ein wenig büszt, gott weisz wol, das ihr essen müszt. Ringwald Ee 6
a. 77) büszen
ist allgemein expiare, sühnen, ohne den gedanken an gerichtliche, kirchliche busze: komme mit eile den fehler zu büszen, lege der fürstin sich nieder zu füszen. Logau 3, 212; eile! wenn du nicht eilest, werden wirs theuer büszen müssen. Göthe 12, 241; einen jeden büszt (
straft) und vexiert sein list. Frank
sprichw. 1, 76
a. 88) büszen,
luere, emendare im rechtlichen sinn der busze hiesz nicht nur das auf eine missethat gesetzte geld entrichten, sondern auch dessen entrichtung auferlegen und beitreiben, der thäter hat zehn thaler zu büszen, der richter büszt ihn um zehn thaler; so sollen die eltesten der stad den man nemen und züchtigen und umb hundert sekel silbers büszen.
5 Mos. 22, 19; ein schultheisz, der die bauren nicht büszt. Kirchhof
wendunm. 69.
Kriemhilt sagt: sô swert mir eide, swaʒ mir ieman getuot, daʒ ir sît der næhste der büeʒe mîniu leit.
Nib. 1197, 3,
dasz ihr meine feinde und beleidiger dafür zur verantwortung zieht, sie büszen
laszt, rache dafür nehmt; wisten wir doch, wem wir das klagen solten, der uns der not büszet (
busze zu wege bringt), die uns der grosze herr thut.
buch der liebe 88, 1. der frevel, das leid ist gebüszt,
gesühnt, es ist dafür gezahlt worden, der todgeschlagne ist gebüszt,
sein wergeld entrichtet: wenn zwen mit einander balgen, so sollen die nesten dabei trewlich fried nemen, wenn den einer (
der balgenden den andern) daruber zu tod schlug, so soll er gebüszet sein. Reutter
kriegsordn. 14,
d. h. so braucht keine busze entrichtet zu werden; es soll keiner ohn grosze not aus der ordnung gehen, wen die hauptleute dreiben, wenn er sich widere (
weigere, auflehne) und zu tod geschlagen wurd, soll er schon gebüszet sein.
ebenda. Wie nun allmälich der begrif der busze übergieng in den allgemeineren der strafe, so bedeutet auch büszen 8@aa)
puniri: er soll mit einem tage gefängnis büszen; jedes
[] versäumnis, jedes unglück muste (
in der reitstunde) mit geld gebüszt werden. Göthe 24, 233; er soll dafür büszen; er hat lange genug gebüszt. 8@bb)
punire, bestrafen: ist er unrecht erwelet, so ist er zimlich darumb gebüszet bis daher. Luther 5, 495
b; ich frag euch all, ir ritter und knecht, wie man einen püszen sol mit recht, der frauen er genidert hat.
fastn. 705, 16. 710, 3; der Landenberger büszte seinen sohn um kleinen fehlers willen. Schiller 523
a. wenn ein solcher unterthänig gewordener ort um einen bestimmten theil seiner feldmark gebüszt wird. Niebuhr 1, 607; mit dem tode büszen (
strafen).
die ältere sprache setzte statt der praep. auch den gen.: darumb sich in seinem zorn mäsziget und sie beide öffentlich hartes tods meinet zu büszen und in dem fewer zu verbrennen.
Bocc. 1, 285
b. 99) büszen,
in kirchlichem sinn, 9@aa)
intransitiv μετανοεῖν,
wofür Ulfilas
nur idreigôn = poenitere
sagt, die vulgata poenitentiam agere,
ahd. hriwun wurchan,
später busze wirken,
bei Luther busze thun,
nicht büszen,
wenigstens in der bibel nicht, wol aber bei andern, z. b. es ist ietz nit zeit ze streiten und ze fechten, aber es ist zeit ze betten und ze büszen. Keisersb.
s. d. m. 61
a; du alter narr, bald peicht und püsz. Schwarzenb. 141, 2; wird dem keiser sein abfall leid, so kan er dessen noch gnieszen, wo er aber nicht wolt büszen, so wird ers entgelten müssen. Ayrer 151
b; in staub und asche büszen, kniend büszen,
häufig auch für etwas büszen: er büszt für seine sünden,
was aber leicht meint, er leidet strafe dafür und nicht er ist reuig. 9@bb)
transitiv, seine sünde büszen; verklagt das herz dich keiner andern sünde, die du noch nicht gebeichtet und gebüszt? Schiller 443
a; nu hat die reu unser herz berürt, das wir das fürbasz wollen büszen.
fastn. 724, 9,
dafür busze thun. sobald emendatio für das wesen der busze gehalten wird, hat der acc. besseren fug, bei der inneren contritio und reue hingegen das intransitivum, ohne casus. 9@cc) sich büszen,
mit gen. der sache: wann wir uns des alles haben gebüszt, das unsern leib je hat gelüst.
fastn. 719, 8.
Überschaut man die entfalteten neun bedeutungen von büszen,
so fallen alle, mit ausnahme der zweiten, zusammen in dem begrif des ergänzens (
reficiendi, reparandi).
wie das zerrissene gewand, das gebrochene gefäsz geflickt, wird der kranke leib geheilt (heil
ist hêl,
ganz),
hunger, durst und begierde gesättigt, gestillt und beschwichtigt; den verletzten rechtszustand stellt die busze her und auch der kirchlichen ansicht gemäsz ist, dasz reue
und busze
das durch die sünde entzwei gegangne kleid der seele wieder zusammen hefte, schöner wäre, sagt ein alter dichter, wenn es nie einen risz bekommen hätte. die zweite bedeutung scheint sich nur zu einigen insofern nachweisbar würde, dasz ein wiederanfachen gemeint ist. s. abbüszen, einbüszen, verbüszen, zubüszen.