Wossidia
bruken brauchen I. verwenden, gebrauchen 1. mit Gen.: 'unde scholen ok mynes leydes nyten ... ofte bruken' (1332) UB. 8, 296; 'unde scholen des sulves daghes bruken' (MaMalchin@GnoienGnoi 1344) 9, 541; 'so scholen se denne neten unde bruken aller vrucht unde sat' (WaWaren@MalchowMalch 1375) 18, 632; refl.: 'scal sick desser hoven bruken to eyneme brukliken pande' (PaParchim@LübzLübz 1436) Jb. 6, 221; 'eyn wullenwever schal zyck bruken dre efte ver ammethe' (WaWaren@RöbelRöb 1512) 57, 166; 'sich viele Jahre ... der Schäferei ... gebrauchet' Gravamen von 1701; 'so sich des Müntzens gebrauchen wollen' Münzordn. von 1568. 2. mit Akk.: 'den appelhoff ... bruken und buwen' (Pa@ 1312) UB. 5, 668; 'pechte, böringe und gerechticheit, in aller mathen, wor di tovorn innegehat, genaten und gebruket' (Gü 1526) Bär. Ges. 1, 1, 205; 'doch wenn der Pawest ... sülvest dyt Handtwerck bruket' Gry. Paw. Ddd 3
b; 'hebben in Dodesnöden dyt gebedeken gebruket' Cc 1
a; möt all bruukt warden, wo 't gaut tau is, säd' de Buer, wischt sick de Näs' mit sin Fru ehr siden Schört WaWaren@WredenhagenWred; bruken kann 'ck em nich, œwer ick heff em, säd' de Raw, dor nehm he sick den gollen Ring mit int Nest GüGüstrow@BützowBütz; Dat se sich nich to hoch upduckt Un alltoscharp den Slarpen bruckt Bahrdt 1, 165; dor möt 'n de Arrer bruken auf tiefem Wege muß man das Pferd mit der Peitsche antreiben SchöSchönberg@SchlagsdorfSchlagsd; nu kann de Scheper de Knütt all 'n bäten bruken beim Hüten der Schafe RoRostock@GresenhorstGres; dor süll he ok man 'n Swäwelsticken bruken das alte Haus niederbrennen StaStargard@FeldbergFeldb; ebenso: dat möt ok 'n bäten bruukt warden, dat 'n ni för 'n oll kümmt Wa; sinen eigen Kopp bruken eigensinnig sein SchöSchönberg@SchlagsdorfSchlagsd; sin eigen Bein bruken allein gehen ebda; ick kann min Gedächtnis nich mihr bruken bin vergeßlich PaParchim@GanzlinGanzl; Kommando bruken gehorchen HaHagenow@RedefinRed; een Inseihn bruken Nachsicht üben RoRostock@TessinTess; abgewandelt anstrengen: Barg dal holl mi, Barg up schon mi, up 'n Äben bruk mi (sagt das Pferd) Wo.
V. 2, 105 b; du hest em woll scharp bruukt das Pferd hart mitgenommen Lu; wi würden ok tau dull bruukt überanstrengt SchöSchönberg@GrevesmühlenGrev; ein Diern, Fru bruken Geschlechtsverkehr mit ihnen haben LuLudwigslust@LankLank; se hebben se bruukt, wo se gaut tau wääst sünd Pa. 3. mit präpos. Ergänzung, wie eben vorher: einen tau 'n besten bruken foppen RoRostock@RibnitzRibn; Wo. Sag. 1, 145; ähnl.: einen för 'n Narren bruken SchöSchönberg@SchlagsdorfSchlagsd. 4. tau bruken sin brauchbar sein: dee is nich Winter oder Sommer tau bruken Nd. Kbl. 14, 18; dat is nich tau bruken allgem.; he wir nich tau bruken war zornig RoRostock@DoberanDob; se (die Frau) is tau bruken worden Ribn; de Uptog is nich ... to bruken worden (die Schafaufzucht taugte nichts) Loep. 179; wenn ick dat nich tau bruken maakt hadd' wenn ich schlechte Arbeit geleistet hatte RoRostock@BlankenhagenBlank. 5. refl. sick bruken sich anstrengen, beeilen: 'brauch dich, weil du junck bist' Schlue 40; bruk di man 'n bäten WaWaren@TressowTress; dee möten sick gaut bruken HaHagenow@BelschBelsch; ick heff mi so dull bruukt MaMalchin@RitzerowRitz. II. anwenden; von Arzneien und anderen Mitteln gegen Krankheiten:
einen wat bruken: Arch. Landesk. 14, 505; Staak Krankh. 13; Bartsch 2, 318; Meckl. 20, 61; wat sall man dortau bruken? welche Mittel soll man bei der Krankheit anwenden RoRostock@BlankenhagenBlank; auch Abwehr gegen andere Übel,
z. B. Lindwurm: een Scharprichter hett dor wat för bruukt Wo. Sag. 1, 140; Behexung: se hebben wat bruken laten för bös' Lüd' WiWismar@NeuklosterNKlost; abgeschwächt von einem verlorenen Kartenspiel: dor is nicks gegen tau bruken SchöSchönberg@SchlagsdorfSchlagsd; häufig mit ergänzendem persönlichen Dat.: 'noch dith edder yennes ... em thor arstedye unde erquickinge gebruket' Gry. Wed. C 4
b; he bruk ehr wat gab ihr ein Gegenmittel RoRostock@KühlungsbornKühl; dee hebben se wat bruukt Wa; SchwSchwerin@Groß SalitzGSal; dee hett sick gegen de Räwko wat bruken laten PaParchim@SpornitzSporn; öft. gleich behexen: se hett em wat bruukt RoRostock@KlockenhagenKlock; WaWaren@PenzlinPenzl; wat Schœne di wat brukt hadd Bri. 7, 119; iron. von starkem Rausch: denn' hebben s' schön wat bruukt StaStargard@FeldbergFeldb. III. nötig haben, bedürfen: dei bruukt tau väl Geld Ro; dee (der Tote) bruukt nicks mihr Wa; dee (der Säufer) bruukt keenen Sug'proppen mihr Wa; Leigenlœgers (Lügner) bruukt väl Mus'löck: Bri. Volkssp. 27; der von bruken abhängige Inf. steht mit tau: wer Geld in de Tasch hett, bruukt keenen Staat to maken Wo. Lüd' 19; mi bruukst du keen Pier kennen tau lihren ich verstehe etwas von Pferden GüGüstrow@RuchowRuch; tau fehlt selten: wecker dat Kuurn to dick seiht, dee bruukt sin Schün nich grötter bugen StaStargard@GalenbeckGal. Zss.: af-,
an-, miss-,
ut-,
ver-,
wegbruken. — Mnd. brûken. — Bl. 55
a; Br. Wb. 1, 148; Da. 25
b; Dä. 58
a; Me. 1, 538; Schu. 76.