BLOSZ adj., adv. (1)
ahd. mhd. blôz.
mnd. blōt;
mnl. nnl. bloot;
afrs. blāt;
ae. blēat(e), me. blēt, blōt;
an. blautr,
isl. blautur,
norw. blaut, bløt,
dän. blød,
schwed. blöt
lassen sich auf germ. *ƀlau‐t‐
‘weich; nackt’ zurückführen. zur weiteren herkunft sowie zum zusammenhang mit blöd
adj. und blutt adj. s. Lloyd/S.
et. wb. ahd. 2,199–201. (2)
im ahd. isoliert als glossierung zu lat. superbus
bezeugt: 8.jh.
superbus plooz
ahd. gl. 3,5,10 S./S. (3)
zunächst überwiegend in der bedeutung ‘nackt, unbekleidet’ (A 1 b),
ab dem 17. jh. meist in der bedeutung ‘nichts weiter als, nur’ (A 5 a)
und ab dem 19. jh. vermehrt als adverb (B).
häufig in verbindung mit synonymen (z. b. bloß und nackt, bloß und bar, nur bloß allein
). A
ohne etwas. adj. 1
unverhüllt, unbedeckt. a
leer, kahl: ⟨u1100⟩ ih manon dih herro daz ih mih gilih dunko dem fogile der in dem neste lit bloz vunde blint
rheinauer gebete 27,117 W. ⟨u1248/78⟩ nû hât rîfe und snê geswendet/ al des lieben meien blüete,/ walt und heide man nu blôze siht Herrand v. Wildonie
180,4 ATB. ⟨1.h14.jh.⟩ ist sy
(königin beim schach) swartz, so get sy auf das swartz veld tzw der rechten hant fur den wolburhen oder schreiber; tzw der lenken hant für den stathüetter auf das swartz veld, ob sy lär vnd plos sein
schachzabelb. 119 TSM. 1472 wo Pompeius? wo Cato? .. sie sein alle hingeweet als die pletter des pawmes von eim schnellen windt, vnd ist der pawm ploß bliben Eyb
dt. schr. 1,86 H. 1532 wir Deutschen und andere nationes sind gleich wie eine bloße tafel; aber die Walen sind die tafel, darauf viel falsche opiniones gemalet sind Luther
tischreden 2,50 W. 1572 und hat also der muetwillige bube des von Randawen hausfrauen mit gedachter jungfer .. in blachen und blossen felde .. halten laßen
brand. schöppenstuhlsakten 1,575 S. 1604
(das mittel) machet das die kahle vnd blosse flecke wider mit haar bewachsen Colerus
oecon. 3,179. 1652 manches schönes land fast nakkend,/ kahl und blooß/ durchs kriegen wird gemacht Rist
Parnass 602. 1719 vom tangel=holtz. dieses einzige zieret mit seiner schönen angenehmen grünen farbe nunmehro
(im winter) das gehöltze, .. da alle andere bäume und sträucher bloß und elende stehen Fleming
jäger 1,397b. 1751 zwischen den blättern wachsen etliche blosse, ohngefehr einer elen hohe, und mit nebenästgen besezte stengel Riedel
garten lex. 270. 1821 da geht im hain das schütteln los,/ und flugs steht alles blank und bloß,/ bis auf den zweig des finken W. Müller
ged. 68 H. b
nackt, unbekleidet: ⟨n1180⟩ als er endahte mich,/ sô wolt er sunder wât/ mîn arme schouwen blôz Heinrich v. Morungen
38144,13 MF. ⟨u1210⟩ die truogen an ir schenkelen/ linhosen, ../ vüeze und enkele waren bloz Gottfried
72645 R. ⟨E14.jh.⟩ rure nicht eines mannes blossen lip,/ du wolles danne werden sin wip Rothe
keuschheit 2815 DTM. ⟨1421⟩ do lieffen die unschemeln weip uf die muwern unde huben ir cleider uf .. unde hyngen die blossin ersse obir die zynnen
ders., düring. chr. 393 L. 1520 der reichman ward gestrafft, dz er weiche hembder an dem blossen leib trůg Pauli
narrenschiff 108b. 1563
(er) nam zwey eyer, .. steckt die in busem auff die blosse haut, biß sie wol warm worden Kirchhof
wendunmuth 1,243 LV. 1608 ich
(habe) zu Venedig gesehen .., daß die männer allerdings bloß vnd vnbedeckt ins bad gehn Schweigger
reyssbeschr. 115 faks. 1659 im december werde sehr schädlich seyn, einem hauffen wölffen mit blossen füssen zu begegnen Schupp
streitschr. 1,38 HND. 1729 unterlasset .. nicht euern abend‐seegen. / .. bett heimlich oder laut,/ im bett, auch ausserhalb, doch nicht mit blosser haut Henrici
ged. (1727)2,204. 1763 die weiber der alten Germanen, giengen .. mit blossen schultern und armen Wieland
I 4,173 ak. 1842 sie trug sich reich und prächtig,/ nur etwas gar zu bloß Strachwitz
ged. 7109 W. ⟨1871⟩ sie wollen im bloßen kopf ausgehen, bei der kälte? Heyse
[1924] II 4,136. 1933 die mutter schlägt zu, .. auf den bloßen rücken, wohin es geht Schröer
bauernenkel 59. ⟨1979⟩ tiefe stille umgab ihn, er hörte kaum das tappen seiner bloßen füße Ende
gesch. (2000)105. 2005 das licht
(beschreibt) diesen blossen leib mit einer geheimnisvollen schrift, mit einer botschaft, die wir nicht entziffern können
n. zürch. ztg. (1.2.)35c. c
unverdeckt, offen, offenbar; meist prädikativ: ⟨n1190⟩ im was sin houbet so gar zv slagen/ daz im daz blozze hirn bein/ in der wunden vz schein Herbort
12503 F. ⟨u1200/10⟩ nâch des tages site ein alterstein/ dâ stuont al blôz
(in der gruft) Wolfram
Parzival 7459,24 L./H. ⟨u1362⟩ eya got, wie ist mir dú warheit so bloss geseit! Seuse
54 B. 1497 du solt auch wissen ob einem ein stück von dem houpt gehawen, das die hirn schal bloß were Brunschwig
cirurgia 40c. ⟨1538⟩ keyn creatur ist vor jm
(gott) vnsichtbar, es ist aber alles bloß, vnd vor seinen augen dargeneygt Franck
arch (1539)13a. 1565 er name .. staͤbe vonn gruͤnen papeln baum .. vnnd schelet weisse streiffe daran, daß an den staͤben daß weisse bloß ward Heyden
Plinius 247. ⟨v1624⟩ alhier stehen nun die grossen geheimnisz .. gantz blos und offen, und ist kein deckel dafür Böhme
theosophia (1730)2,272 faks. 1693 bloser herd, wird genennet, worauff keine planen liegen Schönberg
berginformation 2,16. 1746 die .. rehe ..
(müssen) doch heraus .., wenn sie ihm
(adler) nicht zum fangen bloß genug sitzen Döbel
jäger‐practica 1,73b. 1785 was trägst du deine stirne blos,/ die schwarzer meineid zeichnet? Moritz
Reiser 66 DLD. 1844 es gewährt uns ein großes ergötzen, alle unsere neigungen und affekte .. in ihm
(hund) bloß und baar zu tage gelegt zu sehn Schopenhauer
3,65 H. –
offen sichtbar, blankgezogen; von waffen: ⟨u1200⟩ ein vil starkez wâfen daz truog er blôz an sîner hant
nibelungenlied 181951,4 B./B. ⟨u1362⟩ do tobten si .. und stiessen dú húser uf .. und stachen mit blossen swerten dur dú bet und stro Seuse
76 B. 1459 in dem keme Heini Waldman och mit blossem tägen gen im geloffen, stäche och gen im
qu. schweiz. gesch., n. f. II 1,29. 1542 wenn sie
(Sarazenen) zusamen komen, das ir prediger sie das gesetz der Sarracener leren .. sol, so zeucht er ein schwert aus und helts blos in der hand, so lange er predigt Luther
w. 53,344 W. 1587 welcher .. ein ploß wehr zucken .. und doch niemand verwunden wurde, der soll 3 ℔ 5 β verfallen sein
württ. ländl. rechtsqu. 2,643 W. 1663 gleich als ein blitz geflogen/ .. kömmt, so wil auch ich durch bogen,/ durch gluth und scharffe spieß und bloße dolchen gehn Gryphius
trauersp. 667 LV. 1690 das sehe ich aber wohl, daß er händel an mich suchet, und also kann ihm leicht die ehre widerfahren, daß er meine bloße klinge siehet Weise
seele 151 DLE. 1724 gottesfurcht stehet .. einen ritter wohl an, und die bibel kan wohl bey einem blossen degen liegen Fabricius
oratorie 399. 1781 so hätte ich nicht mehr geschrieben – und wenn der scharfrichter mit bloßem schwert hinter mir gewesen wäre Mozart
br. 2,129 Sch. 1814 der könig stand, den bloßen degen in der hand, und der herzog kniete
d. n. Dtld. 640 L. 1872 Prokop, ein bloßes schwert in der hand, kommt mit seiner tochter Grillparzer
59,57 S. 1920 das stadtgericht saß oben mit bloßem schwert Döblin
Wallenstein 2,137. 1998
(es) sieht .. gar nicht so harmlos aus, wenn die darsteller mit bloßen schwertern aufeinander einschlagen und die funken sprühen
frankf. rundschau (19.10.), IdS‐arch. 2
entblößt, beraubt, entleert (von etwas dazugehörigem), befreit (von etwas); prädikativ in verbindung mit sein, werden
sowie mit genitivattribut oder präpositionaler ergänzung: ⟨u1100⟩ ih bin bloz der tugindon vnde bin blint in die sundon
rheinauer gebete 27,121 W. ⟨n1210⟩ er ist alles valsches lære/ und aller untriuwe blôz
herzog Ernst B 735 B. ⟨14.jh.⟩ ritterlicher claider/ müste sin lib werden bloss
göttweiger trojanerkrieg 6137 DTM. 1494 wer zeygen důt eyn gůte strosz/ vnd blibt er jn dem pfütz vnd mosz/ der ist der synn vnd wiszheit blosz Brant
narrenschiff 23b Z. 1537 so verlest in gott, macht in blos/ an ehr, leib und all seinem gut Voith
in: Ackermann/
V. dr. 159 LV. 1581 wir
(halten) darfuͤr .., daß sie des glaubens an gott nit allerdings bloß gewesen Fickler
tractat 56b. ⟨1611⟩ dann ob ich schon schein starck und gross,/ doch bin ich aller kräfft gantz bloss Spangenberg
anbindbr. 124 LV. ⟨1698⟩ sie sind der evangelischen religion .. bloß Spener
bedencken (1700)1,1,51. 1704 was darff dich der verlust der sprüden haare schmertzen? das glücke zeigt sich auch von locken meistens bloß Abschatz
in: dt. lit. 3,682 K. 1777 hier muß ich mich mit stätem kummer schlagen,/ .. entfernt vom land, wo ich begann zu leben,/ von eltern bloß, und fremd für jedermann Haller
ged. 116. 1846 hast du mir es heut’ verziehn,/ daß ich
(nußbaum) nun bloß von früchten bin Mörike
21,247 M. 1853 glauben sie wirklich, daß wir dieser kräfte bar und bloß sind? Fontane
(1919) II 4,73 jub. 1935 ich .. bin nun selbst der sünde bloß, ein ganzes büchlein ‘gesammelte schriften’ in die welt zu senden
in: Abendroth
Pfitzner 45. 3
ungeschützt; unbewaffnet: ⟨u1150⟩ ein riter der ../ hiez Ivbal,/ der ../ hiete daz swerte erzogen/ unde wolde Alexander geben ainen slach,/ da er im den halz ploz gesach Lamprecht
Alexander V (1923)1284 M. ⟨u1225⟩ Lancelot .. hett angst, ob er also bloß under sie
(bewaffnete wachen) qwem, das es sin dot sin múst
Lancelot 1,610 DTM. ⟨1359⟩ sind die
(leute) .. plóz vnd vngewappnt, da wérffnt
(sie) durich mit den .. stekchn vnd geschózz Steckel
reise 69 TSM. ⟨u1460⟩ sy .. viengen in on alle wer und ungewappent, gar plössen Hartlieb
dialogus 90 DTM. 1535 die knecht .. seind .. gegen dem blossen vnd vnwehrhafftem volck eingefallen, vnd haben dasselbig her nidder geschlagen Micyllus
Tacitus 353a. 1559/66 der ritter hett harnisch an, hergegen war der könig bloss Montanus
schwankb. 425 LV. ⟨1626⟩ prinz Wilhelm von Vranien sagte: wie es käme, daß .. er
(kurfürst) also bloß sässe, vnd sein schloß vnd residentz weder mit volck noch bollwercken versehen liesse Zinkgref
sprüch (1628)1,120. 1656 ihr liesset euch so bloß dem feindlichen gewitter./ triebt sicher in gefahr Fleming
in: Olearius
muscowit. reyse 83. 1733 seine frontieren sind allenthalben bloß, die pässe nicht verwahret
ber. wahl‐ceremonien 116. 1832 jedoch ist weder ihnen
(nymphen) noch andern jemals einen feind zu schlagen erlaubt: wenn sie ihn schlügen, liessen sie ihre königinn blos und im stich Regis
Gargantua 1,867. 1964 die hand ist ein sinnbild der macht, sie wird mit der bloßen wie der bewehrten hand ausgeübt
in: mutterspr. 150a. –
schwach, elend: ⟨u1230⟩ gotes wunder sint sô grôz,/ des menschen sin ist gein in blôz Freidank
29,4 G. 1535
(der) radt vnd die gemein
(sind) .. schwach, vnuermoͤglich vnd bloß Micyllus
Tacitus 19b. ⟨1563⟩ er zwung und drung mit stewrn und schetzen,/ mit untertrucket klein und groß./ heut ligt er selb ellend und bloß Sachs
16,447 LV. ⟨v1624⟩ der freye wille .. ist .. blos und unmächtig Böhme
theosophia (1730)17,215 faks. 1654 er seye .. nur ein blosser und krafftloser geruchsniesser gewest Abele
gerichtshändel 30. 1724 sie sind elend iämmerlich blind und bloß Fabricius
oratorie 517. 4
ohne besitz, arm, bedürftig: ⟨v1209⟩ sô muoz er danne blôzer wider/ scheiden gar ân sîne habe Wirnt
1952 K. ⟨v1475⟩ so
(bin) ich allso bloß vnd laͤre .. an gelt Eyb
dt. schr. 2,28 H. 1526 er ist ia frum, gelert vnd geschickt, aber blos vnd arm Luther
brw. 4,90 W. ⟨1557⟩ es ist ein volk on gelt so bloß/ es hat nit wert eins hellers groß
sat. u. pasquille 21,153 Sch. 1624
(er muß) also lär vnd bloß an bettelstabe gehen Zinkgref
in: dt. lit. 3,662 K. 1674
(das jagen ist keine sünde, es sei denn) wenn man .. die arme, blosse, schlecht bekleidete unterthanen nöthiget, daß sie im harten kalten winter mit hinaus auf die jagt müssen, und draussen .. erfriren Widmann/P.
Faust 428 LV. 1752 weil ich mein gold nicht angreifen werde, so können sie leicht denken, daß ich jetzt bloß bin Hamann
brw. 1,17 Z./H. ⟨1890/5⟩ wie du bist und stehst, so arm und bloß, .. so gehst du jetzt von hinnen Rosegger
22(1922) 327. 5
ohne zusatz, zusätzliches; mit nichts weiterem verbunden. a
als adjektivische umschreibung adverbialer verhältnisse für ‘nichts weiter als, nur’; überwiegend pejorativ: ⟨1225/30⟩ sol ich
(Josaphat) sô verderben/ und alsô gar ersterben,/ daz von mir niht werde/ wan ein blôziu erde? Rudolf v. Ems
Barlaam 34,38 P. 1343/9
s. Augustînus sprichit, daz dirre zuk in Paulo und in den anderen di entzucket werden nicht mê sî dan ein blôz schowen in eime nu
dt. mystiker 1,98 P. ⟨1474⟩ die tugent .. hat ain benuͤgen an aim plossen menschen der tugenthaftig sein will Eyb
spiegel (1511)A4b. 1522 sie hielten das brot im sacrament des altars fur ein bloße bedeutung des leichnams Christi und den wein allein für ein bedeutung des bluts Christi Luther
brw. 2,531 W. ⟨1575⟩ die .. arbeiter ..
(können) auch mit ihrem hart erworbenem lohn die wochen uͤber die blosse kost kaum ertragen
corp. ivr. metallici 298 W. 1605 auff hören sagen gar nicht baw/ auff blosse wort mit nichten traw Petri
weissheit I 8a. 1656 denn schach Abas hatte seinen sohn Sefi Myrsa vmbbringen lassen. vnd zwar aus blossem verdacht Olearius
muscowit. reyse 649. 1710 einige durch keine andere ursache, .. als durch den blossen klang des wortes darzu verleitet, haben schlüssen wollen, er sey von Cana aus Galiläa gebürtig gewesen
Cave, apostel 594. 1770 das wachsthum der fische, die anstatt der knochen bloße knorpeln haben, fährt beständig fort
Haller, umriß 520. 1816 wohl zwei stunden stand er im bloßen hemde Marheineke
ref. 2,50. 1861 ein wegbahner .. und der landammann von Rovredo .. waren
(bei einem unfall) durch den bloßen druck an das straßengeländer getödtet worden Berlepsch
Alpen 210. 1906 obgleich ich noch ein bloßes kind war, machte er mich zum vertrauten seiner religiösen zweifel und philosophischen betrachtungen Schurz
lebenserinn. 1,27. 1961
(Goethe) hat wahrhaftig geweint bei dem bloßen gedanken, irgendeinmal fortzusollen Huppert
land 223. 2004 es
(ist) wohl mehr als ein blosser zufall
n. zürch. ztg. (7.7.)37c. –
ohne sehhilfe; meist in der verbindung mit bloßem auge
u. dgl.; selten plur.: 1687 was kleiner ist, als ein stern von der sechsten grösse, das kan mit dem blossen auge am firmament nicht bemercket werden Happel
mundus 1,3. 1706 seemüschelein
(sind) .. unseren jezt beschribenen steinlein ganz gleich .., wie zusehen .. mit blossem aug, und .. under dem vergrösserungglas Scheuchzer
natur‐gesch. 1,1,103. ⟨1768⟩ es sind .. unterschiedliche kleine sterne in dem schönen bilde des orions .. mit bloßen augen sichtbar Bode
himmel (1778)161. 1820 man sieht .., wie der geschmack des herren Eisenschmidt sich alljährlich verfeinert hat und endlich so fein geworden ist, daß man ihn mit bloßen augen gar nicht mehr sehen kann Börne
5,1062 R. 1863 wie vieles ist auch äußerlich seiner kleinheit und zartheit wegen mit dem bloßen auge nicht zu messen
schulbl. Brand. 28,334. 1931 man kann sie mit bloßem auge erkennen Otten
Napoleon 305. ⟨1964⟩ Hadrach riß seine brille hervor, um das, was er mit bloßen augen überflogen hatte, noch einmal zu lesen
in: mörderbock (1968)48. 2004 der komet .. Neat .. soll laut prognose diesen monat in unseren breiten von blossem auge sichtbar sein
n. zürch. ztg. (29.4.) 43b. b
pur, unvermischt. in philosophischem und theologischem kontext auch ‘rein, lauter’: 1291 fver .. daz an ekchern oder an gerihten leit, daz blozze phenninge genant sint, sol er abslahen fver sehs phvnt
corp. altdt. originalurk. 2,659 W. ⟨14.jh.?⟩ ein buwmeister .. sol .. naemen .. von einem mútte blosses kornes ein imi
weist. 1,163 G. 1528 wisse, das kein rat ist widder des teuffels verfurung zubestehen, denn das man am blossen hellen wort der schrifft haffte
(nachschr.) Luther
w. 28,91 W. 1569 der mensch muß .. sich gott gantz lassen, bloß vnd lauter gefreyet von allen bilden
theatrvm diabolorum 169b. 1643
(man muß) die seeligkeit .. gründen .. auff die einige blosse genade gottes Moscherosch
cura 121 HND. 1674 wenn die lehr .. von dem blosen rahtschluß gottes wahr wäre, .. so müste daraus folgen, das gott nicht eine geringe ursach der gottlosen .. wäre Widmann/P.
Faust 576 LV. 1704 sie ärgert sich, wenn man die blosse wahrheit spricht Wernicke
epigr. 147 P. ⟨1780⟩ spat= und quarzkrystallen, theils in der mutter, theils blosz, giebt es Möser
6,83 A. B
lediglich, nur, ausschließlich. adv. : ⟨u1350/77⟩ maniger sait, in wunder gross/ daz ich sey ain laye ploss/ und so fremder dinge var Teichner
464,50 DTM. 1525 alle creaturen .. helffen allerley schaffen, das er
(gott) doch sonst on yhr mitwircken thun kan und auch thut, auff das wyr blos an seynem wort alleyne hangen Luther
w. 17,2,192 W. v1566 alle haimbliche gemäch on alle grueben geen nuer ploss in die höf, gässen vnnd strassen Herberstein
in: font. rer. austr. I 1,378. ⟨v1624⟩ so wir ja nun .. wolten dencken, gott hätte alle thiere blos aus erden=klumpen gemacht, woraus ist dann ihr geist gemacht? Böhme
theosophia (1730)12, 83 faks. 1676 ich verhoffe, die herren werden .. leicht ersehen, daß ich unser .. discurs=haus nicht nur bloß allein von natürlichen körpern genauer deutung .. zuzurichten wünsche Francisci
lust-haus 44. 1709 zwar solte man .. sich bloß in die klugen erfindungen, nicht aber in die person selbst verlieben Neukirch
in: dt. lit. 3,458 K. 1777 gäbe es einfache levcojen
(blumenart), die bloß weibliche blüten hätten, .. so könnte man sich .. der gefüllten levcojen eben so bedienen, wie man in der Türkey sich in den serailles der castraten bedienet Lueder
blumengarten 160. 1830 übrigens habe ich ja nicht bloß privathäuser, sondern auch hotels gesehen Börne
4,1154 R. ⟨1874⟩ in seinem letzterschienenen buche hat Saar .. das ästhetische grundgesetz befolgt, kraft dessen .. alles bloß zufällige aus dem reiche der dichtung verbannt ist Glück
ges. aufs. 205 WLV. ⟨1926⟩ ich meinte ja bloß. aber du weißt ja immer alles besser Brecht
stücke 13(1968)22. 1965 da war .. keiner zu sehen. bloß der hund lag da Kant
aula 50. 2004 Moses
(ist) eben bloss noch weltfremder anachronismus
n. zürch. ztg. (17.11.)35a. C
verstärkende partikel; meist in imperativen, wünschen und fragen: 1851 denken se sich blos den spaß Glaszbrenner
volksleben (1847)3,202. 1900 nun fang blos davon nicht wieder an Hartleben
rosenmontag 49. 1961 wie haste das bloß wieder losgekriegt? Grass
katz 29. 2010 McDonell .. wirkt wie jemand, der stets auf der hut ist, bloß nicht zu viel von sich preiszugeben
spiegel 32,103a. D
phraseologisch. –auf bloßer erde, bloßem boden
u. dgl. ohne eine (schützende) unterlage unter sich: ⟨u1370⟩ des legten si den nackenten leip auf di bloszen erden Johann v. Neumarkt
2,45 K. 1472/3 er ..
(legt) sich auf daz bloß ertrich Arigo
decameron 638 LV. u1550 man saget, .. das sein majestät dy aine nacht .. auff plosser erde under dem himel weren gelegen Widmann
in: (Regensb.) chr. dt. städte 15,175. 1584 so mueß er auff blossem nassen boden ligen, auff jhn regen vnd schneihen lassen Ferdinand II. v. Tirol
speculum 16 HND. 1669 er .. schlieff allezeit auff stroh, oder auff der blossen erd Grimmelshausen
Simplicissimus 137 Sch. 1714 wie unser .. heyland .. nacher Jerusalem eingeritten, da .. haben die Hebräer ihre eigene kleyder .. auf die blosse erd gebreit, damit der esel darüber gehe Schudt
merckwürdigkeiten 1,540. 1762 er war .. imstande, verschiedene nächte nach einander auf bloßer erde vor des königes zimmer zu schlafen Carsted
atzendorfer chr. 208 S. 1882 es wurde die herbeischaffung von strohsäcken .. dringend betrieben .., da in den spitälern viele kranke auf bloßer erde lagen Thürheim
Starhemberg 136. ⟨1909⟩ schlief ich nach all dem übermaß so gut und sanft auf bloßer erde? Sternheim
1,531 H. 1990 frauen, männer und kinder sitzen auf der bloßen erde
nürnb. nachrichten (10. 7.), IdS‐arch. –unter bloßem himmel
ohne ein (schützendes) dach u. dgl. über sich, im freien: ⟨1486⟩ nachdem die sun undergangen ist, .. sol er under blossem himel sitzen
weist. 1,305 G. 1533/4 die leut
(mußten) under den wolken und dem plossen himel bleiben Turmair
5,1,358 ak. ⟨1562⟩ vor der statt mustens bleiben da/ im feld, unter dem blosen himel/ lagens und weynten Sachs
15,271 LV. 1605 alle sontag .. sitzen vnndt stehendt die zuhörer
(der predigt) mehrteils vnder dem blossen himmel Th. Platter
d. j. englandfahrt 52 H. 1693
(die) Römer ..
(hielten) ihre gerichte gemeiniglich unter den blossen himmel Döpler
schau‐platz 1,7. 1794 es geschieht aber doch zuweilen, daß .. ein sturm=wind das zelt umwirft und gar wegnimmt, und die Lappen der gefahr ausgesetzt seyn läßt, unter bloßem himmel zu sitzen und zu liegen Krünitz
encycl. 64,768. 1845 um diesen quälgeistern zu entgehen, schlief ich während der ganzen reise unter bloßem himmel
ausland 18,980a. 1996 vor der verladung lagerten die kriegsgefangenen schon über 5 tage unter bloßem himmel Epifanow/
M. tragödie 19. –einen bloßen legen, schlagen, schießen
u. dgl. einen fehler machen, erfolglos sein; sich blamieren; zur möglichen motivation s. 1DWB 2,147: hs.v1494 du must mir zwar legen ein ploßen
fastnachtsp. 1,253 LV. 1525 er werd ein plossen schlagen und zu einem grossen elend und leit komen
akten bauernkrieg Mitteldtld. 2,203 M./F. ⟨1585⟩
(es) vnterfieng sich die freystaͤdtische besatzung, .. hertzog Hansen von der belaͤgerung abzutreiben, legte aber einen blossen Rätel
schles. chr. (1587)287. ⟨1611⟩ du wirst bei gott ein blossen schlagen Spangenberg
anbindbr. 89 LV. 1665 damit er keinen blossen schlagen möchte, ritte er in begleitung .. dahin, der hofnung, diese heyraht eilig zuvollstrecken Bucholtz
Herkuliskus 147a. 1700 die gedachte Susanna
(habe) mit ihren weissagungen keinen blossen geschlagen Arnold
kirchen‐hist. (1699)3,227a. 1762 was man [mit] nötiger überlegung, verstand, herz .. angreift, das gehet allemahl von statten; es sey denn, daß man als ein rechtes unglückskind bestimmt wäre, in allen den bloßen zu schlagen Carsted
atzendorfer chr. 32 S. Gante