lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

Backbeer

nur Dial. · 1 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

MeckWB
Anchors
1 in 1 Wb.
Sprachstufen
1 von 16
Verweise rein
15
Verweise raus
8

Eintrag · Mecklenburgisches Wb.

Backbeer Pl.

Bd. 1, Sp. 541
Wossidia Backbeer Pl. -beeren, selten Backs- f. gebackene, im Backofen gedörrte Birne; das beliebteste der vier Wörter der Backobstarten (Backappel, -beer, -kirsch, -plumm) und am stärksten in übertragenen Gebrauch gekommen; daher denn Backbeeren allgemein für Backobst gilt, so daß sich die gelegentliche Unterscheidung von Appelbackbeeren, das häufiger als Backappeln gebraucht wird, und Beerenbackbeeren einstellt. Abweichende Form ist Backelbeer, eine seltenere Benennung auch Bratbeer. Herbe Birnen eignen sich am besten als Backobst, süße und saftige sind zum Backen ungeeignet; zähe Früchte werden vorher gekocht. Man richtet die Birnen so zu, daß man den Stengel und die Blume entfernt, die Frucht schält und durch einen oder zwei Längsschnitte überkreuz (Krüzkluft) teilt und das Kerngehäuse herausnimmt. Zu dieser Arbeit wurden die Katenfrauen herangezogen. Kleines, geringes Obst blieb ganz (heil, rund) und behielt Schale und Stengel. Da die Birnen längere Hitze brauchten, wurde in der Regel ein eigenes Feuer angelegt, seltener kamen die Birnen auf den heißen Herd nach dem Brotbacken und trockneten bei dieser Hitze gar. Die Glut des niedergebrannten Feuers wurde seitlich geschoben und darauf in der Regel ein Nachfeuer unterhalten. Nachdem die zerschnittenen Früchte mit einer Schaufel auf den Herd geschüttet und mit einer Harke ausgebreitet waren, wobei in einem großen Ofen auch Hineinkriechen nötig wurde, setzte man um die Backbirnen Mauersteine (auch Abenstein genannt) und legte vorn seitlich vom Ofenloch eine oder zwei Feuerstellen an, indem man auf die Glut knorriges Holz, namentlich Buchenknorren legte und so ein kleines Feuer, das nur glœste, unterhielt. Hinten blieb zunächst ein Loch in Decke und Lehmmantel für den Abzug des Dunstes offen. Die Luftzufuhr regelte man durch zeitweiliges Öffnen der Ofentür oder indem man zunächst von den zwei vor das Ofenloch gestellten Brettern das obere halb, dann weniger offen hielt. Dieses Nachfeuer anlegen hieß nach dem ihm zugewiesenen Platze vorn am Ofenloch vörbäuten oder seitlich neben ihm bibäuten, als Nachfeuer schlechthin auch nahbäuten. Sorgsame Wartung des Feuers mußte das Blasigwerden der Früchte, das aber mehr bei Pflaumen zu befürchten war, verhüten. Wie bei Ringäpfeln verwendete man gelegentlich auch vierkantige Kästen als Rosten: in zwei Latten waren, wie bei Leiterbäumen, Holzstäbe eingezogen, und durch diese waren Weidenruten gewunden (tüünt, s. tünen) oder Strohseile geflochten. Die ausgestochenen Blüten und Kerngehäuse wie auch Höltingsbeeren wurden zu Bier verbraut, s. auch Backbeerenbier. Über die Aufbewahrung s. ob. Backawt. 1. da es Eingemachtes früher nicht gab, waren Backbeeren und Backplummen die einzige Dauerobstkost. Ein beliebtes Gericht waren und sind Klümp un Backbeeren (s. schon Jb. 2, 119), zum Grapenbraten werden Backbeeren un Appelbackbeeren (s. ebda) gegessen. Die Kinder erhielten zwischen den Mahlzeiten und als Lohn für Handreichungen und Gänge zwei bis drei Backbeeren RoRostock@DoberanDob; das Kleinkind wird beim Hemdanziehen gelockt: pike, pike rin, Backbeeren sünd dor in GüGüstrow@ZepelinZep; (Kind) wat krieg ick dorför? 'n Pägel Backbeeren WaWaren@LuplowLup; ablehnend auf die gleiche Frage: 'n viertel Fatt anbrennt Backbeeren GüGüstrow@BülowBül; auch Erwachsene schätzen Backbirnen, und die Drescher äußern: nu ward de Klump (das Mehl zum Kloß) verdeint tau de Backbeeren GüGüstrow@BraunsbergBraunsb; der Freiwerber bekam als Entgelt einen Scheffel Backbirnen Ro; die Leichenkleiderin wurde nach dem Ansagen des Todesfalls damit beschenkt, s. Backbeerenollsch; zum Püüstern (s. d.) brauchte die behandelnde Frau Backbeeren GüGüstrow@ZerninZern; säut Backbeeren beheben Sodbrennen Ro Rostock@Nienhagen bei DoberanNHagD; im Scherz wird als Teil des Deputats eines Hofegängers so angegeben: kriggt 'n Schäpel Backbeeren seigt Wa; in der Sage heißt es vom Drak, daß er Backbeeren lad't hett RoRostock@LieblingshofLiebl; auf den Spielgewinn zielt: Kätel vull Backbeeren mag uns' oll Sœg (die hölzerne Kugel) giern Reim im Kulsœgspiel SchwSchwerin@Klein RogahnKRog. Belege: Backbeer pirum exsiccatum Niem. Idiot. 2; Mi 5a. 2. wenn Kinder beim Spiel mit Backbeeren zahlten RoRostock@Nienhagen bei DoberanNHagD, ist dadurch ein Überfluß daran erkennbar, und der geringe Wert tritt deutlich in dem Wechselgespräch hervor: wat kost't dat? Geld, för Backbeeren ward nicks verköfft RoRostock@GresenhorstGres; ... Geld, Backbeeren wüllen se nich GüGüstrow@GülzowGülz; ... nimmt he nich Wi. Sie schrumpfen durch das Backen ein, und dieser Vorgang reizt zu allerlei Vergleichen: eine Frau, die sich ewiges Leben wünschte, ist zuletzt nur noch so groß wie eine Backbeer RoRostock@DoberanDob; von einer Art Backware von geringer Größe und schlechtestem Mehl, wie sie Reut. früher in einer mecklenburgischen Stadt kennen gelernt hatte, meint er: Nu waren (werden) 't woll Backber'n sin 1, 238; spöttisch von einem mageren Essen: twee Backbeern up eenen Happen dat iß tho fett Mantz. Ruh. 24, 57; Tiere und Gegenstände im Vergleich: leg (mager) as ne Backbeer von einer Kuh; in demselben Sinne: 'n hölten Backbeer WaWaren@JabelJab; oll Backbeer RoRostock@BastorfBast; sonn lütten Lümmel von Franzos' ..., drög as ne Backsbeer Bri. 2, 215; auch von einem minderwertigen alten Kahn: oll Backbeer Ha. Diese Bedeutung einer wertlosen Sache bewahrt bes. die Zs. Backbeerenkram (s. d.). Das Gewicht der Backbirnen ist gering, daher spöttisch anerkennend als tüchtige Leistung: de Jung geiht mit 'n Viert (einem Viertelscheffel) Backbeeren nah 'n Bœhn rup, as wenn he nicks up 'n Nacken hett PaParchim@DobbertinDobb. 3. Verwendung in Parodie, Reim und Übertragung; eine Parodie setzt die erste Zeile des Kirchenliedes 'Vom Himmel hoch da komm ich her' fort mit: ick bring' di ne Schal vull Backbeern her SchöSchönberg@DassowDass; in einer Parodie auf das Vaterunser: de Hund hett in de Backbeeren pisst StaStargard@WulkenzinWulk; Neckreim auf Jochen pochen: Schimmel Backbeeren PaParchim@GoldbergGoldb; Jogen, hebben de Klümp ok Ogen? Hebben de Backbeeren ok Föt, Smecken de Plummen ok söt? Wo. V. 4, 55; auf Krischan: hal de Backbeeren von 'n Bœhn GüGüstrow@GöllinGöll; auf Karlien: Karlien Karlaan, lat de Backbeern stahn RoRostock@HelmstorfHelmst; auf Durick: hett Backbeern in de Furrick Wi; im Ausschämreim: hest Backbeern fräten WaWaren@Alt GaarzAGarz; im Tanzreim: de Plummen un Backbeern wardn all all all LuLudwigslust@Groß LaaschGLaasch; das Hundegebell wird nachgeahmt: wenn de Hund so blääkt, denn seggt he: Min Herr hett Backbeeren nog nog nog Wo. V. 2, 435 a; oder: min min Mudder hett mihr Backbeeren as jug jug 437; 438 a; danach wird der Zuruf mihr Backbeeren! als eine Aufforderung zum Geschichtenerzählen aufgefaßt, vgl. U. Imm. 1, 12. Übertragen zur Bezeichnung von etwas Unmöglichem: dor wassen de Backbeeren uppe Dannen für eine abgelegene Gegend Wa; wennihr wir dat? As de Backbeeren bläugten SchöSchönberg@WarnowWarn; wo wist du hen? Nah 'n Backbeeren klöben Wa; ihrer du sowit kümmst, schitt de Ul Backbeeren WaWaren@MalchowMalch. Lang' Backbeeren in der Längsrichtung vierfach geteilte lange Birnen, die gebacken sind; sie werden, weil vollfleischig, bevorzugt, daher gewisse Rdaa. wie: wat gifft to äten? Lang' Backbeeren un afbraken Neihnadeln MaMalchin@RemplinRempl; wer got räden kann, kriggt lang' Backbeeren Sta Stargard@GrammertinGramm; wat weit de Buer von Gurkensalat, hei denkt, dat sünd lang' Backbeeren Gü Güstrow@KobrowKobr; Backbeeren stählen in verschiedenen Neckreimen: gust mit de Wust, hett Backbeeren stahlen StaStargard@MirowMir; auch von anderen Personen; zur Erklärung schlechten Wetters: Petrus is nah 'n Backbeeren stählen Wa; uns' Herrgott is ut, dee is in Dœmtz, hett Backbeeren stahlen HaHagenow@RedefinRed; sonst: wist mit nah Lœrz nah 'n Backbeeren snurren (stählen)? Sta@Us; WaWaren@RöbelRöb; anders: mit denn' is keen got Backbeeren söken kein guter Umgang mit ihm ebda. Aus Backbeeren macht eine Hexe Mäuse LuLudwigslust@EldenaEld. Eigenartige Aufforderung, Platz zu nehmen: sett di up 'n Noors, dat di de Müs' keen Backbeeren rindragen Wa. Übertr. für Zähne in der Drohung: hest woll lang' keen Backbeeren spuckt! Wa; für Schafkötel: dat (Schap) hett so väl Backbeeren vör 'n Noors RoRostock@ElmenhorstElm; Klœtern: de Kauh hett so väl Backbeeren an 'n Liw RoRostock@BentwischBentw. Backbeeren heißen die kleinen Stöcke im Bockspiel LuLudwigslust@LaupinLaup. 4. Ohrfeige, gebildet wie dieses nhd. Wort, auch wäre der Gedanke an Backs1 (s. d.) möglich: wist ne Backbeer? SchwSchwerin@PampowPamp. — FN.: Backbeerenbarg Berg, auf dem ein Backhaus gestanden hat, in welchem Birnen gebacken wurden RoRostock@RethwischRethw; -kamer, -mur (-moor), -wisch, -wuurd. — Bl. 50a; Br. Wb. 1, 40; Da. 10a; Dä. 21b; Me. 1, 202; Schu. 12; Teu. 1, 60.
8273 Zeichen · 90 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. modern
    Dialekt
    BackbeerPl.

    Mecklenburgisches Wb.

    Backbeer Pl. -beeren, selten Backs- f. gebackene, im Backofen gedörrte Birne; das beliebteste der vier Wörter der Backob…

Verweisungsnetz

15 Knoten, 15 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 1 Kompositum 14

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit backbeer

26 Bildungen · 26 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von backbeer 2 Komponenten

back+beer

backbeer setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

backbeer‑ als Erstglied (26 von 26)

Backbeeren

Wander

back·beeren

Backbeeren Nimm deine Backbeeren und geh mir aus den Augen. Gehe mit deinen geringen Habseligkeiten fort

Backbeerenbier

MeckWB

backbeeren·bier

Backbeerenbier n. Backbirnenbier, in der Ernte gebraut und auf dem Felde getrunken Wo. Ernt. 13; heile (unzerschnittene) Backbirnen, anderno…

Backbeerenbüdel

MeckWB

backbeeren·buedel

Backbeerenbüdel m. Beutel, in dem die Backbirnen aufbewahrt werden; Rda. von einem Übelgelaunten: denn' (dem) sünd se bi 'n Backbeerenbüdel …

Backbeerenbuer

MeckWB

backbeeren·buer

Backbeerenbuer m. Beiname eines Bauern, dem nach dem Volksglauben de Drak Backbeeren brachte Wi NiendK; der oft Backbeeren ( s. Backbeer 4 )…

Backbeerenfläut

MeckWB

Backbeerenfläut f. im Neckreim auf den Vornamen Thringreit: Th. mit de Backbeerenfläut Wo. V. 4, 421.

Backbeerenkist

MeckWB

backbeeren·kist

Backbeerenkist f. Kiste mit Backbirnen, auf dem Boden, wie -lad'; in der Parodie des Vaterunsers: '... der du bist', Up 'n Bœhn steiht uns' …

Backbeerenkram

MeckWB

backbeeren·kram

Backbeerenkram m. armselige Habe, wertlose Sachen, Schund, s. Backbeer 2: den ganzen Backbeerenkram Gü Gülz ; Ro Klock ; Camm. Reg. 65; dat …

Backbeerenmarkt

MeckWB

backbeeren·markt

Backbeerenmarkt m. frühere Benennung des Platzes vor der Bollbrüggeschen Mühle in Lu Grab ; dort boten die Bauern Backbirnen auf ihren Wagen…

Backbeerenollsch

MeckWB

Backbeerenollsch f. die Leichenkleiderin, so benannt, weil sie beim Ansagen des Todesfalls Backbeeren als Geschenk erhielt Ro HLuck .

Backbeerensack

MeckWB

backbeeren·sack

Backbeerensack m. Backbirnensack, nur im Ausschämreim: pfui, schäm di wat, du gäle Gatt, du Backbeerensack, wo lett di dat! Pa Plau .

Backbeerenschal

MeckWB

backbeeren·schal

Backbeerenschal f. Backbirnenschale, im Reim der Mutter, die das Kind auf dem Schoß hin- und herschiebt: sige sage Block intwei, Hambörger B…

Backbeerensnut

MeckWB

backbeeren·s·nut

Backbeerensnut f. Mund spitz wie eine Backbeer, im Neckreim auf den Vornamen August: Gust mit de Wust, mit de Backbeerensnut Wo. V. 4, 154.

Backbeerenstart

MeckWB

backbeeren·start

Backbeerenstart m. im Neckreim auf den Vornamen Eduard: Eduard mit 'n Kattenstart (Zägen-, Hasen-, Lämmer-, Backbeerenstart) Wo. V. 4, 187, …

Backbeerenstengel

MeckWB

backbeeren·stengel

Backbeerenstengel m. Stengel der Backbirne, diente den Kindern im Spiel als Pinsel; im Neckreim auf den Vornamen August: Gust mit de Wust, m…

Backbeerenstrat

MeckWB

backbeeren·strat

Backbeerenstrat f. Name einer Dorfstraße: Wa Wal ; Sta Schill ; Ma Chemn ; he is in Berlin wääst, in de grote Backbeerenstrat, dor hett he d…

Backbeerensupp

MeckWB

backbeeren·supp

Backbeerensupp f. Suppe mit Backbirnen; geringwertig, daher übertr. für schlechten Kaffee Wa; sonst im Dreschertakt: Backbeer, swart Backbee…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „backbeer". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 18. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/backbeer/meckwb?formid=B00156
MLA
Cotta, Marcel. „backbeer". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/backbeer/meckwb?formid=B00156. Abgerufen 18. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „backbeer". lautwandel.de. Zugegriffen 18. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/backbeer/meckwb?formid=B00156.
BibTeX
@misc{lautwandel_backbeer_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„backbeer"},
  year         = {2026},
  howpublished = {lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern},
  url          = {https://lautwandel.de/lemma/backbeer/meckwb?formid=B00156},
  urldate      = {2026-05-18},
}