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Autorität

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Eintrag · Goethe-Wörterbuch

Autorität

Bd. 1, Sp. 1300
Autorität‘Auctorität(en)’ GWBTgb 11.11.08 GWBN51,370,15. Von 90 Belegen 48 in natwiss Schr, bes in FlH; nur vereinzelt im dichter Werk; diese Frequenz ist motiviert durch G-s Angriff auf die allg anerkannte Farbentheorie Newtons u den Geltungsanspruch seiner eigenen Farbenlehre. In der ‘Geschichte der Farbenlehre’ wird das Verhältnis einer Epoche bzw eines Wissenschaftlers zu den überlieferten A-en zum wichtigsten Strukturprinzip der hist Darstellung1) (vgl GWBN3,147,24ff). Im wiss Bereich relativiert G den Geltungsanspruch der A. im Sinne der Aufklärung, indem er ihr die autonome Vernunft (‘Originalität’, ‘Selbsttätigkeit’, ‘eigene Erfahrung’, ‘Freiheit’) als krit Instanz gegenüberstellt. Im staatl-polit Bereich u im Bereich menschl Zusammenlebens überhaupt wird A. kaum problematisiert; die wenigen Belege lassen nur vereinzelt Bewertungen erkennen  a in der krit Reflexion, insbes im Kap ‘A.’ FlH III, vereinzelt auch in autobiogr Schr u Br: für die überlieferte Autorität, negativ bewertet im Hinblick auf Autoritätsgläubigkeit u Traditionalismus der etablierten wiss Schulen, positiv bewertet gegenüber theorie- u geschichtsfeindl Empirismus  genau betrachtet, so ist jede A. eine Art Überlieferung. Wir lassen die Existenz, die Würde, die Gewalt von irgend einem Dinge gelten, ohne daß wir seinen Ursprung, sein Herkommen, seinen Werth deutlich einsehen und erkennen .. .. Gegen die A. verhält sich der Mensch .. beständig schwankend. Er fühlt in seiner Dürftigkeit, daß er, ohne sich auf etwas Drittes zu stützen, mit seinen Kräften nicht auslangt. Dann aber, wenn das Gefühl seiner Macht und Herrlichkeit in ihm aufgeht, stößt er das Hülfreiche von sich und glaubt für sich selbst und andre hinzureichen. Das Kind bequemt sich meist mit Ergebung unter die A. der Eltern; der Knabe sträubt sich dagegen; der Jüngling entflieht ihr, und der Mann läßt sie wieder gelten, weil er sich deren mehr oder weniger selbst verschafft, weil die Erfahrung ihn gelehrt hat, daß er ohne Mitwirkung anderer doch nur wenig ausrichte. Eben so schwankt die Menschheit im Ganzen .. .. Die Epochen der Naturwissenschaften im Allgemeinen und der Farbenlehre insbesondre, werden uns ein solches Schwanken .. bemerklich machen GWBN3,145,10 u 146,1u10 FlH III Autorität  [in der ersten Hälfte des 16. Jh] zeigt sich zwar ein Conflict zwischen A. und Selbstthätigkeit .. Beide sind noch nicht von einander getrennt, beide wirken auf einander .. In der zweiten Hälfte wird das Streben der Individuen nach Freiheit schon viel stärker .. die Abneigung vor A. wird immer stärker, und wie einmal in der Religion protestirt worden, so wird durchaus und auch in den Wissenschaften protestirt, so daß Baco von Verulam zuletzt wagen darf, mit dem Schwamm über alles hinzufahren, was bisher auf die Tafel der Menschheit verzeichnet worden war GWBN3,242,5u13 FlH IV BacoVer  ist er gegen seine Vorgänger nicht dankbar. Er will nun ein für allemal ganz original sein; er lehnt nicht allein die lästige A. ab, sondern auch die förderliche. Solche Geister, ohne es beinahe selbst gewahr zu werden, verläugnen was sie von ihren Vorgängern gelernt und was sie von ihren Mitlebenden genutzt GWBN3,278,27 FlH V Cartesius  Der Mensch .. unterwirft sich eben so gern der A., als er sich derselben entzieht; es kommt bloß auf die Epochen an, die ihn zu dem einen oder dem andern veranlassen GWBN4,212,13 FlH VI Übergang  Die Newtonische Lehre .. hatte die Geister unterdrückt. Zu einer Zeit da man alle frühere A. weggeworfen, hatte sich diese neue A. abermals der Schulen bemächtigt GWBN4,406,19f Fl AnzÜbers  man glaubt einen treuen aufmerksamen Beobachter noch immer durch die A. eines großen Mannes zu schrecken, dessen Irrthum in der Sache .. nicht geläugnet werden kann GWBN51,172,24 ÜbNewt DivRefrangib  so rückte .. der Zeitpunct heran [in Lpz], wo mir alle A. verschwinden und ich selbst an den größten und besten Individuen, die ich gekannt oder mir gedacht hatte, zweifeln, ja verzweifeln sollte GWB27,129,24 DuW 7 GWBB45,115,4 Schultz 10.1.29 für die absolute Autorität von ‘Vernunft’, ‘Gewissen’, ‘Genie’  So hat die Vernunft und das ihr verwandte Gewissen eine ungeheure A., weil sie unergründlich sind; ingleichen das was wir mit dem Namen Genie bezeichnen. Dagegen kann man dem Verstand gar keine A. zuschreiben: denn er bringt nur immer Seinesgleichen hervor GWBN3,145,19u22 FlH III   b für erworbene Autorität in einem best Sachbereich, iSv Zeugnisfähigkeit, Kompetenz; auch iSv Bestätigung, Gewähr; Pl metonym für Personen  Versuche, die eigne A. zu fundiren: sie ist überall begründet, wo Meisterschaft ist GWB422,226,12 MuR(906)  das Publicum sieht sich nach A-en um, und es hat Recht. — Denn thun wir es nicht selbst, daß wir uns mit Kunst- und Lebensverständigen in Freud’ und Leid berathen? Wer demnach irgend eine rechtmäßige A. in irgend einem Fache erlangt hat, suche sie billig durch fortwährendes Hinweisen auf das Rechte als ein unverletzliches Heiligthum zu bewahren GWB40,181,4u8 Rez:Tieck,Dramaturg Bll  Die Erfahrung des Abwesenden, wozu das Vergangene gehört, machen wir auf fremde A., die des Gegenwärtigen sollten wir auf eigene A. machen. Beides gehörig zu thun, ist die Natur des Individuums durchaus unzulänglich GWBN3,135,11f FlH III  Jene Betrachtungen [üb die Metamorphose der Pflanzen] fort zu setzen .. durch Schriftsteller ihnen mehr A. zu geben, ist die Absicht des gegenwärtigen zweiten Versuchs GWBN6,285,1 MetamPfl II 11  [mBez auf G-s Beurteilung des Igeler Monuments] Weil ich aber .. gemerkt habe, daß man Gegenständen der Kunst so wie auch Personen, für die man ein günstiges Vorurtheil gefaßt hat, alles nachsieht .. so verlangte ich eine A. für meine Gefühle und eine Sicherheit für dieselben in dem Ausspruch eines unbestechbaren Kenners [HMeyer] GWB492,39,7 IgelerMonument GWBB24,227,12 Schweigger 25.4.14   c für die an eine Institution gebundene Autorität, iSv Amtsgewalt, Machtbefugnis; meist im administrativen u polit Bereich (bes iZshg mit G-s Amtstätigkeit, vereinzelt in der Auseinandersetzung mit der Frz Revolution), gelegentl im Bereich privater Zirkel  [mBez auf die Neubesetzung des Amts des Kammerpräsidenten während G-s Italienreise] Die Authorität, Responsabilität und der anhaltende unmittelbare Einfluß eines würcklichen Präsidenten ist auf alle Weise nötig GWBB8,358,23 CarlAug 17.3.88  wenn Ew. Durchlaucht die Gnade haben .. Fürstliche [Theater-] Commission bey ihrer hergebrachten .. A. gnädigst zu schützen GWBB20,304,9 CarlAug 25.2.09  [mBez auf Okens oppositionelle Zs ‘Isis’] daß man sogleich bey’m Erscheinen der Ankündigung von Polizeiwegen das Blatt verboten hätte, wie denn dieser Behörde .. in einem solchen Falle aus eigener A. zu verfahren zusteht GWBB27,184,21 CarlAug 5.10.16  Betrügerey mit der Halsbandsgeschichte. | Verwandlen ins Drama [GrCoph]. | .. Das Vorausgesehene [Frz Revolution] ward erfüllt. | Die Königl. A. so gut als vernichtet. | Heimliches Umherschleichen dergleichen Versuche in Deutschland GWB33,369,10 Camp Plp  Nach dem Beispiel des Pariser Greuelvolks ersahen sie [die Freiwilligen] sich willkürliche Schlachtopfer, um ihnen, wie sich’s fände, A., Besitz, oder wohl gar das Leben zu rauben GWB33,89,4 Camp GWB27,245,15 DuW 9 iron im Hinblick auf die Machtansprüche der Revolutionäre  [Schnaps zu Märten:] Fangt die Revolution an! sagte er [der frz Jakobiner] .. Ich gebe euch dazu völlige A., und mache euch hiermit .. Zum Bürgergeneral .. Und zum Zeichen geb’ ich euch diesen Schnurrbart .. Ihr habt nun ein Ansehn. [Märten:] Wahrhaftig! [Schnaps:] Eine A. GWB17,271,10u27 Bürggeneral einmal im takt Argument gegen Zentralisationsbestrebungen iSv Zwang, Bevormundung  [mBez auf die Absicht des Adressaten, die ‘Leopoldina’ in Halle zu einer Zentralinstitution zu machen] widerrathe den Vorschlag: die übrigen deutschen wissenschaftlichen Vereine sich zu affiliiren. Diese äußere Form führt Sie zu nichts, sie schmeckt ein wenig nach A., die dem Deutschen immer verhaßt war und immer verhaßter wird GWBB31,78,24 Nees [vor 17.2.]19 metonym iSv Würdenträger  [Prozession] das Hochwürdigste, vom Bischof getragen, von Geistlichwürdigen umgeben .. gefolgt von zeitigen A-en. .. dieß politisch-religiöse Fest .. GWB341,21,15 Rochusf Caroline Vollmann C. V.
8188 Zeichen · 124 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Autoritǟt

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    † Die Autoritǟt , plur. die -en, eben so unnöthig aus dem Latein. Autoritas und Franz. Autorité. 1) Gewalt, Ansehen, bes…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Autorität

    Goethe-Wörterbuch

    Autorität ‘Auctorität(en)’ Tgb 11.11.08 N5 1 ,370,15. Von 90 Belegen 48 in natwiss Schr, bes in FlH; nur vereinzelt im d…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Autorität

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Autorität (lat. Auctoritas ), im weitesten Sinn Ansehen und auf Ansehen begründete oder Ansehen gebende Macht; im engern…

  4. Sprichwörter
    Autorität

    Wander (Sprichwörter)

    Autorität Ein Quintlein Autorität ist offt besser als ein Centner Goldes. ( Schuppius, Traktätlein. )

  5. Spezial
    Autorität

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Au|to|ri|tät f. (-,-en) autorité (-s) f.

Verweisungsnetz

25 Knoten, 19 Kanten

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit autoritaet

3 Bildungen · 3 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

autoritaet‑ als Erstglied (3 von 3)

autoritätisch

Pfeifer_etym

autoritaet·isch

Autorität f. ‘auf einer besonderen Stellung, auf überlegenen Fähigkeiten, Kenntnissen beruhendes Ansehen, das seinem Träger einen bestimmend…

Autorität, nicht Majorität!

Meyers

Autorität, nicht Majorität! ein auf Friedr. Jul. Stahl (s. d.) zurückzuführendes geflügeltes Wort, die Zusammenfassung von Betrachtungen, di…