AUSARTEN vb. 1
angeborene oder erworbene eigenschaften fähigkeiten verlieren, sich grundlegend verändern, wandeln; in d. biologie ‘
mutieren’.
häufig pejorativ ‘degenerieren sich negativ entwickeln, verkommen’.
älter (sich) von etwas ausarten ‘
abweichen’,
jünger in, zu etwas
(selten jmdn., jmdm.
) ausarten;
auch refl.: 1648
(hierher?) daß die gar verstiegene welt den himmel selbst, samt aller rechten vernunft zwingen wolte, .. also zu werden, wie die ausgeartete begierde der menschen worden ist Schottel
friedens sieg 69 HND. 1653 weil sie allein ihrer voreltern, von deren tugenden sie doch weit ausgeartet waren, erlangten ehrenruhm betrachteten .., beschleunigten sie ihren untergang Lehsten
Rufus, Alexander 113. 1691 darüm kein wunder, daß sie
(zweisilbige feminina) sich von denen einsylbigen ausarten, weil sie eigendlich anher nicht gehören Stieler
lehrschr. 87. 1716 er
(der süße fenchel) pfleget aber in Teutschland nach zwey jahren auszuarten und dem gemeinen gleich zu werden Marperger
küch- u. keller-dict. 319a. 1718 es sey fast noch der leinen- und flachs-handel der einige, welcher nicht in Teutschland ausgeartet, sondern immer angewachsen sey Rohr
staats-klugheit 1043. 1763 die anziehende kraft, welche .. nahe bei den körpern, nach und nach in eine zurückstoßende ausartet Kant
2,169 ak. 1763
(bildl.:) in einem lande, wie Sparta
(Preussen) können die künste nicht wurzel faßen, und sie werden gepflantzt ausarten Winckelmann
br. 2,331 R. 1767 o wer hätte sich vorgestellet, daß dieses anfangs so liebenswürdige mädchen .. in eine so schreckliche furie ausarten sollte Klemm
hut 3 WND. 1784 wenn eine frau ausartet, ihren mann hintergeht, .. so fällt ein großer theil der schuld auf den mann zurük Knüppeln
charakteristik v. Berl. 1,153. 1786 wenn alles in der welt sich so verhielte, als das wenige was ihm in diesen etlichen wochen zu gesichte gekommen sey: so wäre das jezige menschengeschlecht weit ausgearteter, als die Römer zur zeit ihres tiefsten verfalles J. G. Müller
Emmerich 1/2,348. 1803 nun kann der zufall dem bösesten herrn die treflichsten leute untergeben ..; eben dieser zufall kann den besten herrn durch schlechte, schwache, ausgeartete leibeigene strafen Arndt
leibeigenschaft 251. 1829 die Römer waren einst das erste volk / der erde ... doch ihre enkel arteten / zu memmen aus Grabbe
2,39 F./Z. ⟨1853⟩ ich mein’, der Severin hat sich doch ganz ausgeartet Auerbach
(1857)6,148. 1864 die gewöhnliche färbung der afrikanischen hauskatze kommt der ihrer .. stammmutter am nächsten; doch findet man auch hier schon .. eine ausgeartete, nämlich .. sogenannte dreifarbige hauskatze Brehm
thierleben 1,280. 1914 mit diesem meiden jeder positiven askese mußte natürlich das mönchsleben in gefahr kommen, in ein leben der behaglichkeit auszuarten Dahlke
buddhismus 296. 1928 wenn sie nicht an ihr kindchen da einen teil ihres verstandes abgegeben hätte – bestimmt hätte sie selbst gesehen, daß es so keineswegs zum guten ausarten könne A. Zweig
streit 462. 1996 die frische eintracht
(könnte) schnell wieder in zwietracht ausarten
focus 28,36c. 2
ausufern, sich zu etwas auswachsen, in etwas steigern: 1755 daß .. die verschiedenheit, welche nach der einrichtung des schöpfers .. unter den menschen seyn sollte, in eine so seltsame ungleichheit ausgeartet ist, daß man oft mühe hat, geschöpfe die so sehr disharmoniren für kinder eines stammvaters zu erkennen Wieland
I 2,282 ak. 1774 eine kleine und wenig bedeutende verhärtung .. kann .. in einen mit den allergefährlichsten folgen begleiteten scirrhus ausarten Schmucker
wahrnehmungen 2,53. ⟨1884⟩ der streit artete aus und roh ging es oft auf dem Reindorferhofe her Anzengruber
32,67 B. 1899 der .. brauch, freunden von der reise ansichten der passierten landschaft mit kernigem gruß zu senden, ist in unseren tagen ganz ungeheuerlich ausgeartet Kraus
fackel 14,12. 1917 gegen nachmittag wurde das feuer schon erheblich stärker, bis es zum stärksten sperrfeuer ausartete
kriegsbr. gefall. studenten (München o. j.)326 W. ⟨1986⟩ die meiste zeit sind sie
(die jäger) im ort anzutreffen, wo sie .. ihre absurden politischen kommentare abgeben, was sehr oft in raufereien ausartet Bernhard
auslöschung (1989)155. 3
aus der rolle fallen, sich schlecht benehmen; vorwiegend ostobd.: 1829 mäßige dich, meine tochter. arte nicht in worte aus, die deiner erziehung unehre machen würden Nestroy
1,172 B./R. 1843 du weißt, daß bei uns jeder g’sell’ fort muß, der gegen einen mitg’sellen bis zu tätlichkeiten ausarten tut
ebd. 12,13. ⟨1885⟩ hat s’ ’n unschuldigen waisenbub’n, was d’ nummern
(beim lottospiel) zieht, und dem seine noch unschuldigern eltern ins grab h’nein verflucht und was derlei unsinnig ausarten mehr is Anzengruber
33,275 B. 1999 ausarten ..
sich ungehörig benehmen, frech und übermütig werden, thür. wb. 1,400. Scheider