AUFSTECHEN vb. mhd. ûfstechen,
mnd. upstēken. 1
intrans., nach oben kommen, sich nach oben richten: n1291 nu was ez dennoch früege, so diu sunne ufstichet und die wolken brichet mit ir liehten glaste
Reinfried v. Braunschw., in: schweiz. id. 10,1254. ⟨u1340⟩ sie
(frau) luchtet sam der mornstern, / der vor dem tag uff brichet; / und so die sunne uff stichet, / so glichet sie sich irem geleiz
minneburg 1944 DTM. ⟨n1391⟩ die zytẹloos wexet in dem clee. / geyn ander bluem en sien wir e, / went zu winter in dem sne / so suit man ir daz heubt uph stechen bruder Hans
marienlieder 4949 ATB. 1522 (werp den angel / vn̄ den ersten vysch de dar vp kumpt)
var. Ha: vpsticht (den nym)
in: bibel u. dt. kultur (1939)9,49. 1873 die turmspitze .., die am jenseitigen ufer .. als schlanke nadel in den himmel aufstach C.
F. Meyer
11,78 Z./Z. 2
etwas (als zeichen) aufrichten: ⟨u1300⟩ der kampf wart gesprochen, / daz banier uf gestochen, / der kempfe kuͤne als die risen / kam uf dez kampfes wisen Heinrich v. Neustadt
zukunft 2202 DTM. ⟨
undatiert⟩ as man uf st. Michaels abend dat banner aufsticht unss gn. h. van Colne
weist. 6,680 G. —
vereinzelt noch mdal.: 1964 de fingere opst(echen)
schwören, rhein. wb. 8,553. 3
etwas durch hineinstechen öffnen, mit objektwechsel wein aufstechen ‘
ein faß anzapfen’: 1445 das eysen, do mit Langinus unsern herren sein heylige seyten auf stach
pilgerreisen 84 R./M. 1561 dissen win haben mir den lestn oct. zu Cronenberch uffgestechen, war saur wein diss jar gewassen Weinsberg
denkw. 2,80 H. 1598 aber man mus sie
(geschwulst) jnen mit einem pfriemen auffstechen vnd austruͤcken Colerus
oecon. 4, Ii 4a. 1616 ob wol solche
(ader) mir mit einem zwayschneydetten laßeysen fleisßig zimlich lufftig ist vffgestochen vnd geschnitten worden Krafft
reisen 336 LV. 1790 da ward es mir
(arzt) nicht erlaubt die blattern aufzustechen Grasmeyer
eiter XII. ⟨1841/2⟩ dort der landmann mit der schaufel die rötliche erde aufstechend Hehn
reisebilder (1906)328. 1999 in Wildau .. wurde .. das schloß eines mercedes aufgestochen und das radio entwendet
berl. morgenpost (19.5.)48. 2000
(teig)blasen, die während des backens entstehen, aufstechen
zür. tagesanz. (12.4.), IdS-arch. 4
hergeleitet aus 3,
etwas negatives, unangenehmes zur sprache bringen anprangern, jmdn. denunzieren; häufig noch bildl. zu 3 ein geschwür, den schwär aufstechen,
auch jmdm. den schwär aufstechen
jmdm. die meinung sagen: 1521 wiewol der boͤß geyst eyn anders dryn angesehen hatt, daran yhm mehr gelegen, den an des bapsts geytz, er hettis sonst lengist selbs auffgestochen Luther
w. 8,152 W. 1534 da .. stach
(Demosthenes) dem Demadi seinen eebruch vff Eppendorff
Plutarch, sprüch 268. 1544 das euangelion sey es, das solches gifftiges schweer
(scheinheiligkeit der obrigkeit) auffstechen werde Luther
w. 52,71 W. 1544 wer het es doch ymmer mer gemeindt, das so grosse sünde unter eim solchen schoͤnen, heyligen leben stecken solt? niemand brichts auff, niemand stichts auff on das euangelion, das solche gifft an tag kombt
ebd. 72. 1615 als wir nun widerumb in vnser kloster kamen, sahen wir, daß man vns allbereit beym herrn praelaten hatte auffgestochen vnd angegeben, als wäre der pater Schaffner bey der wirthin vnd ich bey jhrer schwester gelegen
in: dt. lit. 3,954 K. ⟨v1616⟩ ich habe nach euch geschickt, euch den schwär aufzustechen
(‘die meinung zu sagen’
) Schweinichen
denkw. 371 Oe. 1616 er
(afterredner) .. lebt vom frembden schwaiß, ist ein verfluchter wurm, vnd zernaget die blumen im garten deß herrn, redet allermännigklichen übel nach, sticht alles auff, disputiret vnd grübelt jmmerdar in frembden verbrechen Albertinus
Lucifer 285 DNL. 1715 die blinde furchtsamkeit macht ihren fleiß nicht faul, / der afterwelt den schwär des irrthums aufzustechen Günther
4,43 LV. 1758 auch deine mängel selbst vergiß nicht aufzustechen; / aus dem, was andern fehlt, erlerne dein gebrechen Lichtwer
vernunft 29. 1861 aber die kritik wird dir sicherlich diesen oder jenen der von mir berührten punkte aufstechen Geibel
brw. 157 P. 1930 „.. was der erste koch war, der hat immer gemeint, daß der kommandant das übrige
(lebensmittel, die den gefangenen zustanden) verkauft hat!“ „hat denn nie jemand aufgesto- chen?“ „ach, der inspekteur des gefangenenlagers, das war ein alter lahmer general, – ’n anständiger mann ..“ Renn
nachkrieg 31. 1962 ich wollte das geschwür
(den selbstbetrug) aufstechen und ordnung in mein leben bringen Bergengruen
kranz 151. 1980 fehler (aufstechen) Brockhaus/W.
wb. 1,386a. 5
etwas auf etwas stechend befestigen, gelegentl. mit objektwechsel: 1600
(hierher?) wie bei der einnehmer jarrechnung .. ufgestochen
(‘angeheftet’) zu finden
in: DRW 1,953. 1746 auf der leiter wird ein schirm aufgestochen, doch so, daß man selbigen von einer seite zur andern bringen und brauchen kan Döbel
jäger-practica 2,169b. 1807 die schuster stechen die laschen und absätze auf, nachdem sie mit einem stechorte vorgestochen haben Campe
wb. 1,265a. 1964 einen hut a(ufstechen)
einen damenhut garnieren, rhein. wb. 8,554. 6
von neuem stechen und damit auffrischen, bes. von abgenutzten kupferstichplatten: 1760 ich würde dieselben
(zwei kupferstichplatten) aber alsdenn dem herrn Adamo einhändigen laßen, um sie von neuen aufzustechen Winckelmann
br. 2,73 R. 1821 wichtige platten, wenn sie keine guten abdrücke mehr geben, werden aufgestochen Bartsch
kupferstichkde. 1,106. 1968 aufstechen .. nachgravieren
lex. kunst 1,172a. —
etwas mit einem spitzen werkzeug einritzen, eingravieren: 1629 einem goldschmid, welcher gemelt geschirr mit ufgestochenen bären gezeichnet
in: schweiz. id. 10,1255. 7
etwas mit einem spitzen gegenstand aufnehmen, aufspießen, auch bildl.: ⟨1761⟩ es soll auch einem jeden bürger und fremden, welcher sein holz herunter bringet, frey stehen, dasselbe vor dem raum, oder platz, da es aufgewaschen
(‘angespült’) worden, .. aufstechen oder aufsuchen zu lassen
willkühr Danzig (1783)196. 1825 die hungerharke holt nach, was nothwendig bey dem aufstechen
(der gerste) liegen geblieben Schwerz
ackerbau (1823)2,213. 1845 unterdess hat O. Schneider in der jenaischen litteraturzeitung einen neuen Alexander, den sohn des Antonius und der Kleopatra, aufgestochen, aber nicht bewiesen dass er gross geworden ist und kinder gezeugt hat Lachmann
br. an Haupt 155 V. 1854 auch sticht man geschäfte auf, gabelt herum nach clienten Gotthelf
schuldenbauer 98. 1929 der wärter geht mit seinem stock, sticht papierfetzen auf Döblin
Alexanderplatz 450. ⟨1992⟩ es sei ihr
(mutter) gleichviel, bockte sie, wenn sie in der hölle auf einer lanze aufgestochen dahinschmore. der bub gehe nicht zur kommunion Schneider
bruder (1996)47. 8
eigentl. ‘jmdn., etwas durch einen stich zum aufstehen bewegen’ ,
nur übertr.; jägersprl. ‘ein wild aus seinem versteck aufjagen’: ⟨1836⟩ wenn vielleicht pedanten die im reinen des dur gesetzte einleitung aufstechen
(‘stören’) sollte, da doch das ganze in f dur spielt und schließt Schumann
(1891)1,281. ⟨1900⟩ aber den hasen wollen wir hetzen, mit meinen großen windhunden. .. der hase ist aufgestochen. sie lassen den riemen los Liliencron
s. w. (1904)9,212. 1919 es ist ein falscher schmerz in dir .. / drum hörst du nicht den finken in der fichte. / es sticht dich böse unruh auf .. / drum ruhst du segnend unter buchen nicht Werfel
gerichtstag 136. 1937 ich schickte die hündin .. in die verschneiten schonungen, worauf es meist nicht lange dauerte, bis sie eine schnepfe aufstach Schmook
schwarzkittel 114. 1999 einen hasen a(ufstechen)
Duden, wb. dt. spr. 1,351c.Schmitt