AUFENTHALTEN vb. mhd. ûfenthalten.
bereits im 18. jh. als veraltet gekennzeichnet, vgl. Adelung wb. (1774)1,434. 1
zurückhalten, festhalten, aufhalten: a
jmdn., etwas aufhalten, hinhalten, fernhalten, hindern: ⟨E13./A14.jh.⟩ dâ hâte der geist alle krefte sô gar in sich gezogen, daz ime des lîchames was vergezzen, dâ worhte weder gedêhtnisse noch verstentnisse noch die sinne noch die krefte, .. der brant unt die hitze was ûf enthalten: dar umbe nam der lîcham niht abe, die wîle er in den drin tagen niht az noch tranc
dt. mystiker 2,7 P. 1483 uffenthalt den brüder nit lenger dann uber nacht, dann er müsß unverzogenlichen hye sein uff dornstag
privatbr. d. ma. 2,71 S. 1484 si wurden alweg mit guͦten worten ufenthalten und abgewiset
in: frnhd. wb. 2,378. 1508 so sie nicht ire blutige hendte haben auffendthalten von den .. bischofen, den bebsten, sunder habē sie angryffen mit dem gyffte
in: Hutten
3,163 B. ⟨1533⟩
(militär ) vn̄ bliben nit mehr dan̄ zwen mann bei jm stehn, mit der hülff er die feindt auffenthielt
Livius (1551)1,26a. 1563 im
(dem geistlichen) die schuͦler .. den weg verlieffen, .. ihn .. bey dem meßgewand haltende, im lauffen auffenthielten Kirchhof
wendunmuth 1,587 LV. 1605 des glaubens gewalt / nichts auffenthalt Petri
weissheit B 3b. b
sich enthalten: ⟨u1300⟩ ob sie
(die feisten mönche) sich heten von den seten / bi wil uf enthalden
väterb. 19525 DTM. ⟨v1475⟩ vn̄ sol ain mensch nit klagen ob er durch aufenthalten vn̄ maͤssikait etwas swach wirt Eyb
sitten (1511)41a. c
jmdn. in haft halten, etwas einbehalten: 1412 der keiser gebott .. / das man die keiserin .. / verbrant vnd mit ir der buͦle / des keisers sun aber .. / .. sprach herre nit ylent balde / mit vrteil man sy vff enthalde / bis das man erfare die gerechtikeyt Hans v. Bühel
Dyocletianus 159 K. 1518 ist das ain man flüchtig wirt und seinen geltern empfliehen wil, begreift ine der, dem er gelten sol, der mag sein leib und guet angreifen und aufenthalten
qu. privatrechtsgesch. Dtlds. 1,2,35 B. 1613 da sie dann die thäter in frembder obrigkeit ereilen, sollen sie es derselben überantwurten .., daß sie es fänglich und wol verwahren und biß uff weitere anzaig uffenthalten
württ. ländl. rechtsqu. 2,854 W. 2
erhalten, bewahren, schützen. a
jmdn., etwas erhalten, (auf)bewahren: ⟨E13./A14.jh.⟩ got hette das bilde gedrv́ket in die sele .. als ein in ire blibender gedanch – also: ich haben hv́te einen willen vnd habe morne den selben gedanch vnd enthalte das bilde vf mit mime gegenwertigen inflvsse meister Eckhart
dt. w. 2,459 Q. u1390
(gott,) der alle dise werlt on allen wank / geschaffen hat und aufenthalt
grosser Alexander 5809 DTM. 1412 doch trúwe ich
(weiser) úch wol vff enthalten / mit mynen kúnsten manigfalten / das ir den ersten tag nit sterbent Hans v. Bühel
Dyocletianus 15 K. ⟨1560⟩ ein nachkommen von meinem stammen, / der mir auffenthielt meinen namen Sachs
17,220 LV. 1620
(im) magen allda sie
(speise) dann der gebür nach auffenthalten, folgendts in die substanz deß ernehrendten saffts verwandelt, vnd endtlich von dannen in das gedärm getrieben .. wirdt Philiater
Forestus, vromanteia 33. b
jmdm. zuflucht gewähren, jmdn. beherbergen unterbringen: 1450 unellich lüt .. behusen, behoffen, beschirmen noch uffenthalten
in: DRW 1,860. ⟨1470⟩ vier stattknecht .. soͤllend ..
(den gesuchten) Peter Dietrichen sampt dem puren so ine ufenthalten, .. fahen Frikard
in: qu. schweiz. gesch. (1877)1,156. ⟨1502⟩ item man soll auch kainen zigeiner uffenthalten, noch die schäfer mit den schafen, ohn wissen der obrigkait
württ. ländl. rechtsqu. 2,13 W. 1646 der spital ist ein schönes grosses gebäu, bestehend in dreyen gäten, in dem I. werden die wahnsüchtigen aufenthaltē, welche .. Harsdörffer
gesprächsp. (1641)6,264. c
jmdn. (selten ein tier) ernähren mit etwas versorgen, seinen lebensunterhalt bestreiten, auch refl.: ⟨1484⟩
(mit) laub und gras, darmit wurden sy
(pferde) auffenthalten
Tristrant 98 LV. 1534 eyn hauß, eyn weib, eyn ochsen, das ist eyn narung, damit er sich vn̄ die seinen auffent- haltē konde Agricola
sprichw. T 6b faks. 1674 so bald aber der mond an dem liechte wieder zunimmet, ist das thier
(mantelpavian) aus natürlichem trieb frölich und guter dinge. dahero auch die egyptischen priester das thier mit fleiß auffenthalten, weiln sie den neu-monden durch dasselbe wissen und erfahren können Stosch
trauer-reden 78. 3
jmdn., etwas, sich aufrecht in einer bestimmten lage halten: ⟨M14.jh.⟩ so snidet .. der herre das seil des schiffes en zwei und lat das schif .. en gegen dem sturm rúschen: so ist da weder rieme noch ruͦder die das schif múgen uf enthalten Tauler
291 DTM. z.j.1415
(bildl.:) diß bispel merkent jung und alt, / die
(akk.) hohe wirde ufenthalt: / ich babst so schier gevallen bin / von hoher er in leid und pin
hist. volkslieder 1,264 L. 1494 wie sie
(antipoden) sich enthaltten vff / das sie nit fallen jnn den lufft Brant
narrenschiff 65b Z. ⟨1531⟩ wan̄ das haupt deß leybs also gschwilt, dz es dem leyb vntraͤglich ist, vnd on schmertzen der glider in die leng nit getragen vnd auffenthalten werdē mag Franck
zeitb. 1(1551)122b. 4
sich jmds., einer sache erwehren: 1388 daz wir die vorgenanten stete beschuten und uns auch selber unser veind uffenthalten und derweren
(Nürnb.) chr. dt. städte 1,146. 1464 da mocht er sich nicht auf enthaltten von den zähern vnd traurikhait
in: frnhd. wb. 2,378. 1477 so hetten sich die in der statt doch nit lenger moͤgen uffenthalten dann den selben tag
ebd. 1534 wie er sich des gewalts des keysers Julij moͤcht vffenthaltē Eppendorff
Plutarch, sprüch 249. 5
an einem ort sein, verweilen, sich aufhalten, vorübergehend wohnen, meist refl.: 1459 dy soldner sein vnd hie wonhafft sind, .. daz sy .. kainen soldner .. hie bey in aufenthalten lassen an willen .. vnsers .. herren
copeyb. Wienn 169 Z. 1562 als ich aber nach seinem
(des vaters) todte .. mich in der frembde auffenthielt Mathesius
Sarepta a 6b. 1668 daß ich mich aufenthalte an dem hofe des pabsts
acta publica 1,224b L. 1742 vergönne mir bey dir
(bach) den schlaf hinfür zu finden, / der gern sich aufenthält in deinen stillen gründen
samml. crit. schr. 6,142.Grimm