äbsch Adj. u.
Adv.: 1. 'von der Sonne abgewendet'.
De Acker leit uf de ääbsche Seit 'auf der sonnenlosen, der Nordseite' [WPf];
vgl. Winterhalde.
E Bannstück, das leihr uf 'liegt auf'
der äbsche Seit [PfId. 179]. a. 1416:
ein stückel feldes, gelegen am Abichfelde [Remigkl. 97 (KU-Ulm)]. a. 1581: (Ein Grundstück an einem Berg)
zuer Ebichen seiten [Lgb. 33 d Bl. 64 (PS-Rodalb)]. a. 1600 (Abschr. 1730):
die Ebigseithen [Kurpf. A. 168 S. 186, 197 (KU-Wolfst)]. a. 1600:
Item die Ebichhalde ist ein Buchen Winterhalde [PfW 1908 S. 63 (PS-W'fischb)]. — 2. 'verkehrt, umgewendet', von Stoffen, Kleidung, Wäsche, nicht selten in der Verb. äbschherum. a. gegenst.
die ääbsch Seit vum Hemd, vum Strump usw., ebenso:
's Hemd, de Rock usw.
ääbsch aaⁿziehe, zur Verbr.
s. K. 4.
Hann for 's Heemweh net ze kriehe, Aebsch mei' Hemm doch a'gezoh [Schandein Ged. 27]. — b. übertr. RA.:
Die Kutt (De Wammes) ääbsch mache 'seine Zahlungsunfähigkeit erklären' [WPf Hebel 24] — 3. 'links';
die ääbsch Hand 'die linke Hand'. RA.:
Er hot zwää ääbsche Hänn, von einem Ungeschickten [verbr. wie 2 a];
vgl. Linkshänder.
Er hot 'm e Ääbschi gebb 'einen Schlag mit der linken Hand, auch mit dem Handrücken' [verbr. wie 2 a]. Die
ääbsch Seit kann somit auch die Rückseite bedeuten:
Wenn de Pelzwald ääbsch is 'Wenn die Blätter die Rückseite zeigen' (gibt es Regen) [KU-Reipkch]. a. 1535: ...
solle die gemein ... die ebigseith 'Rückseite'
an der kirche bauen und handthaben [PfWeist. I 41 (RO-A'bambg)]. — 4.
Das Brett (die Bank, de Disch) is ganz ääbsch 'windschief' [HB-O'bexb BZ-Dernb]. — 5. 'linkisch, ungeschickt, unbeholfen'.
Das is e ääbscher Kerl, e Ääbscher, e ääbsch(es) [] Hinkel [verbr. wie 2 a].
Er hot ääbsch getrete 'hat einen Fehltritt getan' (gegenst. u. übertr.) [verbr. WPf NPf]. — 6. 'unbrauchbar';
e ääbsches Beil, e ääbscher 'unfruchtbarer'
Acker [KU-Jettb RO-Obd KL-Weilb],
e ääbsch Platz, z. B. graslose Stelle in der Wiese [KL-Weilb]. — 7. in geistigem Sinne a. 'verkehrt, sonderbar, anormal, halbverrückt';
ääbsch im Kopp [verbr. Kühn Palz 2].
Du bischt un bleibscht e nerricher Bu Mit deine ääbsche Schnerjel! [Kühn Schnitze II 12]. — b. 'unfreundlich, ungefällig'.
Das is e ääbscher Kerl, der kummt ääm (aam) immer so ääbsch [verbr. wie 2 a].
's es koo eebsches Wort gefall [Gal-Bagbg]. —
F.: Die herrschende Form ist
Ebš. In LU-Edigh u. NW-Leistdt erscheint
Ebšt, in FR-Beindh, in KU-Cronbg Dunzw und FR-A'leining
ābš, in Gal Buch
ēbš (
vgl. Karte 4). — Das Wort ist eine Ableitung von ab und geht auf
ahd. abuh (Graff I 89 ff.),
mhd. ebich, ebuh, ebch ( Lexer I 499) 'abgewendet, verkehrt, schlecht' zurück (
vgl. auch DWb. I 58). Da auch bei den pfälzischen Auswanderern des 18. Jahrhdts im Auslaut des Wortes sch erscheint, muß der Wandel von ch zu sch noch vor 1750 eingetreten sein. Er ist am ehesten als partielle Assimilation — Annäherung der Bildungsstelle des Reibelautes an die des vorausgehenden Verschlußlautes b — aufzufassen. Möglicherweise haben dabei die Adjektiva
lębš 'läppisch',
hibš 'hübsch' als Muster mitgewirkt. — Rhein. I 27; Saarbr. 3; Bad. I 10; Mainz 13; Nass. 34.