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Aderlaß

nhd. bis spez. · 8 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Aderlaß

Bd. 1, Sp. 107
Aderlaß (Phlebotomie, Venaesectio), die kunstgemäße Eröffnung einer Vene, meist der Vena mediana in der Armbeuge, um schnell dem Körper eine größere Quantität Blut zu entziehen. Man läßt den Patienten sich legen oder setzen, umschnürt den entblößten Oberarm mit einer Binde, bis die Venen stark anschwellen, und öffnet dann die Vene durch einen kleinen Schnitt mit der Lanzette. Um das Ausfließen des Blutes zu befördern, läßt man den Kranken einen Stock abwechselnd fest erfassen, drehen, die Finger schließen und offnen, damit durch die sich zusammenziehenden Muskeln das Blut mehr in die oberflächlichen Hautvenen getrieben werde. Sind 100–150 ccm Blut abgelassen, so löst man die Binde, verschiebt die Haut etwas, reinigt den Arm und befestigt eine aseptische Kompresse mit einigen Bindentouren. Der Arm muß dann etwa 24 Stunden ruhig gehalten werden, und der Verband wird erst nach drei Tagen entfernt. Der A. stand schon bei den alten indischen Ärzten in ausgedehntem Gebrauch, und Hippokrates, Celsus, Galen übten ihn, in Bibel und Talmud ist er erwähnt, bis vor 50 Jahren wurde fast jeder Mensch mehrmals im Jahre zur Ader gelassen. Für die Heilung akuter Entzündungen, besonders des Gehirns, sowie für lebensgefährliche Blutstauungen (bei Lungenentzündung, Herzfehler) blieb der A. auch bis in die neuere Zeit eine sehr beliebte Ableitung. Der Gebrauch des Aderlasses ist aber gegen früher eingeschränkt worden, insofern man nur Kranke, aber nicht mehr Gesunde zur Ader läßt. Vgl. Bauer, Geschichte der Aderlässe (Münch. 1871); Gumprecht, Technik der speziellen Therapie (2. Aufl., Jena 1900). Aderlaß bei Haustieren. Bei Pferden und Rindvieh läßt sich am besten die große Halsvene (Drosselvene) öffnen. Um ihre Lage sichtbar zu machen, schert man am untern Ende des obern Halsdrittels oberhalb der Luftröhre die Haare (nicht unbedingt nötig) und bringt die Ader dadurch zum Anschwellen, daß man um den Hals eine Schnur fest anzieht, oder daß man die Finger gegen die Vene andrückt. Bei Rindern wird bisweilen noch an den Milchadern (die vom Euter am Bauche nach vorn ziehenden Venen) zur Ader gelassen, bei Schafen auch unter dem Auge, am Schwanz, an der Kinnlade. Bei Schweinen wird ein Stück vom Schwanz weggenommen oder man schneidet quer über den Rücken der Ohrmuschel ein; beim Hund wird die Halsader benutzt. Den Pferden läßt man höchstens 3–4, gewöhnlich nur 1,5–2,5 kg Blut ab; dem Rindvieh bei einem starken A. 2,5 kg (gewöhnlich nur halb soviel und lieber wiederholt); kleinen Haustieren 70–250 g. Das Nachbluten wird dadurch verhindert, daß man eine Stecknadel durch beide Wundränder sticht und um dieselbe einen Faden oder Schweifhaare wickelt. Der A. wird auch bei Tieren jetzt seltener angewendet als früher. Aderlaß an Bäumen nennt man das Aufritzen der harten Rinde von der Krone bis zur Wurzel, um dem durch sie eingeengten Stamm ein gedeihlicheres Wachstum zu verschaffen. Man wendet es bei dünn und spindelig gebliebenen Stämmen an, die am obern Teil eine Menge Holztriebe entwickeln, auch bei solchen, die im Verhältnis zu ihrem Alter zu wenig Fruchtholz machen. Wirksam ist weniger die geringe Saftentziehung als vielmehr der durch den Schnitt erzeugte örtliche Reiz, der eine reichlichere Stoffzufuhr an den betreffenden Stammstellen zur Folge hat.
3286 Zeichen · 28 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Aderláß

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Der Aderláß , des -sses, plur. die -lässe, das Abzapfen des Blutes durch die Öffnung einer Blutader. Einem Kranken einen…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Aderlaß

    Goethe-Wörterbuch

    Aderlaß fem nur Tgb 21.10.24 ― Mit Dr. Starcke [ Hofarzt CWStark ] spazieren gef. Magnetismus. Vesicatorien Aderlässe. C…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Aderlaß

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Aderlaß ( Phlebotomie , Venaesectio ), die kunstgemäße Eröffnung einer Vene, meist der Vena mediana in der Armbeuge, um …

  4. modern
    Dialekt
    Aderlaßm.

    Pfälzisches Wb.

    Ader-laß m. : 1. gegenst., wie schd.; e Orerlaß (Oderloß) du 'tun', früher bei Mensch und Tier oft geübt, 1960 nur noch …

  5. Sprichwörter
    Aderlass

    Wander (Sprichwörter)

    Aderlass 1. Der erste Aderlass rettet das Leben. ( Dän. ) 2. Die Aderlässe sind zu meiden, so Bauern mit langen Eisen au…

  6. Spezial
    Aderlass

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Ader|lass m. (-es, Aderlässe) 1 ‹med› sanlasciada (-des) f. 2 ‹fig› (Einbuße, spürbarer Verlust) sanlasciada (-des) f. ,…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit aderlass

21 Bildungen · 20 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

Zerlegung von aderlass 2 Komponenten

ader+lass

aderlass setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

aderlass‑ als Erstglied (20 von 20)

Aderlaßbäuschchen

Campe

aderlass·baeuschchen

Das Aderlaßbäuschchen , des — s, d. Mz. w. d. Ez. das Bäuschchen, welches auf die geschlagene Öffnung der Ader gelegt und festgebunden wird.…

Aderlaßband

Campe

aderlass·band

Das Aderlaßband , des — es, Mz. die — bänder, so viel als Aderbinde. Poetevin. R.

Aderlaßbecken

Campe

aderlass·becken

Das Aderlaßbecken , des — s, d. Mz. w. d. Ez. ein Becken, welches zum Auffangen des Bluts beim Aderlassen gebraucht wird. Poetevin. R.

Aderlaßeisen

Campe

aderlass·eisen

Das Aderlaßeisen , des — s, d. Mz. w. d. Ez. dasjenige Werkzeug, welches gebraucht wird, eine Ader zu öffnen.

aderlassen

DWB

ader·lassen

aderlassen , secare venam, nnl. aderlaten, schw. derlta, dän. aarelade, praet. ich liesz ader, habe adergelassen, nnl. ik liet ader, heb a…

Aderlassen bei Obstbäumen

Herder

Aderlassen bei Obstbäumen , wenn man bei jungen Bäumen die allzu straff gespannte Rinde des Stammes mit der Spitze des Messers von der Krone…

Aderlasser

Campe

ader·lasser

Der Aderlasser , des — s, d. Mz. w. d. Ez. eigentlich Einer, der eine Ader öffnet, dann das dazu gebräuchliche Werkzeug.

Aderlaßkreuz

Adelung

aderlass·kreuz

Das Aderlaßkreuz , des -es, plur. die -e, ein Kalenderzeichen, welches aus einem Kreuze mit einem einfachen oder doppelten Querstriche beste…

Aderlaßkunst

Campe

aderlass·kunst

Die Aderlaßkunst , o. Mz. die Kunst, die Ader zu öffnen, und auch wieder zuzuheilen. Poetevin. R.

Aderlaßmännchen

Campe

aderlass·maennchen

Das Aderlaßmännchen , des — s, d. Mz. w. d. Ez. die Abbildung eines Menschen, bei welcher alle Adern und Gegenden derselben angezeigt sind, …

Aderlaßtafel

Adelung

aderlass·tafel

Die Aderlaßtafel , plur. die -n, die Vorstellungen derjenigen Adern an einem gemahlten Menschen oder Pferde, aus welchen Blut gelassen werde…

ADERLASSUNG

DWB2

aderlass·ung

ADERLASSUNG f. ( seltener neben üblichem aderlaß, aderlässe): ⟨15.jh.⟩ aderlaißung in: Diefenbach/W. wb. 32. 1517 phlebotomia incisio vene a…

aderlassung

FWB

ader·lassung,

1. ›Aderlaß‹; 2. ›Anritzung der Rinde von Obstbäumen und Durchlöcherung ihres Stammes zum Zwecke der Verbesserung der Obstqualität‹.

Aderlaßzeit

Campe

aderlass·zeit

Die Aderlaßzeit , Mz. die — en, entweder die Zeit, wo man sich gewöhnlich eine Ader öffnen läßt, oder die Zeit, welche dazu besonders geschi…

Aderlaßzeug

Campe

aderlass·zeug

Das Aderlaßzeug , des — es, o. Mz. alles das, was zum Aderlassen nöthig ist, als Schnäpper, Aderlaßbecken, Bäuschchen, Binden  und besonder…

Ableitungen von aderlass (1 von 1)

Aderlasse

GWB

Aderlasse obd 1) freue mich sehr, daß die A. gut bekommen ist B15,28,12 Schiller 16.2.00 1) bei Schiller mehrf als fem Sg: “die Aderlässe”, …