zuneigen,
v. ,
mhd. zuoneigen
mhd. wb. 2, 353
a; Lexer 3, 1185,
s. neigen
th. 7, 568,
mnd. tonegen,
mnl. toeneigen. 11)
intr., wie mhd. nîgen,
nur frühnhd.: acclino zuoneigen, sich helden Frisius 19
a; Maaler 529
a; Hulsius 2 (1618), 198
a; da si aber auf den heiligen cristagabent gedachter jarzal gegen Rom zuegenaigt
Wilw. v. Schaumburg 7
liter. ver.; auf das wir ... von allen czuneigenden (
bevorstehenden) verligkeiten werden barmhertziglich erlost
Marienleben d. Bonaventura (1516) h 4
b.
die neuere intr. verwendung s. 4. 22)
trans., wie mhd. neigen,
factitiv zu 1. 2@aa)
eigentlich räumlich: kommt! denn sie (
die göttin) scheint euch schon die armen zuzuneigen Lohenstein
Sophonisbe (1680) 13;
[] eine kleines ereignisz ... entscheidet .. oft, wo schwankende gesinnungen obwalten, die wage dieser oder jener seite zuneigend Göthe 24, 339
W.; zwei lindenbäume neigten ihre wipfel einander zu Fontane I 1, 9; die einfache form des satteldachs, also des aus zwei einander zugeneigten flächen bestehenden dachs Schönermark-Stüber
hochbaulex. 251. 2@bb)
einem etwas, als gabe, zuwenden, mit zueignen
sich berührend, auch verwechselt: wir sollen frembdlingen gar billich ehr erzeigen, und, wann es müglich ist, die sonn auch selbst zueneigen Opitz
v. d. teutschen poeterei 39
ndr.; geehrt ... von dem günstigen gestirn ..., welches ihm mancherlei güter .. zugeneiget hat E. Francisci
alleredelste rache (1668) 5; sie suchte dem herrn trost zuzuneigen Hippel
lebensläufe 2, 193.
nicht mehr üblich. 2@cc) die ohren, das herz zuneigen
u. ä., s. ohr III 1 c
th. 7, 1234; 4 e
sp. 1239
und neigen
th. 7, 571: aber sie wolten nicht hören, noch ire ohren zuneigen
Jerem. 7, 24; die oren zuneigen ist nicht anders, denn acht haben auf des betrübten hertzen geschrey Luther 18, 509
W.; liebe .., wormit die unterthanen ... selbtem (
dem fürsten) als einem wohlthätigen gestirne augen und hertz zuneigen Lohenstein
Armin. 1, 114
a; o neige wieder mir dein antlitz zu, hör gütig an, was ich dir stammelnd sage G. Freytag 3, 210.
so noch durchaus üblich. früher auch gelegentlich mit persönl. obj., wie 3 c
β: freund, wenn je ein gefühl von kindlich treuen trieben dich denen zugeneigt, die dich so zärtlich lieben
theater der Deutschen (1765) 2, 127. 33)
die herschende anwendung ist jetzt die refl. 3@aa)
von gegenständen, räumlich: nur bei genauer beobachtung wird man finden, dasz zwei verticale parallellinien unterwärts sich ein wenig gegen einander zuneigen Göthe II 5, 1, 22
W.; die verkürzung der gestalt, die auf der sich uns zuneigenden wölbung gemalt, dennoch zurückzuweichen scheint H. Grimm
Michelangelo 1, 302; die sonne neigte sich ... dem untergange zu Stifter 5, 1, 43.
daran anknüpfend: als diese (
die bedenkzeit) sich ihrem ende zuneigte Melch. Meyr
erz. aus d. Ries 3, 81; als das mediceische haus sich dem untergang zuneigte Justi
Winckelmann II 1, 240. 3@bb)
auch zeitlich, veraltet, wie bevorstehen: do sich zuneigen wart die zeit deines leidens
auslegung der mesz (1495) 8
b; do nu die mutter sach, das der tod des sones sich czuneigite
Hedwigsleg. (1564) a a 1
a. 3@cc)
von personen. 3@c@aα)
räumlich: jetzt ergreift sie einen leuchter und neigt sich dem boten zu Holtei
erz. schr. 3, 84.
übertragen, '
eine richtung einschlagen': damit sich seine göttliche majestat zuo unser schwacheit nidriget und zuoneiget Joh. zu Wege
confession (1555) 63
b; ursprünglich dem westlichen näher, neigte es (
das russische) sich später dem südlichen zu J. Grimm
kl. schr. 4, 190; das .. einem wechsel sich zuneigende schönwetter H. v. Barth
nördl. kalkalpen 71. 3@c@bβ)
von einer inneren theilnahme für personen: ein paar kleinere ortschaften in Geldern, ..., die sich den Holländern zuneigten Ranke 31/32, 219; das glück, das dem alternden kaiser untreu geworden, neigte sich seinem sohne Philipp II. wieder zu 8, 102; wenn ihr herz sich dem seinigen zuneigte L. v. François
letzte Reckenburgerin 2, 259; sie schien sich mir .. zuzuneigen G. Keller 7, 189. 3@c@gγ)
sich einer meinung, thätigkeit, einem zustande innerlich zuwenden, seit Göthe
beliebt: mein gemüth neigt sich der stille, der öde zu Göthe 12, 59
W.; in den Niederlanden hat das germanische und flämische sich der neuen lehre zugeneigt E.
M. Arndt
für u. an s. l. Deutschen 3, 9; das hinderte nicht, dasz Basel von Oekolampadius geleitet, sich nicht jener vermittelung zugeneigt hätte Ranke 3, 251; seine gemahlin, die sich
[] den spanischen formen strenger frömmigkeit zuneigte 14, 125; sich einer ansicht, auffassung, meinung, vermuthung, einer politik, neuen ideen, einem geschmack, einem urtheil zuneigen. 44)
in solcher anwendung bleibt auch das refl. pron. fort: schon beklagten sich die prälaten ..., dasz der kaiser .. den protestanten zuneige Ranke 4, 159; zeiten ..., wo wir das papstthum ... einem abermaligen verfalle zuneigen sehen 37, xii (
vgl. 3 a
am ende); demjenigen mann ..., welcher ihr innerlichst zuneigt H. Laube
ges. schr. 2, 95; nachrichten .., die des alten Rochus herz, trotzdem es den Schweden zuneigte, mit stolz ... erfüllten Fontane I 1, 15; ein minister, welcher partei er auch persönlich zuneigen möge fürst Bülow
dtsche politik 199; einer ansicht
u. s. w. zuneigen,
wie 3 c
γ.
ebenso das part. zuneigend: alle andern dem presbyterianismus zuneigenden elemente Ranke 4, 43; jene drei dem presbyterianismus zuneigenden stimmen 4, 146. 55)
zugeneigt, als adj., unterscheidet sich von geneigt
durch eine geringere anschaulichkeit: so die sach wirdet volbracht, als wir begeren, werden uns die junckfrauwen zuogenaigter dann vor Albr. v. Eyb
spiegel d. sitten (1511) 165
a; ist euer edler geist den musen zugeneigt, und mag sich seine zeit mit schulgezänke kürzen Zinzendorf
t. ged. (1766) 83; Hagedorn ..., wie entschieden zugeneigt er den ausländern ... ist Gervinus
gesch. d. d. dicht. 4, 39; in seiner verwahrlosung dem aberglauben zugeneigt A. v. Droste-Hülshoff 2, 355; unserem assessor war Espe mit aufrichtigkeit zugeneigt Fontane I 6, 131. —