zitwer,
m. ,
curcuma zedoaria Roscoe; kulturpflanze Südasiens aus der familie der zingiberazeen; ihr getrockneter, ingwerartiger wurzelstock (
rhizoma zedoariae)
wurde während des mittelalters durch die Araber nach Europa eingeführt und als arzneimittel und gewürz viel verwendet (Marzell
wb. d. dt. pflanzennamen 1, 1269).
arab. zidwār '
zitwerwurzel' Lokotsch
wörter orient. urspr. 173
a;
mit wandel der auslautenden liquida altspan. cetoal,
altkatal. sitoval,
afrz. citoval, citöal,
pl. citovaus
u. ä. Meyer-Lübke
rom. etym. wb. 3802
b; Tobler-Lommatzsch
afrz. wb. 2, 451,
dazu mengl. zedewal,
neuengl. setwall; r-
auslaut bewahren demgegenüber mlat. zeduarium (
in zahlreichen, stark volkssprachlich beeinfluszten formen, vgl. Diefenbach
gl. 634
b),
frühmhd., mhd., frühnhd. zitawar, zit(e)war,
m. <
über it. zettovario Kluge-Götze
15905
a; Lexer 3, 1141; Diefenbach
gl. 634
b u. ö.; mnd. seduwer, seduer Schiller-Lübben 4, 166
a;
nhd. zitwer
sowie die formen der neueren rom., germ. und slaw. sprachen Lokotsch
a. a. o.; A. Mayer
[] dt. lehnwörter im tschech. 31; 42; 56.
für sich bleibt im dt. vom 13.
bis in das 17./18.
jh. bezeugtes zitwan,
frühnhd. auch zitwen
mit nasalem auslaut (
kontamination mit verwandten bezeichnungen auf -an
wie galgan, saffran?).
im gebrauch hat im dt. die etymologisch berechtigte r-
form, ausgenommen während des 16.
jhs., den vorrang, gestützt durch mlat. zeduarium
und formal wie sachlich nahestehendes ingwer.
früheste belege: zinamin unt zitawar
in der paradieses-beschreibung der frühmhd. genesis 487
Dollmayr (zitwar
in der Milstät-Klagenfurter hs. 9, 7
Diemer);
dazu glossen des 11./12.
jhs. citavvar
zuzur ahd. gl. 3, 512, 22
St.-S.; zîtvar(e), zitvar
zvzvr 3, 485, 29; zitwar
zuzur 3, 579, 58;
tolle pensum untie citewares,
untiam ingebers (
rezept) 4, 649, 11;
vgl. Graff 5, 640;
Germania 8, 301;
zs. f. dt. wortf. 6, 198. zitwan: zitwân unde zinemîn Konrad Fleck
Flore u. Blanscheflûr 2082
S., entstellt citamme (:klamme)
im jüngeren Titurel 1768, 2
Hahn. formale abwandlungen landschaftlich-mundartlichen charakters und umdeutungen neben den normalformen zitwar, zitwan
in frühnhd. zeit häufig; gedehnter stammvokal: s. o. und ziedewan
lesart des Augsburger druckes von 1475
zu zitwar Konrad v. Megenberg
buch d. natur 426, 3
Pf.; ziedewan (
Mainz, 15.
jh.) Lexer 3, 1141; zȳtwan
calamus (15.
jh., obd.) Diefenbach
nov. gl. 65
b;
diphthongiert (?) zeitwan (15.
jh., md.-obd.) Diefenbach
gl. 634
b; Schmeller-Frommann 2, 1165;
vereinzelt in (
ost)
md. texten b
für w: zitber (
ende des 14.
jhs., md.),
mlat. zitbarum, sedbar Diefenbach
gl. 634
b; czetebar (
Olmützer stadtbuch) Jelinek
mhd. wb. 987; zittber Lehmann
hist. schaupl. (1699) 1002,
vgl. zittwersamen
ebda 827;
als mittel der ausspracheerleichterung sprieszt zwischen den im wortinnern zusammenstoszenden konsonanten häufig ein silbenbildender mittelvokal (e,
vereinzelt
und )
auf, so bes. im nd. und md. spachgebiet in vorwiegend glossarischer bezeugung (
s. o.)
; als hd. erscheinung seit dem 16.
jh. nach übereinstimmendem ausweis der literarischen und lexikalischen belege nicht mehr feststellbar. gleiche zeitliche und räumliche kennzeichnungen gelten für den wandel i > e
in der stammsilbe, der teils lautgesetzlich, teils unter einwirkung von mlat. zeduarium
erfolgt sein wird; doch zetwer
als hochsprachliche nebenform noch bei Kramer
teutsch-it. 2 (1702) 1470
b,
vgl.zedwerwasser Krünitz
öcon. encycl. 241 (1858) 83;
weitere lautliche schwankungen (
quantität und qualität des endsilbenvokals; d
für t
in der stammsilbe)
sowie eine bis in das 19.
jh. wahrnehmbare graphische unsicherheit gestalten die entwicklung der laut- und schriftform des wortes unruhig. völlig abseits stehen formen wie zwitwer (
mit vorweggenommenem w
der endsilbe?)
calamus aromaticus (15.
jh., obd.) Diefenbach
nov. gl. 65
b (
vgl. Kramer-Moerbeek [1768] 436
b)
und zistwer (15.
jh., md.) Diefenbach
gl. 634
b (
vgl. Pritzel-Jessen
volksnamen d. pflanzen 122),
ferner umdeutungen wie czederwein, czede wort, czedarboum
u. ä. Diefenbach
nov. gl. 388
a;
gloss. 634
b.
lex. bezeugung: zitwar, zitwan (
zahlreiche lautliche und graphische varianten) Diefenbach
gl. 81
c; 88
c; 94
a; 355
b; 623
c; 624
a; 634
b; 639
a;
nov. gl. 65
b; 383
b; 388
a; n-
formen: zit(t)wen Alberus (1540) Ii 4
b; Frisius (1556) 166
a; zit(t)wan Frischlin (1586) 38
b; Hulsius-Ravellus (1616) 432
a; Widerhold (1669) 437
b; r-
formen: zit(t)wer, (zitwen oder) zitwer Decimator
thes. (1608) 1486
a; Schottel
haubtspr. (1663) 280; Kramer
teutsch-it. 2 (1702) 1470
b; Frisch (1741) 2, 480
b; Gottsched
dt. sprachkunst (1748) 115; Adelung 5 (1786) 408. 11)
als bezeichnung der zitwerwurzel: pei des krautes (
zeduarium) wurzel wehset diu wurz, die wir zitwar haizen (1349/50) Konrad v. Megenberg
buch d. natur 426, 5
Pf.; (
man gibt) von negel, mussat plunen, galgan, kubeben, zymidplud, paneyskorn, zitwar vom ℔ zu karbaliren (
reinigen) 1 dn. (
Nürnb. um [] 1400)
städtechron. 1, 100; item 4 ℔ czydwar (1402—04)
handelsrechn. d. dt. ordens 169
Sattler; nym ein halp mosz guotz geprantz wins, thuo die nach benant(
en) kraütter dar inn ...: ... galganu(
m), zitwar, cuboben ... (1480)
mittelalterl. hausb. XIX
Bossert-St.; zedoaria, zitwer wirt für vergifften lufft vnd pestilentz gebraucht Ryff
confectbuch (1548) d 1
b; nimb ... galgant 2. lot, zütwer 2. lot Seutter
roszarznei (1588) 10; so solle man wohl gedörreten rettich und guten frischen zitwer unter einander stoszen Walther
pferde- u. viehzucht (1658) 32; zittwer: von einem groszen stein 1
gr. 10 pf. (
zoll) (1660) Mylius
corp. const. Marchic. 4, 1, 91; zitwer ... gehört mehr in die apothecken als in die kuchen Hohberg
georg. cur. (1682) 1, 207; eingemachter zitwer
zedoaria condita Kramer
teutsch-it. 2 (1702) 1470
b; (
inhalt einer feldapotheke:) würtz-nelcken, zimmt, safran, galgant ..., muscaten-nüsse, zitwer, ingwer Fleming
vollk. soldat (1726) 324
b; die wurzeln oder samen dieser pflanzen sind das eigentliche gewürz, wie ingwer, zitwer Oken
allg. naturgesch. (1839) 3, 492; du magst noch gafferzeltlein und a weng an zittwer und lemoni verlangen, und dem apotheker sage nur, es ist uns unser vorrat ausgegangen und wir kaufen uns rantweise das sachen nach Handel-Mazzetti
Stephana Schwertner (1927) 2, 301; Wander
sprichwörterlex. 5, 595. 22)
die zitwerpflanze; zeduarium ... haizet zitwar. daz ist ain kraut daz wechst in den landen gegen der sunnen aufganch (1349/50) Konrad v. Megenberg
buch d. natur 426, 3
Pf.; vgl. Marzell
wb. d. dt. pflanzennamen 1, 1269. 33)
übertragungen auf andere pflanzen, insbes. wilder zitwer (
vgl. Marzell
wb. d. dt. pflanzenn. 1, 690):
bryonia, viticella, vitis alba Diefenbach
gl. 81
c; 623
c; 624
a;
nov. gl. 383
b;
byronia schmärwurtz, hundskürbs, wilderzittwen, teufelskirsen, wildruoben Frisius (1556) 166
a; Widerhold (1669) 437
b; in latinischer zungen viticella oder vitis alba oder brionia und in tütscher sprach wilder zitwan oder hundskürbs genant Braunschweig
buch d. rechten kunst zu distilieren (1500) 123
a; 91
a;
viticella wilder zitwen, stickwurtz Gersdorff
wundarzney (1517) XCV 2
a (
voc. herbar.); schwartzwurtz (sonst hundskürbsz oder wilder zitwen genannt) Sebiz
feldbau (1579) 72;
s. a. unten wildzitwer;
calamus aromaticus (
acorus calamus L.: deutscher zittwer Holl
wb. dt. pflanzennamen [1833] 184
b): hemelzitwar, heidenis zítewar
in kräuterglossaren (13.
jh.)
ahd. gl. 3, 540, 1; 3, 540, 2; heimescidwar, hēnenzitwar (14.
jh.) 3, 552, 68; 3, 552, 69; zwitwer, heydens ceduer, heimlicher zitwan, heimischer zitwan (15.
jh.) Diefenbach
gl. 88
c;
nov. gl. 65
b;
mnd. heydens sedewer Schiller-Lübben 4, 166
a;
cyperus: ciperus zitewar, cidewar (13./14.
jh.)
ahd. gl. 3, 52, 11;
vgl.(
mhd.?) wildzytbar
cyperus longus L. bei Marzell
wb. d. dt. pflanzennamen 1, 1301;
caprifolium: cit
s (cit[w]er) (14.
jh.)
ahd. gl. 3, 528, 22;
weiteres s. Holl
wb. dt. pflanzennamen (1833) 82
a; Pritzel-Jessen
volksnamen der pflanzen 451.