zirbeldrüse,
f.,
glandula pinealis, eine an der hirnbasis gelegene, etwa erbsengrosze drüse; nach ihrer ähnlichkeit mit dem zapfen der zirbelkiefer benannt, gelegentlich verkürzt zu zirbel (
s. 4zirbel).
der früheste beleg bei Hyrtl
kunstworte d. anatomie 45:
die glandula pinealis präsentirt sich als dannenzäpplin
im Remmelinus (1632)
und als zirberdrüslein
im Bartholin (1677).
Descartes hatte die zirbeldrüse
als sitz der seele angenommen; vgl. Noel Chomel öcon.-physic. lex. (1750) 4, 784
und: in der zirbeldrüse, in die Cartesius unsere seele einsperret Schönaich
ästhetik. i. e. nusz (1754) 40; von der zirbeldrüse des Cartesius Schelling
w. (1856) I 5, 51.
deshalb findet das wort seit dem 18.
jh. häufig eingang in die literatur: aus diesen ihren (
der ärzte) versuchen hat man ... geschlossen, dasz der sitz der seele in der zirbeldrüse ... seyn mag Schwabe
belust. (1741) 8, 328; des verstandes castell ist die zirbeldrüse des kopfes Weisse
lustsp. (1783) 1, 73; wir würden es für verleumdungen halten, wenn wir seine regierung nicht mit handlungen bezeichnet sähen, wovon der entwurf nur in der zirbeldrüse eines Imans oder in der fantasie einer schwarzaugigen Tschirkassierin entstehen konnte Wieland
w. (1794) 6, 19; welche (
verschiedene substanzen von körper und geist) nur in einem punkte, nämlich in der sogenannten zirbeldrüse des gehirns, einander vereinigen du Bois-Reymond
grenzen d. naturerkennens (1873) 22.
überhaupt gilt die zirbeldrüse
als empfindlichstes organ: und hauche den aromatischen dampf schöpferisch in meine nase bis in die zirbeldrüse hinauf
br., d. neueste lit. betr. (1759) 4, 219
Nicolai; man übet hier auf freyer wiese bald das gesicht, bald den geschmack; oft schallt hier bis zur zirbeldrüse ein auserlesner dudelsack Hagedorn
poet. w. (1769) 3, 179.
aber es melden sich auch kritische stimmen: sollte ... etwas durch zirbeldrüse ... erklärt werden, so stehe man immer an und läugne Herder 8, 192
S. die steine in der zirbeldrüse sind der sog. hirnsand: das gehirn etwas weich und die zirbeldrüse ohne steine (
beim tiefsinn)
allg. dt. bibl. (1765) 58, 97; die hühner verschlucken steine, wenn sie verdauen wollen. die seele scheint bey verdauung der gedanken etwas ähnliches nöthig zu finden, indem sie bekanntlich immer steine in der zirbeldrüse hat Lichtenberg
verm. schr. (1800) 2, 369; dennoch wird mein mitleiden gegen den wunden schelm durch ganz andre dinge als durch seine harte, steinige zirbeldrüse der seele erregt Jean Paul
w. 1, 169
Hempel.