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zimier

mhd. bis Lex. · 6 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

zimier n.

Bd. 31, Sp. 1282
zimier, n., selten f., daneben zimierde, f., benennung des um 1200 in Deutschland aufkommenden figürlichen oder gegenständlichen schmuckes der ritterhelme; entlehnt aus franz. le cimier, einer ableitung von franz. la cime spitze, gipfel, das dem vulgärlat. cima entstammt und letzten endes auf griech. τὸ κῦμα welle, woge in der sonderbedeutung junger kohlsprosz zurückgeht; auf das frz. gehen ferner zurück ital. il cimiere cimiero, span. la cimera, portug. la cimeira, s. Meyer-Lübke 2438; v. Wartburg frz. etym. wb. 2, 1608; afranz. chimier bedeutet turmzinne, diese bedeutung ist nach J. Schwietering in: festschrift Sievers (1925) 571 vermutlich erst durch mischung mit chimere, f., chimäre in der verwendung als helmschmuck des Turnus in Vergils Äneis 7, 785 in den neuen sinn helmschmuck gewandelt worden. dieser Vergilstelle habe Wolfram die schilderung des drachen am helm des Orilus nachgebildet, die erste zimier-schilderung eines deutschen dichters: ûf des schilde vander einen trachen, als er lebete, ein ander trache strebete ûf sînem helme gebunden Parzival 262, 6 Leitzm., zugleich ein zeugnis für den gebrauch des zimiers als wappenbild auf dem schilde. Chrestiens kennt noch kein zimier und kann daher nicht anlasz gegeben haben. zwei weitere fabeltiere, den gampilûn und den ezidemôn, bietet Wolfram noch im Parzival 383, 2 und 736, 10 und tut damit den furchterregenden und apotropäischen zweck dieser zimier-gestalten kund, während anker, vogel, strausz und barke der später verfaszten beiden ersten Parzivalbücher und des Willehalm schon als schmuck der ritterrüstung anzusehen sind. zimiere von tieren, vögeln, bäumen und ästen sind im Willehalm 403, 28 geschildert (zit. unt. zimieren). Tristan trägt viurîne strâle als symbol der minnequal als helmschmuck bei Gottfried 4946; für den Wigalois ist das rad helmzeichen: durch daz truoc er daz rat, als in des sîn herze bat, zeiner zimiere Wirnt v. Gravenberg Wigalois 1869 Kapteyn; andere arten: sîn zimier was ein krône ebda 395; sîn zimier was ein pantel Jansen Enikel weltchron. 15 803; bei Ulrich v. Lichtenstein wird eine wœle, wohl ein haarbusch, als zimier genannt; vgl. die folgende stelle, die zugleich die befestigungsweise erkennen läszt: dar ûf ein wæl von golde rôt gebunden was, als ich gebôt frauendienst 296, 1 L.; ferner: sy punden auff di zimier Heinrich v. Neustadt Apollonius 13 930 S.; ein anschauliches beispiel, ohne nennung des wortes zimier, ist dieses: sîn helm der was rîche vil harte höveschlîche mit rôten keln bedecket; dar umbe was gestrecket ein strieme wîz härmîn; oben was gestecket drîn ein schüzzel von golde Wirnt v. Gravenberg Wigalois 3897 K. schmuck am zimier: diu zimier wol erliuhtet mit glanzer varwe glaste, diu wurden alle vaste zervüeret bî der wîle Konrad v. Würzburg trojan. krieg 25 866; sîn helm gezieret reine mit manigem liehten steine, sîn zimier dar obe rîche Ludwigs kreuzfahrt 1469 N.; fünf hundert schellen oder mêr fuort an im der muotes hêr. sîn ors vil kleiner sprunge spranc: sîn zimir dâ so lûte erclanc, daz man dâ bî gehôrte niht Ulrich v. Lichtenstein frauendienst 208, 24 L.; die form zimierde hat zunächst die gleiche bedeutung: ûf helme gar zerdroschen manic rîch zimierde lac Reinfrid v. Braunschweig 1857; bezeichnet aber auch den gesamten ritterlichen waffenschmuck: wart nie bezzer phelle brâht, denne dâ zer zimierde ward erdâht Wolfram v. Eschenbach Parzival 687, 14 Leitzm.; es steht auch übertragen für sittliche vorzüge: der nie laster mal an schein: daz ist rich zimierde Rumslant in: minnesinger 2, 370b v. d. Hagen. weitere zeugnisse im mhd. wb. 3, 893b, bei Lexer 3, 1120 und Jelinek 992. eindeutschung beginnt mit akzentversetzung im versrhythmus, wie ob. bei Lichtenstein frauendienst 208, 24 L., und führt zu den formen zimer und zimel: zwar er ist ain recke. sein zymer und sein decke stet im als ainen engel an Heinrich v. Neustadt Apollonius 12 488; sin zimer, daz uff dem helme lag Göttweiger Trojanerkrieg 7611; aller erst menig lichtes zimer zartt uff helme do zertrennett ward ebda 21 873; crista cimmir (13.-14. jahrh.) Diefenbach gl. 158c; auch: das gezimmer conus vel cleinat auff dem helm cgm. 649 f. 544; wie vil köstlich zymmer auff den helmen der heiden da funden wurden ... das mag nyemant gesagen Hartlieb hist. v. d. gr. Alexander (1473) 62; unde gap om uf seynem helm das zymmel silbern, yn allerweisse also is der romische keisser gulden furit Joh. Rothe Düring. chron. 287. erst die neuere zeit holt das wort wieder hervor: nirgend wird phelle, kursitt, zimier, zindel oder dergleichen nur erwähnt Tieck ges. nov. (1838) 7, 38; merkwürdig die ätteste bedeutung treffend: da sieht er, hoch an des thurmes zimier, den armen tüncher auf schwankenden bohlen A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 1, 336. unverwandt ist mndl. timber, timmer, m., helmschmuck Verwijs-Verdam 8, 354; es ist das franz. timbre, m., dem byzantin. τύμβανον, agriech. τύμπανον zugrunde liegt.
4970 Zeichen · 86 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    ZÍMIERstn. stf.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +3 Parallelbelege

    ZÍMIER , ZIMIERE stn. stf. aus dem roman. eingeführt; an einen zusammenhang mit dem altsächs. cumbal ( Gr. 1,636 ) ist s…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    zimiern.

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    zimier , n. , selten f., daneben zimierde, f., benennung des um 1200 in Deutschland aufkommenden figürlichen oder gegens…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Zimier

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Zimier (franz. cimier ), Helmschmuck, s. Helm .

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit zimier

11 Bildungen · 5 Erstglied · 1 Zweitglied · 5 Ableitungen

Ableitung von zimier

zimin + -er

zimier leitet sich vom Lemma zimin ab mit Suffix -er, auf Verb-Stamm zurückgeführt.

Zerlegung von zimier 2 Komponenten

zim+ier

zimier setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

zimier‑ als Erstglied (5 von 5)

zimierde

BMZ

zimierde stf. stn. ritterlicher waffenschmuck. diu zim. Wigal. 1869. daʒ zimierde H. Trist. 1696. sîn zimierde ist rîche, guot Parz. 164,21.…

zimierede

KöblerMhd

zimierede , st. F., st. N. nhd. Zimier, Helmzier, Schmuck Vw.: s. ge-* Hw.: s. zimier Q.: Alex, Helbl, HTrist, JTit, NvJer, Parz (1200-1210)…

zimierel

KöblerMhd

zimierel , st. N. nhd. kleines Zimier, kleine Helmzier Q.: Suol (FB zimerol) E.: s. zimier W.: nhd. DW- L.: FB 490 (zimierel)

zimieren

DWB

zim·ieren

zimieren , vb. , einem ritterhelm das zimier aufsetzen; anfänglich nur im partizip gezimiert belegt: und manegen gezimierten helm Wolfram v.…

zimieret

KöblerMhd

zimieret , (Part. Prät.=)Adj. nhd. geschmückt, mit ritterlichem Schmuck versehen (Adj.) Vw.: s. ge- Q.: RWh (1235-1240) (FB zimiert) E.: s. …

zimier als Zweitglied (1 von 1)

gezimier

MWB

gezimier stN. ‘Helmzier, ritterlicher Schmuck’ ei, wie die ritter sich ruorten / ûf verdacten rossen snel! / diu heten mangen gügerel [Kopfs…

Ableitungen von zimier (5 von 5)

gezimier

MWB

gezimier stN. ‘Helmzier, ritterlicher Schmuck’ ei, wie die ritter sich ruorten / ûf verdacten rossen snel! / diu heten mangen gügerel [Kopfs…

gezimieren

KöblerMhd

gezimieren , sw. V. nhd. schmücken Q.: Suol (FB gezimieren) E.: s. gezimier W.: nhd. DW-

verzimiere

BMZ

verzimiere swv. zimiere. von Ziemann aus Eccard. 2,1539 an geführt.

verzimieren

Lexer

ver-zimieren swv. BMZ mit rittermässigem schmucke versehen Lcr. 4,30.

zimiere

BMZ

zimiere swv. ziere mit ritterlichem schmucke. vgl. Gr. ped. 214. das vollw. wird in weiterm sinne gebraucht, als das subst. zimier. doch ric…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „zimier". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 11. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/zimier/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „zimier". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/zimier/dwb. Abgerufen 11. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „zimier". lautwandel.de. Zugegriffen 11. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/zimier/dwb.
BibTeX
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