zartheit,
f. ,
mhd., zartheit Lexer 3, 1035,
von Adelung
im wb. wenig gebräuchlich genannt, durch Kinderling
rein. 438
als ein gutes, neues wort begrüszt. 11)
körperlich, concret. 1@aa)
schönheit, feinheit, wie im mhd.: den bitter-süssen strit, der zartheit groben zanck (
um den apfel der Eris) Weckherlin
ged. 2, 345; ich verwunderte mich rechtschaffen über die zartheit ihres leibes Zendorius
wintern. 302. 1@bb)
wohlleben, weichlichkeit, wie im mhd.: umb die michel lindigkeit und umb die zartheit
erste dtsche bibel 4, 223; wer och einen verwenten, widerspenigen lip mit z. wil überwinden Seuse 9
Bihlm., vgl. Tauler
sermones (1508) 17
b; libslust und gemach und z. Keisersberg
pilgersch. 17
a; dem knecht zympt nit woll z., do der herr stat in stritberlicher knheit
ew. wiszh. betb. 6
a; Christus mehr die harten kleyder Johannis Baptistae gelobt hett dann der künigischen zartheyt (
luxus) J. Nas
antip. 4, 274
a; z. in kleidung
vestimentorum luxus Stieler 2601;
hierher auch z. des gemtes
animi mollities ebda. 1@cc)
zartheit, weichheit, schwäche: teneritudo, teneritas z.
gemma gemmarum C 1
a,
nomencl. lat.-germ. (
Hamb. 1634) 129;
teneritudo, mollities, subtilitas Stieler 2601, Dentzler 360
a; also wirdet die z. der kindtheit der finsternuss zimlich zugleicht
convenienter itaque teneritudo illa infantiae tenebris simulatur Birgitte (1502)
aa 5
b; (
die) nicht mehr kindische, sondern dem reifen alter zukommende z. oder schwachheit Sulzer
theorie 4, 324; die gestalt (
des mannes ist) von ... anständiger z. Göthe 49, 400
W.; z.
einer hand H. v. Chézy
erz. 1, 37; z. und weisse
eines arms Fouqué
zauberr. 1, 55; z.
der haut O. Ludwig
ges. schr. 2, 432; z. und weichheit der einzelnen theile
des speisekanals eines kleinen kindes v. Sömmerring
menschl. körp. 5, 20; diese ... ähneln den käferpuppen ... wegen ihrer ... z. Ratzeburg
ichneum. 1, 8; die feine materie, deren z. nichts übertrifft Herder 23, 538
S.; ihre (
der akazie) mimosen-artige z. Fr. Th. Vischer
ästh. 2, 95;
häufig von pflanzen; z.
eines gerichtes G. Keller 3, 225; güte und z. des fleisches Wimmer
deutsch. bod. 449;
zerreiszbarkeit: in deme solches (
seidenzeug) ... keinen rechten schnitt wegen der z. leiden würde J. Prätorius
anthrop. 1, 286; z.
der nerven Cl. Brentano
ges. schr. 5, 146;
zartheit als kennzeichnende eigenschaft des weibl. geschlechts: eins (
geschlecht) ersetzt dem andern, was dem an z., diesem an stärke abgeht Herder 15, 322
S., Jean Paul
w. 45/47, 37; weibliche z. Th. Körner
w. 2, 68;
wozu sich das geistig-seelische gesellt: die feine bildung findet sich mit der z. des weiblichen geschlechts ein O. Ludwig
ges. schr. 5, 60;
von der sinnesthätigkeit: z. des ohres A. W. Schlegel im
Athenäum 1, 42; ihre sinne sind ... einer uns unbegreiflichen z. der unterscheidung fähig G. Forster
s. schr. 4, 173; z. der herauftönenden stimme Gutzkow
zauberer v. Rom 3, 381. 1@dd)
eigenschaft des geistigen und seelischen, das fremdwort délicatesse
ende des 18.
jhs. zurückdrängend, heute allgemein üblich; zartheit des gefühls: z. des gefühls (
gefühl noch sinnlich verstanden) Wieland
s. w. (1794
Göschen) 1, 132; z. und innigkeit des gefühls G. Forster
s. schr. 6, 223; in Romeo kan nichts ihre (
Julias) z. zurückschrecken und beleidigen Caroline
briefe 1, 198
Waitz; briefe ..., in denen sich ein anflug ... von z. doch mit einer derben sinnlichkeit paart Ranke 14, 125; wo hohe zartheit wohnt, da wohnt auch tiefer geist Grabbe
w. 2, 225
Blum.; es ist eine art von z. darinnen, wie er (
der vater) mit ihnen (
den töchtern) umgeht, um ihnen das verlorne mutterherz zu ersetzen A. Stifter
s. w. 1, 226; freundschaft fordert ... z. gegen schärfe Zimmermann
eins. 4, 169;
zartheit des umgangs, rücksichtnahme: die z., womit sie mich be handeln, heiszt mich alle sogenannte delikatessen zu vermeiden Göthe IV 8, 356
W.; ihr habt ... die einmischung zurückgewiesen, die euch mit z. und groszer rücksicht angeboten ward Ranke
s. w. 40/41, 138; mit aller z., aller schonung stellte er uns vor, wie ... Bauernfeld
ges. schr. 2, 240; die conservation (
des zoolog. cabinetts) wird zwar nicht mit der gröszten z., doch mit leidlicher aufmerksamkeit besorgt Göthe IV 19, 135
W.; die älteren ... beamten konnten sich in diese z. gar nicht finden Treitschke
dtsch. gesch. 3, 416; mit welcher moralischen z. Homer dies alles ... beschreibet Herder 17, 165
S.; die empfindung für die geliebte eines freundes führt eine unnennbare süssigkeit und moralische z. mit sich Jean Paul
w. 7/10, 69; die reine, schöne einfalt seines charakters und die z. seines moralischen gefühls Schiller 4, 267
Göd.; aus z. des gemüths ... zweifeln Herder 16, 88
S.; z. der empfindungen J. G. Jacobi
s. w. 8, 25; mehr naturgefühl und z. der empfindung A. v. Humboldt
kosmos 2, 13;
häufig: z. des geschmacks Schubart
leben 1, 258;
zartheit in kunstwerken, ihren schöpfern und darstellern: zierlichkeit und z. der poetischen mahlerey Fr. Schlegel im
Athenäum 1, 129; die stärke und z. (
Shakespearischer dramen) Göthe 21, 310
W.; um die anmuthigen z-en des orients auch classicisten eingänglich zu machen 7, 219; ein märchen von der höchsten z. Mörike
ges. schr. 3, 94; die lyrische z., die sich bei Ossian findet Solger
ästhet. 276; die dem trefflichen poeten eigenthümliche z. Droysen
Äschyl. 549; eine rolle, die ... jugend und z. (
erfordert) Fontane
ges. w. I 5, 25; neben lebendiger kraft anmuthige z. und eine hoch gehobene heiterkeit (
der C-dursymphonie) O. Jahn
Mozart 4, 135; die z. und anmuth des welschen gesanges Schubart
ästhet. 78; die unnachahmliche z. des steigenden baues (
des Straszburger münsters) Fr. Nicolai
reise 2, 347; das innere und die z. des gusses (
einer art cymbel) Göthe IV 32, 142
W.; welche z. ohne kleinmeisterey (
eines Chodowieckischen stiches)! Lavater
phys. frgm. 1, 112; in ihren bildern lag eine ausnehmende z., der es doch nicht an kraft und wahrheit fehlte Kerner
bilderb. 356.