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zartheit

mhd. bis spez. · 11 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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11 in 11 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

zartheit f.

Bd. 31, Sp. 300
zartheit, f. , mhd., zartheit Lexer 3, 1035, von Adelung im wb. wenig gebräuchlich genannt, durch Kinderling rein. 438 als ein gutes, neues wort begrüszt. 11) körperlich, concret. 1@aa) schönheit, feinheit, wie im mhd.: den bitter-süssen strit, der zartheit groben zanck (um den apfel der Eris) Weckherlin ged. 2, 345; ich verwunderte mich rechtschaffen über die zartheit ihres leibes Zendorius wintern. 302. 1@bb) wohlleben, weichlichkeit, wie im mhd.: umb die michel lindigkeit und umb die zartheit erste dtsche bibel 4, 223; wer och einen verwenten, widerspenigen lip mit z. wil überwinden Seuse 9 Bihlm., vgl. Tauler sermones (1508) 17b; libslust und gemach und z. Keisersberg pilgersch. 17a; dem knecht zympt nit woll z., do der herr stat in stritberlicher knheit ew. wiszh. betb. 6a; Christus mehr die harten kleyder Johannis Baptistae gelobt hett dann der künigischen zartheyt (luxus) J. Nas antip. 4, 274a; z. in kleidung vestimentorum luxus Stieler 2601; hierher auch z. des gemtes animi mollities ebda. 1@cc) zartheit, weichheit, schwäche: teneritudo, teneritas z. gemma gemmarum C 1a, nomencl. lat.-germ. (Hamb. 1634) 129; teneritudo, mollities, subtilitas Stieler 2601, Dentzler 360a; also wirdet die z. der kindtheit der finsternuss zimlich zugleicht convenienter itaque teneritudo illa infantiae tenebris simulatur Birgitte (1502) aa 5b; (die) nicht mehr kindische, sondern dem reifen alter zukommende z. oder schwachheit Sulzer theorie 4, 324; die gestalt (des mannes ist) von ... anständiger z. Göthe 49, 400 W.; z. einer hand H. v. Chézy erz. 1, 37; z. und weisse eines arms Fouqué zauberr. 1, 55; z. der haut O. Ludwig ges. schr. 2, 432; z. und weichheit der einzelnen theile des speisekanals eines kleinen kindes v. Sömmerring menschl. körp. 5, 20; diese ... ähneln den käferpuppen ... wegen ihrer ... z. Ratzeburg ichneum. 1, 8; die feine materie, deren z. nichts übertrifft Herder 23, 538 S.; ihre (der akazie) mimosen-artige z. Fr. Th. Vischer ästh. 2, 95; häufig von pflanzen; z. eines gerichtes G. Keller 3, 225; güte und z. des fleisches Wimmer deutsch. bod. 449; zerreiszbarkeit: in deme solches (seidenzeug) ... keinen rechten schnitt wegen der z. leiden würde J. Prätorius anthrop. 1, 286; z. der nerven Cl. Brentano ges. schr. 5, 146; zartheit als kennzeichnende eigenschaft des weibl. geschlechts: eins (geschlecht) ersetzt dem andern, was dem an z., diesem an stärke abgeht Herder 15, 322 S., Jean Paul w. 45/47, 37; weibliche z. Th. Körner w. 2, 68; wozu sich das geistig-seelische gesellt: die feine bildung findet sich mit der z. des weiblichen geschlechts ein O. Ludwig ges. schr. 5, 60; von der sinnesthätigkeit: z. des ohres A. W. Schlegel im Athenäum 1, 42; ihre sinne sind ... einer uns unbegreiflichen z. der unterscheidung fähig G. Forster s. schr. 4, 173; z. der herauftönenden stimme Gutzkow zauberer v. Rom 3, 381. 1@dd) eigenschaft des geistigen und seelischen, das fremdwort délicatesse ende des 18. jhs. zurückdrängend, heute allgemein üblich; zartheit des gefühls: z. des gefühls (gefühl noch sinnlich verstanden) Wieland s. w. (1794 Göschen) 1, 132; z. und innigkeit des gefühls G. Forster s. schr. 6, 223; in Romeo kan nichts ihre (Julias) z. zurückschrecken und beleidigen Caroline briefe 1, 198 Waitz; briefe ..., in denen sich ein anflug ... von z. doch mit einer derben sinnlichkeit paart Ranke 14, 125; wo hohe zartheit wohnt, da wohnt auch tiefer geist Grabbe w. 2, 225 Blum.; es ist eine art von z. darinnen, wie er (der vater) mit ihnen (den töchtern) umgeht, um ihnen das verlorne mutterherz zu ersetzen A. Stifter s. w. 1, 226; freundschaft fordert ... z. gegen schärfe Zimmermann eins. 4, 169; zartheit des umgangs, rücksichtnahme: die z., womit sie mich be handeln, heiszt mich alle sogenannte delikatessen zu vermeiden Göthe IV 8, 356 W.; ihr habt ... die einmischung zurückgewiesen, die euch mit z. und groszer rücksicht angeboten ward Ranke s. w. 40/41, 138; mit aller z., aller schonung stellte er uns vor, wie ... Bauernfeld ges. schr. 2, 240; die conservation (des zoolog. cabinetts) wird zwar nicht mit der gröszten z., doch mit leidlicher aufmerksamkeit besorgt Göthe IV 19, 135 W.; die älteren ... beamten konnten sich in diese z. gar nicht finden Treitschke dtsch. gesch. 3, 416; mit welcher moralischen z. Homer dies alles ... beschreibet Herder 17, 165 S.; die empfindung für die geliebte eines freundes führt eine unnennbare süssigkeit und moralische z. mit sich Jean Paul w. 7/10, 69; die reine, schöne einfalt seines charakters und die z. seines moralischen gefühls Schiller 4, 267 d.; aus z. des gemüths ... zweifeln Herder 16, 88 S.; z. der empfindungen J. G. Jacobi s. w. 8, 25; mehr naturgefühl und z. der empfindung A. v. Humboldt kosmos 2, 13; häufig: z. des geschmacks Schubart leben 1, 258; zartheit in kunstwerken, ihren schöpfern und darstellern: zierlichkeit und z. der poetischen mahlerey Fr. Schlegel im Athenäum 1, 129; die stärke und z. (Shakespearischer dramen) Göthe 21, 310 W.; um die anmuthigen z-en des orients auch classicisten eingänglich zu machen 7, 219; ein märchen von der höchsten z. Mörike ges. schr. 3, 94; die lyrische z., die sich bei Ossian findet Solger ästhet. 276; die dem trefflichen poeten eigenthümliche z. Droysen Äschyl. 549; eine rolle, die ... jugend und z. (erfordert) Fontane ges. w. I 5, 25; neben lebendiger kraft anmuthige z. und eine hoch gehobene heiterkeit (der C-dursymphonie) O. Jahn Mozart 4, 135; die z. und anmuth des welschen gesanges Schubart ästhet. 78; die unnachahmliche z. des steigenden baues (des Straszburger münsters) Fr. Nicolai reise 2, 347; das innere und die z. des gusses (einer art cymbel) Göthe IV 32, 142 W.; welche z. ohne kleinmeisterey (eines Chodowieckischen stiches)! Lavater phys. frgm. 1, 112; in ihren bildern lag eine ausnehmende z., der es doch nicht an kraft und wahrheit fehlte Kerner bilderb. 356.
5967 Zeichen · 212 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    zartheitstf.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +3 Parallelbelege

    zartheit stf. wohlleben, weichlichkeit. di grôʒe vrîheit und zartheit di di verwenete sêle hât di mit gote voreinet ist …

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    zartheitF.

    Köbler Mnd. Wörterbuch

    zartheit , F. Vw.: s. sarthēt

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Zārtheit

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Die Zārtheit , plur. car. das Abstractum von zart, die zarte Beschaffenheit zu bezeichnen; ein zwar analogisch richtiges…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Zartheit

    Goethe-Wörterbuch

    Zartheit [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  5. modern
    Dialekt
    Zartheit

    Rheinisches Wb.

    Zart-heit Merz-Merching , Trier-Stdt (u. -diχkāt ) f.: nach dem Nhd.

  6. Spezial
    Zartheit

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Zart|heit f. (-,-en) 1 (Feinheit) delicatëza (-zes) f. , 2 (Sanftheit) delicatëza (-zes) f. 3 (Leichtigkeit) lisirëza (-…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit zartheit

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Ableitung von zartheit

zart + -heit

zartheit leitet sich vom Lemma zart ab mit Suffix -heit.

Keine Komposita gefunden — zartheit kommt in keinem anderen Lemma als Erst- oder Zweitglied vor.