wühler,
m., nomen agentis zu wühlen. 11)
vereinzelte und landschaftlich begrenzte verwendungen; zu wühlen C 1 a: will man wühler in andern taschen seyn
alamodisch technol. interim (1675) 13;
zu wühlen C 1 e: ein hausmann ... ward der erste wühler des landes Allmers
marschenb. (1900) 437;
zu wühlen D 2 a: '
mensch, der aus gewinnsucht unermüdlich arbeitet' Reuting
Höchster ma. 49; faul war sie nicht und
auch kein wühler; sie tat die arbeit wie ein handwerksbursche, der auf anderer leute straszen geht W. Schäfer
d. verlorene sarg (1911) 162;
als gerät zur bearbeitung des bodens: Kleyle der pflug, der anhäufler und der wühler (Wien 1851)
titel. zu wühlen D 3 d '
grübeln': der alte oheim ... ist sein lebtag ein grübler und wühler gewesen Rosegger
schr. (1895) I 4, 53;
zu wühlen D 1 b: hie und da ein halbdutzend händelsüchtige wühler können einen solchen lerm machen, dasz man meynt, die welt sey voll von dergleichen Bräker
s. schr. (1789) 2, 186. 22)
terminologisch in der zoologie: der dritte wurm heist wühler: hält sich auf bei den waden, bey dem schlosz und dem zadel und beim arsch (
des pferdes)
schles. wirtsch.-buch (1712) 414.
in den mundarten am unteren Neckar, mittleren Main und in Südtirol ist wühler
bezeichnung des maulwurfs, s. Mitzka
dt. wortatlas 3 (1954) 26
ff. 33)
festgeworden ist wühler
um die mitte des 19.
jhs. als bezeichnung der verfechter demokratisch-republikanischer ideen, nicht ohne abschätzigen unterton, vor allem im munde der konservativ-reaktionären kreise; zur geschichte dieses wortgebrauches, der beim verbum wühlen (
s. d. D 2 b)
und umwühlen (
s. d.)
vorgebildet ist, vgl. R.
M. Meyer
vierhundert schlagworte (1900) 58; O. Ladendorf
hist. schlagwörterb. (1906) 345; R.
F. Arnold in:
zs. f. dt. wortf. 8 (1906/07) 24.
er hat seinen ursprung wohl auf schweizerdt. boden: sie (
eine volksversammlung) könnte dann auf der einen seite die Sarner (
die konservativen kreise der Schweiz) schlagen und auf der andern die wühler (1833) J. C. Bluntschli
denkwürdiges (1884) 1, 147;
s. auch den beleg von E. Fröhlich (1825)
bei R.
M. Meyer
a. a. o. auf die gleiche herkunft deutet auch die häufige und späte bezeugung bei schweizerdeutschen autoren: die konstabler (
in Berlin) haben mich sehr auf dem korn und halten mich für einen wühler (1850) G. Keller
br. u. tageb. 2, 226
Ermat.; ich habe letzthin auch politisiert, ... einige angenehme kleine reisen (
in der Schweiz) an schönen herbsttagen (
gemacht) um mit den wühlern anderer orte zusammen zu treffen (1860)
ebda 2, 517; wenn Gotthelf in sachen der kultur überall opposition gegen die zeit macht, so wird er in politischen dingen häufig geradezu zum wühler
ders., nachgel. schr. (1893) 110; in Italien wird von den wühlern auf dieselbe auflösung hingearbeitet wie überall J. Burckhardt
br. an einen architekten (1878) 72.
auf dem übrigen sprachgebiet ist wühler
während der innenpolitischen wirren um die jahrhundertmitte durchaus sprachläufig, tritt aber bald darauf ebenso wie wühlerei
und wühlerisch
stark zurück: eine grosze verschwörung der berüchtigsten wühler wider ... die reichsgewalt (1848) Jahn
w. (1884) 2, 1025; aber mit den wahlen kamen auch die wühler (1848) J.
F. Böhmer
bei Janssen
J. F. Böhmers leben (1868) 2, 523; die büreaukraten verschmähten es nicht, die muskete zu ergreifen, um des abends in der wachtstube die kleineren bürger durch weiszbierspenden zu ihren zwecken zu gewinnen und sie vor den 'wühlern' und anarchisten zu warnen R. Springer
Berlins straszen, kneipen u. clubs im j. 1848 (1850) 57; mit den wühlern hab ich niemals gehen mö
gen. ich wurde schon verfolgt vor zehn jahren von der alten polizeiwirthschaft Gutzkow
ritter v. geist (1850) 1, 168; bon voyage den patriotischen goldgräbern! so bekommt der name 'wühler' doch endlich seine wahre bedeutung und seinen inhalt Fr. Engels (15. 7. 1852)
in: briefw. mit Karl Marx 1 (1949) 442; fast alle meine familienverhältnisse wären gestört, niemand möchte sich mehr (
wegen meiner gedichte) mit dem 'wühler' abgeben Treitschke (1853)
in: briefe 1, 159
Cornicelius; Canitz ... wünscht, dasz wir sie (
die courage) gehörig gebrauchen ... gegen die anarchie, die auswüchse der freiheit, die wühler Varnhagen v. Ense
tageb. (1861) 5, 214; (
da) brachte der schulmeister, der fast wie ein heimlicher 'wühler' aussah, ein politisches thema aufs tapet J. Scherr
novellenb. (o. j.) 9, 135; die bezeichnung als revolutionäre, wühler, umstürzler, anarchisten, womit man im neunzehnten jahrhundert politische kinder zu schrecken gelernt hat
ders., Schiller (1873) 1, 300;
scherzhaft: aber du bist ja ein wühler geworden! donnerwetter — ein demokrat, einer von der gottlosen satansbande, ein zeitungsschreiber (1857) W. Raabe
s. w. II 2, 39.