wofür,
adv.; in der fürs mhd. bezeugten schreibung in zwei worten, wie swâ vür Gottfried
Tristan 10774
B. und wa vúr (
oder swa vúr?
s. unten 2 a
β)
Luzerner geschworener brief v. j. 1252,
noch gelegentlich im 16.
jh.: wo für
Züricher bibel (1531) 2, 34
a; Carbach
Livius (1551) 34
a; Musculus
hosenteuffel 23
ndr.; war für Luther 32, 550
W. die zusammenrückung läszt sich seit dem ausgehenden 15.
jh. nachweisen: wafür Fr. Riederer (
s. u.).
die kennzeichnung der relativischen funktion durch s
fällt nach den bemerkungen unter wo
sp. 905
seit dem späteren mhd. fort, s. oben wa vúr.
an älteren formen des ersten bestandteils sind im nhd. zu belegen: warfür Luther 32, 550
W.; Casp. Scheit
Grobianus v. 2649; Rompler v. Löwenhalt
erstes gebüsch (1647) 0000;
verdumpft worfür H. R. Manuel
weinspiel v. 2573
ndr.; Ludwig
teutschengl. (1716) 2514;
dazu sworfür,
s. o.; wafür Fr. Riederer
spiegel d. waren rhetoric (1493) a 4
a;
mundartlich auch wufier Laven
ged. in Trierer ma. (1858) 289;
zur landschaftlichen verbreitung und zeitlichen folge dieser formen vgl. unter wo
sp. 904
f.; einen der ersten belege für wofür
bietet Luther 30, 2, 161
W. trennung der beiden worthälften durch andere worte findet sich schriftsprachlich im allgemeinen nicht; nebeneinander verzeichnet Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1375
a: wofür haltet ihr mich
ò wo haltet ihr mich für?
per che (
chi)
mi tenete voi?; mundartlich: wo deist du dat för '
für wen oder für wieviel tust du das?' Mensing
schlesw.-holst. 5, 679.
das zweite glied wird in der regel in dem abgeleiteten sinne von für I A 4
verwendet; zu dem nebeneinander von -für
und -vor
vgl. unter für
teil 4, 1, 1, 617
f.; zu wovor
statt wofür
s. bei wovor; wofür
an stelle von im nhd. gängigen wovor
findet sich wiederholt nur im sinne von für I A 4 n,
a. a. o. sp. 639,
nach verben des fürchtens, sorgens, bewahrens u. ä.: was solt doch ein sollich (
gläubig vertrauendes) hertz fürchten oder war für solt es doch sorgen? Luther 32, 550
W.; was Sachsen sich gewünscht, kanst du nicht wieder geben, wofür es sich gefürcht, muszt du bey dir erleben Joh. Ulr. König
ged. (1745) 7; wie mancher gelehrte wünschte, ein stück brod im schweisze seines angesichts essen zu können, wofür jetzt seinem versäuerten magen ekelt J. Möser
s. w. 1, 123
Abeken; Göthe 16, 168
W.; (
freundschaft) kommt einem zu gut ... bei feuersbrünsten und hagelschlag, wofür uns gott behüte! G. Keller
ges. w. (1889
ff.) 4, 133. 11)
als interrogativum in den verschiedenen anwendungsweisen von für I A 4,
vor allem in folgenden: 1@aa)
entsprechend für I A 4 b '
als, wie': worfür (
als was) ists gricht sunst gsehen an, denn das man sölle bschirmen, die umb unschuld werdend anklagt hie? H. R. Manuel
weinspiel v. 2573
ndr.; findet er die theile auszer dem zusammenhange, so weisz er oft nicht, wofür er sie erklären soll Göthe II 8, 41
W.; häufig nach halten
und gleichbedeutendem älteren haben (
vgl.haben B I 6
teil 4, 2, 54): Actius Tullius zweiffelt am ersten und wiszt nit wol, wo für er disz unversehen geschicht haben solt Carbach
Livius (1551) 34
a; das man gewis sey, was der Türcke sey und wofür er zurhalten sey nach der schrift Luther 30, 2, 161
W.; wissen sie ..., wofür er sie hält? er glaubt einen praktischen pädagogen in ihnen zu sehen Göthe 24, 118
W.; die stimmen verhallten, der fürst erfuhr daher nicht, wofür ihn sein hofmarschall hielt E. T. A. Hoffmann
s. w. 2, 41
Gr. 1@bb)
entsprechend für I A 4 c '
als erwiderung, gegenleistung, vergeltung, ausgleich für': die gerichtscosten (
sollen) alle in einer underschiedlichen verzeichnus, wann, wem, warfür ... die auszgeben ..., gerichtlich eingelegt ... werden
hovegerichtsordn. Friderichen pfaltzgr. bey Rhein (1573) 150; dank hätte der bey uns verdienen wollen? wofür? wofür? Lessing 3, 157
Muncker (
Nathan 5, 5); ich dich ehren? wofür? hast du die schmerzen gelindert je des beladenen? Göthe 2, 77
W. 1@cc)
entsprechend dem auf zweck, absicht, sinn zielenden für (
vgl. besonders unter für I A 4 f-h),
fast gleich wozu: wer weist auch, warfür dein gesellen (
die Jesuiten), dich jetzund vielleicht brauchen wöllen Fischart
sämmtl. dicht. 1, 46
Kurz; wofür geb ich dir anders kost und lohn, als dasz du mir dienen solst? Ludwig
teutsch-engl. (1716) 2514; du ... wirst ... einen freistaat dir erzwingen und dann sagen, wofür hab ich gebaut? ach, es wird verzehrt sein, all das schöne leben, das daselbst sich regen sollte Hölderlin
ges. dicht. 2, 146
Litzmann; und darum heiszt es, trotzdem wir nicht wissen, wofür all das wachsen, wofür all die bereitschaft: reif sein ... und vertrauend ... dem leben die hände reichen
kriegsbriefe gefallener studenten (1928) 165;
mundartlich: wofür ('
wozu') hast'n das gemacht? Müller-Fraureuth
obersächs.-erzgebirg. 2, 676
b.
öfter in ausrufenden fragen: ich werde es ja wissen müssen, wofür wäre ich denn des todtengräbers sein sohn? Chr. Reuter
Schlampampes krankh. u. tod 135
ndr.; ich will euch die köpfe zurecht setzen! wofür binn ich kayser? Göthe 39, 79
W.; er hatte gemeint, so was wie dies heiratsversprechen müsse umzustoszen sein. wofür gäbe es sonst advokaten in der welt! O. Ludwig
ges. schr. 2, 388
E. Schmidt. 1@dd)
häufiger ist das auf diesem zweckgerichteten (wo)für
beruhende kausale wofür,
das soviel wie warum, weshalb
bedeutet: wafür sol aber dem unwysen warnung geschehen, so er alle wyszheit versmahet und allein von dem, das in sinem hertzen wandelt, gern hört reden? (
vgl. dazu die zugrundeliegende bibelstelle prov. Sal. 18, 2:
non recipit stultus verba prudentiae, nisi ea dixeris, quae versantur in corde eius) Fr. Riederer
spiegel d. waren rhetoric (1493) a 4
a; wo für ists dann, das ich mein hertz reynige? (
ergo sine causa iustificavi cor meum psalm 72, 13)
Züricher bibel (1531) 2, 34
a;
mit dem beginnenden 19.
jh. schriftsprachlich im gebrauch zürückgehend: wofür ('
aus was für ursache, warum') hätte ich ihn denn so lange unterhalten? Adelung 4 (1801) 1591; fort geh mir aus dem wege, so sprach an einem stege zum bidern trampelthier einst das kamel. dir weichen? sprach jenes; ey wofür? Pfeffel
poet. vers. (1812) 9, 129;
mundartlich: wofür ('
warum') gehst du nicht auf die hochzeit Spiesz
Henneberg. (1881) 284; woför hesst em denn nahmen? '
warum hast du ihn denn geheiratet?' Mensing
schlesw.-holst. 5, 679. 22)
in relativischer verwendung, vgl. wo II A. 2@aa)
mit beziehung auf ein im übergeordneten satz stehendes (
oder zu ergänzendes)
nomen, das neutrum eines pronomens oder pronominalen adjektivs in den verschiedenen anwendungsarten von für I A 4: 2@a@aα)
zu für I A 4 a '
stellvertretend für, anstelle von': (
Martinius) vermeynet, dasz beym Tac. de mor. Germ. da 'Aurinia' gelesen wird, wofür Christoph. Cölerus will schreiben 'Alteruna' Joh. Prätorius
anthropodemus plutonicus (1666) 1, 5. 2@a@bβ)
zu für I A 4 b '
als, wie': 'weder ist er (
Tristan) ritter oder kneht?' 'frouwe, swâ vür irn geseht, er ist ein ritter unde ein man (
dienstmann)' Gottfried
Tristan 10774
Bechstein; heb es wa vúr (
oder hebe swa vúr?) du wilt wand vúr guot
tene verbum a me dictum in omni genere nisi pro bono (1252)
Luzerner geschworner brief, in: quellenwerk z. entstehung d. schweizer. eidgenossensch. I 1 (1933) 299,
vgl. corpus d. altdt. orig.-urk. 1, 49
Wilhelm; wofür einer will gehalten seyn, so soll er sich im werck erweisen Lehman
floril. polit. (1662) 1, 244; wir ... waren überzeugt, jeder müsse uns dafür nehmen, wofür wir uns gaben Göthe 21, 39
W.; Schopenhauer 1, 9
Griseb. 2@a@gγ)
zu für I A 4 c '
als erwiderung, gegenleistung ... für': preise dem kinde die puppen, wofür es begierig die groschen hinwirft Göthe 1, 354
W.; ein stück eines altdeutschen gedichtes ..., wofür der aufgeklärte lehrer kein blättchen goldschaum aufgeopfert hätte Tieck
schr. (1828) 4, 12. 2@a@dδ)
zu für I A 4 d '
passend für': nur eins will ich erwähnen, dasz sie auf eine sehr bedeutende weise von demjenigen gebrauch gemacht, wofür ich keinen namen habe Göthe IV 21, 204
W.; wofür du keinen sinn hast, das geht dir verloren Bettina v. Arnim
die Günderode (1840) 1, 8. 2@a@eε)
zu für I A 4 e '
in beziehung auf': und was ich hier als heiligthum erkannte, wofür ich rasch und jugendlich entbrannte, ob ichs nun freiheit, ob ichs liebe nannte, als lichten seraph seh ichs vor mir stehen Theodor Körner 1, 134
H.; alles, wofür in der seele der zuhörer noch eine gewisse empfänglichkeit vorausgesetzt werden darf Freytag
ges. w. (1887) 14, 53. 2@a@zζ)
zu für I A 4 f '
zum vorteil für, eintretend für': den Israeliten (
war) das kostbarste, wofür sie stritten, ... die bundeslade Th. Abbt
verm. w. (1768) 2, 25; es war ... die sache der welt, wofür er kämpfte Ranke
s. w. (1867) 14, 17. 2@a@hη)
im sinne von wozu,
vgl.wofür 1 c: der endzweck der fabel, das, wofür die fabel erfunden wird, ist der moralische lehrsatz Lessing 7, 429
Muncker. 2@bb)
bei beziehung auf den inhalt des übergeordneten satzes (
vgl.wo II A 4
und unter wobei 2 c, wodurch 2 c)
in den verschiedenen bedeutungen von für I A 4: (
ein mittel, um) in ... academien oder samlungen gute anstalten zu machen (,
ist), dasz man allen miszbräuchen vorbiege, damit die einreiszung derselben dem vorgesätzten zweck nicht verhinderlich im weg steh, welches am füglichsten kan verhütet werden, wan man genaue aufsicht hat, keine untüchtige gesellen einzunemmen: warfür dan auch das bäste mittel ist, so man nur eine wenige zahl bestimmt Rompler v. Löwenhalt
erstes gebüsch (1647) 0000; dasz Carl sich weigerte, ... die vermählung zu vollziehen ..., eine weigerung, die sogar, wofür Heinrich sehr empfindlich war, einen pecuniären nachtheil einschlosz, ... schien dem könig grund genug, sich gänzlich von dem alten verbündeten zu trennen Ranke
s. w. (1867) 3, 10.
besonders oft im sinne von für I A 4 c '
als erwiderung, gegenleistung u. s. w. für': und sie berechnen es gehörig, wofür sie vier vom hundert nebst erstattung der kleinen unkosten abziehen Nicolai
reise durch Deutschland (1783) 1, 167; ich befreite das tier ..., wofür es mich kratzte E. T. A. Hoffmann
s. w. 10, 29
Gr.; ..., dasz die schöne Ingeborg ihn abweist, wofür er rache gelobt Fontane
ges. w. I 1, 153. 33)
in indefinitem gebrauch schriftsprachlich selten: sich wofür kleiden, verköstigen
vestirsi, alimentarsi per qualche cosa Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1375
b; sich wofür halten
in vece für etwas
tenersi qualche cosa ebda; eyn mensche, de sick waer voer holt unde ment, dat he wat sy Joh. Veghe 29, 12
Jostes. in der umgangssprache so bis in die gegenwart lebendig.