wintersaat,
f. ,
seit dem jüngeren mhd. bezeugtes wort. 11)
das säen, die aussaat des zweijährigen getreides im herbst, meist um Michaelis erfolgend, auch herbstsaat,
vgl. wintersaat
satio autumnalis Stieler
stammb. 1661: (
er) sol auch ain tag paun zu der wintersat (15.
jh.)
österr. weist. 6, 269; of die wintersote sal sie der hirschafft von Lignitz lossin vier malder korn (
v. j. 1496)
lehnsurk, Schlesiens 1, 467; (
im september) thuet auch einfallen die winter- oder herbstsaat (
v. j. 1640)
bei Fischer
schwäb. 6, 1, 866; das feld brachet oder zu der wintersaat gebracht oder gebrochen wird Harsdörfer
frauenz.-gesprächsp. (1641) 8, 117; zur wintersaat musz der acker nicht sehr ausgedorret seyn Zincke
öconom. lex. (1744) 3229; wintersaat, diese fänget um Bartholomäi an, und währet bis zu ende des jahres, wenn der boden offen
allgem. haush.-lex. (1749) 3, 745; das brachfeld wurde bis Johanni beweidet, dann zur wintersaat umgebrochen Wimmer
gesch. d. dtsch. bodens 59; nach vollbrachter wintersaat Mommsen
röm. gesch. 1, 175. 22)
für das im herbst ausgesäte getreide, vgl. winterkorn,
winterung. 2@aa)
vom saatkorn, dem samen des wintergetreides: item die wintersadt in dem 47. jar gesahet (
v. j. 1554)
Waldecker chron. 354
Jürges; wie soltt es in diesem jahr nicht teuer sein, sintdem der zehende paur nicht seine wintersahett gesehett hatt L. Grunau
preusz. chron. 3, 3; wenn der mond in der faulzeit ... stehe, solle man keine wintersaat säen J. Grimm
mythol.4 2, 597; der acker ist zugleich in einen zur aufnahme der wintersaat ... geschickten zustand versetzt Stöckhardt
chem. feldpred. 1, 159; hier diese wintersaat sollte er nicht mehr aufgehen, nicht mehr fett grünen sehen unterm schnee? Cl. Viebig
d. schlaf. heer (1904) 1, 117; na, er hat zu thun. die wintersaat ist zwar rein G. Hauptmann
einsame menschen (1891) 45;
bildlich: die wintersaat, welche der verfasser der kritischen wälder in seinen jugendwerken auswarf, steht jetzt ... in voller reife da Jean Paul
w. 19, 117
Hempel. 2@bb)
die aus dieser saat aufsprieszenden pflanzen, besonders das erste junge grün des ackers: die wintersat und bluomen, so er ... uff diss jaur erbuwen haut, und die noch uff dem felde stand, schneiden (
v. j. 1435)
bei Fischer
schwäb. 6, 1, 866; die nieszwurtz ..., die unter dem schne herfür wächsst und grünet wie die wintersaat Sebiz
feldbau (1579) 60; gebt ihnen ... grüne, abgeschnittene wintersaat Aitinger
jagd- u. weidbüchl. (1681) 40; der silberweisze schnee ... bedeckt, o gott, auf dein geheisz die zwar schon grün- doch zarte wintersaat Brockes
ird. vergnüg.4 1, 326; voll keimender frischer wintersaat Göthe III 1, 10
W.; überall braunrotes ackerland, mit wintersaat lichtgrün bestäubt Carossa
rumän. tagebuch 21. 2@cc)
ganz allgemein das keimende, im halm stehende oder geerntete wintergetreide überhaupt gegenüber der sommersaat: also ob daz wær, daz wir vor dem arn sturben, so mügen unser næchst vreunt dy peed nucz wintersat und sumersat vessen in allen den rechten, als wir selb ob wir lebten (
v. j. 1357)
fontes rer. austr. II 10, 376; 37 scheffel winthersatt, die somersat leyt auffm soller
gr. ämterbuch d. dtsch. ordens 57
Ziesemer; der wîn der hât entfremdet mange wât und mengem sîne wintersât. der wîn beroubet mangen guotes, êren, alles daz er hât
meisterlieder d. Kolmarer hs. 100, 38
Bartsch; was dismals allenthalben an heuszern, höfen, scheunen, stellen und andern gebewen für schaden geschehen, und an der wintersaat, auch an hew, viehe und zum theil auch von etlichen menschen umbkommen und verdorben, davon könte wol ein eigen buch geschriben werden C. Spangenberg
Mansfeld. chron. (1572) 486
c; in betrachtung, das bald die sommer- bald die wintersaht am besten geräht Butschky
Pathmos (1677) 620;
vgl. wintersaot
alle kornarten, die im herbste gesäet werden Danneil
altmärk. 248
a;
summarisch gern im plural gebraucht: diese trespe ist ein bekanntes und gefürchtetes unkraut ... der wintersaaten Schlechtendahl
flora 8, 131; er begann also vom nächstliegenden zu sprechen, von der landwirtschaft, über ... den stand der wintersaaten v. Polenz
Grabenhäger 1, 283. 33)
das mit winterkorn besäte feld: (
fuhrleute fahren) over der armen lude wintersaed (
v. j. 1460)
urkundenb. d. st. Lübeck 9, 879; (
im märz musz der hauswirt) das wasser von der wintersaat ableiten v. Hohberg
georg. cur. (1682) 1, 114; sie liegen gerne ... im herbst auf gestürzten rauhen äckern, auf der wintersaat Stahl
gewehrgerecht. jäger (1762) 196; wer den heil. christabend auf die wintersaat geht, hört was das ganze jahr im dorfe geschieht J. Grimm
mytholog.4 3, 448; dunkelgrüne wintersaaten breiten sich bis zu den bergen hinan Carossa
rumän. tageb. 58;
formelhaft ist die wintersaat bestellen '
den für das winterkorn bestimmten acker besäen': er kommt zu Martini und folglich zu einer zeit zu hause, da ein rechtschaffner ackersmann seine wintersaat schon längst bestellet hat J. Möser
patriot. phant. (1778) 1, 87; ackern und pflanzen hat sich von zeit zu zeit wiederholt, bis zuletzt noch die wintersaat bestellt wird Melchior Meyr
erzähl. a. d. Ries 1, 69; das besagte geschäft, so dringend es auch in der that wegen bestellung der wintersaat sein mochte H. v. Kleist
w. 3, 210
Schm. 44)
terminologisch für bestimmte arten von winterfrüchten; gelegentlich für den weizen (
triticum sativum)
angegeben, vgl. Pritzel-Jessen 410,
in neuerer mundart für den winterraps (
brassica napus oleifera),
vgl. Pritzel-Jessen 62 (
Darmstadt), Bauer-Collitz
wald. 114
a, Block
Eilsdorf 101; wintersaot
winterraps und winterrübsen (
brassica rapa oleifera) Danneil
altmärk. 248
a. —