widerhallen,
vb. ,
zu widerhall,
m.; seit dem 15.
jh. bezeugt: resonare widerhallen (
md. 1440) Diefenbach
gl. 494
c;
hat im 17.
jh. altes widerhellen (
s. u.)
verdrängt; schwankt noch zwischen fester und unfester komposition: in Hannos ohren widerhallte der jubelchor Th. Mann
Buddenbrooks (1922) 2, 192;
dagegen heute üblich: die straszen hallten wider Feuchtwanger
geschw. Oppermann (1948) 284. —
vereinzelter gebrauch. widerhallen
als ruf der nymphe Echo: Narcissus ... rüfft seinen gesellen mit lauter stimm. Echo zugleich im widerhallet (1545) Wickram
w. 7, 146
Bolte. widerhallendes gedicht, widerhallender reim
in der älteren poetik: ist auch der versuch mit dem wieder-schallenden oder wieder-hallenden kling-gedichten gemacht worden, deren eines wier auch zur nachrichtung anher setzen wollen. kling-gedichte von ... wieder-hallenden reimen: ach! könt' ich doch den busch erreichen! w. eichen. da mein hertz-liebster innen sitzt!w. itzt. Zesen
verm. Helikon (1656) 1, 237. AA.
meist intransitiv gebraucht. A@11)
ein akustischer vorgang. A@1@aa)
in unpersönlicher konstruktion: kommt in den wald, wo es wiederhallt! Hippel
lebensläufe (1778) 3, 2, 123; der schwere stuhl klappte auf den boden, dass es in dem weiten raume wiederhallte Storm
s. w. (1899) 6, 126; dabei brüllte Hartwig so, dasz es von den mauern widerhallte Renn
adel im untergang (1947) 99.
sprichwörtlich-bildlich: billich was ainer eingprockt hat das er sich dessen auch fresz satt, wie ainer rüfet inn den wald das es jm auch so widerhalt Fischart
glückhafft schiff 48
ndr.; wie man in den wald schreyt, so wiederhallts
teutsche sprichw. (1790) 59. A@1@bb)
überwiegend in persönlicher konstruktion. A@1@b@aα)
die gegenstände, an denen der ton sich bricht, hallen wider: musicire, figurire, lasz es schallen, dasz die wälder wieder hallen Angelus Silesius
hl. seelenlust 166
ndr.; traurig such ich an dem sternenbogen, dich Selene find' ich dort nicht mehr, durch die wälder ruf' ich, durch die wogen, ach! sie wiederhallen leer! Schiller 11, 6
G.; hörte man aus ... nächtlich stillen und widerhallenden gassen der kleinstadt, das 'leb' mir wohl', 'leb' mir ewig wohl', 'grosz war gott in uns' echohaft herüberschallen Th. Mann
Faustus (1948) 91.
gern in der form widerhallen von: (
die nymphen) machten von disem gesang berg, thal, feld und wäld widerhallen Weckherlin 1, 114
lit. ver.; in den leeren, einsamen, von unseren tritten wiederhallenden gewölben J. G. Forster
s. schr. (1843) 3, 28; die straszen hallten wider von kriegsliedern Feuchtwanger
geschw. Oppermann (1948) 284. A@1@b@bβ)
ein ton hallt wider, es folgt ihm ein widerhall. gelegentlich wird der raum, das gebiet angegeben, in
dem er widerhallt: eyn süsz vnd im thal widerhallendes gutes feldlidlin (1578) Fischart
w. 3, 223
Hauffen; laszt den gesang zu unserm ohr im saale widerhallen Göthe I 21, 205
W.; der weit im walde wiederhallende schusz Holtei
erz. schr. (1861) 2, 166,
oder auch der gegenstand, an
dem der ton sich bricht: seine seufzer wiederhallten am gewölbe Klinger
w. (1809) 5, 353; (
ein schrei) der an den wänden des saales widerhallte
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 1, 138.
namentlich aber hallt ein ton von
gegenständen wider: (
ein heulen und jauchzen) welches von den ... felsen ... wiederhallte Wieland
Agathon (1766) 1, 6; der schlag hallte weit hin von den mauern des grossen klosterhofes wider Moltke
ges. schr. u. denkw. (1892) 6, 196.
des öftern hallen tritte oder schritte wider: wie von den gewölben ein jeder meiner tritte widerhallt
Z. Werner
söhne d. thales (1803) 1, 210; eilige schritte widerhallten in dem leeren raum
qu. v. j. 1930. A@22)
oft in freier, bildlicher, übertragener anwendung: (
Pitt) verstand's ein freies volk wie sklaven zu beherrschen, ein reich zu gründen oder zu vernichten, und einen streich zu schlagen, der durch die welt wiederhallte Sturz
schr. (1779) 1, 122; mochte diese begebenheit (
keltischer sieg über die Römer) wiederhallen in der ganzen ... welt Mommsen
röm. gesch. 1 (1874) 332; seit 1848 hallt ganz Deutschland von klagen über die camarilla wieder de Lagarde
dt. schr. (1886) 37; als ... der ungeheure sieg von Poitiers ... und die gefangennahme des französischen königs auch in den klostermauern widerhallte Emil Strauss
Hans u. Grete (1919) 112.
im einzelnen beachte noch: worte tönen zurück, werden wiederholt: der fluch hallt, den ich selber mir gesprochen, mir ärmlich aus des pöbels munde wieder Hölderlin
ges. dicht. 2, 273
Litzm.; zugleich erklärt er (
Tetzel) Luther ... für einen hartnäckigen ketzer. das hallte nun von kanzeln und kathedern wieder Ranke
s. w. (1867) 1, 212.
eine erwiderung, antwort wird gegeben: hunnenrosse wiehern drüben, hier ist euch asyl geboten! freuet euch und pax defunctis friede sei mit euren todten! aus den schiffen hallt es wieder: hier ist uns asyl gegeben! friede sei mit unsern todten! doch wir athmen, doch wir leben! C.
F. Meyer
an J. Rodenberg in: briefw. 35
Langm.; soll sein leuteruf erschallen, und aus Sachsenbrust dem Sachsen keine antwort wiederhallen? Fr. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 130.
verklungene töne klingen im ohr nach: in meinem ohre summt ein leises klingen und wiederhallet ein verschollnes singen G. Keller
ges. w. (1889) 9, 104;
s. ob. Th. Mann.
vergangenes (
oder dessen nachklang)
hallt wider: die sage alter zeiten, hallet wider Göthe I 14, 197
W.; (
männer) aus denen der nachklang jener gewaltigen (
hannibalischen) zeit bis in ihr spätestes alter noch wiederhallte Mommsen
röm. gesch. 2 (1874) 69.
töne klingen in einer dichtung auf, werden in ihr wiedergegeben: der westen säuseln soll im liede wiederhallen, und eine sanfte flut in sanften töhnen wallen, doch wenn sie tobt und braust, so stell es unserm ohr ein sturm im verse selbst mit lärm und prasseln vor Drollinger
ged. (1743) 218; die bittere klage des thiers über sein feindseliges verhältnis zu den menschen ..., die auch in unsern gedichten ... widerhallt J. Grimm
Reinhart fuchs (1834) cx civ; der dichter (
Schiller) war hier ganz in seinem elemente, er hatte keine weibergeschichten dabei, das ganze stück ('
die Malteser') würde von waffen wiederhallt haben Gervinus
gesch. d. dt. dicht. (1853) 5, 517.
geistig-seelisches tut sich in äuszerungen kund: nun will ich gerne sterben! sagte die ehrwürdige alte in einem tone, drin das einfältigste, zarteste mutterherz wiederhallte Schubart
br., in: Strausz
ges. schr. 9, 246; wie soll die volksstimme gelten wo noch kein öffentlicher geist, kein gemeinsinn in ihr widerhallt? Bettine
dies buch geh. d. könig (1843) 2, 317.
etwas hallt im seelischen wider: im busen eines freundes wiederhallend verliert sich nach und nach des schmerzens ton Göthe I 11, 292
W.; Kabys-Oliva! klang es sogleich in Johns ohren und wiederhallte es in seinem gemüte G. Keller
ges. w. (1889) 5, 65. BB.
weit weniger in gebrauch ist transitive verwendung. B@11)
in eigentlichem, akustischem sinne: erzöhlet seine gnad, erhäbet seine stärck, dasz ewer lied mög ihm und der welt wolgefallen, dasz nach euch feld und wäld, berg und thal widerhallen des höchsten wunderwerck Weckherlin
ged. 2, 169
Fischer; so erwachte jetzt Jesus aus den betäubenden quaalen, rang seine klagen zum vater, die täler hallten sie wieder Lenz
ged. 7
Weinhold; könnet ihr nur wiederhallen, dunkle wälder, meinen ruf A. v. Arnim
s. w. 22 (1856) 62. B@22)
in verschiedener schattierung uneigentlich gebraucht: flieht, leute! flieht den tollen hund! rief einer, der ihm kaum entsprungen. flugs wiederhallten hundert zungen: flieht, leute! flieht den tollen hund! Ramler
fabellese (1783) 2, 453; weil sie (
die lobreden) zugleich das lob des besondern erziehungsplans wiederhallten, den er entworfen hatte Bode
Thomas Jones (1786) 1, 284; das publicum hallet nur ihre (
berühmter schriftsteller) namen wieder Herder 17, 308
S.; was die lieder wiederhallen, hast du, herr (
Karl August), in that gethan Göthe I 4, 245
W. —