wenigstens,
adv.,
eine —
seit dem 17.
jh. bezeugte —
genitivische umbildung aus gleichbedeutendem (zum) wenigsten (
s. u. wenig II C 3 b
β sowie Paul
dt. gr. 5 [1920] 129
und Behaghel
dt. syntax 3 [1928] 211);
mundartlich begegnen vereinzelt auch s-
lose formen: wingsten (Gerh. Hauptmann
Rose Bernd [1904] 57 [2.
akt]).
saltem, minimum (Frisch
teutsch-lat. [1741] 2, 440): bereitet euch zu der reis in die ewigkeit, damit ihr wenigstens, wo ihr das zeitliche leben müsset dran wagen, nicht zugleich auch das ewige verscherzt Abraham a
s. Clara
w. 2, 40
Strigl; und auch das jngste schon sucht wenigstens durch lallen der lieben grosz-mama anheute zu gefallen Hoffmannswaldau
u. and. Deutschen ged. 7 (1727) 249
Neukirch; eine ... eifersucht ..., die sich bemht, dasjenige, was man selbst nicht geniessen kann, wenigstens keinem andern zu theil werden zu lassen Wieland
Agathon (1766) 1, 24; das andencken dieses ... tages musz ich ... erhalten und was ich genoszen wenigstens historisch mittheilen (22. 11. 1786) Göthe IV 8, 63
W.; wenigstens berührt haben wir oben den gegensatz, in welchen Alexander der grosze am ausflusz des Indus mit dem Brahmanentum geriet Ranke
weltgesch. 3 (1910) 7; so ist das arme deutsche blut doch wenigstens zum düngen gut Rückert
ges. poet. w. (1867) 3, 49; er behandelt seine frau, als wäre sie wenigstens eine prinzesz, oder doch eine vom theater Fontane
ges. w. (1905) I 6, 18; so erlaubt dem alten hund wenigstens, dasz er sich lagert Fr. Wolf
besinnung (1946) 187;
oft vor zahlenangaben, ihre höhe als mindestmasz kennzeichnend: wenn ihr nicht wenigstens noch 2 oder 3 jahre auf universitäten zubrächtet (1731) Schnabel
Felsenburg 13
Ullr.; dieses hAelt wenigstens einen ganzen tag, wo nicht lAenger auf Nicolai
reise d. Deutschl. (1783) 2, 417; das ist viel zu gering gerechnet ... wir mssen das verhAeltnisz wenigstens annehmen wie zehn gegen eins K. Fr. Cramer
Neseggab (1791) 1, 25; ein wenigstens sechs fusz hoher, winddürrer mann E. T. A. Hoffmann
s. w. 14, 160
Gr.; Deutschland ... habe unzählbare fuszvölker und wenigstens 60 000 reisige pferde Ranke
s. w. (1867) 1, 113; soll sich der junge relegieren lassen, damit er, Gustav, sich befriedigt sagen kann: wenigstens einer von der familie markiert den lesebuchhelden? L. Feuchtwanger
geschw. Oppermann (1948) 185;
elliptisch: (
Lisette:) Valer hat versprochen, mich auszustatten. was sind so einem kapitalisten tausend thaler? (
Anton:) auf die machst du dir rechnung? (
Lisette:) wenigstens Lessing 1, 338
L.-M.; andererseits schlieszt wenigstens
vielfach eine einschränkung zu vorher gesagtem an: das gewissen des menschen ist ... sein ... himmel ... oder ... seine hOelle; wenigstens derselben ... vorschmak Butschky
Pathmos (1677) 65; vielleicht könnten wir den guten geschmack durch solche schriften nicht wenig bessern oder wenigstens dem bösen geschmack dadurch wehren Gellert
s. schr. 10 (1839) 164; alle unbelaubten bäume, bisher unbemerkbar, wenigstens unbemerkt, werden nach und nach sichtbar, wie sie ihre blätter entfalten (11. 5. 1820) Göthe IV 33, 29
W.; baut ihr und flickt an den alten welten, wir wollen neue bauen, wenigstens in der idee Gutzkow
ritter (1850) 1, 5; nein, nicht immer. aber oft oder wenigstens manchmal Fontane
ges. w. (1905) I 5, 141; ... hielt ich aber für wahrscheinlich, dasz Ruszland es nicht ungern sähe, wenigstens es nicht hindern würde Bismarck
ged. u. er. 2, 75
volksausg.; ich bin hier nicht gefährdet, wenigstens vorläufig nicht L. Feuchtwanger
geschw. Oppermann (1948) 191;
oft auch einen nachfolgenden einschränkungssatz: wenigstens steht bis itzund kein anderes und besseres mittel in meinem vermOegen ... meinen dankbegierigsten eifer zu zeigen, als eben dieses Brockes
ird. vergn. (1721) 2, 3; wenigstens sagt mir diesz immer der arzt des klosters, wenn ich mich beklage Klinger
w. (1809) 3, 101; man meinte sogar, er (
der vater) sei seit der geburt des knaben ordentlicher geworden; wenigstens ward der lärmen im hause geringer A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878) 2, 265; 'kommt er denn heute?' 'ja. wenigstens hat er es versprochen' Fontane
ges. w. (1905) I 5, 130; so wenigstens verstehe ich die problemlage Nic. Hartmann
ethik (
21935) V;
oder einen einschub: das alter selber eilt bey dieser lust nicht minder und thut es wenigstens im sinn der jugend vor König
ged. (1745) 26; hingegen war der öffentliche schulunterricht wenigstens in meiner schule damals sehr schlecht Schubart
leben 1 (1791) 33; wo ich, wenigstens wechselnd, mich in der heimat aufhielt E.
M. Arndt
w. (1892) 1, 40
R.-M.; so lebte er mit seiner zweiten gemahlin Franziska, wenigstens dem äuszeren ansehen nach, friedlich J. Kerner
bilderbuch (1849) 14; wichtiger ... oder doch wenigstens einträglicher war das kommissionsgeschäft Fontane
ges. w. (1905) I 1, 72; es wurde dem einflusse des fürsten Wittgenstein zugeschrieben, dasz die akten von dem justizministerium eingefordert und, wenigstens während meiner thätigkeit an dem criminalgerichte, nicht zurückgegeben wurden Bismarck
ged. u. er. 1, 24
volksausg. wenigstens
steht zuweilen auch nach seinem bezugsglied, ein wechsel, bei dem offenbar kontext und tonverlauf des satzes von einflusz sind: erröthe wenigstens, Lucinde, dasz nichts dich mehr erröthen macht! Lessing 1, 5
L.-M.; dasz du doch nie geboren oder doch nur ehlos wenigstens gestorben wärst! Bürger
s. w. 151
b Bohtz; da nun ein jeder antrag im parlament ... von einem mitgliede wenigstens untersttzt werden musz Archenholz
England u. Italien (1785) 1, 1, 45; mir wenigstens ist es so, als wenn ich alle dinge dieser welt nie so richtig geschätzt hätte als hier (
in Rom) (
nov. 1786) Göthe IV 8, 48
W.; den freunden des kapellmeisters wenigstens wird es daher angenehm sein, dasz ... E. T. A. Hoffmann
s. w. 10, 10
Gr.; (
hierbei) wird die forschung vorläufig wenigstens stehen bleiben müssen Mommsen
röm. gesch. 1 (
21856) 11; selbst die faulenzer, die sonst nichts thun, schreien wenigstens (
Neapel, 17. 11. 1840) Moltke
ges. schr. 5 (1892) 19; etwas will ich doch wenigstens ganz für mich haben Polenz
Grabenh. (1898) 1, 140.