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weltflüchtig

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

weltflüchtig adj.

Bd. 28, Sp. 1569
weltflüchtig, adj. 11) 'die welt fliehend, sich von der welt abkehrend, asketisch' (vgl.welt II A 2 sowie weltflucht undn. verdensflygtig ordbog over det danske sprog 26 [1952] 1216) — eine bildung des frühen nhd., die wohl in anschlusz an biblische wendungen wie Petr. 1, 4 (fugientes ... quae in mundo) aufgekommen ist und dem typus kirchflüchtig (s. teil 5, 816), leutflüchtig (s. teil 6, 849) folgt: nym ein gilgen (lilie als arznei wider die unkeuschheit), die hat sechsz bletter ... daz v. blat ist (bedeutet) messigeit der wort ... daz sechszt blat ist flucht der welt, oder weltflüchtig Keisersberg brösamlin (1517) 2, 11a; sollich abgesündert weltflüchtig einsidel hab ich nie gsehen Seb. Franck chron. zeytbuch (1531) 469b; warumb die mOench weltflüchtig ... vnd leutschew sind (1575) Fischart Garg. 389 ndr.; in solchen erneurten sinn steige ich zu der gemeinschafft der heiligen ... ja ich geniesse ihrer freude und stimme ihnen einen frOelichen lobgesang bey, nicht sonder verachtung aller weltflchtigen eitelkeit Harsdörffer teutsch secretar. 2 (1659) 137; dasz wir ... nicht weltflüchtiger sind, nicht geistlicheres lebens sind, nicht fruchtbarer an geistlichen hervorbringungen sind ... woher das, aufrichtig gesprochen, lieben brüder, woher das? Claus Harms verm. aufs. u. kl. schr. (1853) 336; es ist eine weitverbreitete meinung ... das evangelium sei im letzten grunde ... streng weltflüchtig und asketisch A. v. Harnack d. wesen d. Christentums (1902) 50; schon im 7. jahrhundert haben weltflüchtige anachoreten die schauerliche einöde am südöstlichen abhange des Feldberges aufgesucht Wimmer gesch. d. dt. bodens (1905) 87; zugleich erschien Cynthia ...; sie sah heute keineswegs weltflüchtig aus Carossa arzt Gion (1931) 184; in neuerem sprachgebrauch nicht nur eine weltfeindliche lebens- oder wesensart im sinne streng christlicher askese charakterisierend, sondern auch zur kennzeichnung gesellschaftfliehender vereinsamung u. dgl. verwandt: auch der maler ist weltflüchtig und hat sich in die bergeinsamkeit der Alpen zurückgezogen jahrb. d. Grillparzerges. (1890) 8, 239; vor meinen eigenen landsleuten bin ich (ins gebirge) geflohen ... mein weib, meine kinder unten in der falschen (von den landesfeinden und ihren willfährigen handlangern beherrschten) welt ... so jagten sich die gedanken im haupte des weltflüchtigen mannes Rosegger schr. (1895) I 2, 271; nie bin ich einem menschen begegnet, der so ganz in einer welt für sich gelebt hätte — nicht aber infolge weltflüchtiger vereinsamung Chamberlain lebenswege (1919) 332; substantiviert: bücher von Tolstoi ... schriften wider den alkohol, wider die laster der groszstadt, wider den luxus, den industrialimus, den krieg. von diesen büchern fühlte sich der weltflüchtige (der das groszstadtleben mit dem einsamen und harten landleben vertauscht hatte) wieder in allen seinen prinzipien bestätigt H. Hesse kl. welt (1933) 359; freilich ist, bei aller hochstimmung, die der zauber der örtlichkeit (bei Linderhof, dem schlöszchen Ludwigs II.) schaffen mag, der geschmack, in welchem die rastlose baulust des weltflüchtigen ... sich ausprägte, ja auch wieder eine verlegenheit Th. Mann Faustus (1948) 680; auch in der bedeutung 'weltabgewandt; vom getriebe der welt, von der wirklichkeit gelöst' u. ä.: verknd' ich (der dichter) froh weltflchtiger hofnungen aufblhend land? Stägemann kriegsges. (1813) 39; soweit die blosze stimmung weltflüchtiger entsagung, eine askese ohne dogmatischen gehalt ... noch für religiös gelten darf Scherer lit. gesch. 14544; ein weltflüchtiger sinn spricht aus dieser (Plato's) philosophie und ihrer seelenlehre Rohde psyche 22, 287. 22) 'durch die welt fliehend, nomadisierend, unstet': ein volk ohne staat ist entleibt, wie die weltflüchtigen juden und zigeuner ... ist aber ein volk erst staatlos, dann zuletzt gar landlos geworden ..., so ist es gestorben und doch nicht tot. fortführt es in der zerstreutheit ein leichenleben gleich des wahnglaubens doppelgängerischen unholden F. L. Jahn w. 2, 556 Euler (vgl. ebda. 1, 234: nicht als bloszes nomadenvolk daseiend ..., es wird nicht zu einer weltflüchtigkeit verirren, gleich zigeunern und juden); ähnlich noch vereinzelt in neuerem sprachgebrauch: mir ist das wiedersehn mit der insel (Capri) wie eine unverhoffte rückkehr zu einer jugendliebe, die voll sehnsucht mich erwartet, mich, den ungetreuen, den weltflüchtigen (24. 3. 1926) H. Lersch br. u. ged. 101 Jenssen.
4496 Zeichen · 110 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    weltflüchtigadj.

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    weltflüchtig , adj. 1 1) ' die welt fliehend, sich von der welt abkehrend, asketisch ' ( vgl. welt II A 2 sowie weltfluc…

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Wortbildung

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Ableitung von weltfluechtig

weltflucht + -ig

weltfluechtig leitet sich vom Lemma weltflucht ab mit Suffix -ig, mit Umlaut-Wechsel.

Zerlegung von weltfluechtig 3 Komponenten

welt+(fluech+tig)

weltfluechtig setzt sich aus 3 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

weltfluechtig‑ als Erstglied (1 von 1)