weintraube,
f. ,
mhd. und frühnhd. vorwiegend m., s. auch unter traube
th. 11, 1, 1, 1286.
mhd. wîntrûbe
mhd. wb. 3, 118
b, Lexer 3, 919,
mnd. wîndrûf,
mndl. wijndruve,
mschwed. vindruva (
a. d. niederdtschen).
in den modernen nd. und md. maa. geläufig; ebenso im schwäb.-alem., vgl. Fischer 6, 1, 630;
den bairischen maa. scheint das wort zu fehlen, dafür dort traube, weinper, weimmer
u. a. bedeutung und gebrauch. der bedeutung nach stimmt weintraube
mit traube,
soweit dieses die frucht des weinstocks meint, überein. hinsichtlich der verwendung lassen sich unterschiede zwischen beiden wörtern schwer feststellen. im ganzen ist traube
reichlicher belegt, und wird besonders in der dichtung, im bildlichen und übertragenen gebrauch vorgezogen. 11)
die frucht des weinstocks (=
uva, botrus),
vgl. windrubo
botrus (12.
jahrh.)
ahd. gl. 3, 329, 56; wintrubo
botrus (13.
jahrh.) 3, 295, 14; windrube (
md. 15.
jahrh.), weintraube (
obd. 15.
jahrh.)
botrus Diefenbach
gl. 79
a; eyn drocken winedruben (
md. 15.
jahrh.)
passacua ebda 415
a; weintraube
uva, botrus Zehner
nomencl. (1645) 192. 1@aa)
meist den fruchtstand des weinstocks, das beerenbüschel meinend, im allgemeinen auch da, wo die vorstellung nicht besonders ausgeprägt ist; gelegentlich wird weintraube
aber auch ausdrücklich von der einzelnen beere unterschieden;
vgl. ein wyntrub ...
est totum cum racemis et acinis gemma gemmarum (1508) E 5
b; weintraube ... sie besteht aus vielen beeren
allg. haushaltlex. (1749) 3, 705: diu rebe was dô rîfe, dâ wir den wîntrûben abe schuln chlûben priester Wernher
Maria 3793
Wesle; und nâmen och ainen wîntruben mit den wînberen und der waz also grôz daz in zwen an ainer stange muosen tragen
dtsche pred. d. 13.
jahrh. 2, 58
Grieshaber (
nach 4. Mose 13, 24); der kunig in dem trawmbt sach: er hiet ein weintraub in der handt, die warff er auf die erd zu handt Seifrit
Alexander 1729
Gereke; das man an
s. Sixti tag den weintrauben segnet Mathesius
hochzeitpred. (1584) 145
a; zuletzt trug man für ein weintrauben, davon solt auch der juncker klauben, Rollenhagen
froschmeuseler (1595) G 1
a; (
man wird finden) dasz solches dürre holtz nicht allein völlig grüne, sondern noch ein schöne weintrauben daran hange Abraham a
s. Clara
etw. f. alle (1699) 641; so bitte ich einmal um ein paar dutzend beste birnen und weintrauben Lichtenberg
briefe 3, 97
Leitzm.; der gärtner hat schon weintrauben und reines claudes abgeliefert Moltke
ges. schr. u. denkw. (1892) 4, 192. 1@bb)
seltener die einzelne beere meinend; die abgrenzung gegen a
ist nicht immer sicher: aber so er (
der efeu) fruht tregt, daz sint swarz trauben, sam die weintrauben sint Konrad v. Megenberg
buch d. natur 321
Pf.; Sophocles verschlange ein korn von einem weintrauben Lehmann
flor. polit. (1662) 3, 65; der saft der weintraube, durch die äuszere schale vor der berührung mit der luft geschützt ... J. Liebig
chem. briefe (1876) 6, 412. 22)
gelegentlich steht weintraube
in einer art übertragung als artbegriff für das ganze gewächs: so wuchsen alle gewechsz ein weg wie den andern ... der weintraub blieb wie ein schlehen Paracelsus
opera (1616) 2, 156
c Huser; Tiburs gesunde ... mit den trefflichsten weintrauben bereitete hügel Hirschfeld
theorie d. gartenkunst (1779) 1, 14.
für andere arten als den edlen wein: wintrub die man nit buwet
labrusca Diefenbach
gl. 314
b; wilde weintraube
labrusca Castelli (1709) 1581
b. wyndrube (15.
jahrh. md.), weintrawb (15.
jahrh. obd.)
dactylus Diefenbach
gl. 165
a; winrebe
vel -drube (15.
jahrh. md.)
rubiliana ebda 502
a. 33)
von den mit weintraube
verbundenen adjektiven sind (un)zeitig
und (un)reif
am häufigsten: es war eben im hornung, als ich ... schöne zeittige weintrauben antraffe Stranitzky
lustige reyszbeschr. (1726) 9
Werner; man soll ausz den unzeitigen weintrauben ein halbe masz most pressen Seutter
hippiatria (1599) 34; reiffe weintrauben
uva matura, edulis Corvinus
fons lat. (1623) 938; seine (
des wunderbaumes) frücht waren feige und unreiffe weintrauben Gabr. Rollenhagen
indian. reisen (1603) 145;
besondere arten meinend grosze, trockene, gedörrte weintrauben: ein groszer wyntrube
brumasta gemma gemmarum (1510) c 7
b; eyn drocken winedruben (
md. 15.
jahrh.)
passacua Diefenbach
gl. 415
a; alle freitage ... essen (
sie) etwas brod mit gedörrten weintrauben J. v. Müller
s. w. (1810) 2, 277; dickheutige, hartheunsch weintrauben
uvae duracinae Corvinus
fons lat. (1623) 938.
wegen des im gegensatz zu traube
geringeren vorkommens in dichterischer sprache sind die eigentlich schmückenden beiwörter selten: gestern früh, ... gingen wir in die stadt, wo ich ... eine grosze menge schöner weintrauben verzehrte Moltke
ges. schr. u. denkw. (1892) 1, 108. 44)
bilder und vergleiche, meist biblischer herkunft; in geringerer zahl und weniger fest als bei traube (
s. d. unter h):
von den guten werken des menschen, im anschlusz an Lukas 6, 44: wan sy sament nit die feigen von den dornen: noch enlesent die weintruben von dem busch
erste dt. bibel 1, 226
Kurr.; davon das evangelyum saitt: das distel selten veigen traitt! so sicht man die weintrauben selten von dornen clauben
liederbuch d. Hätzlerin 114; quod dorn keine feigen tregt und distel weindrauben Luther 34, 2, 43
W.; ähnlich nach Jesaias 2, 21: du hast mir bittern wein gebraucht ... und hast mir für die edelen weintrauben bracht weintrollen herling und bösz ding Joh. Thauler
sermones (1508) 52
b (
vgl. die entsprechende stelle pred. 290, 11
V.).
mit bezug auf die parabel vom fuchs und der weintraube: das ist ein fuchs, der die weintrauben nicht erlangen kann Gottsched
dtsche schaubühne (1740) 4, 269; dasz er das aus eben der ursache gethan habe, aus welcher der fuchs in der fabel die weintrauben verachtet Ayrenhoff
w. (1814) 5, 188; immer in der stellung des fuchses zur weintraube ... betreiben diese (
dirigenten) ihre musik ganz für sich R. Wagner
ges. schr. (1897) 9, 282.
einzelnes: der grosze weintraub ... ist ein fürbild Jesu Christi Mathesius
hochzeitpred. (1584) 142
b; wer sind die winreben (
in Naboths weinberg)? sich, das sint die hailigen zwelfpoten ... sich, das waren schöne winreben. wan sie hand braht mannigen schönen wîntrûben
dt. pred. d. 13.
jahrh. 1, 134
Grieshaber; wir elende Adamskinder seynd gar offt wie die weintrauben unter der press Abraham a
s. Clara
mercks Wien (1680) 150.