weinlaub,
n. ohne plur. die blätter der rebe. mhd. wînloup Lexer 3, 909. 11)
das wort erscheint ende des 14.
jahrh. in Mühlhausen: ratsgesetzgbg. 162
Lambert, lex. zuerst Nürnberg 1482: Diefenbach
gloss. 408
b,
fehlt aber z. b. bei Luther, H. Sachs, Fischart
und bleibt auszer in wbb. (B. Faber 582
b; Corvinus
fons lat. 168; Stieler 1079)
noch durch das ganze 17.
jahrh. selten. von klassikern bei Wieland I 1, 119; Herder 27, 236
S.; Göthe IV 34, 242
W., den romantikern unentbehrlich, bis heute allgemein, doch kaum je mundartlich: H. Fischer 6, 622. 22)
stets möglich ist w.
in botan. betrachtung: (
die rebe,) die das w. ... bringt Guarinonius
grewel 668; das w. ist hier sehr dunkelgrün Ritter
erdk. 13, 63;
entspr. Laube 5, 278; Wimmer
gesch. d. d. bodens 266.
in der frühzeit wichtig ist w.
als arznei und futter: wenn man kopf-wehe hat, mag man w. ... aufs haubt legen Hohberg
georg. cur. 1, 316; w. ... pfleget man im august ... zu sammlen ... weil es im winter den kälbern, melk-kühen ... und ziegen ein gar dienliches futter ist
allg. haush.-lex. 3, 701; so läszt sich ... die raupe vom sphinx elpenor ... leicht mit w. aufziehen
allg. d. bibl. 106, 211.
diese verwendung ist völlig zurückgetreten. 33)
das w.
am stamm rankt an bäumen hoch: auf allen (
feldern) stehen reihenweise hohe ulmen, um welche sich w. schlinget Stolberg 8, 60,
desgl. an häusern: Schweizerhäuserchen, mit ihren ... wetterdächern meistens in weinlaub steckend Gleim
briefw. 1, 446
Körte; am spalier, wo sich das weinlaub aufrankt bis zum dach H. v. Kleist 1, 376
E. Schm.; eine niedere hütte ... ganz von w. überrankt Eichendorff 3, 144; in den von w. gänzlich eingehüllten pavillon Th. Mann
Buddenbr. 2, 342.
es umrankt fenster: es waren keine scheiben in den fenstern, und w. über sie gezogen Brentano 2, 112;
entspr. Gaudy 13, 70,
bildet lauben, dächer und schattenwinkel: als eine ... baszstimme durch das w. erscholl Immermann 5, 179
Hempel; über diesem hofe befindet sich ein dach von w. Moltke 6, 124; ein junger bursche ... der im schatten des weinlaubes auf dem boden lag Rosegger I 2, 47.
mond und sonne scheinen durch: der mond glänzte wunderbar durch das verschlungene w. Tieck 2, 310; dabei funkelte die abendsonne durch das w. Eichendorff 3, 72.
stimmende attribute erhöhen die anschaulichkeit: geringelt Voss 2, 321; falb Stolberg 2, 82; grün Gutzkow
ritter 1 (1850) 146; dicht Fontane I 1, 256. 44)
natürliches w.,
vom stamm gelöst, wird als schmuck um säulen, schäfte, nachen u. ä. gerankt: in der hand führte es eine mit wein-laube und flachs umbwundene lantze Lohenstein
Arm. 2, 490
a; die porphyrnen säulen mit w. frisch umflochten Eschenburg
beisp. 4 (1795) 363; auf einem lustigen nachen mit w. und epheu geschmückt Heinse 4, 41
Schüdd. teller und schalen werden damit ausgelegt: sie ... brach die melone ab, legte sie auf einen irdenen teller, viel w. darunter Musäus
volksm. 3, 12
Hempel; entspr. Kerner
bilderb. 120; Fontane I 4, 90.
winzer, zecher, jubelnde, kränzen ihr haupt damit: ein könig ist der jungen welt gebohren ... dasz wir mit weinlaub unsre locken heut, mit amaranten unsre becher kränzen Ramler
Gött. musenalm. (1771) 6
lit.-denkm.; (
es erschienen) bekränzt mit weinlaub und mit ähren ... der winzer und der ackermann Pfeffel
poet. vers. 7, 56; damals war so sonnengoldig und so purpurn mir zu mute, meine stirn umkränzte weinlaub H. Heine 1, 452
Elster; wir genossen, mit w. bekränzt, ein einfaches mahl Hebbel
tageb. 2, 449.
allegorische gestalten werden früh so gedacht: mich dünkt, sein (
des herbstes) antlitz gleicht Lyäen, von jungem weinlaub ist sein kranz J. J. Schwabe
belust. 3, 512;
entspr. Pyra
u. Lange 92
lit.-denkm. die sitte stammt erkennbar aus dem klass. alterthum: Seume
ged. (1804) 196; W. Scherer
kl. schr. 2, 203 (1872). 55)
vorbild sind dort die kränze und stäbe bei Bachusfesten: auf dem haubt hat solches weib einen krantz von w. Harsdörfer
frauenz.-gespr. 7, 47; Bacchantinnen, bekränzt mit w. und epheu H. Meyer
gesch. d. bild. künste 3 (1824) 353; schwingen ... wie mänaden stäbe mit w. Voss
antisymb. 1 (1824) 58.
darf hier noch an natürliches w.
gedacht werden, so verlangt die darstellung des gottes selbst plastische nachbildung: junger Bacchus, mit w. gekrönt G. Forster 3, 507; bei einer statue, deren haupt mit epheu oder w. bekränzt war Fechner
erkl. volksth. pflanzenn. (1871) 15.
derartige nachbildung wird auch sonst wichtig: de winlouvern wairen van clairem silver
Frommanns d. mundarten 3, 59
b (
Köln, 15.
jahrh.); die seulen waren alle mit vergüldetem w. umbwunden Lohenstein
Arm. 2, 291
b; die südecke der säulen ... hat als ornament die traube mit w. zum relief Ritter
erdk. 1, 652; gothisches tympanon ... mit w. gefüllt Schönermark
hochbaulex. 857. 66)
hier überall stellt sich w.
zu vitis vinif. L.
wie wein (
s. o.)
wird auch w.
von unverwandten pflanzen gebraucht, so von dem laub von labrusca: wildes w. Holtei
vierzig jahre 1 (1843) 407; Rosegger I 11, 331.
der weisze oder bergahorn (acer pseudoplatanus L.),
dessen blätter denen des weinstocks gleichen, heiszt w.: Bechstein
forstbot. (
Erf. 1810); Campe; Holl
pflanzenn. (1833) 8
a. weĩlaub
ist in Schwaben ein name der weinduftenden rosa rubiginosa
und elliptica: H. Fischer 6, 622. 77)
zu vitis vinif.
wie zu labrusca
können sich ableitungen stellen, so weinlaubig Campe.