weinhefe,
f. der mikroskop. pilz saccharomyces ellipticus: (
er) findet sich stets im boden der weinberge und wird von dort durch insekten (ameisen, wespen) auf die trauben übertragen, so dasz die trauben die gärungserreger mitbringen Villaret
handwb. d. med. 2 (1891) 950
a.
sie verwandeln bei schnellstem wachsthum in der gärung den zucker des mosts zu alkohol. um sicher zu gehen, setzt man neuzeitlich dem moste reinkulturen von vorzüglicher w. zu Zobeltitz
d. wein (1901) 15
a.
in dem durch sie gebildeten wein sinkt die absterbende w.
zu boden, darum heiszt in nicht wiss. sprachgebrauch w. der dickste und gröbste theil vom weine Jacobsson 8 (1794) 171
b.
so auch amtlich: weintrüb, w., sowie die auf dem teilungslager verdorbenen und unbrauchbar gewordenen flüssigkeiten werden ... vom konto zollfrei abgeschrieben
centr.-bl. für d. d. reich 1888, 256.
dieser sprachgebrauch beherrscht die wortgeschichte. 11)
sie beginnt spätmhd.: Lexer 3, 904,
seither in den wbb.: Diefenbach
gloss. unter floces, tartaris, -um, -us, vappa, vinacium; n. gloss. unter vappa und vinacium; gemma gemm. (
Straszb. 1508) E 1
d; Ravellus; Hulsius; Wiederhold; Rädlein; Dentzler; Steinbach; Frisch
usw., und in den techn. hilfsmitteln: Thurneyszer
m. alch. (1583) 52; Agricola
bergw. (1621) 192; Hohberg
georg. cur. 1 (1682) 230; Karmarsch-Heeren 3 (1844) 603.
räumlich greift w.
nirgends über den bereich von hefe
hinaus, wie er wortk. z. d. sprachgeogr. (1923) 21
angegeben ist. er umfaszt zugleich die wesentl. gebiete des deutschen weinbaus: Kretschmer
wortgeogr. d. nhd. umg. (1916) 105.
[] 22)
als siegendes schriftwort hat w.
ältere synonyma auf landschaftl. gebrauch zurückgedrängt, s. weinbarme, -druse, -lager,
ferner M. Heyne
nahrungsw. (1901) 269; weynhäpffen oder weyntruosen Frisius
dict. (1556) 1333
b; weinhefen heiszet
griech. tryx ... man nennts auch zu teutsch weintrusen Wirsung
arzn.-b. (1588)
reg.; gleichet der weinheffen oder jest Harsdörfer
t. secr. 1 (1656) 644; heben vom weine, bahrm vom bier
denkm. d. d. kulturgesch. 2 i 288 (
Mecklenb. um 1700); barmen, bier- oder wein-barmen, werden an einigen orten, sonderlich im Francken-lande, die bier- und weinhefen genennet
Chomel 1 (1750) 1145; w., wein-modder Kramer
t.-it. dict. 2 (1702) 1299
c; die w. ..., welche auch die mutter genannt wird Campe. 33)
die w.
ist reich an wirksamen bestandtheilen. drei gruppen von verwendungsarten lassen sich trennen. 3@aa)
im heilgebrauch ist die thierarznei zuerst zur stelle: H. Fischer 6, 618; Mynsinger
v. falken 69
lit. ver.; Herr
feldb. (1551) 187
b.
menschen werden bei verbrennungen mit w.
behandelt: Gäbelkover
arzn.-b. 2 (1595) 278.
chemisch ist zuerst die weinhefenasche (
s. u.)
verwerthet worden: man trocknet ... die w., verbrennt solche, da denn die asche voll von feuerbeständigen alkali ist ... und statt der pottasche in vielen künsten gebraucht wird Hübner (1776) 2463.
neuerdings dient die w.
zu darstellung von kalium, weinöl, potasche und weinsäure: Liebig
handb. d. chem. (1843) 374; Muspratt
chem. 1 (1888) 159; 4, 861; Lueger 7, 904. 3@bb)
der hausgebrauch schätzt die w.
zunächst im garten: wan sie swach werden, sol man alte winhefen ... gieszen an ire würtzeln Petr. de Crescentiis (1531) 85
b;
entspr. Lonicer
kreuterb. 23
c; Sebiz
feldb. 241.
in der küche wird damit gekocht: Bock
kreuterb. (1539) 62,
gewaschen: W. H. Ryff
confectb. (1548) 110
a,
und nam. gebacken: Oken
allg. nat.-gesch. 3 iii 1869.
aus w.
werden branntwein und essig hergestellt: weil gleichwol der brandtwein ... auch seinen nutz ... hat ... so solte derselbe allein aus wein und bierhäfen gemacht werden Prätorius
saturn. (1663) 371; auch destillirt man aus den w. noch einen guten geist
n. rhein. conv.-lex. 12 (1830) 168; die bereitung des weinessigs aus trüben wein und w. ist eine alte kunst Poppe
gesch. d. techn. 3 (1811) 247.
unbegrenzt nützlich ist w.
als fleckenwasser, putz- und färbmittel: Fleming
vollk. sold. (1726) 357
a; Töpfer
lehrb. d. orgelbauk. (1855) 738; Bode
Tristr. Schandi 7 (1774) 65; Rode
Vitruvs bauk. 2 (1796) 129. 3@cc)
auf der färbenden kraft der w.
beruht eine frühe anwendung in der kunst: wenn einer, nach der weise der alten trauer-spieler ... an statt der schmincke sich mit w. bestreichen wolte Besser 1 (1732) 117
König; (
Thespis bemalte) den sängern und spielern seiner stücke die gesichter mit w. Ramler
Horazens dichtk. (1777) 97; Gutzkow 4, 63.
der brauch wurzelt in altgriech. spielen an weinlesefesten: C. A. Böttiger
kl. schr. 1 (1837) 262. 44) w.
ist erster bestandtheil von einem dutzend zus.-setzungen, die sämmtlich dem techn. gebrauch der w. (3
a und b)
dienen. häufig sind