weilen,
v. ahd. wîlôn Graff 4, 1227,
mhd. wîlen Grimm
gr. 1, 956;
mhd. wb. 3, 671; Lexer 3, 887
f., got. ƕeilan Feist 152
a,
anord. hvíla Fritzner 2, 138
f., schwed. hvila,
dän. hvile,
afries. hwîla Richthofen 836,
mengl. hwîlen Stratman 360,
mnd. wîlen Schiller-Lübben 5, 715,
nnl. wijlen Franck-Wijk 795
a.
die etymologie ist schon 1737
klar: weilen 'quiescere, morari', Suecis hwyla, utrumque a
subst. weil 'quies, mora' Wachter 1851.
äuszere wortgeschichte. neben dem stets häufigen fem. weile (
s. d.)
ist das verb zu allen zeiten möglich. es wird früh gebucht: morari/ harten (
lies: harren)
vel wilen
voc. rer. (1420)
bei Diefenbach
gloss. 367
c; Stieler 2475,
bleibt aber im gebrauch merklich zurück: de monicke ... wîlen nummermêr unde halent unde dregent sunder underlaet in
disput. to Oldersum (1526) 31; haben wir solche (
zeitung) mit eigenem bohten anzufugen nicht weilen wollen Butschky
hd. kanz. (1659) 617; nun weile nicht ferners, hellglänzender flusz Treuer
d. Dädalus (1675) 1, 148.
zudem sind zus.-setzungen (
got. ana-, gaƕeilan,
mengl. ʒehwîlen,
nhd. verweilen)
häufiger als einf. weilen.
von insgesammt 300
belegen gehören nur 7
der zeit vor 1700
an, 129
dem 18.
jahrh., 164
der zeit nach 1800.
in aufnahme gebracht ist das wort durch Klopstock
seit etwa 1755: der himmlische Joseph weilete noch um sein grab zu Sichem
Messias 11, 405; noch komt sie nicht die sonne, gottes gesendete, noch weilt sie die lebensgeberin
oden 2, 50;
entspr. 1, 144; 2, 126.
unter Klopstock
s einflusz verwenden es Denis
lieder Sineds (1772) 52; J. A. Cramer 1 (1781) 15; J. A. Schlegel
verm. ged. 2 (1788) 164,
danach bei allen klassikern auszer Lessing
und Wieland: mensch, geniesze dein leben, als müssest morgen du weggehn; schone dein leben, als ob ewig du weiletest hier Herder 26, 14;
entspr. 5, 560; 25, 367; 26, 248; 27, 36; o weile! weil' ich doch so gern wo du weilest Göthe I 14, 232 (
Faust v. 4479
f.);
entspr. I 1, 87; 89; 121; I 5, 31; 9, 30
Weim.; alle menschen werden brüder, wo dein sanfter flügel weilt Schiller 4, 351
G.; entspr. 12, 421; 14, 54.
seitdem allg. in gehobener rede, kaum je in den mundarten: wylen Stalder 2, 443; wəilə Fischer
schwäb. 6, 602; wiele Hönig
Köln. 201
b.
landschaftliche sonderart gewinnt kaum einflusz auf das wort. in Herders
s vers: es stand die sonn', es weilete der mond in Ajalons thal 12, 166
S. liegt keine alterthümelnde nachahmung der bibelsprache, denn diese kennt das wort nicht. irrig ist die bemerkung Adelung
s 5 (1786) 136, weilen
als simplex sei veraltet. Heynatz
antibarb. 2 (1797) 621
und Campe 5 (1811) 645
a weisen das zurück, doch haben weder sie noch Burdach (
verh. d. 37. philol.-vers. 177)
oder Köster (
Schönaichs neol. wb. 478)
erkannt, dasz weilen
zu den verben gehört, die die barden u. s. w. für sonst häufigeres compositum setzen, wie Klopstock hellen
für erhellen, Haller löschen
für verlöschen, Bodmer quetschen
für zerquetschen,
der junge Göthe decken, reichen, teilen
für bedecken, erreichen, zuteilen
usw. innere wortgeschichte. II.
bedeutung. als ableitung von weile '
zeitstrecke'
hat weilen
die allg. grundbed. '
zeit zubringen': Heyne 3 (1895) 1353,
und die besondere '
sich eine zeitlang an e. ort aufhalten': Täubel
buchdruckerk. (1805)
anh. 19. I@AA.
von diesen grundbed. aus entwickeln sich besonderheiten. I@A@11)
objektiv bed. weilen '
innehalten': (
Tasso) geht dann wieder schneller auf uns los und weilt schon wieder Göthe I 10, 120
Weim., '
warten': lang' weilt des himmels rache, doch ewig weilt sie nicht
maler Müller 2 (1811) 335, '
ausbleiben': sind meine helden wohl gesund? sie weilen allzu lange Uhland
ged.2 352. I@A@22)
subjectiv gefärbt sind die bed. '
säumen, zaudern, zögern': und warum weil' ich, ihn wieder zu suchen? Klopstock
Messias 9, 448 (
so 1755; 1760: verweil'); du bist unrettbar, weilst du noch Zach. Werner
Luther (1807) 132; nicht weilen wird der könig, euch zu sehn Müllner
dram. 4, 5.
in seltner ausnahme stellt sich das verb zu langweile: bey seinen übrigen verdiensten um die akustik könnte er zu hause sitzen, lange weilen und darben Göthe IV 16, 197
Weim. vgl. th. 6, 173. I@BB.
gegenworte und synonyme heben in dichterischer sprache die grundbed. schärfer heraus. I@B@11)
am beliebtesten ist wie beim subst. (
sp. 806
f.)
die bindung mit eilen: wenn der rasche lose knabe, der sonst wild und feurig eilt, oft bei einer kleinen gabe unter leichten spielen weilt Göthe I 2, 119
Weim.; seitdem nun möcht' ich nicht mit wachsen eilen, weil unkraut schieszt, und süsze blumen weilen (
because sweet flowers are slow, and weeds make hast)
Shakespeare 9, 85.
demnächst wechseln gegenworte wie sich entfernen, fortgehen, (fort)schreiten: hier liesz er mich weilen, entfernte sich Göthe I 25, 44
Weim.; fort Schwede! du weilst schon viel zu lang Grabbe 1, 37
Bl.; man sieht ihn schreiten, weilen nun und lauern — dann heben seinen fusz, und weiter gehn Grillparzer 1, 181
Sauer; drum schreite fort, anstatt zu weilen Hebbel I 6, 415.
ein entgegengesetzter begriff kann wirksam sein, auch ohne ausgesprochen zu werden: 's ist hohe nachtzeit! — weilt bis morgen hier, und pflegt der ruh' Zach. Werner
söhne des thals 1, 285. I@B@22)
in versen steht weilen
gern neben wechselnden synonymen: die fiedel stockt, der tänzer weilt Göthe I 14, 54
Weim. (
Faust v. 1017); geht ihr zur ruh, ich bleibe noch und weile hier an dem korb Rückert 3 (1867) 184; wo weilt sie denn, was zögert sie? Strachwitz
ged. (1850) 306. I@CC.
aus der bahn geworfen wird das verb, wenn es (
der grundbed. entgegen)
ein object erhält. I@C@11)
transitiven gebrauch bucht zuerst Campe 5 (1811) 645
a,
eingeführt hat ihn 1752 Klopstock: und dasz die wahl dich nicht weile, sondr' ich nur erhabne dir aus!
Messias 7, 572 (1760: verweile); der lenz im thal weilt dich
oden 1, 111;
entspr. 205.
ihm folgen die grafen Stolberg: sonne, du säumst: weilen dich kühlende wogen des meeres? 1, 87;
entspr. 11, 116; 371,
ebenso Voss: so auch weilete mich die Aeoerin Kirke voll arglist
Od. (1821) 9, 31.
mit E.
M. Arndt
schr. an seine l. D. 1 (1845) 227
ist dieses weilen '
aufhalten, fesseln'
ausgestorben. es wird zu '
verzögern',
wo zum acc. der sache ein dat. der person tritt: mit dem entschuldigen weilest du mir die süsze begierde Overbeck
verm. ged. (1794) 190. I@C@22)
der reflexive gebrauch ist ein besonderer fall dieses transitiven. Adelung 5 (1786) 136
bucht ihn: was weilen wir uns? Heynatz
antibarb. 2 (1797) 621
kann ihn nicht gutheiszen, Campe 5 (1811) 645
a will ihn auf verweilen
beschränken. J. Grimm
wendet 1812
das refl. unbedenklich an: weile dich nicht länger
kl. schr. 4, 60. I@C@33)
zusatz von dativ-object wagt gleichfalls zuerst Klopstock; jener, der unverblüht vielleicht dem hellsten mond' itzt weilte, vielleicht zum liede tanzte, wird dann schnell verwandelt
oden 2, 47
M.-P. vom gesichtseindruck braucht auch sein nachahmer Baggesen
das wort: einige blicke noch weilte der held dem reizenden anblick 1 (1836) 130.
bei eindrücken des gehörs entsteht fast die bed. '
lauschen': weilst du der nachtigall einst? Selma, im lenz, send' ich zu dir sie herab Klopstock
oden 2, 71
M.-P. wo sich der eindruck durchs ohr an die seele wendet, wird weilen
zu '
still halten': nur das bild von gottes mutter weilte ruhig meinen klagen Brentano 3, 29.
ohne einflusz auf die grundbed. bleibt dat. ethicus: drei sind ihrer, der theuern, die weit in der fremde mir weilen 2, 483. IIII.
gebrauch. II@AA.
mannigfach sind die subjecte des weilens. II@A@11)
zunächst ist ein mensch subject. II@A@1@aa)
meist von der körperlichen gegenwart eines menschen: dort weilen sie bei einer frau, die in zierlichen körben feines gemüse feil bietet E. Th. A. Hoffmann 14, 155
Gris.; in dieser wüsteney denke ich bis mittwoch ... zu weilen Bismarck
br. an s. braut u. gattin 382.
als ableitung von weile (
im gegensatz zum alltagswort zeit)
hat auch weilen
feierlichen klang. sein eig. bereich ist darum die sprache der dichtung: er weilt noch in den wäldern H. v. Kleist
Penthesilea v. 1706; 1710; zurück! wer wagt es da zu küssen, wo ich weile? Grabbe 2, 34
Bl.; liebe, da du unter rosen weiltest, o wie flog die zeit dahin Rückert
ges. ged. 4 (1837) 417.
in prosa hat es eine stelle bei feierlichem anlasz: man verabredete, dasz fortwährend jemand bei der toten weilen und ich die erste wache halten sollte G. Keller 2, 76
; entspr. 1, 253.
es steht von hochgestellten menschen: als Tiberius auf Capri weilte Peschel
völkerkde. (1874) 138; ein mal weilten zwei könige zugleich am hofe des hochmeisters Treitschke
hist. u. pol. aufs. 2, 30; letztere bat die königin noch einen tag zu weilen A. v. Arnim 2, 293
Grimm; (
da der graf) zur zeit in München weile Pückler
briefw. 3, 244,
vom aufenthalt an heiligen, nicht irdischen, nicht alltäglichen orten: sie, die schüchtern auf des tempels schwelle weilet Klinger 2, 173; weile dann bei der asche deines vaters Kerner
bilderbuch 42; zog er ... durch die regionen der unterwelt und weilte da Musaeus
volksm. 1, 6
Hempel; hat das erbarmen leitend dich geführt zu dieser grüfte unterird'schem trauern? du weilst ja lindernd gern, wo leiden sind Droste-Hülshoff 2, 246
Sch. als edlerer ausdruck steht weilen
für '
sitzen': gefühlvoll weilt sie bald am traulichen klavier Gotter 1, 308, '
sich setzen': hier lasz uns weilen auf dem rasensitze Arnim 8, 345, '
dastehen': ich musz so glauben, denn immer weilest du noch, wie gebannt Mörike 1, 121
Göschen, '
stehen bleiben': da faszt's ihn freudig, dasz er weilen musz Droste-Hülshoff 2, 238
Sch., '
bleiben': so weile denn bei uns, so lange es dir gefällt J. J. Engel 1, 298, '
halten': ha, Vacherie — hier weilt der zug Droste-Hülshoff 2, 89
Sch., '
sich zeit nehmen': und wenn zu rasch gewesen der muntre zögling, sprach die mutter: weile! Immermann 15, 57
Hempel, '
sich aufhalten': doch weilt er nicht bei der bettlerschaar, herauf zum saal er blickt Uhland
ged. 1, 259.
auch im wechsel mit leben
hat weilen
den edleren klang: (
sie sträubte sich) die stelle zu verlassen, wo in jüngster zeit noch der geliebte geweilt und sie in neuer hoffnung gelebt hatte G. Keller 2, 228.
der edle ausdruck kann, in bewusztem gegensatz zu unedlem thun gesetzt, komisch wirken: 'weilt der jude noch hier in Arkadiens schäferlichem paradies?' 'er geht umher und handelt alte schachteln ein' Platen 2, 288
R. II@A@1@bb)
früh auch von wissensch. versenkung: wir weilen bei der betrachtung des schönen, weil diese betrachtung sich selbst stärkt Kant 7 (1839) 66
Hart.; so sieht man doch, wenn man an diesen göttergeburten selbst weilt Schubart
leben 1 (1806) 201; (
wer) mit stolz auf den längst vergangenen geschlechtern weilt, ist vor allen andern berufen die vaterländische sitte, sprache und art zu lieben E.
M. Arndt
schr. an seine l. D. 2, 106.
statt der körperlichkeit steht hier der sinn des menschen als subject: (
der staatsmann) der ganz in dem handelnden leben weilt Gervinus
gesch. d. d. dicht. 5, 91.
er erreicht die auszenwelt durch blick und auge: sein auge weilt auf dieser erde kaum Göthe I 10, 111
Weim.; nur an einem schönen sterne weilt mit liebe noch der blick Schiller 11, 207
G.; dem einen war es gleichsam bedürfnisz, mit dem blick auf den quälenden partieen der geschichte zu weilen Gervinus
gesch. d. d. dicht. 5, 4.
vom sinnenden blicken kann das schwergewicht auf das eindringliche beobachten verlegt werden: oft wenn ich drauszen herumging, weilte mein blick am horizont Hölderlin 2, 42
Litzm.; wo die formen vernachten weilt hinstarrend der lange blick Salis
ged. (1793) 39; das auge weilt auf edlen formen Platen 2, 89
R.; duft und klang und vogelflug, balsam, wo die blicke weilen, und doch alles nicht genug, um — ein krankes volk zu heilen Herwegh
ged. e. lebend. (1843) 8.
bes. deutlich ist das der fall, wo blicke blicken begegnen: dein blick, der stets von mir sich abgewendet, ich sah ihn heut auf meinen blicken weilen Platen 1, 650
R.; dann kreuzten seine blicke die des reisenden. sie weilten ineinander Zahn
Indergand 5. II@A@22)
dem edlen klang des worts entspricht es gut, dasz oft übermenschliche wesen subject des weilens
sind, götter, halbgötter, heilige oder die geister verstorbener: wenn der rasche lose knabe (
Amor) ... oft bei einer kleinen gabe unter leichten spielen weilt Göthe I 22, 193
Weim.; dasz sie (
Ceres) hier vertraulich weile, ist kein obdach ihr gewährt Schiller 11, 293
G.; Hymen! wo weilst du? H. v. Kleist
Penth. v. 1740/42;
Brynhildis: keine rune knüpfend ..., wollt' ich weilen am geweb' Fouqué
held d. nordens 1, 107; wo weilt der fromme siedler dieser kluft? Droste-Hülshoff 1, 194
Sch.; ihr geist soll, wie die sagen gehn, in dieser kirche weilen Hölty
ged. 34
Halm. den gottheiten gesellen sich die göttlich gedachten himmelslichter, sonne, mond, sterne und abendröthe: hohe sonne, du weilst und du beschauest dein Rom Göthe I 1, 254
Weim.; die sonne strahlt am ersten hier, am längsten weilet sie bei mir Uhland
ged. 1, 12; auf dem teich, dem regungslosen, weilt des mondes holder glanz Lenau
ged. 1 (1857) 35; sieh, wie schon die goldnen sterne aus dem dunklen himmel keimen ... möchten sie im blauen strome, tief in seinem bette weilen Tieck 1, 336; süszer duftet die flur und kühler bauchet der abend; nur ein welkendes roth weilt am azurenen west
grafen Stolberg 1, 14.
im dichterischen bild selbst die nacht: weil' auf mir, du dunkles auge, übe deine ganze macht, ernste, milde, träumerische, unergründlich süsze nacht! Lenau
ged. 1 (1857) 25. II@A@33)
so wird unkörperliches zum subject des weilens.
ein schall kann es sein: hier, entwafnetes lied, weil' in des milden sterns angebetetem licht Stägemann
kriegsges. 67.
auch ein unausgesprochenes wort: der grausame spruch, der auf den lippen dieser männer weilet Klinger 1, 332,
eine zeitstrecke: weilet, o weilet, ihr seligen stunden! Göthe I 11, 279
Weim.; ich höre die stunden ziehen trüben gesichts: sie kommen, weilen, fliehen — und ändern nichts Geibel 1, 174,
vor allem aber ein abstractum: o rache, rache weile noch! J.
M. Miller
ged. (1783) 126; holder friede, süsze eintracht, weilet, weilet freundlich über dieser stadt! Schiller 11, 316; hier, freyheit, blüht dein mütterlicher boden, hier weilest du Matthisson 1 (1825) 89.
gern werden dabei die abstracta als allegorische gestalten gedacht: bettler werden fürstenbrüder, wo dein (
der freude) sanfter flügel weilt Schiller 4, 1
G.; unschuld ... weilt im nestchen unterm gipfel R.
Z. Becker
mild. liederbuch 40; (
ich, die poesie) habe an den schönen ufern des Ganges und des Ohio geweilt A. W. Schlegel
Athenäum 1, 18. II@A@44)
selten ist demgegenüber eine körperliche sache subject des weilens: er wagts die urne wegzuheben, die kaum in seinen händen weilt ... Pfeffel
poet. vers. 2, 156; zog mein lederbeutelchen hervor, in welchem das kümmerliche reisegeldchen weilte G. Keller 3, 162.
am ehesten noch, wenn sie eigene bewegung hat: o weile, strom, weile, lasz auf den höhn mich Oesterreichs goldene trauben sehn! Blumauer
ged. (1782) 8,
zumal als thier: lerchen weilten in den furchen der sommerfrucht Holtei
erz. schr. 21, 6; das eselchen sagte: hier wollen wir weilen Grimm
märchen 2, 277. II@BB.
der formengebrauch des verbs ist eintönig. II@B@11)
präsens und indicativ überwiegen, schon das prät. tritt zurück, perfect und plusquamperf. sind geradezu selten: unbegreiflich, wo er so lange geweilt Pückler
briefw. 6, 290; (
das königthum, das) auf einer scholle erde mit ihnen geweilt hatte Droysen
gesch. Alexanders 347.
futurformen sind kaum je belegt: die werden hier nicht lange weilen Kotzebue 2 (1827) 52. II@B@22)
häufig ist der imperativ: o stehe still, du eilender gedanken ... o weile, sieh, ich kann nicht weiter wanken Brentano 5, 283,
namentlich negiert: weilt nicht auf der niedern stufe, die ich längst schon überstieg Göthe I 3, 347
Weim. früh stellt sich hier wider die bed. '
zaudern, zögern'
ein: weile nicht, in helle flammen die lodernde glut zu fachen Denis
lieder Sineds 172; nur weile nicht, bis man die wachen stellt Shakespeare
Romeo 3, 3; o lasz uns fliehen, komm und weile nicht Schiller 14, 88
G., die jedoch bei umschreibung mit hilfsverben nicht zu belegen ist: ihr dürft nicht weilen, wo die ruhe wohnt Schiller 14, 424; er darf nicht in dem unglückshause weilen Müllner
dram. 1 (1828) 60.
hier kommt doppelte negation vor: keiner darf sich da nicht weilen
volksl. d. bayer. heeres 117
Ditfurth. conj. adhortat. ist selten: dasz keiner auf den raub jetzt falle! keiner hinten weil', auf dasz er reichlicher beladen kehr' ins schiff Bürger 170
a Bohtz. II@B@33)
im gebrauch des part. präs., das eine gewisse rolle spielt, kehrt die mannigfaltigkeit der subjecte wider. zumeist ist es ein mensch: welche reise habt ihr schon vollendet, seit ich weilend in dem arm der liebsten eurer und der mitternacht vergessen? Göthe I 2, 108
Weim.; die angst der noch in der stube weilenden stieg O. Ludwig 2, 178; die bei ihnen weilenden Germanen Mommsen
röm. gesch. 5, 128,
gelegentlich sein blick: still und hehr ... betrachtest du das vergangene, weilendes blickes Salis
ged. (1793) 1,
mehrfach eine zeitstrecke: die weilenden abendstunden Musäus
volksm. 4, 119
Hempel; die weilenden tage Overbeck
verm. ged. (1794) 190,
selten eine sache: flüchtig weilende flocken wirbelten dahin Viebig
kreuz im Venn 29,
am ehesten noch ein thier: dasz die gesellschaft von den auf dem gipfel weilenden gemsen überrannt worden sei H. v. Barth
Kalkalpen 192. II@B@44)
der subst. inf. begegnet auffallend oft in negativen wendungen: so ist hier kein weilen mehr Bürger 313
a Bohtz; den dieben frommt kein langes weilen Pfeffel
poet. vers. 1, 30.
formelhaft ohne weilen: Wh. Müller 1 (1837) 377; Tieck 1 (1828) 355; Gries
Bojardos verl. Rol. 1 (1835) 9; Heine 2, 203
E., sonder weilen: Droste-Hülshoff 2, 83. 205
Sch.; S.
Brunner erz. 1 (1864) 129.
auch der gen. ist hier möglich: hier ist kein weilens
Z. Werner
kreuz a. d. Ostsee (1806) 102; deines weilens ist nicht länger hier Alexis
f. Wald. 1, 141.
für den positiven gebrauch ist bestimmend geworden: und hohler und hohler hört mans heulen, und es harrt noch mit bangem, mit schrecklichem weilen Schiller 11, 222
G. auch weiterhin stets mit attribut: kleinste 13, 62; träg Hölderlin 1, 33
Litzm. II@CC.
syntaktisch treten einige besonderheiten auf. II@C@11)
als ausdruck allgemeiner art eignet sich weilen
gut zum gebrauch in der frage: warum muszt du auf der welt weilen? Fr. L. Jahn 2, 870.
in aller regel wird nach dem ort des weilens
gefragt: wo weilt ihr jetzt in der nacht? maler Müller 1 (1811) 84; wo weilt sie, die glückliche, die er erwählen ... wird? Ebner-Eschenbach 4, 266,
mit wo
auch: Immermann 2, 105
Hempel; Heine 1, 87; Geibel 1, 50
Cotta. gern ist die frage negiert: weilst du nicht an gottes thron? Mozart
bei O. Jahn 4, 334. II@C@22)
in 11 %
aller fälle iritt weilen
negiert auf. schon bei imp., inf. und frage ist die neigung zur negation hervorgetreten, sie wird sichtbar auch in allem sonstigen wortgebrauch: keine der kleinen sich haschenden wellen weilet und höret mein lied Denis
lieder Sineds 198; auch auf der erde, so fest sie ruht auf den ewigen alten säulen, wanket das glück und will nicht weilen Schiller 14, 50
G.; weilst du nicht, was kann es frommen! Platen 1, 33
Redlich. II@C@33)
näher bestimmt wird die handlung auf drei weisen. II@C@3@aa)
adverbien bestimmen die art des weilens: fröhlich Schiller 11, 36; selig B. v. Arnim
Günderode 1, 50; entzückt Mörike 1, 219
Göschen; behaglich Holtei
erz. schr. 3, 104; müszig Schiller 15 i 17; träge Rückert 2 (1867) 526.
schon diese farbigen bestimmungen nähern sich der einer dauer des weilens,
die gemeinhin vollzogen wird durch lange: Schubart
ästh. d. tonkunst 231; Bürger 108
Bohtz; Pfeffel
pros. vers. 9, 173; J. G. Jacobi 4 (1807) 63; Ayrenhoff 2 (1814) 166, länger: Göthe I 4, 198
Weim.; J. Grimm
kl. schr. 2, 4; Holtei
erz. schr. 1, 50, allzulang: Göthe I 5, 76
Weim. II@C@3@bb)
nicht allzuoft übernimmt es ein acc. der zeit, die dauer des weilens
zu bestimmen: einige jahre Grimm
d. sagen 2 (1891) 22; einige zeit Ebner-Eschenbach 1, 140; viele tage Kortum
Jobsiade 3, 41; ganze tage Ch. v. Schmid 17, 20; tagelang Stifter 1 (1901) 214; stunden lang O. Ludwig 1, 249; ein stündchen E.
M. Arndt 1 (1892) 156; einen augenblick B. v. Arnim
Günderode 1, 321; ein wenig Hölderlin 2, 118
Litzm.; etwas Tieck 1 (1828) 331; Steffens
was ich erlebte 8, 361. II@C@3@cc)
zu gleichem zweck stellen sich mehrfach präp. fügungen ein: auf ganze stunden Schubart
briefe 1, 40
Strausz; seit zehn jahren Ebner-Eschenbach 4, 41.
öfter bestimmen diese den ort des weilens: auf dem hügel Tieck 1, 27; bei den ruinen Raimund 1, 4
Glossy; auf der hohen schule G. Keller 3, 28; in Basel Schnitzler
gr. kakadu 20; in der unendlichkeit Pückler
briefw. 1, 301. II@DD.
im sprichwort steht weilen
schon 1653: auf rath weil, zur that eil Zinkgräf
t. apophth. 2, 18. 3, 344.
es lebt auf im 19.
jahrh.: Görres 3, 1.
sprichwörtlich klingt auch: ungereimt, dasz wir eilen reich und weilen, selig zu werden Scherz-Oberlin (1784) 1971.