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weilen

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

weilen v.

Bd. 28, Sp. 807
weilen, v. ahd. wîlôn Graff 4, 1227, mhd. wîlen Grimm gr. 1, 956; mhd. wb. 3, 671; Lexer 3, 887 f., got. ƕeilan Feist 152a, anord. hvíla Fritzner 2, 138 f., schwed. hvila, n. hvile, afries. hwîla Richthofen 836, mengl. hwîlen Stratman 360, mnd. wîlen Schiller-Lübben 5, 715, nnl. wijlen Franck-Wijk 795a. die etymologie ist schon 1737 klar: weilen 'quiescere, morari', Suecis hwyla, utrumque a subst. weil 'quies, mora' Wachter 1851. äuszere wortgeschichte. neben dem stets häufigen fem. weile (s. d.) ist das verb zu allen zeiten möglich. es wird früh gebucht: morari/ harten (lies: harren) vel wilen voc. rer. (1420) bei Diefenbach gloss. 367c; Stieler 2475, bleibt aber im gebrauch merklich zurück: de monicke ... wîlen nummermêr unde halent unde dregent sunder underlaet in disput. to Oldersum (1526) 31; haben wir solche (zeitung) mit eigenem bohten anzufugen nicht weilen wollen Butschky hd. kanz. (1659) 617; nun weile nicht ferners, hellglänzender flusz Treuer d. Dädalus (1675) 1, 148. zudem sind zus.-setzungen (got. ana-, gaƕeilan, mengl. ʒehwîlen, nhd. verweilen) häufiger als einf. weilen. von insgesammt 300 belegen gehören nur 7 der zeit vor 1700 an, 129 dem 18. jahrh., 164 der zeit nach 1800. in aufnahme gebracht ist das wort durch Klopstock seit etwa 1755: der himmlische Joseph weilete noch um sein grab zu Sichem Messias 11, 405; noch komt sie nicht die sonne, gottes gesendete, noch weilt sie die lebensgeberin oden 2, 50; entspr. 1, 144; 2, 126. unter Klopstocks einflusz verwenden es Denis lieder Sineds (1772) 52; J. A. Cramer 1 (1781) 15; J. A. Schlegel verm. ged. 2 (1788) 164, danach bei allen klassikern auszer Lessing und Wieland: mensch, geniesze dein leben, als müssest morgen du weggehn; schone dein leben, als ob ewig du weiletest hier Herder 26, 14; entspr. 5, 560; 25, 367; 26, 248; 27, 36; o weile! weil' ich doch so gern wo du weilest Göthe I 14, 232 (Faust v. 4479 f.); entspr. I 1, 87; 89; 121; I 5, 31; 9, 30 Weim.; alle menschen werden brüder, wo dein sanfter flügel weilt Schiller 4, 351 G.; entspr. 12, 421; 14, 54. seitdem allg. in gehobener rede, kaum je in den mundarten: wylen Stalder 2, 443; wəilə Fischer schwäb. 6, 602; wiele Hönig Köln. 201b. landschaftliche sonderart gewinnt kaum einflusz auf das wort. in Herderss vers: es stand die sonn', es weilete der mond in Ajalons thal 12, 166 S. liegt keine alterthümelnde nachahmung der bibelsprache, denn diese kennt das wort nicht. irrig ist die bemerkung Adelungs 5 (1786) 136, weilen als simplex sei veraltet. Heynatz antibarb. 2 (1797) 621 und Campe 5 (1811) 645a weisen das zurück, doch haben weder sie noch Burdach (verh. d. 37. philol.-vers. 177) oder Köster (Schönaichs neol. wb. 478) erkannt, dasz weilen zu den verben gehört, die die barden u. s. w. für sonst häufigeres compositum setzen, wie Klopstock hellen für erhellen, Haller löschen für verlöschen, Bodmer quetschen für zerquetschen, der junge Göthe decken, reichen, teilen für bedecken, erreichen, zuteilen usw. innere wortgeschichte. II. bedeutung. als ableitung von weile 'zeitstrecke' hat weilen die allg. grundbed. 'zeit zubringen': Heyne 3 (1895) 1353, und die besondere 'sich eine zeitlang an e. ort aufhalten': Täubel buchdruckerk. (1805) anh. 19. I@AA. von diesen grundbed. aus entwickeln sich besonderheiten. I@A@11) objektiv bed. weilen 'innehalten': (Tasso) geht dann wieder schneller auf uns los und weilt schon wieder Göthe I 10, 120 Weim., 'warten': lang' weilt des himmels rache, doch ewig weilt sie nicht maler Müller 2 (1811) 335, 'ausbleiben': sind meine helden wohl gesund? sie weilen allzu lange Uhland ged.2 352. I@A@22) subjectiv gefärbt sind die bed. 'säumen, zaudern, zögern': und warum weil' ich, ihn wieder zu suchen? Klopstock Messias 9, 448 (so 1755; 1760: verweil'); du bist unrettbar, weilst du noch Zach. Werner Luther (1807) 132; nicht weilen wird der könig, euch zu sehn Müllner dram. 4, 5. in seltner ausnahme stellt sich das verb zu langweile: bey seinen übrigen verdiensten um die akustik könnte er zu hause sitzen, lange weilen und darben Göthe IV 16, 197 Weim. vgl. th. 6, 173. I@BB. gegenworte und synonyme heben in dichterischer sprache die grundbed. schärfer heraus. I@B@11) am beliebtesten ist wie beim subst. (sp. 806 f.) die bindung mit eilen: wenn der rasche lose knabe, der sonst wild und feurig eilt, oft bei einer kleinen gabe unter leichten spielen weilt Göthe I 2, 119 Weim.; seitdem nun möcht' ich nicht mit wachsen eilen, weil unkraut schieszt, und süsze blumen weilen (because sweet flowers are slow, and weeds make hast) Shakespeare 9, 85. demnächst wechseln gegenworte wie sich entfernen, fortgehen, (fort)schreiten: hier liesz er mich weilen, entfernte sich Göthe I 25, 44 Weim.; fort Schwede! du weilst schon viel zu lang Grabbe 1, 37 Bl.; man sieht ihn schreiten, weilen nun und lauern — dann heben seinen fusz, und weiter gehn Grillparzer 1, 181 Sauer; drum schreite fort, anstatt zu weilen Hebbel I 6, 415. ein entgegengesetzter begriff kann wirksam sein, auch ohne ausgesprochen zu werden: 's ist hohe nachtzeit! — weilt bis morgen hier, und pflegt der ruh' Zach. Werner söhne des thals 1, 285. I@B@22) in versen steht weilen gern neben wechselnden synonymen: die fiedel stockt, der tänzer weilt Göthe I 14, 54 Weim. (Faust v. 1017); geht ihr zur ruh, ich bleibe noch und weile hier an dem korb Rückert 3 (1867) 184; wo weilt sie denn, was zögert sie? Strachwitz ged. (1850) 306. I@CC. aus der bahn geworfen wird das verb, wenn es (der grundbed. entgegen) ein object erhält. I@C@11) transitiven gebrauch bucht zuerst Campe 5 (1811) 645a, eingeführt hat ihn 1752 Klopstock: und dasz die wahl dich nicht weile, sondr' ich nur erhabne dir aus! Messias 7, 572 (1760: verweile); der lenz im thal weilt dich oden 1, 111; entspr. 205. ihm folgen die grafen Stolberg: sonne, du säumst: weilen dich kühlende wogen des meeres? 1, 87; entspr. 11, 116; 371, ebenso Voss: so auch weilete mich die Aeoerin Kirke voll arglist Od. (1821) 9, 31. mit E. M. Arndt schr. an seine l. D. 1 (1845) 227 ist dieses weilen 'aufhalten, fesseln' ausgestorben. es wird zu 'verzögern', wo zum acc. der sache ein dat. der person tritt: mit dem entschuldigen weilest du mir die süsze begierde Overbeck verm. ged. (1794) 190. I@C@22) der reflexive gebrauch ist ein besonderer fall dieses transitiven. Adelung 5 (1786) 136 bucht ihn: was weilen wir uns? Heynatz antibarb. 2 (1797) 621 kann ihn nicht gutheiszen, Campe 5 (1811) 645a will ihn auf verweilen beschränken. J. Grimm wendet 1812 das refl. unbedenklich an: weile dich nicht länger kl. schr. 4, 60. I@C@33) zusatz von dativ-object wagt gleichfalls zuerst Klopstock; jener, der unverblüht vielleicht dem hellsten mond' itzt weilte, vielleicht zum liede tanzte, wird dann schnell verwandelt oden 2, 47 M.-P. vom gesichtseindruck braucht auch sein nachahmer Baggesen das wort: einige blicke noch weilte der held dem reizenden anblick 1 (1836) 130. bei eindrücken des gehörs entsteht fast die bed. 'lauschen': weilst du der nachtigall einst? Selma, im lenz, send' ich zu dir sie herab Klopstock oden 2, 71 M.-P. wo sich der eindruck durchs ohr an die seele wendet, wird weilen zu 'still halten': nur das bild von gottes mutter weilte ruhig meinen klagen Brentano 3, 29. ohne einflusz auf die grundbed. bleibt dat. ethicus: drei sind ihrer, der theuern, die weit in der fremde mir weilen 2, 483. IIII. gebrauch. II@AA. mannigfach sind die subjecte des weilens. II@A@11) zunächst ist ein mensch subject. II@A@1@aa) meist von der körperlichen gegenwart eines menschen: dort weilen sie bei einer frau, die in zierlichen körben feines gemüse feil bietet E. Th. A. Hoffmann 14, 155 Gris.; in dieser wüsteney denke ich bis mittwoch ... zu weilen Bismarck br. an s. braut u. gattin 382. als ableitung von weile (im gegensatz zum alltagswort zeit) hat auch weilen feierlichen klang. sein eig. bereich ist darum die sprache der dichtung: er weilt noch in den wäldern H. v. Kleist Penthesilea v. 1706; 1710; zurück! wer wagt es da zu küssen, wo ich weile? Grabbe 2, 34 Bl.; liebe, da du unter rosen weiltest, o wie flog die zeit dahin Rückert ges. ged. 4 (1837) 417. in prosa hat es eine stelle bei feierlichem anlasz: man verabredete, dasz fortwährend jemand bei der toten weilen und ich die erste wache halten sollte G. Keller 2, 76 ; entspr. 1, 253. es steht von hochgestellten menschen: als Tiberius auf Capri weilte Peschel völkerkde. (1874) 138; ein mal weilten zwei könige zugleich am hofe des hochmeisters Treitschke hist. u. pol. aufs. 2, 30; letztere bat die königin noch einen tag zu weilen A. v. Arnim 2, 293 Grimm; (da der graf) zur zeit in München weile Pückler briefw. 3, 244, vom aufenthalt an heiligen, nicht irdischen, nicht alltäglichen orten: sie, die schüchtern auf des tempels schwelle weilet Klinger 2, 173; weile dann bei der asche deines vaters Kerner bilderbuch 42; zog er ... durch die regionen der unterwelt und weilte da Musaeus volksm. 1, 6 Hempel; hat das erbarmen leitend dich geführt zu dieser grüfte unterird'schem trauern? du weilst ja lindernd gern, wo leiden sind Droste-Hülshoff 2, 246 Sch. als edlerer ausdruck steht weilen für 'sitzen': gefühlvoll weilt sie bald am traulichen klavier Gotter 1, 308, 'sich setzen': hier lasz uns weilen auf dem rasensitze Arnim 8, 345, 'dastehen': ich musz so glauben, denn immer weilest du noch, wie gebannt Mörike 1, 121 Göschen, 'stehen bleiben': da faszt's ihn freudig, dasz er weilen musz Droste-Hülshoff 2, 238 Sch., 'bleiben': so weile denn bei uns, so lange es dir gefällt J. J. Engel 1, 298, 'halten': ha, Vacherie — hier weilt der zug Droste-Hülshoff 2, 89 Sch., 'sich zeit nehmen': und wenn zu rasch gewesen der muntre zögling, sprach die mutter: weile! Immermann 15, 57 Hempel, 'sich aufhalten': doch weilt er nicht bei der bettlerschaar, herauf zum saal er blickt Uhland ged. 1, 259. auch im wechsel mit leben hat weilen den edleren klang: (sie sträubte sich) die stelle zu verlassen, wo in jüngster zeit noch der geliebte geweilt und sie in neuer hoffnung gelebt hatte G. Keller 2, 228. der edle ausdruck kann, in bewusztem gegensatz zu unedlem thun gesetzt, komisch wirken: 'weilt der jude noch hier in Arkadiens schäferlichem paradies?' 'er geht umher und handelt alte schachteln ein' Platen 2, 288 R. II@A@1@bb) früh auch von wissensch. versenkung: wir weilen bei der betrachtung des schönen, weil diese betrachtung sich selbst stärkt Kant 7 (1839) 66 Hart.; so sieht man doch, wenn man an diesen göttergeburten selbst weilt Schubart leben 1 (1806) 201; (wer) mit stolz auf den längst vergangenen geschlechtern weilt, ist vor allen andern berufen die vaterländische sitte, sprache und art zu lieben E. M. Arndt schr. an seine l. D. 2, 106. statt der körperlichkeit steht hier der sinn des menschen als subject: (der staatsmann) der ganz in dem handelnden leben weilt Gervinus gesch. d. d. dicht. 5, 91. er erreicht die auszenwelt durch blick und auge: sein auge weilt auf dieser erde kaum Göthe I 10, 111 Weim.; nur an einem schönen sterne weilt mit liebe noch der blick Schiller 11, 207 G.; dem einen war es gleichsam bedürfnisz, mit dem blick auf den quälenden partieen der geschichte zu weilen Gervinus gesch. d. d. dicht. 5, 4. vom sinnenden blicken kann das schwergewicht auf das eindringliche beobachten verlegt werden: oft wenn ich drauszen herumging, weilte mein blick am horizont Hölderlin 2, 42 Litzm.; wo die formen vernachten weilt hinstarrend der lange blick Salis ged. (1793) 39; das auge weilt auf edlen formen Platen 2, 89 R.; duft und klang und vogelflug, balsam, wo die blicke weilen, und doch alles nicht genug, um — ein krankes volk zu heilen Herwegh ged. e. lebend. (1843) 8. bes. deutlich ist das der fall, wo blicke blicken begegnen: dein blick, der stets von mir sich abgewendet, ich sah ihn heut auf meinen blicken weilen Platen 1, 650 R.; dann kreuzten seine blicke die des reisenden. sie weilten ineinander Zahn Indergand 5. II@A@22) dem edlen klang des worts entspricht es gut, dasz oft übermenschliche wesen subject des weilens sind, götter, halbgötter, heilige oder die geister verstorbener: wenn der rasche lose knabe (Amor) ... oft bei einer kleinen gabe unter leichten spielen weilt Göthe I 22, 193 Weim.; dasz sie (Ceres) hier vertraulich weile, ist kein obdach ihr gewährt Schiller 11, 293 G.; Hymen! wo weilst du? H. v. Kleist Penth. v. 1740/42; Brynhildis: keine rune knüpfend ..., wollt' ich weilen am geweb' Fouqué held d. nordens 1, 107; wo weilt der fromme siedler dieser kluft? Droste-Hülshoff 1, 194 Sch.; ihr geist soll, wie die sagen gehn, in dieser kirche weilen Hölty ged. 34 Halm. den gottheiten gesellen sich die göttlich gedachten himmelslichter, sonne, mond, sterne und abendröthe: hohe sonne, du weilst und du beschauest dein Rom Göthe I 1, 254 Weim.; die sonne strahlt am ersten hier, am längsten weilet sie bei mir Uhland ged. 1, 12; auf dem teich, dem regungslosen, weilt des mondes holder glanz Lenau ged. 1 (1857) 35; sieh, wie schon die goldnen sterne aus dem dunklen himmel keimen ... möchten sie im blauen strome, tief in seinem bette weilen Tieck 1, 336; süszer duftet die flur und kühler bauchet der abend; nur ein welkendes roth weilt am azurenen west grafen Stolberg 1, 14. im dichterischen bild selbst die nacht: weil' auf mir, du dunkles auge, übe deine ganze macht, ernste, milde, träumerische, unergründlich süsze nacht! Lenau ged. 1 (1857) 25. II@A@33) so wird unkörperliches zum subject des weilens. ein schall kann es sein: hier, entwafnetes lied, weil' in des milden sterns angebetetem licht Stägemann kriegsges. 67. auch ein unausgesprochenes wort: der grausame spruch, der auf den lippen dieser männer weilet Klinger 1, 332, eine zeitstrecke: weilet, o weilet, ihr seligen stunden! Göthe I 11, 279 Weim.; ich höre die stunden ziehen trüben gesichts: sie kommen, weilen, fliehen — und ändern nichts Geibel 1, 174, vor allem aber ein abstractum: o rache, rache weile noch! J. M. Miller ged. (1783) 126; holder friede, süsze eintracht, weilet, weilet freundlich über dieser stadt! Schiller 11, 316; hier, freyheit, blüht dein mütterlicher boden, hier weilest du Matthisson 1 (1825) 89. gern werden dabei die abstracta als allegorische gestalten gedacht: bettler werden fürstenbrüder, wo dein (der freude) sanfter flügel weilt Schiller 4, 1 G.; unschuld ... weilt im nestchen unterm gipfel R. Z. Becker mild. liederbuch 40; (ich, die poesie) habe an den schönen ufern des Ganges und des Ohio geweilt A. W. Schlegel Athenäum 1, 18. II@A@44) selten ist demgegenüber eine körperliche sache subject des weilens: er wagts die urne wegzuheben, die kaum in seinen händen weilt ... Pfeffel poet. vers. 2, 156; zog mein lederbeutelchen hervor, in welchem das kümmerliche reisegeldchen weilte G. Keller 3, 162. am ehesten noch, wenn sie eigene bewegung hat: o weile, strom, weile, lasz auf den höhn mich Oesterreichs goldene trauben sehn! Blumauer ged. (1782) 8, zumal als thier: lerchen weilten in den furchen der sommerfrucht Holtei erz. schr. 21, 6; das eselchen sagte: hier wollen wir weilen Grimm märchen 2, 277. II@BB. der formengebrauch des verbs ist eintönig. II@B@11) präsens und indicativ überwiegen, schon das prät. tritt zurück, perfect und plusquamperf. sind geradezu selten: unbegreiflich, wo er so lange geweilt Pückler briefw. 6, 290; (das königthum, das) auf einer scholle erde mit ihnen geweilt hatte Droysen gesch. Alexanders 347. futurformen sind kaum je belegt: die werden hier nicht lange weilen Kotzebue 2 (1827) 52. II@B@22) häufig ist der imperativ: o stehe still, du eilender gedanken ... o weile, sieh, ich kann nicht weiter wanken Brentano 5, 283, namentlich negiert: weilt nicht auf der niedern stufe, die ich längst schon überstieg Göthe I 3, 347 Weim. früh stellt sich hier wider die bed. 'zaudern, zögern' ein: weile nicht, in helle flammen die lodernde glut zu fachen Denis lieder Sineds 172; nur weile nicht, bis man die wachen stellt Shakespeare Romeo 3, 3; o lasz uns fliehen, komm und weile nicht Schiller 14, 88 G., die jedoch bei umschreibung mit hilfsverben nicht zu belegen ist: ihr dürft nicht weilen, wo die ruhe wohnt Schiller 14, 424; er darf nicht in dem unglückshause weilen Müllner dram. 1 (1828) 60. hier kommt doppelte negation vor: keiner darf sich da nicht weilen volksl. d. bayer. heeres 117 Ditfurth. conj. adhortat. ist selten: dasz keiner auf den raub jetzt falle! keiner hinten weil', auf dasz er reichlicher beladen kehr' ins schiff Bürger 170a Bohtz. II@B@33) im gebrauch des part. präs., das eine gewisse rolle spielt, kehrt die mannigfaltigkeit der subjecte wider. zumeist ist es ein mensch: welche reise habt ihr schon vollendet, seit ich weilend in dem arm der liebsten eurer und der mitternacht vergessen? Göthe I 2, 108 Weim.; die angst der noch in der stube weilenden stieg O. Ludwig 2, 178; die bei ihnen weilenden Germanen Mommsen m. gesch. 5, 128, gelegentlich sein blick: still und hehr ... betrachtest du das vergangene, weilendes blickes Salis ged. (1793) 1, mehrfach eine zeitstrecke: die weilenden abendstunden Musäus volksm. 4, 119 Hempel; die weilenden tage Overbeck verm. ged. (1794) 190, selten eine sache: flüchtig weilende flocken wirbelten dahin Viebig kreuz im Venn 29, am ehesten noch ein thier: dasz die gesellschaft von den auf dem gipfel weilenden gemsen überrannt worden sei H. v. Barth Kalkalpen 192. II@B@44) der subst. inf. begegnet auffallend oft in negativen wendungen: so ist hier kein weilen mehr Bürger 313a Bohtz; den dieben frommt kein langes weilen Pfeffel poet. vers. 1, 30. formelhaft ohne weilen: Wh. Müller 1 (1837) 377; Tieck 1 (1828) 355; Gries Bojardos verl. Rol. 1 (1835) 9; Heine 2, 203 E., sonder weilen: Droste-Hülshoff 2, 83. 205 Sch.; S. Brunner erz. 1 (1864) 129. auch der gen. ist hier möglich: hier ist kein weilens Z. Werner kreuz a. d. Ostsee (1806) 102; deines weilens ist nicht länger hier Alexis f. Wald. 1, 141. für den positiven gebrauch ist bestimmend geworden: und hohler und hohler hört mans heulen, und es harrt noch mit bangem, mit schrecklichem weilen Schiller 11, 222 G. auch weiterhin stets mit attribut: kleinste 13, 62; träg Hölderlin 1, 33 Litzm. II@CC. syntaktisch treten einige besonderheiten auf. II@C@11) als ausdruck allgemeiner art eignet sich weilen gut zum gebrauch in der frage: warum muszt du auf der welt weilen? Fr. L. Jahn 2, 870. in aller regel wird nach dem ort des weilens gefragt: wo weilt ihr jetzt in der nacht? maler Müller 1 (1811) 84; wo weilt sie, die glückliche, die er erwählen ... wird? Ebner-Eschenbach 4, 266, mit wo auch: Immermann 2, 105 Hempel; Heine 1, 87; Geibel 1, 50 Cotta. gern ist die frage negiert: weilst du nicht an gottes thron? Mozart bei O. Jahn 4, 334. II@C@22) in 11 % aller fälle iritt weilen negiert auf. schon bei imp., inf. und frage ist die neigung zur negation hervorgetreten, sie wird sichtbar auch in allem sonstigen wortgebrauch: keine der kleinen sich haschenden wellen weilet und höret mein lied Denis lieder Sineds 198; auch auf der erde, so fest sie ruht auf den ewigen alten säulen, wanket das glück und will nicht weilen Schiller 14, 50 G.; weilst du nicht, was kann es frommen! Platen 1, 33 Redlich. II@C@33) näher bestimmt wird die handlung auf drei weisen. II@C@3@aa) adverbien bestimmen die art des weilens: fröhlich Schiller 11, 36; selig B. v. Arnim Günderode 1, 50; entzückt Mörike 1, 219 Göschen; behaglich Holtei erz. schr. 3, 104; müszig Schiller 15 i 17; träge Rückert 2 (1867) 526. schon diese farbigen bestimmungen nähern sich der einer dauer des weilens, die gemeinhin vollzogen wird durch lange: Schubart ästh. d. tonkunst 231; Bürger 108 Bohtz; Pfeffel pros. vers. 9, 173; J. G. Jacobi 4 (1807) 63; Ayrenhoff 2 (1814) 166, länger: Göthe I 4, 198 Weim.; J. Grimm kl. schr. 2, 4; Holtei erz. schr. 1, 50, allzulang: Göthe I 5, 76 Weim. II@C@3@bb) nicht allzuoft übernimmt es ein acc. der zeit, die dauer des weilens zu bestimmen: einige jahre Grimm d. sagen 2 (1891) 22; einige zeit Ebner-Eschenbach 1, 140; viele tage Kortum Jobsiade 3, 41; ganze tage Ch. v. Schmid 17, 20; tagelang Stifter 1 (1901) 214; stunden lang O. Ludwig 1, 249; ein stündchen E. M. Arndt 1 (1892) 156; einen augenblick B. v. Arnim Günderode 1, 321; ein wenig Hölderlin 2, 118 Litzm.; etwas Tieck 1 (1828) 331; Steffens was ich erlebte 8, 361. II@C@3@cc) zu gleichem zweck stellen sich mehrfach präp. fügungen ein: auf ganze stunden Schubart briefe 1, 40 Strausz; seit zehn jahren Ebner-Eschenbach 4, 41. öfter bestimmen diese den ort des weilens: auf dem hügel Tieck 1, 27; bei den ruinen Raimund 1, 4 Glossy; auf der hohen schule G. Keller 3, 28; in Basel Schnitzler gr. kakadu 20; in der unendlichkeit Pückler briefw. 1, 301. II@DD. im sprichwort steht weilen schon 1653: auf rath weil, zur that eil Zinkgräf t. apophth. 2, 18. 3, 344. es lebt auf im 19. jahrh.: Görres 3, 1. sprichwörtlich klingt auch: ungereimt, dasz wir eilen reich und weilen, selig zu werden Scherz-Oberlin (1784) 1971.
21131 Zeichen · 417 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    weilen

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer)

    weilen s. weln.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Weilen

    Adelung (1793–1801) · +6 Parallelbelege

    Weilen , verb. regul. neutr. einem Orte oder Dinge eine Weile gegenwärtig bleiben, welches doch für sich allein veraltet…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    weilen

    Goethe-Wörterbuch

    weilen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Weilen

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Weilen (eigentlich Weil ), Joseph , Ritter von, dramatischer Dichter, geb. 28. Dez. 1828 in Tetin bei Prag, gest. 3. Jul…

  5. modern
    Dialekt
    weilenschw.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

     weilen schw. : ' sich befinden ', weile [ Lambert Penns 176]; Zs.: ver- , langweilen . Rhein. IX 379 .

  6. Spezial
    weilen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    wei|len vb.intr. 1 (sich aufhalten) se tigní sö sté (stá) 2 (sein) ester (é, sté).

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit weilen

14 Bildungen · 4 Erstglied · 7 Zweitglied · 3 Ableitungen

Zerlegung von weilen 2 Komponenten

wei+len

weilen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

weilen‑ als Erstglied (4 von 4)

weilen I

SHW

weilen I Band 6, Spalte 391-392

weilen II

SHW

weilen II Band 6, Spalte 391-392

weilendmal

SHW

weilend-mal Band 6, Spalte 391-392

weilen II

RhWB

weilen II -ai- = welken (s. d.).

weilen als Zweitglied (7 von 7)

bisweilen

DWB

bis·weilen

bisweilen , adv. interdum, scheint im 16 jh. aufzukommen und Fischart bietet die ersten belege: biszweiln flucht er darzu, wann er mit der z…

einstweilen

DWB

einst·weilen

einstweilen , interea, ad tempus, unterdessen, inzwischen, eine vor dem 18 jh. unerhörte, auch noch nicht bei Stieler, Denzler , Steinbach, …

kurzweilen

DWB

kurz·weilen

kurzweilen , kurzweil treiben u. ä., ein seit dem 18. jahrh. abgekommenes schönes wort (langweilen gibts noch ), mhd. kurzewîlen, kurzwîlen,…

langweilen

DWB

lang·weilen

langweilen , verb. neben langeweilen, s. d. und oben unter langweile. 1 1) langeweile empfinden, intransitiv: als wir nun so zusammen aneina…

unterweilen

DWB

unter·weilen

unterweilen , adv.; mhd. under wîlen, underwîlen, underwîlent; mnd. underwilen, underwile, underwiles; mnl. onderwilen. wie unterwegs aus de…

verweilen

DWB

verwe·ilen

verweilen , v. , mhd. verwîlen seit dem 13. jh.: mhd. wb. 3, 671; Lexer ; nhd. Diefenbach gloss. 545 a ; Calepinus XI ling. 284 b ; Hulsius …

zuweilen

DWB

zuweilen , adv. , bezeichnet die einzelnen momente innerhalb eines als dauernd gedachten vergangenen zeitraums, wofür mhd. under wîlen, unde…

Ableitungen von weilen (3 von 3)

entweilen

DWB

entweilen für entlangweilen, temporis moram tollere: doch meine wenigkeit entweilt kein mädchenspiel, so thu es denn ein gänsekiel. Bürger 1…

geweilen

DWB

geweilen , verb. , verstärktes weilen, s. d.: ... das läger thet man schlagen, die im schlosz schoszen zu uns heraus, wünschten uns ein gutt…

verweilen

DWB

verweilen , v. , mhd. verwîlen seit dem 13. jh.: mhd. wb. 3, 671; Lexer ; nhd. Diefenbach gloss. 545 a ; Calepinus XI ling. 284 b ; Hulsius …

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APA
Cotta, M. (2026). „weilen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 11. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/weilen/dwb?formid=W14288
MLA
Cotta, Marcel. „weilen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/weilen/dwb?formid=W14288. Abgerufen 11. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „weilen". lautwandel.de. Zugegriffen 11. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/weilen/dwb?formid=W14288.
BibTeX
@misc{lautwandel_weilen_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„weilen"},
  year         = {2026},
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