weihbrunnen,
m. mhd. wîch-, wîhbrunne
mhd. wb. 1, 269
b; Lexer 3, 817. 11)
form und verbreitung. das wort ist zus.-gerückt aus mhd. wîch
adj. '
heilig' (
s. sp. 473)
und brunnen
in dessen landschaftl. bed., die von fassung und pumpwerk am ruhenden wasser absieht (
th. 2, 433).
zuerst in psalmenglossen des 12.
jahrh.: also me unsih nu in der niuwen ê mit deme wihbrunnen besprenget
diutisca 3, 473
Graff, mhd. noch mit innerer flexion: der wîhebrunne Berthold v. Regensburg 1, 406
Pfeiffer; mit dem weyhenbrunen
beitr. z. gesch. der bisch. kirche Brixen (1369) 5, 484
Sinnacher, die doch schon im 14.
jahrh. regelmäszig aufgegeben ist, zumal im bair./östr. hauptbereich des wortes: chainen weychprunnen Schiltberger
reiseb. 49
Langmantel; einen briester ... der ... den weichbrunn gesegen
östr. gesch.-quellen (1398) 2, 18, 459; zwen kessel, ain zum wichbrunnen
mittelalt. inventare 3
Zingerle. dort lebt das wort bis heute in den mundarten: weihh-brunnẽ Schmeller 2, 881;
Bayerns mundarten 2, 413
a; weichbrunn Loritza 142; Hügel 188; waichbrun Castelli 262; weichprunne Lexer
kärnt. 44,
von da wird es öfters lit.: Stifter 5 i 60; Pichler
gesch. a. Tirol 256;
n. marksteine 96; Rosegger 3, 436.
auszerdem wird das wort gebucht aus dem älteren schwäb.: Birlinger
wb. zum volksth. 91,
und aus theilen des alem.: wîh-, wîchbrunne
schweiz. id. 5, 671
aus St. Gallen und Luzern, auch von da wird es gel. lit.: mit weihbrunn, scapulier und bann die geister er beschwor Scheffel
gaud. 85; tau ist gesprengt auf den funkelnden landen, weihbrunn zum heiligen sonnengebet G. Keller 9, 32.
aus dem vorwiegen bair./östr. belege erklärt es sich, dasz die in sonne, gewonnen
usw. schriftdeutsch gewordene behandlung des alten u
vor nn
keine grosze rolle spielt: weibron Fischart
gegenbadst. 375
Kurz; weybronn Abr. a S. Clara
reimb dich 204; weihebronnen Brentano 3, 120. 279. 374. 22)
bedeutung. 2@aa)
hauptbed. ist '
weihwasser' (
s. d.),
sachgemäsz wird ital. acqua benedetta
mit weichbrunn
widergegeben: Arigo
decam. 470
Keller. das wort hat mit der sache seine heimat im kult der kath. kirche: an einichem sonntag vor reichung des weyhprunnen zu sant Sewold
Nürnb. polizeiordn. 171
Baader; in der weil sich derselb priester im sagerer ab tut und ee man den weichprunnen gibt Tucher
baumeisterb. 233
Lexer. beim betreten und verlassen des gotteshauses segnet sich der katholik mit den in weihwasser getauchten fingerspitzen: es trat aber plötzlich eine schlanke frau zu der kapelle heran und griff in den weihbrunn, und segnete sich Brentano 4, 111; der gottesdienst war geendigt. er bot ihr wieder den weihbrunnen Tieck 4, 396.
beim begräbnis sprengt der priester weihbrunnen
über das grab: und er sprengt des weihbrunns segen übers körnlein, das er säte Brentano 2, 547.
auf den gräbern katholischer friedhöfe steht ein becken mit weihbrunnen,
aus dem andächtige für den verstorbenen spenden: wànns ös durch unsăn freidhof gehts und dort bei meinen grâberl stehts, toats mir ăn weichbrunn schenkă Hartmann
volksschausp. 195 (
aus Tittmoning 1818);
der weihbrunnen
wird mit salz gemischt, das gleichfalls geweiht ist: ich hab entpfangen wol besunnen ein gweicht saltz und einen weichbrunnen Sachs 17, 136
Keller-Götze. es ist der fürsorge des mesners anvertraut: dann so solle ieder mössner aufsehen haben, dasz der weihenbrunn in allen denselben geordneten, gerichten geschiren zu befinden seie
östr. weisth. 4, 236.
aus der kirche wird er in die häuser überführt: er truog den weibern auch den weihbrunnen und kertzlin heim Montanus
schwankb. 399
Bolte, und hängt dann in einem offenen kesselchen neben der stubenthür: es ist allgemein sitte, dasz jeder fremde, wenn er herein oder hinaus tritt, einen weihbrunnen nimmt Leoprechting
Lechrain 222.
sein gebrauch ist so selbstverständlich, dasz er sprichwörtlich werden konnte: vil hend und wenig hertzen gibt man zu hof für ein weichbrunnen Franck
sprichw. (1541) 2, 96
a;
von da: sprichw. klugreden 39
b;
zur erläuterung sagt Frisch 2, 433
c: jeder tunckt die finger ins weihwasser, aber er denckt nicht dran was es bedeutet.
die reformation hat den weihbrunnen
mit andern sacramentalien abgeschafft: zuo kirchwey han sie gnad und ablas geben, die glocken haben sie gedaufft darneben, saltz, weybrun, wachs, würtz, palm und auch das feüre Jörg Graff
bei Wackernagel
d. kirchenl. 3, 375.
die erinnerung an den vorchristlichen ursprung des weihbrunnens
lebt schon damals wider auf: die heiden haben das geweihet saltz und wasser alle zeit in irem gottesdienst gebraucht, sich vor darmit besprengt, wie man es bei Plinio ... lieset, heiszens fontem vivum, davon es noch der weihebrunne heiszet Nigrinus
papist. inquis. 30.
protestanten ironisieren den weihbrunnen: mit aim weichwedel frech er ir den weichprun gab, mit haisem pech psprengt iren leibe Sachs
fabeln 5, 606
neudr. dabei ist die erinnerung an das flache becken, in dem er bewahrt wurde, frisch, deshalb als scherzhafte unmöglichkeit: das du gesichst in dem elend, nicht gar verzweiffelst und dich henckest oder in dem weyprun ertrenckest Sachs 9, 299
Keller. katholiken vermissen ihn beim evangelischen gottesdienst: is kain röd von án weichbrunn gödogn (
zu schweigen) von án sögn Stelzhamer 1, 101
Rosegger, aber auch sie nehmen stellung gegen abergläubischen miszbrauch: ettlich ... mainen, söliches übel söll nach irem versteen abnemen der weychbrunnen oder die offen beicht, das doch nit geschicht Keisersberg
vom anheb. menschen (1510) C 1
b; ich absolvire dich nicht, wann du schon solst den weyhbrunn vor dein ordinari - trunck haben Abr. a S. Clara
Judas 1, 287.
gleichwol ist nam. der glaube an seine exorcistische kraft weit verbreitet: solch ein gespenst jagt sich so leicht nicht fort ... es will vor keinem kreuz, vor keinem weihbrunn fliehn Wieland 21, 225 (
Clelia 3, 202); auf den abend trägt sie (
die geweihten kränze) dann der bauer oder die bäuerin selbst auf jedes der zwei felder, besprengt sie mit einem hohen weihbrunnen und wirft sie ... über ihr feld dahin Leoprechting
Lechrain 188; er möcht mit 'n weihbrunnen kommen, aber gleich! Pocci
lust. komödienb. 110. 2@bb)
aus verwendungen wie: am suntag vor Bauli da giengen früe mit dem weihprunnen die pfaffen vor
städtechron. 11, 659; uns weibern steht gar wol die andacht, musz doch sonsten der weyhbrunn umbsonsten in der kirchen ausztrucknen Abr. a S. Clara
Judas 1, 319,
konnte die bed. '
weihwassergefäsz'
entnommen werden. sie liegt im älteren schwäb. vor: Birlinger
wb. zum volkst. 91
f., und ist in theilen Österreichs bis heute vorhanden, von da Klein
prov.-wb. 2 (1792) 229; Adelung 4, 1452; Campe 5, 641
b; waigəprun Bacher
Lusern 221. 2@cc)
selten bed. weihbrunnen '
heiliger brunnen, wunderquell'
: schweiz. id. 5, 671; die ... kleine kapelle und weihbrunnen (ajasma,
ἁγίασμα) des h. Georg ... ist nur merkwürdig als eine der manchen, für die beiden sonst feindlichen religionen gemeinsamen cultusstätten Ritter
erdk. 18, 887. 33)
composita mit weihbrunn(en)-
als erstem worttheil gibt es 8,
sie sind nicht so gut entwickelt wie die mit weihwasser-.
sachlich sind sie auf den gleichen kreis beschränkt wie weihbrunnen
selbst und bez. wechselnde geräthe, die in verbindung mit dem weihwasser
gebraucht werden. neben mehreren stehen kürzere bildungen wie weihgefäsz, -kessel, -krug, -stein, -wedel (
s. d.).
nur weihbrunnkasten, -kessel, -krug
und -stein
greifen über das 19.
jahrh. zurück, nur weihbrunnkessel
über das bair.-östr. sprachgebiet hinaus. der landschaftl. beschränkung entspricht die kurzform -brunn-,
die nur von weihbrunnenkessel Stifter 5 i 75
durchbrochen wird, dazu weihbrunnenkesselchen Steub
drei sommer 1, 152,
das schon durch sein demin. als unecht erwiesen wird, wie auch weihbrunngefäszchen Rosegger 8, 183.
sonst gilt nur obd. -l-demin. weihbrunnbehälter, m. Anzengruber 3, 146.