weichbild ,
n. mhd. wîchbilde
mhd. wb. 1, 121; Lexer 3, 816,
mnd. wîkbelde Schiller-Lübben 5, 710,
mnl. wijchbelt Verdam 692.
rechtswort, das kurz vor 1170
zuerst auftritt und seitdem nd. und md. von Overijssel und Westfalen bis zu den Ostseeprovinzen, von Schleswig bis Thüringen und Obersachsen gilt, dem fries. und obd. fremd. die lange umstrittene deutung (Haltaus
gloss. 2054; Techen
z. f. vergl. sprachf. 12, 42; Eickhoff
nd. corr.-bl. 18, 38; Detter
z. f. d. a. 42, 54; Philippi
hans. gesch.-bl. bd. 8
h. 23, 1; R. Schröder
festgabe für Bekker 79,
beide mit reichen nachweisen; S. Rietschel
markt und stadt 183
ff.; Meringer
dg. forsch. 18, 282)
hat auszugehen von der ältesten bedeutung '
recht der siedelung, die eine eigene rechtsgemeinde bildet, ortsrecht',
die erst nachdem das wort durch bedeutungswandel mehrdeutig geworden war, durch die verdeutlichung weichbildrecht
ersetzt wurde. damit erledigen sich alle etymologien, die im ersten bestandtheil weich '
heilig'
oder ahd. wîh '
kampf',
im zweiten bild '
imago',
etwa auch mit den construierten bedeutungen '
wappenbild', '
behauener pfahl',
oder den stamm des engl. build '
bauen'
sehen, zu schweigen von älteren combinationen mit weib, weichen, wille
und bilden (J. G. Weller
altes aus allen theilen d. gesch. 2, 209; J. H. Hermann
allg. jur. lex. 1, 468; Seume
kl. t. lex. 283; Möser
osn. gesch. 2 1, 75),
wie denn die fülle der deutungsversuche nahezu sprichwörtlich ist: der versuchten erklärungen (
von dän. witherlagsret) sind leicht so viele wie von weichbild und weichbildsrecht, auch sind die fälle wegen des gefürchteten pleonasmus überhaupt verwandt Dahlmann
gesch. v. Dännemark 1 (1840) 148.
die alte zeit stellt das wort bewuszt neben sichere zusammensetzungen mit weich '
vicus': areas illas ... libere tradimus burgensibus ... sub jure, quod vocant wicbelethe, ita ut ... nulli de eis aliquid respondeant, nisi soli advocato civitatis qui dicitur wicvogt Otto IV.
rechtsbrief für Stade § 12
bei Gengler
stadtr. 457,
und da weich
m. (
s. d.)
im gebiet des wortes weichbild
zur zeit seines aufkommens in genau entspr. form und passender bedeutung lebte, darf die deutung des ersten bestandtheils für sicher gelten. für den zweiten worttheil ist demnach ein stamm der bedeutung '
recht'
vorauszusetzen, wie es widerum die alte zeit erkennbar in gegenüberstellungen thut: sô sal daʒ gerichte zu lantrechte unde der rôd in wîchbilde dorzu geleiten
rechtsb. nach dist. 1, 46, 1
Ortloff. aus ahd. bil-lîh
adj. '
angemessen, gerecht',
mhd. un-bil
adj. '
ungemäsz, ungerecht',
mnd. bildelik, bildich '
billig',
ags. bile-wit
adj. '
aequanimus'
ergiebt sich ein adj. *bil '
passend, recht',
aus dem mit suffix asächs. -ithi,
ahd. -idi
ein neutrum *bil-idi '
recht'
abzuleiten ist. der gegensatz unbilde
n. f. m. '
unrecht',
der doch anderseits erkennbar an bild '
imago'
direct anknüpft, lebt im mhd. zum gleichen stamm mit suffix -ôdi, -idi
gehört ahd. bilodi, bilidi,
unser bild,
von haus aus '
das entsprechende',
die bedeutungen zu vereinigen wie gr. εἰκών mit ἔοικε,
vergleichbar lat. aequus (
s. u. unbilde).
da das weichbildrecht vom nd. sprachgebiet ausgeht, begegnet die unverschobene form vielfach auch auf hd. boden: wîcbilede
Leipzig vor 1170
und 1216
cod. dipl. Sax. 2, 8
nr. 2. 3; wîcbilde
um 1300
Freiberger stadtr. 1, 1
Ermisch; gen. wîckbildiʒ
Belgern 1377
bei Haltaus 2052.
wenn anderseits auf nd. boden früh schreibung mit ch
begegnet, in Westfalen schon 1242: wichbelede
westf. urk. 2
nr. 277,
in Bremen seit 1246:
brem. urk. 1
nr. 234,
in Lübeck 1247:
lüb. urk. 1
nr. 123,
so kann das zunächst asp. k
bedeuten, zumal sicheres k
noch lange danebensteht: wîcbilde
buch Daniel 6931
Hübner. sicher ist die verschobene form erst in texten des 14.
jahrh.: wîchbilde
sächs. weichbildr. 26, 1
Laband s. 68;
livl. reimchr. 6529
Meyer; cod. jur. mun. Hal. 3
Pernice: hier hat die vordringende schriftsprache die nd. form auf ihrem eigenen boden verdrängt. assimilation von kb
zu pp
in der wortfuge (
umgekehrt wie bei lebkuchen
zu leckkuchen
th. 6, 467. 487)
ist thür., hess. und westf.: wipbilde
urk. d. reichsst. Mühlhausen 613 (
vor 1250); wipilde
Erfurter urk. 1
nr. 311 (1281); wibbilde
weisth. 3, 344 (
Wetter 1239); wibbelde
münst. urk. 3, 24 (1311); wibbolde
osnabr. gildeurk. nr. 63
Philippi (1499).
daraus im 15.
jahrh. miszdeutet witpilde
Eisenacher rechtsb. 1, 79
f. bei Ortloff 1, 674. e
statt i
zeigt der zweite worttheil im gleichen umfang wie einfaches belde Schiller-Lübben 1, 219,
zuerst in Lübeck 1182: wigbeledhe
lüb. urk. nr. 6.
seit beginn des 13.
jahrh. herrschen die e-
formen breit vor an Ost- und Nordseeküste und in Westfalen, dem binnenland sind sie sonst fremd. o
an gleicher stelle tritt zuerst in Bremen 1259
auf: wickbolde
brem. urk. 1
nr. 299,
und greift nachmals auf Lübeck (wieboltsrente)
und Westfalen (
westf. urk. 3
nr. 1416. 1507)
über. weiter abweichende formen sind wol als fehler der überlieferung zu beurtheilen, die bei dem früh verdunkelten wort stets gefährdet war. der plur. ist, da der collective sinn des suffixes -idi
ihn ersetzt, spät und selten, zuerst in bedeutung 3
a): in den steden oder in den wicbelden
a. lüb. recht 275
Hach, er ist schwach noch im 19.
jahrh.: dat. weichbilden Immermann 15, 350
Hempel. bedeutung. eine gute übersicht der bed. liefert früh Hübners
staats- und zeitungslex. (1717) 1978: weichbild heiszet soviel als ein flur oder gemärcke. nach dem sächsischen rechte ist es soviel, als jus municipale, willkühr oder stadtrecht, wie auch das gebieth um eine stadt herum, und wurde selbiges vor alters durch ein höltzernes creutz an den grentzen, auf welchem eine hand und ein schwerdt stunde, angedeutet. in Schlesien heist weichbild eine stadt, welche einen gewissen district eines fürstenthums unter sich begreiffet.
sache und wort danken ihre entstehung dem bedürfnis, die rechtliche absonderung der neuen städtischen siedler von den umgebenden ländlichen gemeinden zu bezeichnen. so knüpfen sich die anfänge auch des worts an die stadtgründungen des 12.
jahrh. im alten Sachsenland. 11)
zuerst und durch die ersten jahrzehnte der wortgeschichte allein vorhanden ist die bed. '
recht der besonderen siedelung, ortsrecht': ville nostre Epenebocholte id juris, quod vulgo wicbilede dicitur, perpetua donatione concessimus
westf. urk. 3
nr. 3 (1201); jura, quod dicitur wigbeleth
Kieler stadtb. 15 (1264
ff.).
seit etwa 1300
heftet sich der name weichbild(-recht)
im gegensatz zum landrecht, dem Sachsenspiegel, an das Magdeburger schöffenrecht und bald danach an dessen compilation mit dem vor 1269
dort entstandenen rechtsbuch v. d. gerichtsverf. Amira
grundr. d. germ. rechts 3 69.
die erinnerung an die nd. heimat des weichbilds
bleibt nicht immer scharf: jus civile Lipsiensium, vulgo weichbild Corvinus
fons lat. (1646) 444,
nam. verflieszt auch die grenze gegen das landrecht: aus dem alten Sachsenrechte und weichbilde Schottel
haubtspr. 46,
doch lehren die rechtshistoriker früh das richtige: hingegen ist es falsch, dasz Otto den magdeburgischen schöppenstuhl samt dem weichbilde bestätiget Hahn
einl. z. d. staatshist. 2, 124; das Magdeburger stadtrecht oder weichbild gehört aber gewisz unter die ältesten deutschen stadtrechte Eichhorn
d. staats- und rechtsgesch. (1821) 2, 261. 22)
aus der grundbed. geht die nächstjüngere '
bezirk, in dem besonderes recht gilt, gebiet das aus dem umgebenden landgerichtsbezirk herausgehoben ist'
hervor, ganz wie anord. lǫg
aus '
gesetz'
zu '
bezirk'
wird, oder gebiet
aus '
commandogewalt'
zu '
gegend über die eine regierung gilt', gericht
aus '
handlung des richtens'
zu '
gerichtsbezirk'
in älterer, '
haus in dem gerichtet wird'
in neuerer sprache. als authentische interpretation dieses sinnes darf gelten: unde heist wichbilde alʒo vil alʒ wiet gebiete, wenn diz recht ghing alʒo wiet alʒ sien gebiete waʒ, und dissin namen hat is hütiges tagis unde behelt en unvorwandilt
sächs. weichb. 9
Daniels 222,
sie ist jedoch älter: judicium villae Unna, unde ortum habuit (
seinen räumlichen anfang nahm) illud quod appellatur wicbelde
osn. urk. 2, 432 (1243),
und hält sich weithinaus: als fern sich eines erbarn raths zirck, gebiet, weichbild oder gerichte strecket Mathesius
Sar. (1571) 137
a; so hielten sie ihre gerichtsbarkeit über ihrem weichbilde ausgespannt gleich einem netz, immer auf einen fang begierig G. Keller 5, 182.
die bez. auf die besondere gerichtsbarkeit kann dabei schwinden: territorium vichbilde
hd. voc. rerum von anf. d. 15.
jahrh. bei Diefenbach
gloss. 580
b; sey richter in deinem cirkel oder weichbild, über deine leute, so ferne dir die hendel befohlen sein Mathesius
Sir. (1586) 70
b.
schles. ist auch in amtlicher sprache weichbild
zu '
bezirk'
schlechthin geworden: der hauptmann des Münsterbergischen fürstenthumbes und Franckensteinischen weichbildes
acta publ. der schles. fürsten 2, 62
Palm; entspr. 5, 66; Bastian von Axleben auf Kreuschen, des Winzigischen weichbildes hofrichter Schweinichen
denkw. 300
Österley. 33)
da die städte
neben diesem ihrem namen, der die rechtlichen verhältnisse ausreichend andeutete, keiner besonderen bezeichnung durch weichbild
bedurften, verengte sich dessen bedeutung in viererlei sinn: 3@aa) '
oppidum'
: es wird früh zur bez. solcher orte, die, ohne städte zu sein, rechtliche sonderstellung genossen. so steht weichbild
zuerst 1181
neben lat. forum '
marktflecken': ut in villa Overenkerken forum sit, quod in vulgari wicbilethe dicitur
regesta hist. westf. 2
nr. 416
Erhard, und entspr. bis ins 17.
jahrh., von Westfalen bis Livland, von Mecklenburg und Holstein elbaufwärts bis Dresden. solche weichbilder
können befestigt sein: hertich Olryk ... bestallede (
belagerte) en wigbelde Vredeborg Detmar
lüb. chron. 2, 463
Grautoff (
z. j. 1402),
doch heiszen auch unbefestigte siedelungen so: by desses bischuppes tyd wart Bremen erst umme ghemuret, vor was id en wicbelde ghewest H. Korner
lüb. chron. (
hs. d. 15.
jahrh.) 57
d,
an bed. steht es zwischen stadt
und flecken: in ernentes unsers münsterischen stifts stätten, wigbolden, flecken und dörfern Krumbholtz
gewerbe d. st. Münster 507 (1609),
und wird auch geradezu '
gemeinde': man kann ... annehmen, dasz kein weichbild einen morgen landes erhalten habe, ohne von jedem jährlich einen scheffel korns zu übernehmen J. Möser 1, 272.
die wb. des 15.
jahrh. geben mit weichbild
ἄστυ, castellum
und nam. oppidum
wider Diefenbach
gloss. 56
c. 105
a. 397
b;
nov. gloss. 272
a. 3@bb)
bei städten ist weichbild
von anfang des 13.
jahrh. bis heute die bannmeile, zunächst als das gebiet, in dem weichbildrecht gilt: infra terminos opidales qui wicbilede vulgariter appellantur
westf. urk. 3, 545 (1252); an der stad veltmarke, dat meenliken het wickbelde
stadtrechte f. Schleswig 30
Thorsen; soghedan recht alse we hebbet in unser stat, alsoghedan hebbe we alse verre alse unse wicbelde reket
a. lüb. recht 346
Hach; weichbildum gebiet um eine stadt Theophilus
deutl. unterr. zum briefschr. (1753) 144.
in diesem sinn allein lebt das wort wirklich fort, im 19.
jahrh. nehmen es nam. die historiker und jur. gebildete dichter auf: da die truppen damals auszer Rom und dem weichbilde der stadt ohnmächtig waren Niebuhr
röm. gesch. 2, 60; das weichbild von Paris ward ausnahmsweise von der stadt getrennt Dahlmann
franz. rev. 160; Cottbus mit seinem weichbilde Ranke 25, 130; so war die stadt, die Italien zu ihrem weichbild gemacht hatte Mommsen
reden 313; in Mittelfranken weist nur das weichbild von Nürnberg parzellierungen auf Wimmer
gesch. d. d. bodens 182; im weichbild von Minturnä Grabbe 3, 300; fahnen bewegten sich dem thore zu, und auszerhalb desselben ... ergosz sich dieses freudenheer nach dem weichbilde hin auf das freie feld G. Keller 3, 81; aus den thoren summt und brummt es, und das weichbild schwirrt von geigen: fernhin watet in dem sande staubaufregendes volk Berlins 10, 95. 3@cc)
wo die stadt mit ihrer landschaft weichbild
heiszt, nähert sich die bed. der von '
polit. gemeinde': daʒ wikbilde zu Kobin, dy stat und alles daʒ dorzu gehorit
lehnsurk. Schlesiens 1, 162; wir confirmiren ... der weichbilder eines ieden kreysses ... habende privilegia Lünig
reichsarchiv, pars spec. 2, 277
a (1637); von diesen (
provinzen) umfaszte ... die erste das weichbild der stadt K. O. Müller
Dorier 1, 95; ich habe ... über vieles gelacht, aber am herzlichsten über den lordmayor, den bürgermeister des weichbildes von London Heine 5, 129
Elster; Vatican und Quirinal sind wie zwei feindliche burgen in einem weichbild Döllinger
ak. vortr. 1, 77. 3@dd)
bes. gut am platz ist weichbild,
wo sich ein stadtrechtsgebiet räumlich nicht mit dem stadtgebiet deckt, so in Braunschweig, das aus 5
vormals selbständigen weichbildern (
im sinn 3
a)
entstanden ist, die auch nach ihrer verbindung communale selbständigkeit bewahrten. hier ist weichbild
seit dem 14.
jahrh. '
stadtviertel': der oversten enen eder twene ute dem Hagen, ute der Nienstad unde ute den anderen wicbelden
braunschw. urk. 1,
nr. 21 (1312); de sack dat was do neyn wickbelde, dat was ein vorblek vor der borch Botho
cron. d. Sassen (1492) 153; ein abgesondertes quartier oder weichbild der stadt Bode
Tr. Schandi (1774) 7, 18.
eine vorstadt von Königsberg heiszt heute noch Wickbold. 44)
drei wichtige bedeutungen der älteren sprache sind: 4@aa) '
stadtherrliche und bürgerliche erbzinsleihe' (
sonst burg-, marktrecht),
in den alten bischofsstädten Westfalens ausgebildet, von hier und aus dem westf. colonisationsgebiet an Nord- und Ostsee seit 1178
nachzuweisen: areas ... quas nos ad persolvendum tributum quotannis in manus eas colentium civili vel forensi jure, quod wigbeledhe dicitur, collocavimus
lüb. urk. nr. 6 (1182); alle garden edder worde de to wicbelde licghet
braunschw. urk. 118 (1402).
die entscheidung zwischen dieser und bedeutung 1
ist oft schwierig, so dasz, da von der zuweisung älterer belege an diese oder jene bedeutung deren chronologie abhängt, hier das problem des wortes liegt. gewisz ist, dasz von der bedeutung '
erbzinsleihe'
die beiden folgenden ausgehen. 4@bb) '
städtischer grundbesitz, der zu erbzinsleihe ausgethan ist, erbzinsgut',
zuerst in Leipzig 1216
auftretend, nachmals in Thüringen, Westfalen, Bremen, Holstein, Mecklenburg bis 1621: bona opidanorum quae wicbilde dicuntur Schaten
ann. Paderb. 2, 144 (1280).
nachmals '
städt. grundstück'
schlechtweg: ne hadde he the pande nicht, so mach he eme setten wichbelethe, dat twe warwe also gut si also the sculde is
brem. stat. 74 (1303).
seit dem 14.
jahrh. verdeutlicht zu weichbildgut,
s. d. 4@cc) '
ewige rente auf grundstücken, wurtzins, denarii areales',
im 13.
und 14.
jahrh. vornehmlich in Lübeck, Mecklenburg und Westfalen: wil en man dhe wichbelde ofte wortins gift van sime erve, vrien sin erve van deme tinse, de schal it ieneme, de den tins up boret, vore kundeghen
a. lüb. recht 361
Hach. nachmals verdeutlicht zu weichbildgeld,
s. d. 55)
seit dem absterben des alten rechts wird der unlebendige ausdruck besonders von laien nicht selten schief gebraucht: clima, -atis vichbilde
hd. voc. rer. von anf. d. 15.
jahrh. bei Diefenbach
gloss. 127
b; ich bin ein bauer aus dem weichbild von Wulfingen (
eines dorfs) Kotzebue
dram. 3, 24; bauernhöfe, nicht... umhergestreut, sondern fast alle im weichbilde der dörfer selbst liegend Allmers
marschenb. 1/2, 245; wenn man kommt zu spät ins weichbild (
die stadt) — bestialisch ist der zoll Hoffmann v. Fallersleben 4, 141.
nur der falschen etymologie zu liebe wird eine bedeutung '
städtisches wahrzeichen'
erdichtet: weichbild, proprie effigies vel statua oppidi Stieler 148;
noch verworrener: (
Zeiller behauptet episteln 2, 177) dasz eine solche Rulandssäule ... vor des käysers Caroli magni eigene abbildung zu achten, und nicht anders als ein weichbild sey Behrens
Herc. cur. (1712) 199; weichbild, Ruland, ein bild oder zeichen, wodurch angezeiget wird, wie weit ein gebiete oder gerichtsbarkeit gehet Hübner (1776) 2457.
besonders ist bemerkenswerth, dasz bei schriftstellern des 18.
und 19.
jahrh. die beziehung auf recht und gerichtsbarkeit ganz gewöhnlich verloren geht: mich selbst ergriff der strom der glaubensvollen menge und risz mich in das weichbild Roms Schiller 12, 418 (
M. Stuart 1, 6); wohl jedem, der auf stiller landflur, fern vom weichbild hochgethürmter städte wohnt Langbein 1
2 276; wandelt man jetzt durch das weichbild Veronas, so findet man überall die abenteuerlichen spuren jener tage Heine 3, 257
Elster; bei uns ging er, nur den nächsten bekannt, umher, starb, ohne dasz man auszer dem weichbilde von Düsseldorf von dem verluste ... hörte Immermann 19, 103.
Hempel; ein käseblättchen ... das über das weichbild nicht hinausgeht und darin nur wenig gelesen wird A. Ruge
briefw. 2, 257
Nerrlich; Tripoli musz ich wegen der unruhen und der völligen unmöglichkeit, über das weichbild der stadt hinauszukommen, aufgeben Pückler
briefw. 3, 308. 66)
übertragungen sind, wie bei bannkreis,
alt und ergiebig. meist erreichen sie den sinn '
wirkungskreis': das einer ... dem andern in sein cirk und weichbild nicht falle Mathesius
ausleg. des 133.
ps. Dz
a; (
die gattin) die in jrem weichbild und sprengel auch macht zureden solle haben
hochzeitpr. 44, 29
Lösche; wann (
unterthanen und obrigkeit) einander in ihre bezirk und weichbild eingreiffen, so thuts abermal nicht gut Dannhawer
cat.-milch 2, 50; ängstlicher sah ich mich nach einem sichern ort in meinem weichbilde für die criminalacten des heiligen Fiacres um Thümmel
reise 10 (1803) 10.
modern kann sich der beisinn der engigkeit einstellen: wer alle windungen der pfade will begleiten, wird nie sein weichbild überschreiten Rückert 7, 485.
aber auch zum (
geistigen)
horizont wird das bild gehoben: es giebt ... auch ein intellectuelles weichbild; einen umkreis, den die wahrnehmung eines schriftstellers nicht überschreitet Ranke 1, 351.
im scherz wird weichbild
zum gebiet, in das jem. gehört oder das ihm pflichtig ist: dort ist schon euer weichbild, der rabenstein, eure grenzfestung Jean Paul 11/14, 52; die mutter hat die hauschronik mit dem ganzen daran gränzenden weichbild vorweg hingenommen, es bleibt mir also nichts übrig als mich an den gelehrten neuigkeiten zu erholen Görres
an s. sohn (1825)
briefe 1, 251; vom hohen strohdach überschaut der storch ... seines weichbilds grenzen Geibel 4, 127.