weibisch,
adj. spätmhd. wîbisch Lexer 3, 814,
nnl. wijfsch Kramer 1, 2070; Kilian 807
a.
den hd. mundarten fremd, dagegen ist weiwəsch
dem Nösner siebenb. und dem moselfr. gemeinsam, mithin für das moselfr. des 12.
jahrh. vorauszusetzen. am eingang der geschlossenen wortgeschichte steht clev. wijfsch
enervis, muliebris, effeminatus Schueren
teuth. 350. 476. 498
Verdam. neben frühe ostfr. zeugnisse (Arigo
dec. 636
Keller; Stainhöwel
cl. mul. 83
Drescher)
stellen sich zahlreichere alem.: Wittenweiler
ring 23, 42;
N. v. Wyle
transl. 56; Riederer
spiegel d. rhet. 35
b; Brant
narr. 4, 4;
Terenz (
Str. 1499) 81
b,
lex. Brack (1483) 5
b;
gemma gemm. (
Str. 1508)
k 2
b.
demnach scheint das wort rhein- und mainaufwärts gewandert zu sein. den bösen sinn brachte es, wie viele adj. auf -isch
aus dem md. mit (
s. beitr. z. gesch. d. d. spr. 24, 464
ff.).
die form weibisch
gilt allg.; weiberisch,
aus östr. mundart (Unger-Khull 824
a)
mehrfach bei Abr. a. S. Clara (
etw. f. alle 1, 344;
weinkeller 157)
taucht sonst nur bei Stieler 2471
auf. die zusammensetzung altweibisch
auszer bei Zwingli
und Voss (
th. 1, 275)
auch bei Luther, Maaler, Frischlin. II.
ohne tadel wird weibisch
ganz im sinn von weiblich
gebraucht und steht neben diesem in den wb.: weybisch, weyblich, das den weyberen zuo gehört
muliebris Maaler 490
c.
gerade lex. hält sich der gute oder neutrale sinn lange, bis Pomey 3, 339
a und Rädlein 1, 1039,
erst Adelung 5 (1786) 123
nennt ihn veraltet. lit. sind subst. und präd. gebrauch in diesem sinn schwach vertreten: wan ein menlin wirt gepflantzt bei den weibischen, das ... der rauch von dem winde gefürt werde zu dem weibischen Petr. de Cresc.
ackerbau (1531) 14
b; (
der papst) hat villeicht sorg gehabt, esz mochten christen seyn, die wider menlich noch weybisch weren Luther 8, 168
Weim., dagegen der attr. stark und überall: gebt dem weibischen als dem schwechsten werckzeuge seine ehre 1.
Petr. 3, 7; Jupiter im fünfften hause und in einem weibischen (
himmels-)zeichen
schr. d. ver. f. gesch. d. Neumark 11, 99 (1531); lasz die weibischen lieb farn Sachs 12, 289
Keller; weibische armeen mit helden waffen und -gemüthe Treuer
d. Dädalus 1, 81; weibische arbeit
opera muliebria Stieler 2471; leg du dir weibische kleiderlein an flecht dir dein haar in leide Göthe I 38, 243
Weim. bes. fest ist der gebrauch, wo männlich, -isch, mann
den gegensatz bilden: ein christ vertuschet nit das weibisch geschlecht mit manlichem Hedio
chron. Germ. 291
a; zweyerley arth der beum sind, männisch und weibisch Paracelsus 1, 1022 C; ich bin zwar nur ein weib, doch war ich so behertzet, als wol kein mann nicht ist. an mir als die gestalt war sonsten weibisch nichts Fleming
d. ged. 114.
besonders deutlich ist die abwesenheit jedes bösen sinnes in verhältnissen, die körperlich gegeben sind: da er Heva verfluchte, nam er yhr nicht den weyblichen leyb, noch weybische gelidmas Luther 11, 398
Weim.; im weibischen cörper seind die harngäng kürtzer Ryff
anat. F 5
b; in dieser weibischen gestalt, worein ihn die liebe verkleidet hatte Wieland
Agathon 1, 388; (
die rüster grüszte) mit einer weibischen, doch verständlichen stimme Apollonium Prätorius
anthr. plut. 1, 232,
desgleichen in der stellung neben ausdrücklichen lob: weibische tugend und gelehrsamkeit Lindenborn
Diogenes 1, 56; weibische, zarte, liebe knaben Herder 1, 281; einer fast weibischen anmuth und zierlichkeit Holtei
erz. 6, 128.
stets ohne tadel ist schlieszlich die gruppe weibisch bild '
weibsbild' Clemens
flugschr. 1, 349 (
Erfurt 1521),
vergl. nnl. wijfsch beld Kilian 807
a, weiblich I C 2, weibsbild. IIII.
auf hd. boden eingebürgert und lebendig geblieben ist weibisch
durch seine entwicklung zum bösen sinn. damit erst bekam es daseinsrecht neben weiblich: lachen ist männlich, weinen dagegen weiblich (beim manne weibisch) Kant 10, 282; von einem manne, der wie ein weib aussieht, sagt man nicht, er sehe weiblich, sondern weibisch aus Wieland
Lucian 1, 6; wer wird sich ... die mühe geben, ein gewirr ... weiblicher und weibischer hofkabalen zu enträthseln? Herder 23, 188; gegen die weibliche, ja weibische manier Gervinus
d. dicht. 5, 159. II@AA.
in attributivem gebrauch II@A@11)
gelangt ein adj., das seiner bildung nach bedeutet '
dem wesen der frau entsprechend'
nothwendig zu dem bösen sinn '
weibliche schwachheit zeigend',
wenn es vor mann
und seine bed.-verwandten tritt: die geuchmat zuo straff allen wybschen mannen Murner
geuchm. titel; thörichte weiber, als auch weibische männer J. G. Schmidt
rockenphil. 1, 22; ein weibischer mann ist unendlich unerträglicher als ein männliches weib Hippel
ehe (1774) 114; beaux oder fops heiszen in Engelland alle weibische manns-personen Apinus
gl. 68; einem solchen weibischen jüngling Wickram 2, 214
Bolte; ein weibischer Adonis Triller
poet. betr. 1, 155; solcher weibischer und geizbeseszner mensch Fischart
ehzuchtb. 242
Hauffen; fruchtbare lant geben ... weibisch leut
sprichw. klugreden (1548) 180
a; das arm, tzaghafft, weybisch volck Luther 10 i 1, 664
Weim.; molle agmen ... ein weybische schaar oder hauff Frisius
dict. (1556) 64
a; einer weibischen nation Sulzer
theorie2 3, 715; wir werden den weibischen Italienern ähnlich Gottsched
crit. dichtk. (1751) 741; elende tugenden unsers weibischen zeitalters Lessing 13, 210; eine männlich kräftige natur in einer fast weibischen zeit Scherer
lit.-gesch. 137; weibische heüpter Vadian
a. gott 62
neudr.; den verzagten pfaffen und weibischen bischöffen Hutten 1, 390; weybische kriegsknecht
N. Herman
in Clemens flugschr. 2, 267; die weibischen theologi Paracelsus 2, 636
Huser; Medea ... die ihre weibische und weichmüthige unterthanen durch stetige übung dapffer und starck gemacht hat Hohberg
georg. cur. 1, 168; von den romanschreibern ihren weibischen helden ... angedichtet Gottsched
vern. tadl. 1, 114; den weibschen sänger Lessing 1, 54; ein weibischer prinz 2, 372.
gefestigt wird weibisch
in dem so erlangten bösen sinn, wo es neben bez. männlicher wesen tritt, die schon selbst scheltwörter sind: ir wybschen geuch solt üch des schammen, das ir uff gredtsche berd uch ertlen Murner
geuchm. v. 1790
Uhl; die weybischen, leychtfertigen pfaffen Luther 8, 510
Weim.; weibischen platlinge C. Spangenberg
mansf. chron. 183
b; hundsfutt Fischart
Garg. 38
neudr.; memmen Thomasius
nachahm. d. Franz. 3
neudr., Schiller 13, 90; kerl Ludwig (1716) 2419; kerlchen Wieland
Lucian 1, 430; flüchtling Meissner
skizzen 2, 41; stutzer Becker
weltgesch. 3, 3.
das im sinn von '
weichlich'
gefestigte weibisch
kann nun verbindungen eingehen, die ihm nach s. etym. sinn versagt wären: wilchs alleyn die weybischen kinder und groben bloche rümen können Luther 8, 485
Weim.; weychlinge ... die nicht gut noch tauglich, ihre weibische weiber, geschweige statt oder land zu regieren sind Moscherosch
ges. 156
Bobertag. der gegensatz zu männlich
und mann
bleibt stets lebendig, auch wo er nicht ausgesprochen wird: weil ich ein papist war, hat ich mich geschemet Christum zu nennen; ich dacht: Jesus ist ein weibischer nam, sonder Aristotelem, Bonaventuram Luther
tischr. v. Schlaginhaufen 464
Preger. II@A@22)
eine wichtige übergangsstufe bildet der begriff des weiblichen luxus, der mehr oder minder abstract gefaszt sein kann: die eer der kirchen würt erleuchtet nit in weltlicher reinlichkeit, scheinbarlichem bracht und weibischem gezier, sunder in einem reinen geist Hutten
in Schades satiren 2, 26; weibisch pomp
das. 25; diese eure weibische zierat Zinkgref
apophth. (1628) 40; wibschen tandt Murner
geuchm. v. 384
Uhl; um eine weibische kleider-pracht zu erkauffen
disc. d. mahlern 2, 122; weibsche reichthumb Agricola
bergw.-buch 8; eine weibische üppigkeit Herder 3, 37,
der aber auch völlig concret ausgedrückt wird: galbana ein weych odder weibisch kleyd Alberus
dict. Jiiij
a; ain mann soll fliehen ain gar zuo weibische oder kostliche klaidung Mayr
sprüchw. (1567) C 6
a; wohl hängt ihm ein weibisches frauengewand nachlässig und schleppend hernieder Arent
mod. dichterchar. 37.
sonst sind sachbez. neben attr. weibisch
nur möglich als ausdruck eines affects oder träger eines thuns: eine weibische threnen-fluth Weise
pol. redner 453; thränen Salis
ged. 8; umarmung Wieland I 1, 387; (
ein ritter) der sich blosz mit seinem weibischen gesichte ... eingeschmeichelt haben mochte Schnabel
Felsenb. 390
neudr.; von der einem ... poeten so unanständigen weibischen schamröthe Sturz 2, 57; der mit ungeschickter hand die weibische spindel dreht Wieland
Agathon 2, 64; schade für einen helden, wenn er durch weiche gesänge und durch ein weibisches instrument die nerven seiner seele abspannen wollte Schubart
ästh. d. tonkunst 31.
damit ist der übergang zu den beiden wichtigsten verw.-arten des attr. weibisch
gewonnen: II@A@33)
es charakterisiert ein thun irgendwelcher, zunächst allgemeinster art: wollüsten, weibisch und schendtlich leben Achacius
chron. Sleidans (1557) 151
a; weibisches wesen nannten sie es Laube 15, 106; wie wenig weichlichkeit und weibisches thun einem hohen rittersohn gezieme Chézy
erz. 2, 208; aus diesen ... weibischen sitten C.
F. v. Moser
beherz. (1763) 386; er sinnt den gegenmitteln nach, um dem zu weibischen bezeigen in zukunft bestens vorzubeugen Hagedorn
poet. werke 2, 181; weibische niederträchtigkeiten Laukhard
leben 4, 216.
ein thun allg. art deckt stets der ausdruck weibisch ding Keisersberg
sünden d. munds 42
a; Luther 18, 103
Weim.; Montanus
schwankb. 119
Bolte, dafür weibisch stück Heyden
Plinius 482.
weiterhin wird das thun specialisiert: ein weybischer, unmannlicher gang Frisius
dict. (1556) 670
a; keine weibische oder kindische kurtzweil Harsdörffer
t. secr. 2, 158; weibisch und weich geber Hutten 4, 7; ein unmännliches wesen, weibische gebehrden Ranke 27, 88.
oft ist es ein reden, das dann an sich tadelhaft sein kann: weybisch, kindisch, münchisch und sophistisch klagen sind das Luther 11, 355
Weim.; zürnend schalt der knabe seiner schwester weibisch klagen Chamisso 4, 107; die mägde ... stürtzten sich mit einem weibischen geheule in das unterhausz Thomasius
ernsth. ged. 2, 337; so weybische und nerrische lugen Karlstadt
bei Luther 15, 383
Weim.; mit weibischen schmeeworten
Schades satiren 1, 62; ohne einige weibische auszred Moscherosch
ins. cura 18
neudr.; ein weibisches, ja kindisches gelispele Neumark
palmb. 53.
oder das sprechen wird erst durch die beiwörter tadelhaft: der marschalk, der weibischen befell und unordenliche straffe tette, muste es ... bezalen Kantzow
chron. v. Pommern 247; ein alt weibisch prophecey Eyering
prov. 3, 190; man lasse doch die französische als ein weibische sprache fahren
d. sprach ehrenkranz (1644) 126; die weibische sprache der galanterie Schiller 3, 536; plötzlich verliesz ihn der weiche und weibische ton Zimmermann
einsamk. 3, 491; ihr habt eine weibische art zu erzählen Klinger
theater 1, 96; mit seinem weib'schen fleh'n Fouqué
bilders. 1, 250.
das thun wird weiter verinnerlicht zum denken: ist abermal ein menschlicher und weybischer gedancken Luther 24, 530
Weim.; ein mannsbild mit einem weibischen verstand sei der ärgste hermaphrodit Opel-Cohn 30
jähr. krieg 388; weibische unvernunft Ayrer
dram. 3, 2043
Keller; grillen Zimmermann
nationalstolz 295; bedenklichkeit Schubart
briefe 2, 179; weibisches zagen, ängstliches klagen wendet kein elend Göthe I 4, 99
Weim. aus dem denken wird ein empfinden: geeignet ... weibische empfindungen einzuflöszen Ayrenhoff 6, 164; unter weibischem gefühle Schubart
leben 2, 196,
das gern auch in einzelne affecte zerlegt erscheint: widderümb hat Lea auch eine weibische anfechtung Luther 24, 530
Weim.; als sye aber ausz weibischer trutzigkeit verharret Hedio
Josephus 277
a; mit weibischen grimmen entzündet
buch d. liebe 114
c; weibische kleinmüthigkeit Weise
klügste leute 196; ungeduld Lohenstein (1679)
G. Wilhelms lobschr. vorr.; wollust Olearius
or. reisebeschr. anh. 95; Wieland I 1, 144; zärtlichkeit Gottsched
neuestes a. d. anm. gelehrsamk. 8, 17; Schiller 13, 415; furchtsamkeit Lessing 1, 59; schüchternheit Nicolai
Nothanker 2, 153; feigherzigkeit Archenholz
England u. It. 1, 44; laune Arndt
schr. f. s. l. Deutschen 1, 226; wuth Eichendorff 2, 252; kleingeisterei Gervinus
d. dicht. 5, 10; gram Holtei 18, 214; heimweh Geibel 5, 7.
damit ist der punkt erreicht, an dem das thun in einen zustand übergehen kann. II@A@44)
seelenzustände erhalten früh und oft das attr. weibisch: wer solt doch nit hie lachen solches weybisches und aller ding munchisches weichmuths? Luther 8, 298
Weim.; was ist ... das gar ungestalte und gar zu gemeine jetzige neygen und bücken ... anderst, dann ein überausz grosze weibische und kindische weyche? Moscherosch
ges. 2, 95; Alexander ... vertauschte seine vorige lebensart mit der weibischen weichlichkeit der Medier Wieland
Lucian 2, 235; weibische zärtlichkeit
F. H. Jacobi 1, 202; verzärtelung Rabener 4, 263; unvermögen Lessing 6, 390; leichtsinn Görres 2, 328; schwäche Treitschke
hist. u. pol. aufs. 1, 21.
weiter wird die seele selbst unter wechselnden ausdrücken so genannt: man kann tag und nacht lesen und liest doch kaum den meszlichen zuwachs dieser stützen ... weibischer seelen durch Laukhard
leben 2, 284; disem handel, den er mit eynem weibischen gemüt fürgenommen hett Carbach
Livius (1551) 422
a; das christentum mache weibische und betrübte gemüther Fleming
vollk. t. soldat 11 § 4; weibisch art
muliebris animus Schönsleder Nn 3
b; weiber, wann sie ... das weibisch herz an jren männern mercken Fischart
ehzuchtb. 240
Hauffen. II@BB.
substant. gebrauch bleibt selten, zumal auf personen bezogen: kein ehebrecher, kein weybischer werdt ins reich gottes eingehen Nas
antipap. eins u. hundert 2, M 2
a.
sonst nur sächlich: ein weib, das sich an gleich weibischem ergötzt Heine 3, 355
Elster; der componist hat sich zu hüten, dasz er nicht in's süszliche und weibische verfalle Schumann 1, 291.
ohne den gleichlaufenden gebrauch von weiblich (
s. d. II)
nicht denkbar: das ewig weibische brachte sie herunter R. Wagner 4, 64.
häufiger sind nur die alten genetive, von nichts, (et)was, viel, wenig
abhängig: nichts gemalets oder weybischs hatten sie Stumpf
Schwytzerchr. 59
b; so wie es was sanftes, was weibisches verräth, wenn man musik liebt Hippel
lebensl. 2, 205; etwas albernes und weibisches Wieland
Lucian 3, 239; (
der amfibrach) hat viel weibisches und unedles Voss
zeitmessung 151; verdammt wenig weibliches ist an dir! dafür ist ... desto mehr weibisches an manchen jungen herren Holtei
erz. 4, 96. II@CC.
als präd. adj. steht weibisch II@C@11)
am häufigsten bei sein: weytter, meyn lieben getrawen, dürfft yhr derhalben nicht weybisch und verzaget seyn
N. Herman
in Clemens flugschr. 2, 269; lasz tausend weibisch, feig, und blöde schmeichler seyn Gottsched
d. schaub. 4, 188; Rom erschrickt, Augustus selber lernet nunmehr weibisch seyn Schönaich
Hermann 16; noch bin ich nicht so weibisch und so feigherzig im unglück geworden Bürger 263
a Bohtz. das verb kann ausgelassen werden: will der den krieg verstehen? so weibisch in der lust? und doch ein held im streit? Giseke (1767) 63
Gärtner; der zehnte (
männerkopf), gescheut, weibisch und schlau Lavater
phys. fragm. 1, 210; was ist besser, zügellos oder weibisch? Hippel
lebensl. 3 ii 174; er ... verachtete dergleichen als weibisch Polenz
Büttnerbauer 1, 152.
ist das subj., statt einer person wie bisher immer, eine sache, so ist's meist ein thun: Otho gedacht von trauworten sterben oder fliehen were gantz weibisch Franck
chron. Germ. 90
a; sich den zorn lassen übergehn ist weibisch
sprüchw. 1, 71
b; dieweil weynen weibisch ist
buch d. liebe 225
b; Livius sagt, der Gallier erstes gefecht sei mehr dann mannlich, das letzte weniger dann weibisch
abentheur v. allerh. min. (1656) 931; unsere feinde können von ihm lernen, wie eitel und weibisch ihre bemühung ... sey Liscow
samml. 509; bereun? das wäre memmenhaft und weibisch Schlegels
Shakespeare 9, 63.
ein thun kann träger der vorstellung sein, auch wo als gramm. subj. eine sache steht: geh! ich reisze mich los, obgleich der männlichen tugend thränen zu weibisch nicht sind Klopstock
oden 1, 44.
selten ist eine sache auch logisches subject: ewr kleider seind so weibisch gar, gleich wie sie trägt der frawen schar Murner
Virgil f 3
b. II@C@22) weibisch werden,
lex. von Calepinus (1598) 1190
b bis Steinbach 2, 958,
hat nothwendig stets ein persönliches subj.: die capp hanen ... werden frawen suchtiger denn vorhyn und gantz weybisch Luther 10 ii 279
Weim.; so wird in der innigsten einheit der ehe der mann nicht weibisch Steffens
was ich erlebte 10, 129
f.; indem aber die männer den frauen und mönchen so manches stück arbeit abnahmen, ward darum das geschlecht nicht weibisch und mönchisch Riehl
d. arbeit 153. II@C@33) weibisch machen
zunächst mit pers. object: (
unglück ist zu verlachen, damit es) nicht die menschen blöd mach, weibisch und verzagen Fischart
Eulensp. 15
f. Hauffen; die ... natur, welche ... die leute eben so wohl träge als weibisch macht Lohenstein
Arminius 2, 27
a; o süsze Julia! deine schönheit hat so weibisch mich gemacht Schlegels
Shakespeare 1, 89.
als äquivalent der einzelpersönlichkeit stehen leib und mut A. v. Eyb
d. schr. 1, 33; gemüt Petrarcha
trostb. 18
b; Bode
Montaigne 1, 277; herz S. v. Birken
lorbeerh. 37; männerseele Voss
antisymb. 1, 177.
auch eine masse, ein volk kann als object stehen: wir machend durch wollust die jugend anfencklich weybisch Frisius
dict. (1556) 383; oder wil Rom ... Deutschland ... weibisch machen? Lohenstein
Arminius 1, 18
b; als ob er die Griechen dadurch weibisch gemacht hätte Wieland
Lucian 3, 71.
gelegentlich ist das obj. (
ein mensch)
ausgelassen, so in den wb. von Frisius (1556) 462
b bis Steinbach 2, 958; (
Fortuna zu Virtus:) ich mach mütig unnd frey, du machst weybisch und blöd Sachs 3, 197
Keller. unpers. object ist nur unter bes. umständen möglich: nur der miszbrauch der dichtkunst und redekunst macht eine sprache weibisch und kraftlos
a. d. biblioth. 4 ii 16. II@C@44)
neben wechselnden verben steht weibisch
zunächst als präd. acc.: ein weychling ... der sich weibisch ... stellet Alberus
dict. Siij
b; wolst du mich so für weibisch achten? W. Spangenberg
glücksw. 313;
entspr. bei halten Lohenstein
Arminius 1, 47
a; schelten Günther
ged. (1735) 307; nennen Rabener
schr. 4, 170; erziehen Novalis 1, 146
Minor. den übergang zu nomin. fügungen können die pass. vermitteln: es werdend auch etliche (
hähne) also weybisch erboren, dasz sy weder kräyend noch die hüner voglen wöllend Heuszlin
Gesners vogelb. 78
b.
als präd. nom. steht weibisch
neben scheinen, aussehen, klingen: obgleich etliche sachen darinnen weibisch scheinen Harsdörffer
frauenz.-gespr. 3, 300; der jüngling wollte nicht in locken weibisch erscheinen Göthe I 49, 79
Weim.; ich kenn den herrn, er sieht fast weibisch aus Arnim 20, 222; das, was ein edler Grieche singt, dem vollen ohre weibisch klingt J. G. Jacobi 2, 163. II@DD.
attr. und präd. gebrauch zugleich gehören zu: II@D@11)
die steigerungsformen, selten, aber zu allen zeiten möglich: weibischer, weibischte Adelung 5, 123; ich würde auch auszer zweyfel noch weibischer ... worden seyn Lohenstein
Arminius 2, 86
b;
entspr. Ayrenhoff 5, 22; welcher man das weibischte und unedelste hertz hat Barth
weibersp. F 5
b; warum hingst du dein herz an den weibischesten unter allen männern? Schröder
dram. 1, 151. II@D@22)
die bed. castriert: eynen wijfsch ind onherdelick maken off ontmannen Schueren
teuth. 498
b Verdam; eviratus ... dem auszgehauwen ist, weybisch Frisius
dict. (1556) 487
b;
entspr. Boltz
Terenz 39
a; Albertinus
hirnschl. 30. II@D@33)
die nur aus wb. nachzuweisende bed. weibersüchtig, -toll: Maaler 490
c; Frischlin
nomencl. 89
b; Ravellus (1616) 401
b; Pomey 3, 339
a. II@EE.
adv. weibisch,
stets mit tadel, steht gewöhnlich vor verben: könige pflegen nicht szo bübisch zu liegen, noch so weybisch tzu toben Luther 10 ii 262
Weim.; (
der ritter soll sich) über den gemeinen mann nicht zu köstlich und zu weibisch zieren Fronsperger
kriegsb. 1 g 1
b; dasz er gar weibisch geredet gehabt Prätorius
winterfl. 209; fiel ihm der käiser weibisch umb den hals Lohenstein
Agr. G 6
a; ob du dich hierbey verdrieszlich, zornig oder weibisch anstellen werdest Thomasius
kl. t. schr. (1707) 440; anderthalb jahrhundert trugen wir weibisch das weiberjoch Jahn 1, 310; geh, schlage weibisch dich zum weiblichen geschlechte Zachariä
poet. schr. 1, 54; denn feigheit haszte meine seele, und weibisch hat sie nie gebebt Schubart
ged. 2, 55; wer die strengeste wahrheit sich weibisch nicht, wer sie sich ritterlich sagen darf Herder 27, 130; verworfener, dir steht es nicht mehr an, in zartem mitleid weibisch hinzuschmelzen Schiller 12, 571; also trotz ich dem ergrimmten schiksal, das, wenn ich weibisch klage, triumfirt Platen
dram. nachl. 107, 69.
seltener begegnet adv. weibisch
vor part.: ein priester fast weibisch gekleidet Rätel
Curäi schles. chron. 15; weibisch gesinnte gemüther Fleming
vollk. t. soldat 5 § 16; monotheismus ist ... der überwundene pantheismus, nicht der blosz verdammte ... oder weibisch beklagte Schelling 2 ii 69; ein weibisch schwankender mann Jahn
Mozart 4, 579.
jung ist es vor präd., noch jünger vor attr. adj.: wer ist so weibisch feig, der dieses leben schont? Bodmer
crit. ged. 4
neudr.; dasz ich für meinen freund selbst weibisch zärtlich bin Schwabe
belust. 2, 542; (
sie ziehen) weibisch eitel daher Wieland 16, 124 (
Cyrus 4, 26); du weibisch thör'ger mann Fouqué
held d. nordens 1, 173; dem weibisch eitlen bedauern Holtei
erz. 37, 34; dem zärtlich erzogenen und fast weibisch stutzerhaften knaben Mommsen
röm. gesch.4 3, 17.