wehrmann,
m. ist im 17.
und 18.
jahrh. selten und lebt recht auf, erst als währmann (
th. 13, 938
f.)
abstirbt: wehrmann,
idem quod kriegsmann,
et defensor, arcens, impediens Stieler 1237; hergegen die gelehrsamkeit findet überall, sowohl in krieg- als friedens-zeiten seinen wehrmann
med. maulaffe (1719) 61; die sechs jahreszeiten ... stellten sich in einer ellipse schildförmig dar; zwischen ihnen ein schild oder auch ein held auf dem schilde, der das ganze gleichsam zusammenhielt, des jahres wehrsmann und bewahrer Herder 24, 537
Suphan. eine fragwürdige belebung erfährt das wort durch eine falsche ableitung des namens Germanen: in seine brust nahm Mann den götterspruch auf und nannte seine sieben söhne männer, wehrmänner, Germanen 24, 401; der German ist also ein wehrmann Fouqué
gefühle, bilder 1, 198.
im sprachgebrauch weiter kreise war das wort um 1800
erloschen, es fehlt überall in den wörterbüchern, auch in den verschiedenen ausgaben des Adelung. Campe 5 (1811) 630
a bezeichnet es als veraltet und widerholt lediglich Stielers
angabe, ihn schreiben wider Heinsius 4 (1822) 1555
b und sogar noch Kaltschmidt (1851) 1056
b aus. bei selbständiger bemühung hätte aber schon Campe
von dem neuen leben wissen müssen, das die freiheitskriege und die vorausgehende heeresorganisation dem worte gebracht haben. 1805
hat Östreich, 1808
nach Scharnhorsts plane Preuszen seine landwehr gebildet. in der grundlegenden verordnung vom 17.
märz 1813 (
preusz. gesetzsammlung 1813, 109
ff.)
wird von landwehrmännern
gesprochen, amtlich heute noch so oder gar mannschaften des beurlaubtenstandes,
der nichtamtliche sprachgebrauch hat das sofort handlich und schön zu wehrmann
gekürzt (Weigand
5 2, 1223).
die dichter gehen voran: in Wien läszt Collin
schon 1809 lieder oestr. wehrmänner
erscheinen, darin s. 15: musz fort als wehrmann in das feld, es ist beschworne pflicht (
von da Schnitzler
Medardus (1910) 42), 1813
folgt Arndts katechismus für den deutschen kriegs- und wehrmann worin gelehret wird, wie ein christlicher wehrmann seyn und mit gott in den streit gehen soll
sämtl. werke 4, 5 (
schriften für s. l. Deutschen 1, 229).
auch jüngere dichter freuen sich der handlichen form: mancher hat sich blut'gen kranz erworben. du, wehrmann Leo, du, o schwarzer jäger, wohl seyd ihr ritterlichen tods gestorben Uhland
ged.2 163; was schritt da vorbei? ein wehrwolf und wehrmann Grabbe
werke 3, 518
Blumenthal. bei Scharnhorst
und den seinen scheint wehrmann
zu fehlen, erst in historischer rückspiegelung dringt es ein: dann erst ... erschien das landwehrgesetz ... in jedem kreise traten zwei ritterschaftliche, ein städtischer und ein bäuerlicher deputirter zu einem ausschusse zusammen um aus der gesammtheit der männer zwischen siebzehn und vierzig jahren, die nicht in der linie dienten, die wehrmänner auszuloosen Treitschke
d. gesch.3 1, 438;
entspr. 1, 399. 434. 3, 422; mit rührung durchschritt er (
Boyen) in Zehdenick die reihen der wehrmänner aus dem Randowschen kreise Meinecke
Boyen 1, 286; bei dem weitläufigen verfahren der ziviljustiz fühlten sich die wehrleute vor bestrafung kleinerer ausschreitungen ziemlich sicher 2, 248.
wohl aber bewirkt, wie fünfzig jahre später das preuszische heer von neuem organisiert wird, die macht des breiten sprachgebrauchs, dasz auch die führenden männer vom wehrmann
sprechen: ich beabsichtige ... die ... bei der landwehr überzähligen wehrmänner ersten aufgebots ... in den alten regimentsstabsquartieren der truppen zu versammeln Wilhelm I.
milit. schriften 1, 119; die wehrmänner aller truppentheile werden schon jetzt entlassen Moltke
ges. schriften 6, 417; 7, 128.
einen anwalt findet 1858
das wort in Roon: es wird nicht vorgeschlagen, dem namen nach die landwehr aufzuheben. dies würde vielleicht schon aus rücksichten für das historische gewissen der nation nicht rathsam erscheinen; möge man lieber, wenn man will, die ganze armee 'landwehr' nennen. es soll auch nicht geleugnet werden, dasz der name 'wehrmann' offenbar eine sinnvollere bedeutung und einen angemesseneren klang hat
[] als der name 'soldat'
denkwürd. 1, 328.
auch damals noch in charakteristischem wechsel mit landwehrmann: der landwehrmann ist der ältere bruder des reservisten — sehr oft im buchstäblichsten sinne ... wie hätte da der wehrmann eine andere politische stimmung mitgebracht als sein jüngerer waffenbruder? Bernhardi
verm. schriften (1861) 2, 456.
in Östreich ist ähnliches nicht zu beobachten, obgleich im nichtamtlichen sprachgebrauch wehrmann
auch hier seine rolle spielt: so sind einst die wehrmänner an den berg Isel und auf's Sterzinger moos gezogen Steub
drei sommer in Tirol 2, 227; mancher wehrmann röchelte durch seinen mit knochigen fingern zugeklemmten hals Rosegger
schriften 7, 132. —
von den heeresverhältnissen des 19.
jahrh. tragen die historiker den begriff mannigfach zurück in alte zeit: Fouqué
versteht darunter die freien krieger der deutschen stämme im gegensatz zu den gefolgsleuten eines fürsten: die wehrmänner des Cheruskerbundes sind ... zum feste gelagert
altsächs. bildersaal (1818) 1, 1;
entspr. 1, 117. 2, 466.
lat. miles wird damit übersetzt: als die 170 centurien der wehrmänner nicht mehr galten Niebuhr
röm. gesch. 3, 118; versammlung der wehrmänner Mommsen
röm. gesch. 1, 38;
von späterer zeit: so lange sich die Italiäner von gedungenen schaaren bewachen lieszen, und nicht nach alter sitte jeder bürger des staats ein wehrmann und an ertragung von beschwerden gewohnt war Schlosser
weltgesch. 9, 463. —
seltsam wird ein ganzer staat so genannt: da Österreich nicht wehrmann sein kann an dieser gränze (
am Rhein), so musz den schutz der stärkste nach ihm übernehmen Görres
ges. schriften 2, 373.
bildlich heiszen einmal die muskeln am leibe des borghesischen fechters so: alle diese organe glichen einer kleinen republik von wehrmännern, welche von einem willen beseelt vorandrangen, um ihren verband gegen die zerstörung zu schützen Keller
ges. werke 3, 10. —
neben die kürzung aus landwehrmann
tritt neuerdings die aus feuerwehrmann (
s.wehr
statt feuerwehr
sp. 157): wehrmann '
mitglied einer land- oder feuerwehr' Heyne
wb. 3 (1895) 1346; nach wenigen minuten raste die feuerwehr heran, die äxte der wehrleute arbeiteten sich unbarmherzig einen weg durch die rauchwolken Kretzer
meister Timpe 362. —
dazu wehrmannenland, n., der schlimmen etymologie von Germanen
zulieb gebildet: Germanenland bleibet ein freies wehrmannenland Fouqué
altsächs. bildersaal (1818) 1, 31;
wehrmannenmuth, m.: verstäubt auch ungekannt das holz in gluth, berief's doch flammenhoch wehrmannenmuth
das. 2, 687;
wehrmannenrecht, n. das recht der freien (
germanischen)
krieger: wir ... sehnten uns ... nach der wiederherstellung in unser altes wehrmannenrecht Fouqué
gefühle, bilder (1819) 1, 92.