weg(e)breite,
f. weg(e)breit,
m. der wegerich, plantago. 11)
die bildung ist westgermanisch:
ahd. wegabreita (
in den Basler recepten, um 800 Müllenhoff
u. Scherer
denkm. 2 LXII 1),
in späteren glossaren wegebreita -breida -breite -breide -breit
usw. (
zeitschr. f. d. wortf. 2, 230. 5, 21),
mhd. wegebreite (
im md. arzneibuch des meisters Bartholomaeus, Wiener sitzungsberichte 71, 531
dat. wegebreitin, 493
acc. wegebreitin), wegebreit
cod. dipl. Silesiae 20, 86 (1457),
in frühnhd. glossaren (
s. 4) wegebreite -breide -breid -breit, wegbreite -breit
usw.;
dazu asächs. wegabreda, wegebreda, -brede Gallée 371,
mnd. wegebrede Schiller-Lübben 5, 648 (
s. auch Diefenbach
gl. 440
b nov. gl. 294
b plantago, gl. 331
b lingua agni),
mndl. wegebrede, weechbrede Verdam 686
a,
bei Kilian 659
b weghbree,
jetzt ndl. weegbree
f., ags. wegbrâde - brde '
plantago' Bosworth - Toller 1184
a,
mengl. weibrede Stratmann-Bradley 674,
engl. waybread,
dän. (
entlehnt) veibred. — breita
bedeutet '
breiter gegenstand'
wie in ahd. wintbreita '
ventilabrum', breite '
breiter kuchen'
th. 2, 359, flachsbreite, kornbreite
udgl., also '
am wege wachsende pflanze, die eine breite fläche bildet'.
ähnlich: plantago, wegospreiti Steinmeyer-Sievers
gl. 3, 573, 27. 22)
in Deutschland musz der ausdruck früher auch im süden bekannt gewesen sein, in hd. glossaren des 15.
jahrh. tritt er noch häufig auf (
auch mit obd. lauten als wegbrait, wegpreyt
udgl., wegpreyte
bei Steinhöwel Fischer 6, 538),
später verschwindet er aber im obd., die alten kräuterbücher kennen ihn nicht, ebensowenig die gröszeren wörterbücher, erst Stieler
führt wegebreit
neben weggras, wegtritt
an, dann Steinbach, Frisch
und Adelung
als '
wegerich'.
jetzt hat er seine heimat vor allem in Mitteldeutschland, angegeben (
meist als wegebreit)
aus Coblenz Wegeler 759,
der Eifel Pritzel-Jessen 292
b,
Thüringen Hertel 255,
dem Oberharz (
zeitschr. f. d. mda. 1910, 145),
Sachsen Müller-Fraureuth 2, 646
b,
Schlesien Gusinde 209,
Siebenbürgen Pritzel-Jessen 293
a,
auch aus dem westlichen nd. gebiet Bauer-Collitz 113
b. Woeste 319.
seit dem 18.
jahrh. erscheint er in den encyclopädien (Chomel 8, 2278. Zedler 53, 1869)
und botanischen werken, so bei Nemnich 4, 1001. Leunis
bot.3 2, 620 (wegbreit),
und ist jetzt der schriftsprache neben wegerich
geläufig: ich glaube den wegbreit ... darin (
in den pflanzenabdrücken in sandstein) zu erkennen Göthe
briefe 4, 37
Weim. ausg.; er (
der hänfling) friszt die samen von wegebreit Brehm
thierleben3 4, 295; samen von ... wegbreit Naumann
vögel 4, 465. 33)
da das wort hauptsächlich dem md. angehört, erklärt es sich, dasz das mittlere e
meist bewahrt wird. das genus ist jetzt überwiegend das masc., das sich unter einflusz von wegerich
entwickelt hat. schon im spätmhd. kommt wegebreit
vor, was aber fem. mit abgefallenem e
sein kann; für das 16.
jahrh. ist das m. gesichert: plantago major, breiter wegbreit
vocabula rei nummariae (1552) J 4
a; nim der heidwegbreitenwurzel (die sich so hart auff die erden legt und ist witziger und dicker dann der ander wegbreit) Gäbelkhover
artzneybuch 2, 64.
doch erhält sich daneben das f.: breitblätteriche, mittlere, kleinblätteriche weegebreite Steinbach 1, 190; weisze wegebreit Döbel
jägerpractica 1, 139; grosze wegebreite Mattuschka 1, 98; spitzige wegebreit
neuer schauplatz d. natur 9 (1780) 595
b.
im ndl. und nd. (
wo wegerich
fehlt)
bleibt auch das f., doch ist westfäl. wegebrêd
nach Woeste
neutr. auch Adelung
setzt wegebreit
als n. an, während Campe der (
daneben das) wegebreit
hat. 44) wegebreit
ist ursprünglich jedenfalls nur der breitblätterige wegerich, plantago major und media (
am besten würde die bezeichnung auf plantago media passen, da hier die blätter fast ohne stiel aus der wurzel wachsen und daher flach auf dem boden aufliegen s. wegerich 4,
bei Frisch 2, 428
b breit wegerich, wegbreit,
latifolia vel media plantago)
; so erklärt sich auch, dasz in den Basler recepten wegabreita
neben wegarih
genannt wird, worunter hier der spitzwegerich zu verstehen sein wird. in Heinrici summarium wird septinerdia l centinodia, wegebreita
sowohl von plantago, wegerich
als von plantago minor l arnoglossa, minner wegerich
unterschieden (
centinodia kann hier nicht wie sonst der knöterich sein, da sanguinaria folgt).
andre glossare setzen das wort für plantago Steinmeyer-Sievers
gl. 3, 387, 14. 512, 49. 544, 39. 570, 11. 594, 27. 4, 378, 2. Diefenbach
gl. 440
b.
nov. gl. 294
b,
septenervia u. ä. Steinmeyer-Sievers
gl. 3, 51, 41. 484, 11. 491, 19. 509, 14. 521, 20. Diefenbach
gl. 528
a.
nov. gl. 336
a und arnoglossa Steinmeyer-Sievers
gl. 3, 523, 33. 533, 8. 544, 39. 4, 246, 4. Diefenbach
gl. 49
c,
agniglossa 18
b,
lingua agni 331
b (
s.schafzunge 2
th. 8, 2084).
die bezeichnung wird dann auch auf andere wegericharten übertragen, so dasz wegebreit
und wegerich
gleichbedeutend werden und man verschiedene arten des wegebreits
unterscheidet (
s. 3);
auf den spitzwegerich, plantago lanceolata: Diefenbach
gl. 317
a lanceola, minderwegbreit,
vgl. spitzwegebreit Ermisch
u. Wuttke
haushaltung in vorwerken 122, 19 (
Sachsen 16.
jahrh.),
auch kleiner wegbreit Hagen
Preuszens pflanzen 1, 123;
darauf geht auch quinquenervia Steinmeyer-Sievers
gl. 3, 564, 24.
ferner auf den flohsamen-wegerich, plantago psyllium L.: pulicaria, flöchkraut, wegbrait Pinicianus (1516) A 8
a (= Diefenbach
gl. 471
c);
den wälschen wegerich, wohlverlei, arnica montana L. Nemnich 1, 462 (bergwegebreit);
die ährige waldrapunzel, phyteuma spicatum L. deutsche bot. monatschrift 13, 79 (
Wörlitz in Anhalt).
das wort tritt auch (
vgl. wegerich 4)
für den wegtritt, vogelknöterich (
sanguinaria Steinmeyer-Sievers
gl. 3, 52, 43,
centinodia Diefenbach
gl. 112
c.
nov. gl. 84
b,
corrigiola gl. 153
a,
polygonium gl. 444
b,
proserpina gl. 467
b.
nov. gl. 307
a)
ein; die namens-ähnlichkeit konnte leicht zur übertragung führen, die mundartlichen formen waren sich z. th. sehr nahe gekommen (wegebrede — wegedrede);
doch reicht die vermischung der beiden pflanzen weiter zurück (
s. auch wegtritt);
auch Stieler 2458
hat wegebreit
neben weggras, wegtritt
für polygonum. vereinzelt steht es auch für die wegwarte (
cichorium Diefenbach
gl. 118
a). 55)
als heilmittel genosz der wegebreit
seit alters groszes ansehen (
vgl. wegerich 5): deme die milcze wê tud, der male wegebreitin mit eʒʒîge und trinke daʒ J. Haupt
md. arzneibuch des meisters Bartholomaeus, Wiener sitzungsberichte 71, 493; das geel sömlin das in den roszen ist stellt den frauwen iren flusz ... wann es in wasser mit wegbreyt distelliert würt Tollat v. Vachenberg
margarita medicinae (1516) 5
a; alsdenn so nimb wegebreit, nachtschatten ... und grüne ölblätter Böhme
roszartzney 117; lasz ihm (
dem pferd) beyde bugadern schlagen, gib ihm wegebreit zu essen Walther
pferde- u. viehzucht 108; wem das zahnfleisch aufgeschwollen, der nehme wurtzeln und blätter von wegebreit, und lege solches an den geschwollenen ort v. Fleming
d. vollk. teutsche soldat 329; die weegebreite dient äuszerlich zur reinigung und heilung der wunden Steinbach 1, 190. wegebreit
erleichtert das wandern: wegebreit unter die füsze gelegt schützt vor ermüden Grimm
myth.4 3, 462. 66)
von zusammensetzungen seien angeführt: