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wechselseitig

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

wechselseitig adj. und adv.

Bd. 27, Sp. 2761
wechselseitig, adj. und adv. , seit mitte des 18. jahrh. belegt, etwas später als gegenseitig und wol danach gebildet, um dessen zweite bedeutung (s. th. 4, i, 2261) noch schärfer hervorzuheben. erst Campe bucht das wort, im verdeutschungswb. für réciproque neben gegenseitig; Göthe braucht es sehr oft, in neuerer zeit tritt es wieder hinter gegenseitig zurück. 11) als adjectiv. 1@aa) im austausch von einer seite (person, sache) zur andern gehend, gegenseitig bewirkt oder vorhanden. ein einmaliges hin und her wird gewöhnlich als einheitliches paar aufgefaszt, auch die substantive, von denen plurale üblich sind, stehen dann im sing., z. b.: eines wechselseitgen jährlichen besuchs Pfeffel pros. versuche 5, 135. 1@a@aα) zunächst von solchem, das ausgetauscht, im wechsel von einem dem andern gegeben, gegenseitig gemacht oder bewirkt wird. zuerst vielleicht im rechtsleben (worin gegenseitig wurzelt): die wechselseitigen nothbeerbungen der eltern und kinder werden als ein wechselseitiges testament angesehen Hippel über die ehe (1792) 30; wenn die testatoren sich gegenseitig zu erben einsetzen, so heiszen sie insbesondere wechselseitige testamente Weiske rechtslex. 10, 889; ist bei wechselseitigen beleidigungen von einem theile auf bestrafung angetragen worden strafgesetzbuch § 198; als ich den wechselseitigen vertrag der beiden brüder hin und wieder trug. Schiller 6, 125 (Phönizierinnen 1, 2). ferner bes. in der abstracten sphäre: wechselseitige versicherungen Lessing 7, 375; bruderhülfe Herder 5, 550 Suphan; dienstfertigkeit Sturz 2, 100; rache Klinger 3, 280; niederlagen Jung Stilling 3, 192; mittheilungen Göthe 23, 60 Weim. ausg.; unterricht 25, 212; einflusz 21, 149; hülfsleistung Schiller 8, 11; küsse Tieck 14, 198; [] halsbrechen Fouqué altsächs. bildersaal 2, 188; feuer (schieszen) Laukhard leben 3, 169; anziehung Bettine frühlingskranz 103. 1@a@bβ) dann von solchem, das gegenseitig vorhanden ist und im wechsel steht. von gefühlen und empfindungen: wechselseitige freundschaft Rabener 1, 33. Zachariä poet. schriften (1763 ff.) 7, 44; liebe Miller predigten fürs landvolk 3, 199; neigung G. Forster (1843) 5, 227; achtung Kant 10, 313. Lavater physiogn. fragm. 3, 36; nachsicht Lessing 6, 477; behagen Bürger briefe 4, 28 Strodtmann; zufriedenheit Göthejahrbuch 16, 30 (Göthe 1794); vertrauen Göthe 13, i, 301; misztrauen Heine 5, 12 Elster. von beziehungen 'zwischen beiden bestehend', pleonastisch (vgl. c): in der wechselseitigen übereinstimmung des geschöpfs mit dessen absichten Winckelmann 7, 102 Eiselein: die betrachtung ... ihrer (der oberen und unteren knochen) wechselseitigen ähnlichkeit und verschiedenheit v. Sömmerring 2, xix. 'verhältnismäszig': dasz die langen und kurzen sylben keine bestimmte dauer haben, nicht einmal einen bestimmten bezug unter ihrer wechselseitigen dauer Göthe 45, 126. 1@bb) 'allseitig in beziehung stehend, tretend': ihre (der menschen) wechselseitige noth schlinge ein band um sie alle Klinger 8, 90; alle, wechselseitige complimente (bühnenanweisung) neue schauspiele (1771 ff.) 6, 4, 71. pleonastisch: in allen den edlern werken des genies findet man eine wechselseitige beziehung ... der theile Dusch verm. schriften 267; so durchreiste er die welt, lernte sie und ihren wechselseitigen verkehr auf's genaueste kennen Göthe 24, 146. 1@cc) zuweilen ist die beziehung der beiden seiten auf einander weniger deutlich oder fehlt ganz, so dasz die bedeutung 'beiderseitig' erscheint: wann öffnen wir ... unsres herzens geheimste fächer, uns bequem und herzlich des wechselseit'gen reichthums zu erfreuen? Göthe 10, 289 (natürl. tochter 932); woraus entsteht liebe? ... aus dem erkannten wechselseitigen werth Gutzkow (1872 ff.) 3, 64. ferner: in jenem spiele der wechselseitigen eigenliebe J. Möser 5, 44; wir errichteten einen freundschaftsbund, den weder lange dauernde trennung, noch wechselseitige traurige schicksale in der folge zerrissen Schubart leben u. gesinnungen 1, 49; wie freuten wir uns, als wir im anfang unserer bekanntschaft die wechselseitige neigung zu diesem plätzchen entdeckten Göthe 19, 81. 22) als adverb (vgl. wechselsweise 1 b). 2@aa) zu seite in eigentlichem sinne. 2@a@aα) die rechte seite gegen die linke und umgekehrt: die finger wechselseitig in einander zu fügen C. A. Böttiger kl. schriften 1, 82; mit wechselseitig anliegenden leibern gesch. des tanzes 203. 2@a@bβ) auf abwechselnden seiten: die äste, in halbquirlen, wechselseitig stehend v. Schlechtendal5 8, 104 (vgl. wechselständig). 2@bb) zu seite 'partei', weiter verblaszt 'person, sache'. 2@b@aα) wenn die beiden seiten selbst in wechselbeziehung treten, steht wechselseitig 2@b@a@11)) neben einander, neben reciprok gebrauchten reflexiven oder neben beiden, zur hervorhebung der gegenseitigkeit dienend. 'eins das andere': dasz sie (die disjunctiven urtheile) sich wechselseitig einander ausschlieszen Kant 2, 106; geschöpfe ... die sich wechselseitig einander suchen Herder 15, 321 Suphan; die erbitterung, womit sie einander wechselseitig verfolgten Schiller 8, 21; dasz ... vieles neben einander bestehen ... musz, was sich gerne wechselseitig verdrängen möchte Göthe briefe 41, 30. 'eins dem andern': ein theil muszte dem andern unterworfen und wechselseitig einer dem andern irgend worin überlegen sein Kant 10, 339; man musz einander wechselseitig zu gefallen seyn Schiller 14, 193 (parasit 1, 1); da sie ... sich ihre hoffnung wechselseitig stärkten Lichtenberg verm. schriften 4, 351; es ist billig, dasz man unter freunden sich dergleichen wechselseitig mittheilt Göthe gespräche 2, 148 Biedermann; die setzten sich wechselseitig das gewehr auf die brust Chamisso 5, 178. neben präpositionalen fügungen: räder ..., die wechselseitig in einander greifen! A. G. Meiszner Alcibiades 3, 223. [] 2@b@a@22)) seltener steht es allein: war man wechselseitig in künstlerischem und sittlichem sinne um vieles näher gekommen Göthe 35, 156; wenn sprechen allenfalls heiszt: wechselseitig reden wie man denkt briefe 33, 239; von der gleichheit der gemütsart wechselseitig angezogen waren wir einander immer mehr als uns bewuszt gewogen. Heine 1, 421 Elster. 2@b@bβ) sie können auch von auszen in beziehung gesetzt werden: dasz liebe ... die geschöpfe ... wechselseitig an einander geknüpft habe Herder 15, 304; die anhänglichkeit ..., die uns, wie eine kette, wechselseitig zum guten bindet Klinger 1, 97 (falsche spieler 1, 1); man verglich ... die beiden geschlechter wechselseitig Göthe naturw. schriften 8, 11. 2@b@gγ) gelegentlich nähert es sich der bedeutung 'beiderseitig': gegenstände, die uns wechselseitig am herzen lagen Göthe 28, 268. 2@b@dδ) auch auf beziehungen zwischen mehreren seiten gehend: hochsinn, tiefsinn, hoffart, demuth, bedächtlichkeit, flatterhaftigkeit ... annullirten sich immer wechselseitig durcheinander Brentano 5, 359. 2@b@eε) vereinzelt 'in umgekehrter beziehung, andrerseits' (vgl. wechselsweise 1 b δ): was der mensch werth ist, ist sein handwerk werth, und wechselseitig am ende was das handwerk taugt, taugt der mensch Göthe 1, 45. 2@b@zζ) ebenfalls vereinzelt 'abwechselnd': Schiller, Shakespeare und Werner sind's, denen er (Müllner) wechselseitig nachstrebt v. Platen tagebücher 1, 390.
7307 Zeichen · 119 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Wechselseitigadj, adv

    Campe (1807–1813) · +1 Parallelbeleg

    Wechselseitig , adj . u. adv . auf oder von beiden Seiten wechselnd, bald von der einen, bald von der andern Seite. Wech…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    wechselseitig

    Goethe-Wörterbuch

    wechselseitig [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. Spezial
    wechselseitig

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    wech|sel|sei|tig adj. 1 (abwechselnd) alterné (-ná, -nada) 2 (gegenseitig) reziproch (-cs, -ca), un l’ater. ▬ wechselsei…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit wechselseitig

5 Bildungen · 3 Erstglied · 2 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von wechselseitig

wechselseit + -ig

wechselseitig leitet sich vom Lemma wechselseit ab mit Suffix -ig.

Zerlegung von wechselseitig 2 Komponenten

wechsel+seitig

wechselseitig setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

wechselseitig‑ als Erstglied (3 von 3)

wechselseitigkeit

DWB

wechselseitig·keit

wechselseitigkeit , f. zuerst von Campe gebucht, im verdeutschungswb. für reciprocität neben gegenseitigkeit. wechselseitige beziehung: da a…

wechselseitig als Zweitglied (2 von 2)