weberschiff,
n.,
meist im dim. weberschiffchen, -schifflein, n. das schiffförmige werkzeug des webers aus holz oder eisen, das eine mit eintragfäden gefüllte spule enthält und durch die kette durchgeführt wird, auch weberschütze Prechtl 20, 271. Heiden
handw. d. textilkunde 466; weberschifflein oder trag,
panicula. voc. theut. (1482) nn 3
b; Diefenbach
gl. 376
b navicula, gl. 483
a,
nov. gl. 312
b radius, weberscheflin, -schifflen, -schifflin; wäberschiffle,
radius Frisius (1556) 1114
a; die abgerissenen fäden werden angeknüpft, der eintrag auf kleine spulen gewunden, wie sie in's weberschiffchen passen Göthe 25, 123
Weim. ausg.; mit meinem weberschiffe wuszt ich umzugehn Arnim (1853
f.) 15, 322; mit fleiszigem weberschifflein webt sie viel zartes gezeug Scheffel
Ekkeh. 117. das weberschiff fliegt, schieszt, wird geschossen, geworfen: o wie fliegt das weberschiff, das den sterbekittel webet!
d. neueste a. d. anmuth. gelehrsamkeit 7, 740; wenn ich dann so recht ins elend hineinkam und dachte an die vergnügte zeit und an meine jetzige traurigkeit, dann wollte das weberschifflein nicht mehr fliegen durch die aufgespannten faden Gotthelf 5, 286; schosz ich sein weberschifflein zum letzten male durch die fäden Brentano 4, 108.
gern in bildlichen wendungen: will ich ... wieder mein biographisches weberschiff durch historische fäden werfen J. Paul
biogr. belust. 1, 4; auch die mutter konnte nicht ganz die stellvertreterin ... der geliebten vorstellen, ob sie gleich als ein weberschiffchen zwischen beiden hin und herschieszend sie noch fester ineinander webte, indem sie zu hause die geliebte erhob und im walde den sohn
leben Fibels 74; es gibt augenblicke des lebens, in welchen die begebenheiten, gleich geflügelten weberschiffchen, vor uns sich hin und wieder bewegen, und unaufhaltsam ein gewebe vollenden, das wir mehr oder weniger selbst gesponnen und angelegt haben Göthe 23, 205
Weim. ausg.; die weberschiffchen des denkens schieszen lange nicht mehr so schnell und leicht wie sonst D.
F. Strausz
ausgew. briefe 435; werfen unsre rüstigen hände die weberschiffchen von land zu land O. Ludwig 2, 460; ein ältliches männchen ... mit einem alllebendigen angesichte, in welchem die zwei grauen augensterne hin und her flogen, wie ein paar weberschiffchen im garn Rosegger I, 11, 183; zwischen zwei geliebten frauen ruhlos wie ein weberschiffchen flog sein herzblut hin und wieder. G. Keller 10, 177.
in der naturgeschichte heiszt weberschiffchen 1)
eine porzellanschnecke, ovula longirostris (
o. volva L.), langschnäbliges w. Leunis
zool.2 825; weberspuhl
oder weberschiffchen Martini
conchylien-cabinet 1 (1769) 300. 2)
das strahlbein s. weberbein 1. —