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wahlverwandtschaft

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

wahlverwandtschaft f.

Bd. 27, Sp. 597
wahlverwandtschaft, f. 11) in der chemie die eigenschaft zweier körper, von denen der eine oder beide anderweit verbunden sind, sich zu vereinigen, affinitas electiva. 'affinitas' in diesem sinne wurde zuerst von Albertus Magnus, dann von Galilei gebraucht, 1718 stellte Geoffroy die erste verwandtschaftstabelle auf, der Schwede Torbern Bergman schrieb 1775 de attractionibus electivis, dies übersetzte (1782 f.) Hein Tabor (nach Strehlke bei Göthe 15, 9 Hempel) mit wahlverwandtschaften, wie auch schon vorher Weigel den Bergman'schen terminus 'attractio electiva' durch wahlverwandtschaft wiedergegeben hatte: wenn zween stoffe mit einander vereiniget sind, und ein dritter, der hinzukömmt, einen derselben aus seiner verbindung trennt und ihn zu sich nimmt, so wird solches eine einfache wahlverwandschaft (enkel frändskap), attractio electiva simplex genannt ... eine zwiefache verwandschaft (dubbel frändskap), attractio electiva duplex, oder affinitas composita, nennt man das, wenn zween körper, die beide in zween nächste bestandtheile zerlegt werden können, ihre nächsten grundstoffe, bei der vermischung mit einander, verwechseln. vorrede T. Bergmans zu G. T. Scheffers chemischen vorlesungen, übers. von Chr. Ehr. Weigel (Greifswald 1779) XVII u. XIX. der ausdruck hat sich später eingebürgert: wenn ein körper A gegen einen andern B einen stärkern grad der verwandtschaft zeigt als gegen einen körper C, so sage ich, der körper A hat eine wahlverwandtschaft (attractio chymica s. affinitas electiva) gegen B in hinsicht C, z. b. die schwefelsäure hat eine wahlverwandtschaft gegen das eisen in hinsicht des kupfers, denn sie verläszt das kupfer, um sich mit dem eisen in auflösung zu setzen. Bourguet-Richter chem. handwb. 6 (1805), 4; sofern bei solchen zersetzungen einem körper, der in der zu zersetzenden verbindung enthalten ist, gleichsam die wahl gelassen wird, mit dem körper, mit welchem er bis dahin vereinigt war, verbunden zu bleiben, oder sich mit einem ihm neu dargebotenen zu verbinden, bezeichnet man sie als zersetzung durch wahlverwandtschaft. Liebig-Fehling handwb. der chemie 9 (1864), 234. vgl. auch wahlanziehung. 22) das wort ist, insofern den körpern eine wahl zugeschrieben wird, von menschlichen verhältnissen hergenommen und erregte als solches Göthes aufmerksamkeit: die sittlichen symbole in den naturwissenschaften (z. b. das der 'wahlverwandtschaft' vom groszen Bergmann erfunden und gebraucht) sind geistreicher und lassen sich eher mit poesie, ja mit societät verbinden, als alle übrigen, die ja auch, selbst die mathematischen, nur anthropomorphisch sind, nur dasz jene dem gemüth, diese dem verstande angehören. Göthe bei Riemer mittheil. 2, 710 (1809). er hat es dann in dem sinne, den es in der chemie angenommen hatte, auf das menschliche seelenleben übertragen, indem er dabei zunächst ebenso an die lösung alter, wie an die anknüpfung neuer verbindungen dachte. die vier personen seines romans sind durch doppelte wahlverwandtschaft verbunden: hier ist eine trennung, eine neue zusammensetzung entstanden und man glaubt sich nunmehr berechtigt, sogar das wort wahlverwandtschaft anzuwenden, weil es wirklich aussieht als wenn ein verhältnisz dem andern vorgezogen, eins vor dem andern erwählt würde. 17, 53 (wahlverw. 1, 4); wo vier, bisher je zwey zu zwey verbundene, wesen in berührung gebracht, ihre bisherige vereinigung verlassen und sich auf's neue verbinden. in diesem fahrenlassen und ergreifen, in diesem fliehen und suchen, glaubt man wirklich eine höhere bestimmung zu sehen; man traut solchen wesen eine art von wollen und wählen zu, und hält das kunstwort wahlverwandtschaften für vollkommen gerechtfertigt. 17, 55 (ebenda); so halte ich es doch für ein glück, ... dasz diese natur- und wahlverwandtschaften unter uns eine vertrauliche mittheilung beschleunigen, 17, 57 (ebenda). Göthe selbst, nach ihm andere, haben das wort dann auch so gebraucht, dasz nicht mehr an die zerstörung der ursprünglichen verhältnisse gedacht wird, sondern das wort nur eine auf wesensgleichheit beruhende annäherung bezeichnet: hier entstanden sogleich neue wahlverwandtschaften: denn indem die beiden frauen sich einander näherten, hatte Merk mit herrn von Laroche ... nähere berührung. 26, 186 (a. meinem leben 13); übrigens möge auch hier nicht verkannt werden, dasz eigentlich die innigsten verbindungen nur aus dem entgegengesetzten folgen. die alles ausgleichende ruhe Spinoza's contrastirte mit meinem alles aufregenden streben, seine mathematische methode war das widerspiel meiner poetischen sinnes- und darstellungsweise ... geist und herz, verstand und sinn suchten sich mit nothwendiger wahlverwandtschaft. 26, 291 (a. meinem leben 14); bei öfterer wiederholung (einer vorstellung) ... entstehen ohne blasebalg und flammen, ohne kunst und vorsatz, die zartesten wahlverwandtschaften, welche jene abgesondert scheinenden glieder (arbeit des dichters, componist, orchester, schauspieler, sänger, publicum) auf die gefälligste weise zu einem ganzen verbinden. briefe 25, 267 Weim. ausg. (1815 an Zelter); lustpartien, ernst- und scherzhafte unterhaltung bewirken schnell bekanntschaft und vertraulichkeit; da es denn ein wunder wäre, wenn ... sich die entschiedensten wahlverwandtschaften zunächst hervorthun sollten. werke 29, 124 (ital. reise 3); was ich vor einem jahre meine hauscapelle zu nennen wagte, fühlte ich im innersten bedroht. niemand merkte einige veränderung, aber es hatten sich gewisse wahlverwandtschaften eingefunden, die mir sogleich gefährlich schienen, ohne dasz ich ihren einflusz hätte hindern können. 32, 65 (tag- u. jahreshefte); wodurch bethätigt sich denn zuletzt der charakter als dasz er sich in der tagesbewegung, im hin- und widerwirken bildet? wer unterstünde sich den werth der zufälligkeiten, der anstösze, der nachklänge zu bestimmen? wer getraute sich die wahlverwandtschaften zu würdigen? an Zelter 6, 225 (1831); es wird mir nicht einfallen, zwischen Robert und dem gröszten maler der katholischen weltzeit (Raffael) eine parallele zu ziehen. aber ich kann nicht umhin, ihre verwandtschaft zu gestehen. es ist indessen nur eine materielle formenverwandtschaft, nicht eine geistige wahlverwandtschaft. Heine 4, 54 Elster; empfindet unsre jetztzeit eine wahlverwandtschaft mit jener periode (der renaissance), die, ebenso wie wir, in der vergangenheit eine verjüngende quelle suchte, lechzend nach frischem lebenstrank? 6, 280; Hiller besitzt eine artistische wahlverwandtschaft mit seinem landsmann Wolfgang Goethe. 6, 444; die vereinigung dieser weiten (Rhein-)lande mit Preuszen ist das gröszte und glücklichste ereignis, welches sich seit jahrhunderten in der deutschen geschichte zutrug, denn dadurch wurde, wie sehr das auch die oberflächlichkeit leugnen mag, eine mächtige historische wahlverwandtschaft gestiftet, die nur fruchtbar sein kann. Immermann 1, 1, 35 Koch (Düsseldorfer anfänge); der doctor war ein überaus dicker mann, der voll guter einfälle steckte und diese mit der gröszten trockenheit herauszubringen wuszte. Clelia, die mit solchen leuten eine natürliche wahlverwandtschaft hatte, pflegte in seiner gegenwart zu sprechen, als sei er nicht zugegen. Münchh.2 4, 102; eines der merkwürdigsten denkmale der wahlverwandtschaft der norddeutschen küstenländer mit den süddeutschen hochflächen ist die gothische frauenkirche zu München. Riehl land u. leute8 219; den Romanen war eigentlich nur die altrömische welt wahrhaft vertraut geworden; die Deutschen zog ein gefühl der wahlverwandtschaft zu dem hellenischen genius. Treitschke d. gesch.3 1, 95.
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    Neuhochdeutsch
    WahlverwandtschaftDie

    Campe (1807–1813) · +2 Parallelbelege

    Die Wahlverwandtschaft , Mz. — en , eine Verwandtschaft, die aus Wahl entstanden ist. I der Scheidekunst nennt man eine …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Wahlverwandtschaft

    Goethe-Wörterbuch

    Wahlverwandtschaft [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Wahlverwandtschaft

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Wahlverwandtschaft , die chem. Verwandtschaft oder Affinität.

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Wortbildung

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Ableitung von wahlverwandtschaft

wahlverwandt + -schaft

wahlverwandtschaft leitet sich vom Lemma wahlverwandt ab mit Suffix -schaft.

wahlverwandtschaft‑ als Erstglied (2 von 2)