vorstreichen,
verb. ,
vgl. fürstreichen
teil 4, 1, 1,
sp. 895,
das jetzt verlorene bedeutungen aufweist; für-
sive vorstreichen,
propr. praelinire, deinde praenotare, praefigere signa, praeponere notas Stieler 2002; vorstreichen Adelung, Campe. 11)
in aktivem sinne. 1@aa)
streichend nach vorn bewegen: die haare vorstreichen Adelung. 1@bb) vor
zeitlich: eine wand, eine tür
u. s. w. vorstreichen,
eine grundfarbe auflegen, auf die dann die eigentliche farbe aufgetragen wird: vorstreichen,
grundiren Helfft
wb. d. landbaukunst (1836) 399. —
nd. förstriken,
vorweg plätten ten Doornkaat-Koolman 1, 545
b. 1@cc)
zu streichen,
den bogen führen (
vgl. streichinstrument): einem etwas auf der geige vorstreichen Campe (
als '
niedrig, aber deswegen noch nicht verwerflich');
vorbildlich: beide sowohl Strausz als Lanner sind tüchtige geiger und halten ihr orchester, indem sie selbst kräftig vorstreichen, in ordnung Lehrs
bei Ludwich 1, 233. 1@dd)
durch unterstreichen vormerken oder auf andere weise besonders kenntlich machen; diese schon von Stieler
verzeichnete bedeutung gilt noch bei Adelung
und Campe
und ist häufig bei Göthe
in seinen briefen zu finden: sey es uns erlaubt, über einige stellen, die wir vorgestrichen hatten, erinnerungen zu machen
allg. dt. bibl. 100, 195; die hier vorgestrichenen worte Lichtenberg
erklär. d. Hogarthischen kupferstiche (1794) 4, 103; schade, das ich gerade eine bedeutende stelle nicht lesen konnte! ich habe sie roth vorgestrichen Göthe IV 13, 121
W.; vgl. z. b. IV 13, 297; 25, 270; 32, 67; 40, 294; 42, 87. —
im freieren sinne von vormerken: die vor gestrichenen termine Bartholomei undt Galli
verh. d. schles. fürsten u. stände 1, 322. 1@ee)
dann übertragen, hervorheben vor anderem (
vgl. herausstreichen): fünf briefe zu schreiben, um euer drama, das so mittelmäszig ist, dasz ich fast drüber eingeschlafen bin, euren herrn und damen ... vorzustreichen Göthe 38, 20
W. —
hervorhebend zur nachahmung zeigen: wie viel seynd, welche den leuten vorstreichen die schöne tugend der demuth Abr. a
s. Clara
etwas für alle 2 (1711) 587. 22)
intransitiv. 2@aa)
eigentlich von schneller vorwärtsbewegung, so in älterer sprache: die boten für strichenmit den mæren, daz die Nibelungezen Hiunen wæren
Nib. 1715
B.; mnld. volget na, daer io vore strike
quelle bei Verwijs-Verdam 9, 1109. —
von der gleitenden bewegung der vögel: es soll der lerchenfänger im ziehen der wände die grösze des haufens in acht nehmen und nicht zu bald nach den ersten, so vorstreichen, ziehen Aitinger
jagd- u. weidbüchl. (1681) 134. —
von der sonne, vorauseilen: sie praucht sich auch so emsiglich, das sie bei Reinau in (
ihnen) vorstrich Fischart
d. glückh. schiff 662
ndr. 2@bb)
vorauseilen, übertragen: noch nicht achzehen jahr er gantz hatt überreichet, wiewol sein hoher geist dem alter weit vorstreichet Hohberg
d. habspurg. Ottobert (1664) a 5
b.