vorstosz,
m. ,
vgl.fürstosz teil 4, 1, 1,
sp. 893,
eine junge bildung, wobei zu beachten ist, dasz die dingliche bedeutung (
das vorgestoszene, etwas, das vorstöszt)
weit früher in den nhd. wörterbüchern verzeichnet ist (
s. besonders unter 1)
als die verbale (
handlung des vorstoszens);
letztere wird bei Adelung
noch nicht erwähnt, Campe
aber bucht sie: '
ein stosz, durch welchen etwas vorwärts, vornhingestoszen wird'. 11)
das von den bienen selbst vor öffnungen und ritzen des stockes befestigte wachs, wodurch sie besonders für den winter den stock verschlieszen, früh bezeugt und immer wieder verzeichnet: propolis die dicke und zähe matery, mit welcher die immen den eyngang des binstocks oder ymmenkorbs verbawen oder das vorgebew selbs, wachswinden, vorstosz Calepinus
dict. XI ling. (1598) 1174
b;
propolis vorstosz, stopffwachs Orsäus
nomencl. method. (1623) 204; vorstosz, bienenhartz, stopfwachs Marperger
kaufmannmagazin (1708) 1341; für-
et vorstosz, der Steinbach 2, 729; Jacobsson
technol. wb. 4, 560
a; Adelung; Campe; Fischer
schwäb. wb. 2, 1678; vom hönig, dessen natur, vom methsieden, vorstosz, wachs, wie es zu bleichen Hohberg
georg. curios. (1682) 2,
vorr. —
zu heilzwecken verwendet: darumb, wann man die lucken gleich mit butter, vorstosz oder stopffwachs auszfüllet, mögen die zeen in vielen wider wachsen Frölich
offenbarung d. natur (1591) 331; das vom frischen kraut oder saamen mit vorstosz gemachte pflaster ... heilet alle brüche Hohberg
a. a. o. 1, 549. —
in anderer bedeutung: '
der vorstosz
ist das beste wachs, welches durch ein leichtes drücken aus dem sacke läuft' Popowitsch
versuch (1780) 591. 22)
an kleidungsstücken hervortretender rand, besonders von anderem stoff, anderer farbe; besatz, biese Jacobsson
technol. wb. 4, 560
a; 6, 315
b; Hoyer-Kreuter
technol. wb. (1902) 822; Fischer
schwäb. wb. 2, 1679; Unger-Khull
steir. wortschatz 248
b: (
praetexta) ein langes ehrliches kleid des adels zu Rom, daran unten ein vorstosz oder beleg von purpur war Corvinus
fons lat. (1646) 894; (
der rock) hat einen weiszen artigen vorstosz Göthe 34, 1, 254
W.; im schwarzen habit habillé mit rothem vorstosz, rothen knöpfen Gutzkow
zauberer v. Rom (1858) 5, 339; (
joppen) ohne kragen und ohne knöpfe, aber mit schwarzsammtenen vorstöszen geziert Steub
drei sommer in Tirol (1895) 1, 104; die zugehörigkeit zu den armeekorps wird bezeichnet durch die farbe der schulterklappen und der vorstösze an den patten der ärmelaufschläge v. Alten
hdb. für heer u. flotte (1909) 1, 58. 33)
in verschiedenen anwendungen für hervortretendes, abstehendes: '
bey den werkleuten ist es sowohl ein hervorragender theil als auch die hervorragung' Adelung. 3@aa)
an bauwerken: der vorstosz, die hervorragung,
la saillie, l'avance d'une pièce hors du corps du bâtiment Schwan
nouv. dict. (1783) 2, 978
b; Beil
technol. wb. (1853) 1, 635. —
blech an der kante eines daches Helfft
wb. d. landbaukunst (1836) 399. 3@bb)
eiserner beschlag an den hölzernen achsen, '
damit sie nicht zu schnell durch die räder abgenutzt werden' Krünitz
öcon. encycl. 231, 480; Leopold
hdwb. d. öconomie (1805) 522
b. 3@cc)
an einem türschlosz: wandte sich ab, um den schlüssel zum vorstosz zu führen Zillich
siebenbürg. flausen 76. 3@dd)
kühlrohrverbindung beim destillieren und ähnliche vorrichtungen Gehler
physik. wb. (1825) 2, 518; Muspratt
chemie (1905) 7, 565; Karmarsch-Heeren
techn. wb. (1876) 8, 654. 3@ee)
an einem felsen: da stand sein fusz an einem vorstosz fest A. v. Arnim 3, 114. 44)
handlung, vorgang. 4@aa)
zu aktivem vorstoszen: wie etwa bei der bewegung einer säge der vor- und rückstosz Bücher
arbeit u. rhythmus (1899) 26; wirft sie sich (
eine robbe) alle vier ... flossenfüsze zu einem vorstosze gleichzeitig bewegend springend über den rand ihres beckens weg Brehm
tierleben (1890) 2, 354
P.-L. 4@bb)
zu intransitivem vorstoszen;
die jetzt so häufige anwendung in militärischem sinne (
vgl.stoszen 3 e
teil 10, 3,
sp. 527
und stosz 5,
sp. 462)
gehört erst der neueren sprache an; vorstosz
ist heftiger als das farblose angriff;
es kann blosz eine taktische oder strategische bewegung auf den feind zu, ins feindliche land oder auch ein wirklicher angriff gemeint sein: ein vorstosz über den Rhein Mommsen
röm. gesch. 5, 23; (
er konnte) durch einen kühnen vorstosz den kriegsschauplatz sogleich nach Schwaben hinein verlegen Treitschke
dtsche gesch. im 19.
jh. 1, 341; ein vorstosz durch Böhmen auf Plauen zu Meinecke
leben d. generalf. v. Boyen 1, 301. — wiederholt wurden später noch kleine vorstösze von beiden seiten versucht Moltke
ges. schr. u. denkw. 3, 42; ein vorstosz der 27. infanteriebrigade gelangte zwar bis an den groszen steinbruch (
Gravelotte) v. Alten
hdb. für heer u. flotte (1909) 4, 359. 4@cc)
von hier aus übertragen, von angriffen im öffentlichen leben: (
entschlusz des kaisers Franz Joseph,) am 2. august den vorstosz mit dem fürstencongresz gegen Preuszen zu machen Bismarck
ged. u. erinn. 1, 341. —
persönlich: N. N. verstand viele der ausfälle und vorstösze überhaupt nicht Hans Grimm
volk ohne raum (1928) 1, 417; vorstosz,
tadel Unger-Khull
steir. wortschatz 248
b. —
freier, die vorstellung der angriffsbewegung verblaszt: verschiedene vorstösze der mediterranen flora nach norden Hoops
waldbäume und kulturpfl. (1905) 4; die dogge, die gleich wieder ihre eigenmächtigen vorstösze in die nebengassen machte W. Schäfer
erz. schr. (1918) 2, 346. 55)
in besonderer anwendung für vorwort: vorstosz Jesuwalt Pickhart, des geistlichen rechtens gewürdigten, an den lieben hummelschewen, doch nit himmelsschewen leser Fischart
bienenk. (1588) a 2
a.