vorstechen,
verb. ,
s.fürstechen teil 4, 1, 1,
sp. 853. 11)
im eigentlichen sinne von stechen,
mit einem spitzen werkzeuge vorbereitend ein loch machen: vor-
et fürstechen,
praesuere Stieler 2155;
löcher im leder vorstechen,
vorarbeitend für die nadel oder den faden Adelung; (
bei der stickerei:) quer zu den stichen der vorgestochenen unterlage Dillmont
encycl. d. weibl. handarb. 42; auch der schusterpfriem ist eine überfeinerung, so lange die schuster nicht so harte spitze klauen haben, um das sohlenleder unmittelbar für den holzstift vorzustechen Kolbenheyer
Monsalvatsch (1912) 159. —
im prägnanten sinne von stechen, vor-
nicht im zeitlichen sinne: eben als wenn der dichter die personen, die er schildert, auch im kupfer müszte (
den lesern) vorstechen lassen Herder 3, 165
S. 22)
intrans., mit spitzen, stacheln aus etwas heraustreten, von etwas abstechen: sy (
hörner) sind ... nit so ästig als die hirtzhörner, sonder sy haben allein fürstächend zincken Herold-Forer
Gesners thierbuch (1563) 39; und es stachen ihm doch aus dem schnappsack vor die gestohlenen messer und gabeln Platen 2, 292
R. überhaupt dann sinnlich herausragen, hervortreten: und lasz gerad linien im obertheyl (
der säule) hirauff lauffen ... doch lasz sie ein wenig fürstechen Dürer
underweysung d. messung (1525) g 3
b. —
vgl. nd. förstek,
vorbau, altan, erker: dat hûs hed n förstek ten Doornkaat-Koolman 1, 545
b;
vgl. vorstechung. 33)
von dieser unter 2
behandelten bedeutung geht die im entwickelten nhd. häufigste übertragene anwendung aus, vor anderem in besonderer stärke auf die sinne oder den geist wirken, sich bemerkbar machen. 3@aa)
zunächst von sinneseindrücken. Adelung
meint, dasz es in diesem sinne hauptsächlich von der empfindung durch das gesicht gebraucht wird: eine farbe sticht vor, '
wenn sie stärker als andere empfunden wird'; (
näher der bedeutung 2:) die grundfarbe sticht vor, '
wenn sie durch die obere sichtbar wird'; dann dorte, da und hier sticht noch die alte dinte für Weise
d. grünend. jugend überfl. gedanken 17; stach unter lauter frohen gesichtern ein verdrieszliches vor Jean Paul 7/10, 76
H. —
von der wirkung auf das ohr: in der äuszersten stimme der rechten hand, die am meisten vorsticht (
im polyphonen satz) Heinichen
generalbasz (1728) 521; damit das final des ganzen stücks (
eines singspiels) desto brillanter vorsteche Göthe IV 7, 167
W. —
in ungewöhnlicher anwendung: keiner stach vor (
kein ausgang aus einem zimmer war bemerkbar) Jean Paul 10, 192
akad.-ausg. 3@bb)
dann aber in allgemeinem freien gebrauch: der eigennutz sticht bey jemanden merklich vor Adelung; wenn ... die satirische laune nicht zu sehr vorstäche Lessing 10, 80
M.; der unterrichtende ton musz niemals vorstechen (
im spiel mit kindern) Gerstenberg
hamb. n. zeitung 275
dt. lit.-denkm.; das unmoralische, das vorsticht Jean Paul 7/10, 36
H.; dasz diese stelle ... durch die schalkhaft-gutmüthige behandlung vortheilhaft vorsticht Gervinus
gesch. d. dt. dicht. (1853) 1, 372. 3@cc)
ebenso von persönlichem: dasz in allen schauspielen ... ein charakter immer vor dem andern vorstechen wird Lessing 12, 374
Petersen; ich gedenke dadurch vielleicht über andere schriftsteller, ... vorzustechen Jean Paul 7/10, 475
H. —
die person statt der eigenschaft: allein der geck stach doch in dem umstande vor, dasz
u. s. w. Kretschmann (1784) 5, 236. 3@dd)
ganz besonders ist in diesem übertragenen sinne das part. präs. in der neueren sprache gebräuchlich: vorstechende farbe, neigung; seine vorstechende eigenschaft ist neid
u. ä.; diese so vorstechende, auf alle zuschauer so groszen eindruck machende scene Lessing 9, 262
M.; so wenig wir es (
ein kunstblatt) auch für ein vorstechendes kunstwerk preisen können Göthe 38, 378
W.; vorstechende bosheit Jean Paul 4, 299
ak.-ausg.; mann von verhältniszmäszig vorstechender bildung Gervinus
gesch. d. dt. dichtung (1853) 3, 42; eine vorstechende rolle spielen 2, 219; eine der vorstechendsten trachten Tirols Steub
drei sommer in Tirol (1895) 2, 247. — in diesem gedichte sind entschiedene dichtertalente vorstechend Schubart
br. 2, 57
Strausz; blau sey immer das vorstechende Göthe II 5, 2, 31
W. — seine gedichte haben einen vorstechend sanften charakter W. Scherer
litt.-gesch. 346.