vorlauf,
m. ,
vgl.fürlauf
th. 4, 1, 1,
sp. 765;
mhd. vür-, vorlouf Lexer 3, 473;
preambulum Diefenbach
gl. 451
b; vorlauff, der, furkomnusz,
praecursus Maaler 476
a; vorlauf Stieler 1087; Steinbach 1, 999; Adelung; Campe
; mnld. voreloop Verwijs-Verdam 9, 1018. —
in älterer sprache daneben vorlauft,
s. dieses (
mundartlich erhalten Müller-Fraureuth 2, 628
b). 11) Adelung
kennt v.
nur im technischen sinne bei der wein- und branntweinbereitung, Campe
gibt neben den technischen anwendungen als bedeutung an: '
der lauf vor etwas her, das vorlaufen'.
insofern -lauf
den sinn einer handlung, eines vorgangs hat, ist v.
in der neueren schriftsprache selten: vorlauff,
m., courement devant, precursione Hulsius-Ravellus (1616) 389
a;
vgl. Fischer
schwäb. wb. 2, 1661; v.
des rohrs am geschütz, der lafette: kein rück- und v. einer lafette auf ihrem rahmen v. Alten
hdb. f. heer u. flotte 4, 271;
hierzu vorlaufbremse 1, 697. —
als jagdausdruck: darinnen der endtenfänger ohne vermerckt der endten desto besser einen vorlauff thun kan Aitinger
jagd- u. weidbüchl. (1681) 72; beym vorlauff werden die jagdbaren hirsche durch trompeter und paucker angeblasen und gemeldet Göchhausen
notab. venatoris (1741) 256. 22)
lauf an etwas, an einem vorbei: ob Jhesus von uns (
den wächtern am grabe) ainen vorlauf gebin
altd. passionsspiele aus Tirol 197
Wackernell. das überholen beim laufen. leicht übertragen, das übertreffen, vorzug, vorrang: (
dasz) ich den vorlauf doch erharr
Mondseer liederhandschr. 35, 56; wi in Olympiis ain pferd seins letsten vorlauffs würdt bewert, darnach vor alter ruow begert J. v. Schwarzenberg
d. teutsch Cicero (1535) 25; dem glauben gibt er den vorlauff Luther 20, 388
W.; das redlin füren, den vorsitz, vorlauff oder das primat haben S. Franck
sprüchw. (1541) 1, 161
b; eines creditoris v. soll dem andern nicht schaden Pistorius
thes. paroem. (1715)
cent. 3,
s. 298;
zuvorkommen im handel, s. Fischer
schwäb. wb. 2, 1661. 33)
wie im vorbeigehen
wird in älterer sprache im v.
in übertragener anwendung gebraucht: im durchgang und v. versuchen Fischart 3, 295
H. 44)
in der sprache der gegenwart ist es ein sportausdruck geworden: in den vorläufen
wird aus der menge der gemeldeten eine kleinere zahl von läufern für den entscheidungslauf ausgeschieden; hier also vor
in zeitlichem sinne. 55) vorlauf
als das zeitlich vorhergehen oder vorhergehende ist in älterer sprache in mannigfacher anwendung häufig, wobei mit der zeitlichen vorstellung sich auch örtliches verbinden kann. der übergang zu gegenständlicher anwendung ist hier sehr leicht; es kann auch vorbereitung oder vorbildliches [] gemeint sein. in der neueren schriftsprache fehlt dieser gebrauch. 5@aa)
allgemeinere anwendung: ein reizlicher vorlof, ze komen in ein weslich, ingenomenheit Seuse 174
B.; dis obgeschribend send vorläuf (
vorbereitungen) am ersten
dt. städtechron. 22, 293
Augsburg; vorlouff und bereitung zuo künfftigem uszgang der comedi
Terenz (1499) 130
b; das wirt nur eyn vorlauff und eyn tröwung seyn Luther 17, 1, 387
W.; zubereytung und vorlauff 19, 357; seynd nit hauptwerck, aber allein vorleuff Eberlin v. Günzburg 2, 177
ndr.; steupen ist hengens vorlauff Petri
d. Teutschen weiszheit (1604) 2, T t 2
a; unfried ist ein halbe helle oder der hellen vorlauff und anfang 3, S ss 4
b. 5@bb)
besonderes, einleitung, vorrede, vorspiel in eigentlichem und uneigentlichem sinne: praecentio, praeludium, prooemium der vorlauff eh man recht anhebt Alberus (1540) c 2 a; vorlauff,
proludium, praeludium Reyher
thes. (1686) o 3
a;
vgl. Fischer
schwäb. wb. 2, 1661; sam ein vorred oder v. und einleitung
dt. städtechron. 3, 35 (
Nürnberg); eingang und v. der predig S. Franck
encomion moriae (1884) 113
Götzinger. —
musikalisch, demin.: da endlich Valiska die laute foderte, etliche schöne vorläufchen spielete Buchholtz
Herkules (1666) 2, 221
b. 5@cc)
persönlich wie vorläufer,
aus mhd. vorloufe,
m. mhd. wb. 1, 1047
a; Lexer 3, 473: ir der alten ketzer gelidmasz, sämptlich und sunderlich des antichrists vorlauff und einfurirer seyt Nas
das antipap. eins u. hundert (1567) 4, 7
a; 's teifels virlääft Müller-Fraureuth 2, 628
b; ein vorlauff er des herren ist Wackernagel
dt. kirchenlied 4, 331;
alle übertreffend, vorbild: er ist vor allen mannen ein vorlouf allen swelhen
weinschwelg 9. 66)
verbreitet ist v.
als fachausdruck bei der herstellung von wein oder branntwein; daneben auch andere bedeutungen ähnlicher art. 6@aa) vorschutz, vorlauff, weyn vom ersten vorschutz, oder gerad ab der rennen, ee und der baum darauff komme Maaler 476
c; vorlauf, der,
alias vorschusz,
mustum lixivium, protropum Stieler 1087; Steinbach 1, 999; '
dasjenige, was aus dem zober von den trauben, ehe sie noch gestampfet werden, von selbst abläuft und den besten most giebt' Jacobsson
technol. wb. 4, 555
a;
vgl. Fischer
schwäb. wb. 2, 1661;
schweiz. idiot. 3, 1016; Martin-Lienhart 1, 565
a; 2, 952
b: der most, der für sich selb, ehedenn man ihn tritt oder trottet, herablaufft, welchen man den vorlauff nennet Herr
feldbau (1551) 98
b; guten süszen most, welcher am vorlauff, ehe die trauben gedruckt worden, herauszgeloffen sey Thurneyszer
magna alchymia (1583) 46;
im bilde: ja (
der pabst) ist der vorlauff in der kelter, der feim vom most Fischart
bienenkorb (1588) 134
b; aber in der mitte schmeckte ihm alles, was nach dem v. ausgekeltert wurde, immer herber Jean Paul 7/10, 243
H.; ich bring, hochwährte herrn! den vorlauff meiner trauben, so niemals noch gevihlt, wie stark die khälterschrauben Rompler v. Löwenhalt
erstes gebüsch seiner reimgetichte (1647)
zueignung. 6@bb) vorlauf des branteweins,
alias vorsprang,
aqua spirituosior, seu primo exiens sive destillans Stieler 1087; Steinbach 1, 999; v., vorsprung, '
der stärkste branntwein, oder der weingeist, so bey der destillation des branntweins zuerst aus der blase herüber geht Jacobsson
technol. wb. 4, 555
a;
vgl. Fischer
a. a. o.; schweiz. idiot. a. a. o.; Martin-Lienhart 1, 565
a; Müller-Fraureuth 2, 628
b; Rovenhagen
wb. der Aachener mundart 158
a;
luxemb. wb. 470
b; ten Doornkaat-Koolman 1, 542
a; Mensing
schlesw.-holst. wb. 5, 474
b; v.
ist ein scharfes putzmittel und findet sonst mannigfache verwendung: (
man) feuchtet es (
pulver) mit einem gewissen liquore an, als mit v. oder brandwein, essig oder lindenblüthwasser v. Fleming
d. vollk. teutsche soldat (1726) 59; (
von der jagd ermüdete hunde oder pferde werden) über und über mit vorlauff oder starken brandtewein eingerieben und beschmieret Grässe
jägerbrevier 68. 6@cc)
andere ähnliche anwendungen; in der folgenden stelle ist doch wohl das zuerst aus dem fasse laufende eines besseren [] bieres gemeint; es spricht ein reuiger wirt: o liebe kinder! schrie der wirth, schüttet kein kofent mehr unter den vorlauff desz gerechten biers Grimmelshausen
Simpl. 3, 428
Keller. — vorlauff ... des oels,
oglio vergine Kramer
teutsch-ital. dict. 1 (1700) 906
b. —
in Nassau nennt man v.
den ersten, stärkeren aufgusz des kaffees (e vorläufche)
im gegensatze zu der dünneren folge. — v.
heiszt das feinste weizenmehl nach Popowitsch
versuch (1780) 359;
aber '
eine gröbere mehlsorte'
schweiz. idiot. 3, 116; '
roggenmehl, das im mühlkasten sich sammelt, wenn der roggen das zweite mal herunter gemahlen wird' Fischer
schwäb. wb. 2, 1661; '
beim mahlen von getreide das erste oder beste mehl' Martin-Lienhart 1, 565
a. 6@dd) Lessing
spielt in der folgenden stelle mit vorlauf
und vorläufig,
ob er aber bei vorlauf
an wein, bier oder branntwein denkt, bleibt unbestimmt: ich erhielt ihr 'etwas vorläufiges' gegen meine — wenn es nicht ihre erste lüge ist — 'mittelbare und unmittelbare feindselige angriffe auf unsre allerheiligste religion'
etc. am abend des osterabends; und hatte noch eben zeit, den herrlichen v. zu kosten ... gott gebe, dasz mir der nachlauf seiner zeit auch so schmecken, auch so wohl bekommen mag 13, 148
M. —
in ungünstigem sinne: Thoms, Merten, Görge, Stans vier abgefeimte jungen, des unfugs vorlauf Lichtwer (1828) 137. 77)
vereinzeltes: 7@aa)
eine gewisse menge beschickten erzes, das in bestimmter zeit zum verschmelzen kommt, heiszt v. Muspratt
chemie (1888) 1574;
s. vorlaufen 7 c. 7@bb)
vorlage an der öffnung des helmes am kolben, worin schwefel ausgeschmolzen wird Campe. 7@cc) vorlauf,
eine art des beim bau des vorderstevens verwendeten holzes Lueger
lex. d. ges. technik (1894) 7, 187. 7@dd)
ein teil der lachsangel Frischbier
preusz. wb. 2, 449
a. 7@ee)
in älterer sprache im sinne von vorhut schweiz. idiot. 3, 1115; lieszen inen darneben die Griechen durch ire bottschafft anzeigen, dasz sie nur der vorlauff weren Schwartzkopff
Herodot (1593) 363. 7@ff)
mit vorlauf
versuchte man akrostichon
zu verdeutschen: diese art nennet unser suchender vorlauff Harsdörffer
poet. trichter (1647) 2, 16; von dem vorlaufe (acrostichis) und den vornreimen Gottsched
beytr. z. crit. hist. (1732) 2, 403. 7@gg)
im nd. ist förlôp
jedes warnende, nächtliche vorzeichen, gesehen oder gehört ten Doornkaat-Koolman 1, 542
a; Strackerjan
aberglaube und sagen 1, 135.