vorgabe,
f. ,
s.fürgabe th. 4, 1, 1,
sp. 729,
mhd. vür-, vorgâbe Lexer 3, 597; 467;
mhd. wb. 1, 509
a; Jelinek 884;
dos für-
vel zugabe Diefenbach
gl. 190
c;
prerogativa vorgab vor andern 456
a;
von den neueren lexikographen verzeichnet erst Campe
das wort, das gegenüber der älteren sprache eine starke einschränkung der bedeutung erfahren hat. 11)
in älterer sprache bezeichnet das wort eine gabe, mit der eine bevorzugung verbunden ist, wobei der übergang zum sinne von vorzug, vortheil eintreten kann, vgl. die belege der mhd. wörterbücher a. a. o.; vorgabe
donum praecipuum Haltaus 1992; item vexillifero ratione sui privilegii, vulgo firgabe
quellen z. gesch. d. stadt Kronstadt 2, 327 (16.
jh.); daz gîstû ir (
der seele) ze vorgâbe von den liehten engeln
myst. 1, 385
Pf.; das gab er in zuo einer vorgab ân alle beswernisz und intrag
Stretlinger chron. 38
Bächtold; ein vorgâbe mir daz was, daz si (
Maria) maget mîn genas Heinrich v. Neustadt
gottes zukunft 7934
S.; die vorgâb hât si ân endes zil, daz ir got nit versagen wil Konrad v. Helmsdorf
spiegel d. menschl. heils 3587
L. 22)
vortheil bei kampf oder spiel, besonders dann ein solcher, der vom gegner zugestanden wird (
vgl. vorgeben 7): ein ander vorgâbemuoz ich von iu hân, daz ir mir swerent eide,ob iu mîn kempfe gesiget an, daz im iht tuon ze leideiwer friunt ûf dem plân
Wolfdietrich d vii 177;
beim wettlauf zwischen fuchs und krebs: ich wil iu durch mîn êre eine grôze vorgâbe geben
ztschr. f. dt. alt. 1, 399, 49.
in diesem sinne ist das wort in der sprache der gegenwart hauptsächlich gebräuchlich, s. vorgeben; vorgaben
werden zugestanden bei wettlauf, wettrennen und spielen an einen schwächeren gegner: v. von zwölf bällen (
beim billard);
von hier aus wieder in freierer anwendung, vortheil, den man vor anderen voraus hat: ihr müsztet eifriger sein, um unsere (
der Engländer) himmlische v. und eure deutschen nachteile wettzumachen Hans Grimm
volk ohne raum (1928) 1, 591. 33)
erstmalige, vorausgereichte gabe: ich beschwichtigte sie (
kinder) mit einigen vorgaben des nachtisches Göthe 29, 55
W.; die erstlingsgaben des h. geistes, die vorgaben von der künftigen fülle Redenbacher
epistelpostille (1878) 273. 44) v. '
könnte auch das, was jemand vorgiebt, glauben machen will, das vorgeben bedeuten; wofür aber das vorgeben
gewöhnlicher ist. seiner v. nach' Campe;
in diesem sinne allerdings selten: die gränzscheidung zwischen erhaben und schön ist ... eine leere v. worden Hippel
kreuz- u. querzüge (1793
ff.) 2, 76; seine pietätslosigkeit mit der v. historischen interesses deckend Fontane I 1, 159. 55)
in der älteren sprache ohne diesen nebensinn, angabe, aussage, praepositio, vorschlag u. ä. (
s.fürgabe 1
oben th. 4, 1, 1,
sp. 729): furgab,
allegatio partium Haltaus 551; myt dussen artikeln unde voreghave scholden de gyldemester ... eyne ruggesprake holden
dt. städtechron. 16, 392 (
Braunschweig); propositio categorica, das ist eine solche v., die da frei gerade zu ... ist Wolfg. Bütner
dialectica teutsch (1588) 84
a. 66)
das was so angegeben, hingestellt wird, kann auch eine aufgabe, frage, rätsel sein (
auch in diesem sinne veraltet):
paradigma (
l. paranigma) furgab Diefenbach 411
c; vorgabe,
vraag, vraagstuk, opgaaf Kramer-Moerbeck (1768) 399
a; wann ich fähig bin, diese v. aufzulösen Schönaich
d. ganze ästhet. in einer nusz (1754) 132. 77)
in der sprache der bergleute diejenige gesteinsmasse, die mittels eines bohrloches losgesprengt werden soll Veith
bergwb. 547,
s. vorgeben 14.