-
grans,
m. : der vordere theil des schiffs,
prora, proda della nave Kramer 2 (1702), 1217
c;
prora vordergransen Diefenbach
gl. 466
c.
s.grans,
gransen Kluge
seemannsspr. 326.
vordergrund, m., eine bildung der neueren sprache, zuerst von Adelung
verzeichnet, vgl. vorgrund. aa)
im wirklichen raume der theil, der sich dem beschauer zunächst befindet: ich stand so, dasz das schlöszchen und der damm ... den linken v. machten Göthe III 2, 146
W.; im hintergrunde des saales standen wol zwanzig schiffer, im vordergrunde eine unverschämte italienische wirthin Laube
schr. (1875
ff.) 8, 249; (
der see ist) im v. tief smaragdgrün A. v. Droste-Hülshoff
br. an Louise Schücking (1893) 308; schoben dabei diese oder jene im hintertreffen stehende in den v. G. Keller (1889
ff.) 6, 19; mächtige vorstufen (
des gebirges) beherrschten den v. H. v. Barth
Kalkalpen (1874) 440. —
oft in anwendung auf den bühnenraum: der v. der schaubühne, die vorderbühne Adelung; (
zwei halbchöre,) welche zu gleicher zeit, von zwei entgegengesetzten seiten, der eine aus der tiefe, der andere aus dem v. eintreten Schiller 14, 20
G.; bei uns war es (
das schauspiel im Hamlet) dicht im v., rechts vom zuschauer Grabbe 4, 202
Bl.; im v. rechts steht ein kleines kanapee
M. v. Ebner-Eschenbach (1893
ff.) 4, 263. bb) v. eines gemäldes,
fr. le devant, der erste grund, der nächste theil an der grundlinie Jacobsson 4, 551
b;
auch bei einem perspectivisch gearbeiteten relief kann von einem v.
gesprochen werden. — weil aus einem so hohen gesichtspuncte besonders die figuren des vordergrundes von
oben herab sehr verkürzt und verschoben hätten erscheinen müssen Lessing 10, 259
M.; auf mehreren blättern war Mignon im vordergrunde, wie sie leibte und lebte, vorgestellt Göthe 24, 354
W.; man denke z. b. im landschaftbild an v., mittelgrund, hintergrund Vischer
ästhetik (1846
ff.) 3, 1, 51; es war nichts darauf zu sehen als ein begonnener v. mit je einem verwitterten fichtenbaume zu beiden seiten des künftigen bildes G. Keller (1889
ff.) 2, 263; im vordergrund sind zwei feine knaben Göthe 16, 53
W.; im bilde: bilder des glücks lächelten ihm schon winkend von ferne, und die drangsalen im vordergrunde erschreckten ihn nicht A. G. Meiszner
skizzen (1778
ff.) 3, 139; auch im bild der schönsten tage der menschheit stehen sarkophage, und leider oft im vordergrund Pfeffel
poet. versuche (1812
ff.) 3, 174. cc)
oft in übertragenem sinne: so verlor man sich in egyptische und indische fernen, da man das beste im vordergrunde ganz nahe hatte Göthe IV 29, 12
W.; glücklich die völker, in deren geschichte ein v. reicher sage steht Jac. Grimm
kl. schr. 5, 27; wie die Hellenen in ihrem kosmos nur vordergründe der natur erkannten und als wirklich anerkannten, ... so malten sie auch nur vordergründe Spengler
untergang d. abendl. (1918) 1, 206. — R.
M. Meyer (
zeitschr. f. d. wortf. 15, 131)
hat auf den verschlechterten sinn hingewiesen, den Nietzsche
dem worte giebt: was niedrig und v. an ihm ist 7, 261 (
gr. ausg.);
er bildet die herabsetzenden bezeichnungen vordergrundphilosophie 13, 82, vordergrundtugend 13, 45. dd)
besonders häufig ist die übertragene anwendung in gewissen verbindungen mit verben: im vordergrund
stehen: eine ehrgeizige, politische dame steht im vordergrunde (
eines romans) Schücking
bei A. v. Droste-Hülshoff
briefe (1893) 344; die wissenschaft stand im vordergrunde des geistigen lebens der völker Treitschke
hist. u. polit. aufsätze (1886
ff.) 1, 4; (
der) im vordergrunde stehende streit um die hegemonie in Deutschland Bismarck
ged. u. erinn. 1, 299
volksausg. — in den v.
stellen: (
es musz) mehr die faktische noth der tochter in den v. gestellt werden fürst Pückler
briefw. u. tageb. (1873) 8, 6; (
hatte ich) die ihm (
dem kaiser) mehr zugänglichen militärischen erwägungen in den v. gestellt Bismarck
a. a. o. 2, 48. — in den v.
treten: die handarbeit musz in den v. aller unserer politischen beziehungen treten Gutzkow
ritter v. geiste (1850
ff.) 1, 223; Clemens trat in den v., wodurch Traugott in den schatten gestellt ward Holtei
erz. schr. 25, 11; in manchen früheren variationen ... tritt die technik in den v. O. Jahn
Mozart 4, 12; für mich begann jetzt die frage in den v. zu treten, was an dem heutigen tage zu beginnen sei H. v. Barth
Kalkalpen (1874) 552. —
andere verbindungen: (
völkerbild,) von dem einzelne gruppen ... mit bestimmterer haltung den v. zu betreten beginnen Ritter
erdk. 1, 432; das baufach blieb für mich im vordergrunde Laube
schr. (1875
ff.) 1, 34; die grosze masse der unteren stände drängt sich zunächst in den v. Nitzsch
dtsche studien (1879) 22; Essex und Manchester ... traten zurück, Fairfax und Cromwell ... erschienen im v. Ranke
s. w. 2 16, 207; aber mehr als je hat sie (
rätsel des lebens) jetzt die wachsende verbreitung der naturerkenntnisz in den v. unserer betrachtungen gerückt Lotze
mikrokosmus (1856) 1, 27. ee)
von den zusammensetzungen mit v.
soll hier nur auf die der neusten sprache hingewiesen werden, in denen v.
in übertragenem und oft verschlechtertem sinne angewendet wird. Nietzsche
ist damit vorangegangen, s. oben unter c. O. Spengler
bildet z. b.