vorgrund,
m. ,
in dem sinne von vordergrund
seltener als dieses; 'vorgrund,
bey einigen, wie vordergrund' Adelung; Campe. 11)
im raume; hier ist zu beachten, dasz das wort in doppeltem sinne gebraucht wird, jenachdem die vorstellung von einem gegenstande zu dem was vorgelagert ist, oder vom beschauer aus über das vorgelagerte zu einem gegenstande gilt. in letzterem sinne fällt v.
seiner bedeutung nach mit vordergrund
zusammen, ist aber, wenigstens in der sprache der gegenwart, seltener als dieses. in der ersten bedeutung, wenn sie scharf vorgestellt wird, ist nur v.
am platze. 1@aa)
das ist der fall in technischer sprache: 'v.,
ein jeder grund, so vor einem deiche, wenigstens bey der ebbe, blosz läuft' Jacobsson
technol. wb. 4, 554
b; 'watt ...
ist der unbegrünte kahle v.,
welcher von der ebbe an bis auf die höchste fluth sich erstreckt' Benzler
lex. d. beym deichbau vork. kunstwörter (1792) 2, 273. — v.
eines flusses: und vor ihm die wasser besänftigend rettet er (
der fluszgott) ihn an des stroms vorgrund freundlich (
bei Homer aber: ἐς ποταμοῦ προχοάς) Voss
Od. 5, 453
B. (an das seichte gestade 1781); und an des stroms vorgrunde, des wirbelnden, ruht er bei jener (
ἐν προχοῇς ποταμοῦ) 11, 242 (im sand, an der mündung des wirbelnden stromes 1781); v.
des ufers: seelilien jezo durchgleitend, gelb von blumen und weisz, breitblätterig; jezo den vorgrund, wo hell muschel und kies aufschimmerten
ged. (1802) 1, 68.
vgl. noch folgende stellen, wo in anderer beziehung v.
vorgelagertes bezeichnet: anfänglich war der aufgang nicht sehr mühsam, weil der v. aus verschiedenen kleinen hügeln bestand G. Forster (1843) 2, 19; die duncklen mit fichten bewachsenen vorgründe (
des hochgebirges) Göthe III 1, 158
W.; bei der insel Erytheia, dem vorgrunde der Hesperiden Voss
antisymb. 1 (1824) 328; Thale, das am heraustritt der Bude aus dem gebirg in einem vorgrunde liegt Novalis 1, lxviii
Minor; üppige laubbäume biegen sich über den v. des Gavethales Laube (1875) 5, 21. — wie sie (
gelehrte) Dante im v. der hölle existiren läszt Schelling (1856) I 5, 301. 1@bb)
die vorstellung geht vom beschauer aus, das bildartige (
s. unter 2)
kann dabei leicht empfunden werden (einen v. bilden
u. ä.);
natürlich kann gleichzeitig auch die unter a
bezeichnete bedeutung mit vorliegen: rechts bildete die stadt, an die brücke sich anschlieszend einen tüchtigen v. Göthe 33, 176
W.; die hügel am Arno machen einen schönen v., und die gebürge steigen reihenweise hinter einander immer höher auf Heinse 7, 171
Sch.; die aussicht wird immer reizender. im vorgrunde die sonderbar gestalteten granitberge Ritter
erdk. (1822) 2, 831; das häuschen war zur küchenwerkstatt umgewandelt ... worden, während im vorgrunde die landleute beim frühstück schwelgten Holtei
erz. schr. (1861) 17, 44; ein grünumbuschter, groszer v., hinter ihm das braune ... meilenlange tal Gregorovius
wanderjahre in Italien 2 (1904) 57. der landschaft vorgrund ist bald dunkel und bald hell Brockes
ird. vergnügen in gott (1739) 1, 185; doch weit und breit erblick ich nichts poetisches, blosz dort im vorgrund eine schar von bestien Platen 2, 347
H. v.
mit hintergrund
zusammengestellt: für dich geschaart stehn engel im hintergrund und v. Rückert (1867) 11, 520;
ganz bildhaft: (
der mond) stand wie eine unaussprechliche entzückung höher in der nacht des himmels, aus dessen hintergrund in den v. gemalt Jean Paul 1, 343
H. 1@cc) v.
im bühnenraum: zweiter act. ein waldplatz von hohen eichen umgeben; links vom vorgrunde zieht sich eine felsenwand am hintergrunde herum Brentano (1852) 6, 95; Luther (im vorgrunde). Theobald (schreibend an einem tische)
Z. Werner
M. Luther (1807) 201; an einer kulisse des vorgrundes hängt ein verrosteter dolch in seiner scheide Grillparzer 4, 15
Cotta; in dem letzten aufzug bildete der v. der bühne den schloszaltar Grabbe 4, 231
Bl.; im v. ein groszer leichenstein O. Ludwig (1891) 3, 528. 22) v.
eines bildes, jetzt öfter vordergrund: im vorgrunde (
eines gemäldes) sasz zur linken die göttin (
Pallas) Neumark
neuspr. t. palmbaum (1668) 203; wo aber nebendinge mit der hauptsache gleich fleiszig ausgeführt werden, wie es die kräuter auf dem vorgrunde der verklärung Christi sind Winckelmann (1825) 1, 272; ein so abgenutztes (
hilfsmittel), als nur immer der gebrauch der maler sein kann, einen starken v. zu machen, damit die übrigen gegenstände des gemäldes besser zurückweichen Lessing 11, 292
Petersen; bei der mutter, etwas im vorgrunde, um durch ihren schatten die lichte hauptfigur der Andromache zu heben, steht die amme Sturz (1779) 1, 36; auf dem kupferstich ... sieht man im vorgrunde einen vogel, der vermuthlich einen falken vorstellen soll G. Forster (1843) 2, 379; dergleichen setzt der landschafter in den v. hin A. W. Schlegel 9, 19
B.; ganz besonders spricht sich die flüchtigkeit in der behandlung der armen natur in den vorgründen vieler landschaften aus Roszmäszler
d. wald (1863) 53. —
an einem relief: im v. sizet das glück Schiller 2, 387
G. 33)
von der vorstellung des vorgrundes
eines gemäldes, doch auch von der unter 1, a
und b
dargestellten bedeutung geht dann ein bildlicher und übertragener gebrauch des wortes aus; so erscheint es oft bei Herder
und Jean Paul: das bisher entworfene gemälde der nationen soll nichts als der v. seyn, über welchem wir einige bemerkungen weiter auszeichnen Herder 13, 253
S.; wer sich, bei Milton z. b., im vorgrunde seines gedichts, in der hölle verweilt 22, 274; dem vorgrunde und dem ersten aufrisz nach mehr eine nacheifrung Miltons als unmittelbarer einhauch der offenbahrung (
Klopstocks Messias) 5, 259;
mit festhaltung der bildvorstellung: das für uns veränderte gemälde, von dem wir dazu nur einen v. übersehen können und sollen, hängt ihm (
gott) allein im lichte 5, 454;
ebenso: bei ihm (
Vergil) ist also das hölzerne pferd die gröszte figur auf dem vorgrunde seines gemäldes Möser (1842) 5, 30; hier auf dem v. einer hellen, warmen jugend Jean Paul (1826) 9, 159; dasz dieser erdball blos die vorstadt und der v. eines bessern planeten wäre 15, 14; der ganze tag, obgleich mitten im februar, war ein vorsabbath des frühlings, dessen glänzender v. oft der kothmonat ist 18, 10; deine erste druckseite ... diesen everdingschen v. eines langen, herrlichen schreiblebens 54, 122; das bestreben ist das abc zur that, der v. derselben
lit. nachlasz 4, 22; etwa ein paar gestalten zum vorgrunde (
im Wilhelm Meister)
Athenäum (1798) 1, 2, 163; sagen von dem unermeszlichen reichthume an gediegenem metall und edlen erzen bilden den v. dieser geschichte Steffens
was ich erlebte (1841) 4, 224; sie scheiterten nach meiner meinung daran, dasz sie den hintergrund zum v. (
im drama) machten Hebbel
br. 4, 337
W. —
in besonderer wendung: aber Waldemars durchdringender blick haftete doch am vorgrunde nur der zeiten Dahlmann
gesch. v. Dännemark 1, 495. 44)
wie vordergrund (
s. dieses sp. 963
unter d)
in gewissen verbindungen mit verben: aller dieser nur halb zur sache gehörigen, von professor Heiberg aber in den v.
gerückten dinge Hebbel
w. 11, 24
W. — in den zeiten, wo die künstelnde poesie der rittersleute ihre mariengesänge in den v.
schob Gervinus
gesch. d. dt. dicht. (1853) 3, 12; dasz männer überhaupt ihre kraft gern in den v. schieben Gutzkow (1872) 5, 282. — die wenigen thatsachen, die er (
Johannes) im ersten theil seines evangeliums anführet,
stehen bei ihm blos im vorgrunde, um reden und wahrheiten vorzubereiten Herder 19, 305
S.; Schweden und Frankreich standen habgierig mit unverschämten forderungen im v. Hebbel
w. 9, 213
W. — es war auf ein familienstück abgesehen, dasz sich plötzlich, als Posa in den v.
trat, in ein historisches im gröszeren stile verwandelte Gervinus
gesch. d. dt. dicht. (1853) 5, 142; die intrigue ist wiederum nicht so gefaszt, dasz sie ... in den v. unsers interesses treten könnte O. Ludwig (1891) 5, 319. —
in freier verbindung: dasz die grosze welt die zeit nicht erwarten kann, sie im vorgrunde zu erblicken Gutzkow
ritter v. geiste (1850) 5, 354. 55)
als erstes glied von zusammensetzungen: ihr knausernder vater hatte ihr freilich nur die