vorbeugen,
verb. ,
in älterer sprache auch fürbeugen,
erst spät in den wörterbüchern verzeichnet: vorbeugen Schottel
haubtspr. 653
b; einem ubel oder unheil bey zeiten v. Kramer
teutsch-ital. dict. 1 (1700), 96
c; Spanutius (1720) 399; 353; Adelung; Campe.
älter fürbeugen: der beugt dem tode für und bringt sich selber um Opitz (1645) 3, 315. 11)
in eigentlicher bedeutung, vor-
im sinne von vorwärts, nach vorn: den leib ein wenig v. Adelung; beugte seine linke schulter vor Bode
Tristram Schandi (1774) 2, 48; vor allem das compliment gerade — etwas auf den linken schenkel vorgebeugt Meisl
theatr. quodlibet (1820ff.) 2, 128; mit vorgebeugtem kopf stand sie der jungfrau gegenüber Freytag
w. (1886ff.) 5, 167; so wie die kluge gansz, wann sie der zorn beweget, den vorgebeugten halsz von allen seiten reget Pietsch
geb. schr. (1740) 289; hurrah, Germania! wie kühn mit vorgebeugtem leib am Rheine stehst du da Freiligrath
dicht. (1870) 4, 65.
im bilde: (
der Rhein) ist ein vorgebeugtes knie, das Frankreich, wann es ihm gefällt, auf Deutschlands nacken setzen ... kann Arndt
schr. f. u. an s. l. Deutschen (1845
ff.) 2, 30. — vorgebeugte haltung, sich vorgebeugt halten; weit, etwas vorgebeugt; vorgebeugt sitzen, stehen, lauschen
u. ä.; regungslos, gekreuzt die hände, vorgebeugt in tiefem sinnen
F. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 153.
reflexiv: während er sich über den tisch hin vorbeugte Fontane
w. I 4, 250;
beim flectierten infin. ohne sich: beim v. verlor er den stock. 22)
in übertragener anwendung, bewirken, dasz etwas nicht eintritt, dasz etwas abgewehrt, vermieden wird; die zu grunde liegende räumliche anschauung, die ganz verblaszt, ist die gleiche wie bei vorbauen;
gewöhnlich wird v.
in diesem sinne mit dem dativ verbunden, lässig: ein arzt, der einen schaden vorbeugt Hippel
lebensläufe (1878ff.) 3, 1, 402.
eigenthümlich: vürboi det pard,
mache, dasz du auf einem umwege vor dasselbe kommst, beug ihm vor K. Chr. L. Schmidt
Westerwald 316 (
s. u. 2 c);
in gleichem sinne wie v.
wurde früher auch vorbiegen
gebraucht, s. dieses. selten wird v.
unmittelbar mit einem abhängigen satze verbunden: es wird dadurch nur vorgebeugt, dasz es einen nicht wundere, wenn man eine übereinstimmung zwischen beyden sprachen suchet
d. neueste aus d. anm. gelehrs. (1751
ff.) 1, 188; haben ew. hochwohlgeb. die güte eiligst vorzubeugen, dasz über H. B. reisejournal nicht disponirt werde Göthe
w. IV 41, 187
W. wird zu v.
ein dem
gesetzt, so wird der nebensatz positiv gefaszt: es war dem vorgebeugt, dasz die verhandlung sich zu sehr in die länge ziehen könnte. 2@aa)
ohne dativ: darumb beugete sie alsobald bey dem vater vor
d. polit. maulaffe (1679) 4; dahero man hiermit v. wollte Arnold
unpart. kirch. u. ketzerhist. (1699) 95
a; sie verstand aber sehr geschickt vorzubeugen durch die wahl ihrer costüme
jahrb. d. Grillparzerges. 8, 191 (Minor); für die zukunft wollen wir v., und die sache ist abgethan Bauernfeld
schr. (1871) 4, 65. —
das part. präs.: da spricht W. vorbeugend davon, wie kümmerlich es den bauern noch immer gehe Blunck
d. weibsmühle (1927) 234; vorbeugende mittel, maszregeln
u. ä. 2@bb)
gewöhnlich bezeichnet der bei v.
stehende dativ etwas unpersönliches und unsinnliches: wiltu ungeschlagen sein, vielem unglück v. und groszer gefahr entgehen Pape
bettel u. garteteuffel (1586) A a 3
b; (
er hat) der hungersnoth vorgebeuget Dannhauer
catechismusmilch (1657) 5, 751; diesen beiden übeln vorzubeugen A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 454; um künfftiger zwytracht vorzubeugen Lohenstein
Arminius (1689ff.) 1, 141
b; mancherley kranckheiten vorzubeugen v. Fleming
d. vollk. t. soldat (1726) 341; diesem übelstande soll die xii. regel v. Gottsched
d. sprachk. (1748) 48; um auf immer allen einwendungen vorzubeugen Herder
w. 5, 90
S.; ich eile der verzweiflung vorzubeugen, der sie nahe sind Hermes
Sophiens reise (1769
ff.) 1, 81; einem gröszern verlust mit einem kleineren vorzubeugen Göthe
w. 39, 81
W.; ich rette vielleicht ihr leben, da ich diesem unseligen duell vorbeuge Schiller
schr. 14, 172
G.; auch der bloszen möglichkeit eines sturms vorzubeugen Fontane
w. I 5, 28; und hat gebet nicht die zwiefache kraft, dem falle vorzubeugen (
to be forestalled ere we come to fall)
Shakespeare Hamlet 3, 3.
doch auch mit dem dat., der etwas gegenständliches bezeichnet: solcher gestalt würde vielen garstigen schrifften ... vorgebeuget Happel
akad. roman (1690) 909; ich will damit nur andern übersetzungen ... v.
J. u. W. Grimm
briefw. (1881) 193. —
im allgemeinen werden wendungen als härter empfunden, bei denen der dativ etwas nicht an sich mindestens widerstrebendes, hinderndes bezeichnet: (
Moses) zählet gar keine epochen dieser art und hat um ihnen vorzubeugen ... Herder
w. 13, 429
S.; ich suche dem gesange oft vorzubeugen A. v. Droste-Hülshoff
w. 2, 331
Cotta. 2@cc)
selten wird mit dem dativ etwas persönliches bezeichnet; in älterer sprache kann dann die räumliche bedeutung hervortreten, den weg versperren, aufhalten, entgegentreten u. ä.: unterdesz weisz ... B. den kärrnern vorzubeugen, sprenget sie in einem holz an Schweinichen
denkw. 126
Ö.; da ihm aber kundschafft ward eingebracht, dasz sie mechlich wider nach hause zögen, beugete er ihnen vor Schütz
historia rer. prussic. buch ii, o 4
a; hatte der feind sich aus allen quartieren ... zusammengezogen und ihm vorgebeuget Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653), 958. er treibt, er feurt mich an dem feinde vorzubeugen Pietsch
geb. schr. (1740) 7.
übertragen: aber sein gegentheil (
in der rechtssache) hatte ihm allenthalben vorgebeugt und zugeheckt Kirchhof
wendunm. 2, 412
Ö. 33)
mit dem verbum zusammengesetzt sind wörter wie vorbeugemaszregel, -mittel. —
vom verbum abgeleitet vorbeuger, m.: der runde und der viereckige v.,
muskeln am arm Blancard
arzeneywb. (1788) 2, 621
a.
vorbeugung, f., in eigentlicher und übertragener bedeutung: ob die fische da oder dort mit gelinder v. zu berücken
allgem. haushalt.-lex. (1749
ff.) 2, 454
a; alles fleisch ... verbot er, auch allen wein, auszer zur v.
allg. d. bibl. 6, 70; v. des unterschleifs Ritter
erdk. (1822ff.) 6, 156. —
hierzu zusammensetzungen, z. b.