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vlies

mhd. bis Lex. · 9 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

vlies n.

Bd. 26, Sp. 388
vlies, vliesz, n. (m.), schaffell; nur westgerm. formen sind bekannt: ags. fléos, n. Bosworth - Toller 292a (engl. fleece); daneben ein flýs, n. 296a; mnld. vlies, daneben vlues, vluus, vluys, vluesch Verwijs-Verdam 9, 631; nld. vlies, dial. vluus; mnd. vlûs, vlûsch Schiller-Lübben 5, 289a; mhd. vlies ist nicht belegt, dagegen vlius Jenaer liederhdschr. 1, 89a, vlus bei Albrecht v. Halberstadt nach Bartsch, vlûs (: klûs) Brun v. Schonebeck 3876, s. mhd. wb. 3, 341a, Lexer mhd. hdwb. 3, 403; vellus, ein flusz woln, vlus, flus, fluys, fluesz Diefenbach glossar 609c; fleisz, flusz, vlus, vlüs nov. gloss. 378a; vlûs setzt sich im nhd. flaus fort (th. 3, sp. 1737). die nhd. wörterbücher verzeichnen das wort nicht, Heyne belegt es aus Rädlein europ. sprachschatz 1711 (gülden flüsz oder fliesz); vlies Wachter 1789; Adelung schreibt fliesz, als name des ordens goldnes vliesz, ebenso Campe. die form vleus (mhd. vlius) belegt Weigand wb. 5 2, 1178 aus Rollenhagen (froschm. 1, 2, 16, 161). die schreibung mit v wurde aus etymol. grunde vertheidigt: vliesz ... vom lat. vellus: also der herleitung nach besser, als fliesz Braun d. orthograph. wörterb. (1793) 289b. im auslaut wäre s die natürliche schreibung, doch spricht man tonloses s in vliesze, vlieszes. 11) das wort, seit dem 16. jh. in der litteratur bezeugt, gehört im hochd. durchaus der gebildeten sprache an, in den hd. mundarten scheint es nicht erhalten zu sein. da die älteren belege sich ausschlieszlich auf die antike sage oder den spanischen orden beziehen, ist anzunehmen, dasz vliesz ein lehnwort aus dem nld. ist, denn dort, in Brügge, wurde der orden 1429 gestiftet, und toison de oro, aureum vellus wurde also zunächst ins nld. übersetzt. die form mit ü ist im hochd. als gerundet aufzufassen. 22) das goldene vliesz der Argonautensage, in neuerer zeit besonders gern symbolisch für ein ziel höchsten strebens, das jeder anstrengung und jeden opfers werth ist: des drachen, der das gölderne flisz verwachet hat discourse der mahlern 2, 75; da jetzt ein andres vliesz zu erobern, ein andres Troja zu zerstören ist Herder 22, 151 S.; schade, dasz sie der drache sind, der dies güldene vliesz (ein mädchen) bewahren soll neue schauspiele (Preszburg - Leipzig 1771 ff.) 7, 2, 4; tausend und abermal tausend seegel fliegen ausgespannt, ... dieses goldene vliesz (weisheit, glückseligkeit) zu erobern Schiller 2, 352 G.; diesen (den drachen) hat Medea eingeschläfert, und das goldene vliesz war erobert Göthe 49, 1, 101 W.; Grillparzer, das goldene vliesz. dramatisches gedicht in drei abteilungen. Wien 1822; als er verstundt Jasons beger, das er suchet das gülden flisz Wickram 7, 303 lit. ver.; der schäfer (= Schöffer) ausz eim Jasons mut brachts gulden vlüsz (die buchdruckerkunst) erwünscht Fischart Garg. 443 ndr.; (Jason) als ihn das güldne vliesz nach Colchos hingetrieben B. Neukirch ged. (1744) 116; der wissenschaften flor, des handels goldnes vliesz Gottsched neueste ged. (1750) 4; die gold'ne ehre. der heilige schatz, dies vliesz der tapfern herzen Immermann w. 16, 502 Hempel. im schönen bilde: ihr sonnig haar wallt um die schläf' ihr, wie ein goldnes vliesz (golden fleece). zu Kolchos strande macht es Belmonts sitz, und mancher Jason kommt, bemüht um sie Shakespeare, kaufm. v. Venedig 1, 1. materiell gewendet, schaffell nutzbringend: volk! dein goldenes vliesz nur zieht in der wage des fürsten: und er veredelt das schaf, wenn ihm die wolle zu schlecht Herwegh ged. eines lebendigen (1843) 101. obscön: das güldne vliesz davon bringen, die jungfrauschaft rauben Celander d. verliebte student (1713) 1, 104. goldnes vlies als wams (flaus), s. unten: sag engel Johannes, welch röcklein ist dies? dem himmlischen kaiser sein goldnes vlies Brentano schr. (1852) 4, 117. im bilde für den weichen glanz des mondes: dann ist's derselbe mond, der rings das pflaster weich überdeckt mit seinem goldnen vliesz moderne dichtercharactere (1885) 142. 33) der spanische und österreichische orden vom goldnen vliesz: grosz herren mit guldin vlieszen hettent all ihrn muth verloren hist. volksl. (1532) 4, 49 Liliencron; st. Jacobs ordens, so nach dem güldinen flüss in Spanien der vornembste ist Moscherosch ges. (1650) 2, 7; ihme dann auch der könig in Spanien das güldene fliess übersandt Birken d. vermehrte donaustrand (1684) 222; sein niederländischer adel und sein golden vliesz vor der brust stärken sein vertrauen Göthe 8, 192 W.; der orden des goldnen vlieszes an reich mit edelsteinen verzierter kette Fr. Schlegel w. (1846) 6, 163. ungewöhnlich als m.: das juramentum aurei velleris, welches ein jeder, der den guldenen fliesz empfehet, leisten muste verhandl. d. schles. fürsten u. stände 2, 357. 44) in allgemeiner bedeutung: 'ein mit seiner wolle versehenes fell' Adelung; zunächst das schaffell. in dieser bedeutung ist das wort erst seit dem 18. jh. lebendig, zunächst in gebildeter sprache; es bürgert sich fest ein, gegenüber fell mit stärkerer betonung des wolligen. im engeren sinne kann es die mit wolle bedeckte seite oder diese selbst bezeichnen: wenn sie (die schafe) mit den weissen vlieszen (: wiesen) an ein hochroth kraut gestrichen Triller poet. betrachtungen (1750) 1, 629; ehmals sah er die felder mit weiszem glanze beworfen von dem vliesse der wollenheerden Bodmer Noah 1, 75; seine widder waren sehr feist, dickbuschichter vliesze (δασύμαλλοι) Voss Od. 9, 425 Bernays; gäb auf den weg rahmkäs' und ein gezotteltes vliess ged. (1802) 1, 138; in seinem winterkleide aus hammelpelzen, das vlies nach innen gekehrt Ritter erdkunde (1822) 3, 611; einen mit zottigem vliesz bedeckten leib Immermann w. 2, 75 Hempel; haartreue wolle ... alles im vliesz gewaschen Auerbach schr. (1892) 12, 12; bei der beurtheilung des werthes eines vlieszes Schwerz prakt. ackerbau (1882) 658; das ganze thier (schaf) klein, während das vliesz eher besser wird Ratzel völkerk. (1885) 3, 355. fell im allgemeinen: wo des bauches weiches vliesz den scharfen bissen blösze liesz Schiller kampf mit dem drachen; er (der uhu) packte sie (die fledermaus) so fest am vliesz Pfeffel poet. versuche (1812) 3, 188; schon liesz der wolf im garne ein blutig stück vom vlies Geibel werke 3 4, 250. sehr kühn von zottigem barthaar: ries'le woge, sand und kies in des bartes zottig vliesz Droste-Hülshoff w. 1, 193 Schücking. 55) statt des gewöhnlicheren flaus, pelzrock, dicker zottiger rock: dort! wie fürchterlich! ein riese steht in Faustens altem vliesze Göthe 15, 92 W. 66) zusammensetzungen:
6553 Zeichen · 119 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    VLIESstn.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +4 Parallelbelege

    VLIES stn. vellus dicitur corium ovis vel arietis cum pilis. ipsa et lana vel flocculus lanae dicitur vellus s. vlus Con…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    vliesn.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +1 Parallelbeleg

    vlies , vliesz , n. ( m. ), schaffell; nur westgerm. formen sind bekannt: ags. fléos, n. Bosworth - Toller 292 a ( engl.…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Vlies

    Goethe-Wörterbuch

    Vlies [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Vlies

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Vlies , Schaffell mit der Wolle, auch die abgeschorene, aber noch im natürlichen Zusammenhang befindliche Wolle; in der …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit vlies

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vlies‑ als Erstglied (10 von 10)

Vliessingen

Wander

vliess·ingen

Vliessingen Vliessingen ist der Schlüssel zu Niederland. – Hesekiel, 56.

vlieszbanner

DWB

vlieszbanner , m. : Jason mit dem vliesz-banner steigt auch herauf Grillparzer w. 5, 115 Cotta, s. vliesz 2. —

vlieszigel

DWB

vlies·zigel

vlieszigel , m. , proechidna villosissima Brehm tierleben 3, 719 Pechuel-Lösche, von seinem wollkleid. —

vlieszlamm

DWB

vlieszlamm , n. : das vlieszlamm auf der brust Görres schr. (1854) 5, 160 , der orden des goldnen vlieszes, s. vliesz 3. —

vlieszmoos

DWB

vlieszmoos , n. , lichen velleus Nemnich, s. vliesz 4. —

vlieszritter

DWB

vlieszritter , m. , ritter des goldnen vlieszes (vliesz 3) Jean Paul w. 15/18, 110 Hempel; der östreichischen goldnen vlieszritterschaft 337…

vlieszwäsche

DWB

vlieszwäsche , f. : pelz- oder vlieszwäsche Schwerz prakt. ackerbau (1882) 853 . vliesz: wilde vliesz, cornus sanguinea Nemnich ( hartriegel…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „vlies". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 10. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/vlies/dwb?formid=V09327
MLA
Cotta, Marcel. „vlies". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/vlies/dwb?formid=V09327. Abgerufen 10. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „vlies". lautwandel.de. Zugegriffen 10. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/vlies/dwb?formid=V09327.
BibTeX
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