Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
Vielfraß m.
Vielfraß m.
Vielfraß m. ‘wer unmäßig viel ißt’, ahd. filufrāʒ (11. Jh., auch filufreʒʒo, 10. Jh.), frühnhd. vilfraß ‘gefräßiger Mensch, Fresser, Schlemmer’, auch ‘Hyäne’; gebildet zu ahd. frāʒ m. (10. Jh.), mhd. vrāʒ ‘Fresser’ (s. fressen und viel). Vielfraß als die im 15. Jh. aufkommende Bezeichnung für das im hohen Norden lebende, wegen seines Fells geschätzte marderartige Raubtier geht zurück auf (allerdings erst später bezeugtes) norw. (älter) fjeldfross ‘Bergkater’; zum Bestimmungswort vgl. norw. fjell, anord. fjall ‘Fels, Berg’ (s. Fels); das Grundwort beruht auf norw. (mundartlich) fross ‘Kater’, einer Ablautform zu gleichbed. schwed. (mundartlich) fress, anord. fress ‘Kater, Bär’. Hanseatische Pelzhändler bilden das norw. Wort volksetymologisch um zu mnd. veelvratz (Reinke de Vos, 1498), villevrās, vēlevrās, -vrāt ‘Vielfraß’. In diesen Formen wandert der Name zurück und wird zu norw. fjeldfras, schwed. filfras, dän. (älter) felfraads. Nl. veelvraat (19. Jh.) ist aus dem Dt. entlehnt. Berichte von der Gefräßigkeit des Tieres sind aus dem Namen entstanden; auch zoolog.-lat. Gulo (1780; nach lat. gulo ‘Schlemmer’) wird in Anlehnung an den umgedeuteten dt. Ausdruck gebildet.